„Zarte Flügelchen, liebliche Wesen und eine Prise Glitzerstaub? Pustekuchen!
Zwischen alten Überlieferungen, Seelie und Unseelie tummeln sich heute Fae, bei denen selbst der bravste Romance-Leser schwach werden könnte.
Begeben wir uns auf Spurensuche – nach Feen, gefährlich guten Buchmännern und dem verdammt noch mal verschwundenen Glitzerstaub.“
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Geneigte Lesende,
Fee, Fae, Fair Folk, Aos Sí … wer sich einmal auf die Spur dieser Wesen begibt, merkt ziemlich schnell: Mit zarten Flügelchen und Glitzerstaub ist es nicht getan. Schon bei der Frage, woher unsere Feen eigentlich kommen, wird es kompliziert. Besonders eng verbinden wir sie heute mit dem keltischen, vor allem irischen und schottischen Volksglauben. Dort begegnen uns beispielsweise die Aos Sí – übernatürliche Wesen, deren Bezeichnung mit den sagenhaften Hügeln beziehungsweise Feenhügeln, den sí, verbunden ist.
Und woher kommt unsere Bezeichnung „Fee“? Auch da müssen wir ein bisschen in der Sprachgeschichte buddeln. Über das französische fée beziehungsweise ältere Formen wie fae führt die Spur letztlich zum lateinischen fata und damit zu den Schicksalsmächten. Aus faerie wiederum entwickelte sich im Englischen zunächst die Bezeichnung für ein Feenreich beziehungsweise einen Ort der Magie, ehe damit auch dessen übernatürliche Bewohner bezeichnet wurden.
Wer jetzt allerdings kleine Damen mit transparenten Flügelchen erwartet, die großzügig Glitzerstaub verteilen: Vergesst es!
Die Wesen alter Überlieferungen konnten schön und faszinierend sein, aber ebenso unberechenbar und gefährlich. Und schon sind wir bei einer Frage, die mich seit geraumer Zeit verfolgt: Wann zum Henker wurden aus geheimnisvollen Natur- und Andersweltwesen eigentlich unsere niedlichen Flatterfeen? *grübelt*

Magische Orte gibt es in den Erzählungen jedenfalls reichlich. Da wäre beispielsweise das sagenumwobene Avalon aus der Artuswelt oder der geheimnisvolle Wald Brocéliande, der eng mit den Legenden um Merlin und die Fee Viviane verbunden ist. Und natürlich begegnet uns immer wieder die Vorstellung einer Anderswelt, die verborgen neben, unter oder jenseits unserer eigenen existiert. Ihr seht schon: Die Sache mit den Feen ist erheblich größer als ein Blütenkelch mit Einzimmerwohnung.
Und dann wären da noch Seelie und Unseelie. Vor allem aus dem schottischen Feenglauben kennen wir diese beiden Bezeichnungen. Sie werden gerne vereinfacht in die Schubladen „gut“ und „böse“ beziehungsweise „hell“ und „dunkel“ gesteckt. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Schließlich sind Feen keine Disney-Prinzessinnen mit eindeutigem Gesinnungsausweis. Genau diese Ambivalenz hat die fantastische Literatur dankbar aufgegriffen.
Von Büchern, Feen, Märchen und 41 (!) Bänden
Aber bevor wir zu meinen heiß geliebten Buch-Fae kommen, müssen wir noch einen kurzen literarischen Zwischenstopp einlegen. Denn Feen sind keineswegs eine Erfindung moderner Fantasyautoren. Eine der berühmtesten historischen Sammlungen von Feenmärchen ist „Le Cabinet des fées“, das Ende des 18. Jahrhunderts erschien.
41 Bände!
Richtig gelesen. Einundvierzig.
Auch in bekannten Märchen begegnen uns Feen. Bei „Dornröschen“ beispielsweise wird das Schicksal der Königstochter durch übernatürliche Frauen bestimmt: Ein verhängnisvoller Spruch wird ausgesprochen und anschließend von einer anderen abgeschwächt. Je nach Fassung heißen diese Wesen allerdings Feen, weise Frauen oder anders – auch hier macht es uns die Überlieferung nicht gerade einfach.
Doch kommen wir endlich zu den Feen, die mir persönlich wesentlich häufiger über den literarischen Weg laufen: den Fae der modernen Fantasy.
Und glaubt mir, die sind alles andere als handgroß und mit zart flatternden Flügeln ausgestattet! Werfen wir dazu einen Blick auf die „Fever“-Serie von Karen Marie Moning. Hier mischen Seelie und Unseelie kräftig mit und machen es der Menschheit mehr als schwer. Erinnert ihr euch zum Beispiel an V’lane, der eine dermaßen erotische Ausstrahlung hat, dass es den Damen die Höschen reihenweise auszieht? *hüstelt* Glitzerstaub? Fehlanzeige.

