„Zwei 10-Liter-Eimer Kirschen, ein manueller Kirschentkerner und zehn Stunden später wusste ich wieder sehr genau, warum Küchenromantik manchmal klebt. Aus 12 Kilo entkernten Kirschen wurden Marmelade, Amarena-Kirschen, Zimt-Kirschen, Vorräte für später und ein Kirsch-Käsekuchen mit Baiserhaube. Außerdem klären wir die wichtige Frage, warum frühe Kirschsorten für mich eindeutig die bessere Wahl sind. Stichwort: Wurmfreie Zone.“
🍒
Geneigte Lesende!
Unlängst irgendwo in Niederbayern: „Ach, so ein bisschen Kirschen verarbeiten, das geht bestimmt ganz schnell.“ Spoiler: Geht es nicht. Also wirklich nicht. Vor allem dann nicht, wenn aus „ein bisschen“ plötzlich zwei 10-Liter-Eimer voller Kirschen werden und man keinen elektrischen Kirschentkerner hat, sondern einen manuellen. