Blog Kas Tatsachenbericht

Wenn dein Bücherregal plötzlich ein Quantenchaos wird…

  • 4. April 2026

„Heute räum ich mein Bücherregal auf … dachte ich. Zwei Stunden später sitze ich zwischen Ramstein-Tickets, gepressten Blumen und literarischem Staub, frage mich, ob ich Bücher jemals gelesen habe, und verliere mich in Erinnerungen.
Willkommen in meinem Schrödinger-Regal: Alles gleichzeitig gelesen und ungelesen. Lust auf eine Reise durchs Regal?“

Geneigte Lesende,

ich weiß ja nicht, ob es euch auch so geht, doch bei mir gibt es diese Tage, an denen man aufsteht und sich denkt: Heute bin ich ein erwachsener, strukturierter Mensch. Heute räume ich auf. Und dann steht man vor dem Bücherregal. Ihr wisst schon, dieses eine, das nicht einfach ein Regal ist, sondern eher ein dreidimensionales SUBsi-Lou-Biotop, mit Büchern vorne, dahinter, oben drauf und vermutlich noch einer geheimen Parallelreihe in einer anderen Dimension. Anders kann ich mir nicht vorstellen, wie so viele Bücher in ein verdammtes Regal passen. *hihi* Doch dann geht’s so richtig ab:

Wenn dein Bücherregal plötzlich ein Quantenchaos wird…
Oh, du alter Bekannter, schön dich wiederzusehen. Yummi!
Ich spreche nicht von den dicken Wälzern über Gotik, Romanik oder Ägypten, die allerdings auch verdammt yummi sind!
Ich spreche gerade von „Brothers Keeper“. Lust auf mehr Input? 👉 Hier geht’s zur Rezension von Catalina Cudds ‚Bullhead MC‘.“

 

Phase 1: Die archäologische Ausgrabung
Ich stand also da, bewaffnet mit einem Staubwedel und meiner naiven Überzeugung, das Ganze würde höchstens eine halbe Stunde dauern. Spoiler: Es waren keine 30 Minuten. Es war eine Expedition und begann tutto completo harmlos. Ein erster Wisch, ein tiefer Atemzug, und dann explodiert eine Staubwolke, die wahrscheinlich noch aus der Regency-Ära stammt und sich entscheidet, direkt meine Nase zu besiedeln. *hatschiii* Ich ziehe das erste Buch heraus, nur um „mal schnell drunter zu wischen“, und in genau diesem Moment fällt mir eine alte Eintrittskarte zu einem Ramstein-Konzert anno dazumal in Prag entgegen. Oder diese gepresste Blume, die eindeutig mehr Drama erlebt hat als die Protas des Buches, in dem die Blume verharrte. Ab da ist mir sowas von klar: Ich putze hier nicht, ich grabe. Archäologie, allerdings mit mehr Staubmäusen und weniger wissenschaftlicher Würde. Wusstet Ihr eigentlich, dass ich als Kind Archäologin werden wollte? Nein? Nun gut, nun wisst ihr`s! *kichert*

Wenn dein Bücherregal plötzlich ein Quantenchaos wird…
Wenn Bücher ihre Höhenangst überwinden, ab ins Regal.

 

Phase 2: Das Schrödinger-Regal
Solange ein Regal unangetastet bleibt, gilt ein sehr beruhigendes Gesetz: Alle Bücher darin sind gleichzeitig gelesen, ungelesen, geliebt und völlig vergessen. Eine Art literarischer Schrödinger-Zustand. Doch sobald man anfängt abzustauben, kollabiert diese Illusion mit einem leisen, aber sehr unangenehmen „Oh“. Plötzlich hält man ein Buch in der Hand und fragt sich ernsthaft, ob man es jemals gelesen hat oder ob man nur sehr fest daran geglaubt hat, es irgendwann zu tun. Es ist der Moment, in dem man kurz über sein Leben nachdenkt und sich dann entscheidet, diese Gedanken schnell wieder wegzuwischen, zusammen mit dem Staub.

Aber bevor wir weiterwischen *sich eine staubfluse aus dem haar zupft* lasst mich kurz von meinem Schrödinger-Moment erzählen. Mein „Schrödinger- Regal“ bezieht sich auf ein Gedankenexperiment des Physikers Erwin Schrödinger, nicht, dass ich hier flexen will. Mein … ähm … Abstaub-Arrangement mit dem Bücherregal *hust* hat mich einfach an Schrödinger erinnert. Der hat sich anno dazumal nämlich gefragt, wie verrückt die Quantenphysik eigentlich ist, und sich dafür eine ziemlich absurde Situation ausgedacht: eine Katze in einer geschlossenen Box. Laut Quantenmechanik wäre diese Katze gleichzeitig lebendig und tot, solange niemand die Box öffnet und nachschaut. Logisch soweit, denn erst in dem Moment, in dem man hineinsieht, „entscheidet“ sich der Zustand.

Klingt trotzdem komplett bescheuert? War auch genau so gedacht *hahaha*. Schrödinger wollte nämlich damit zeigen, wie seltsam diese Theorie ist. Und genau daher kommt mein „Schrödinger-Regal“, denn:
Solange ihr eure Bücherregale nicht anfasst, sind alle Bücher gleichzeitig gelesen und ungelesen, geliebt und vergessen. Erst wenn ihr eines herauszieht und reinschaut, „entscheidet“ sich die Realität. Und plötzlich merkt ihr: AHA!!! Dieses Buch kenne ich … oder eben absolut nicht.

Kurz gesagt: Mein Bücherregal, eure Bücherregale sind kleine quantenphysikalische Chaos-Systeme. Nur mit mehr Drama Baby, und weniger Mathematik. Und wenn ihr neben dem Gedankenexperiment von Schrödinger auch noch wissen wollt, wo Geschichten wirklich entstehen, nämlich im Kopf, einfach  👉 meinen Blogbeitrag dazu zu lesen.

Wenn dein Bücherregal plötzlich ein Quantenchaos wird…
Regenbogen? Fehlanzeige. Aber hey, Chaos sieht auch hübsch aus.

 

Phase 3: „Ich lese nur kurz rein“
Und dann kommt er, der gefährlichste Satz überhaupt: Ich lese nur kurz rein. Nur eine Seite. Nur um zu schauen, ob es noch so gut ist wie damals. Es ist eine Lüge. Eine wunderschöne, warme, heimtückische Lüge. Denn kaum liest man die ersten Sätze, passiert etwas Seltsames. Das Gehirn schaltet um, die Welt wird leiser, und plötzlich ist man wieder genau dort, wo man damals war, als man dieses Buch zum ersten Mal gelesen hat. Man kennt die Stimmen, die Gerüche, die Orte. Es ist, als würde man eine alte, vertraute Decke über die Schultern legen. *herzchen in den augen hat* Der Staubwedel existiert nicht mehr, die Zeit auch nicht, und sechzig Minuten später sitzt man auf dem Boden, umgeben von Büchern, Fantasien irgendwo zwischen Kapitel drei und einer emotionalen Krise.

Manchmal wird aus dem „Ich lese nur kurz rein“, ein waschechtes Re-Reading. Genaueres gibt es im Blog unter 👉 Was hat Regalaufräumen mit Re-Reading zu tun?  Und wer gleich wissen möchte, was ich damals re-readed habe, landet bei meiner Rezension des Historicals 👉 „Skandal im Bett der Gouvernante“ von Jillian Hunter

Wenn dein Bücherregal plötzlich ein Quantenchaos wird…
Diese Bücher schreien förmlich, hey, erinnerst du dich an uns!? Ja, und wie!

 

Phase 4: Der Größenwahn
Irgendwann, meist nach der dritten nostalgischen Eskalation, setzt der Größenwahn ein. Wenn ich schon dabei bin, kann ich ja auch gleich neu sortieren. Nach Farben, weil das hübsch aussieht, bis man merkt, dass die geliebte Dark Romance jetzt neben einem Backbuch steht und beide sich innerlich anschweigen. Alphabetisch, bis man bei Autorennamen landet, die man weder aussprechen noch korrekt einsortieren kann. Nach Genre, was spätestens dann scheitert, wenn ein Buch sich hartnäckig weigert, sich in nur eine Schublade stecken zu lassen. Am Ende hat man mehr Chaos als vorher, und letztendlich räumt man sie wieder irgendwie ein. *selbstironisch mit den augen rollt*

Wenn dein Bücherregal plötzlich ein Quantenchaos wird…
Wenn ein Regal nicht reicht, stapeln wir dreifach. Multi Level Reading.

 

Phase 5: Die Schreckmomente
Zwischendurch gibt es diese kleinen Schreckmomente, in denen man realisiert, dass ein feuchtes Tuch und empfindliche Buchrücken keine gute Kombination sind oder dass ein wackelnder Bücherstapel nur darauf wartet, seinen großen dramatischen Auftritt zu haben. Abstauben ist manchmal weniger Hausarbeit als vielmehr Extremsport mit literarischem Risiko.

Wenn dein Bücherregal plötzlich ein Quantenchaos wird…
Der Klassiker: Abstauben erledigt, Chaos bleibt.

 

Phase 6: Das große Finale
Und dann, irgendwann, wenn das Licht schon langsam schummrig wird und man selbst ein bisschen wie ein eingestaubtes Fossil wirkt, tritt man einen Schritt zurück. Die Bücher stehen wieder im Regal, sauber, ordentlich (naja, man tut, was man kann) , als hätten sie nur darauf gewartet, wieder genauer angesehen zu werden. Man atmet tief ein und denkt sich: Die anderen Zimmer sind mir gerade sowas von scheißegal. Denn das hier war mehr als Putzen. Es war eine Reise. Eine durch Geschichten und alte Erinnerungen. Und während man das letzte Buch zurückstellt, streicht man vielleicht noch einmal über den Einband und denkt sich: Dich lese ich bald nochmal. Wirklich. Ganz bestimmt. Wahrscheinlich. Vielleicht. Und irgendwo in der Ecke stapeln sich Staubmäuse und du weißt ganz genau, dass es beim nächsten Mal wieder genauso laufen wird.

Und ganz ehrlich, geneigte Lesende: Wenn Chaos so gut nach Büchern, Erinnerungen und Geschichten duftet, dann darf es ruhig ein kleines bisschen bleiben. Spätestens bis zum nächsten Regal-Abstauben. *schrööödingeeer!!! ich kommeee*

Übrigens, falls ihr denkt, die Bilder hier seien alle Regale aus dem Büro, dem ist nicht so. Was ihr seht, ist ein Teil des literarischen Bergs. Selbst wenn ich wirklich jedes Regal dort abgebildet hätte, wäre das immer noch nur ein Auszug von dem Bücher-Multiversum, das sich vom 1. Stock bis in den Keller erstreckt. Überall lauern Subdimensionen, Parallelstapel und geheime Lesewelten, die nur darauf warten, entdeckt … besser gesagt abgestaubt zu werden. *was von mamutaufgabe vor sich hin murmelt*

Ka

P.S. Habt ihr Lust auf SUBsi-Lou, die mythische Entität der ungelesenen Bücher? Ja? Hier geht`s lang zu 👉 Vorsicht, SUBsi-Lou ist unterwegs!
oder lieber zu 👉 Seiten. Unheilvoll. Beschworen: Ein Gespräch mit SUBsi-Lou    Egal wohin der Klick euch auch führen mag, ich wünsche euch viel Spaß beim Stöbern. *ggg*

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