Ebenfalls aus der Feder von Karen Marie Moning stammt die „Highlander“-Reihe, in der die Fae ordentlich mitmischen – allen voran Adam Black, der finsterste und schwärzeste aller Feenmänner! Ich liebe seine und Gabrielle O’Callaghans Geschichte. Nicht umsonst hat Adam Black einen eigenen Eintrag in [„HeldenHaft“] bekommen. „Der unsterbliche Highlander“ ist das Buch, in dem er schließlich seine eigene Geschichte bekommt, doch Adam mischt auch in anderen Teilen der Serie kräftig mit. Der Mann kann einfach nicht die Finger von den Menschen lassen …
Awww! Und dann gibt es noch Cathal! Himmel, das ist auch ein Unseelie, wie er im Buche steht! Entsprungen aus der Feder von Maria M. Lacroix, heizte er in „Das Geheimnis der Feentochter“, Teil 1 und Teil 2, den Lesenden ordentlich ein. Der Gute war sogar zu Gast im „HeldenSalon“ und wollte mir doch tatsächlich seinen Unaussprechlichen zeigen! Himmel, das war … boah! Aber lest selbst nach – hier geht es zum [HeldenSalon mit Cathal].
Natürlich haben sich die Fae längst auch ins erotische Genre geschlichen. So leben die Sidh im Buch „Schwanentanz“ von Jean Francis beispielsweise in einem sagenumwobenen unterirdischen Land, das man über den Stamm eines mächtigen Baumes betritt. Wer es noch nicht wusste: Jean Francis ist das Pseudonym von Jennifer Benkau!
Und dann wäre da noch die „Mondschatten“-Trilogie von Thea Harrison. Die gefällt mir in diesem Zusammenhang besonders gut, denn hier wird mit unserer Erwartung von „hell = gut“ und „dunkel = böse“ gleich einmal gründlich aufgeräumt. Isabeau, die Königin der Hellen Fae, spielt nämlich die Rolle der abgrundtief Bösen, während Oberon, der König der Dunklen Fae, zu den Guten gehört. Ha! So viel also zu unseren hübsch sortierten Schubladen.
Oberon spielt vor allem im letzten Teil der Trilogie eine tragende Rolle, nämlich in [„Löwenherz“]. Wer noch nicht genug von gefährlichen Fae hat, sollte einen Blick auf „The Falconer – Die Feenjägerin“ von Elizabeth May werfen. Der erste Teil der Trilogie verbindet Fae mit einem ordentlichen Touch Steampunk – und hat mir ausgesprochen gut gefallen.
Und wo ist jetzt der Glitzerstaub?
Wenn ich mir all diese Geschichten ansehe, lautet meine Antwort inzwischen: Vielleicht war er einfach nie das Entscheidende. Denn zwischen den geheimnisvollen Wesen alter Überlieferungen, den Feen der Märchen und den verführerischen, gefährlichen Fae unserer heutigen Fantasy liegen zwar Jahrhunderte – aber eines haben sie gemeinsam: Man sollte ihnen besser nicht vorschnell trauen. Und klein, niedlich und harmlos? Sagt das bitte nicht V’lane, Adam Black oder Cathal ins Gesicht. *lacht*
Wenn ihr also das nächste Mal ein Buch über Feen aufschlagt, passt lieber gut darauf auf, wer euch da eigentlich gegenübersteht — ob nun mit oder ohne Glitzerstaub. *fg* In diesem Sinne hoffe ich, dass ich euch ein wenig Lust auf Fee, Fae & Co. gemacht habe.
Ka
P.S. Na, neugierig, welche anderen mythologischen Abenteuer ich noch ausgegraben habe? Alle bisherigen Beiträge dieser Kategorie findet ihr hier – mit einem Augenzwinkern garantiert. → Klick „Mythologie mit Augenzwinkern: Von Vampiren bis Gargoyles – Mit einem Klick durch die Wunderwelt!“
Und falls ihr euch jetzt fragt, wo eigentlich die Grenze zwischen Feen, Elfen und Elben verläuft: Willkommen im Club. Genau dieses Durcheinander habe ich mir natürlich ebenfalls vorgenommen. → Klick zum Beitrag über Elfen, Elben & Co.

Bildquelle „Fee“:
pixabay.com, ai-generiert von karen.t
Bildquelle „Dunkle Fee & Lichte Fee“:
Bildidee, Prompt und Gestaltung: Ka, erstellt mit Unterstützung einer KI.
Hinweis zu den Buchabbildungen:
„Schwanentanz“ und „The Falconer – Die Feenjägerin“ wurde mir seinerzeit als Rezensionsexemplare vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Das abgebildete „Dornröschen“-Buch dient ausschließlich der Veranschaulichung des im Beitrag erwähnten Märchens.


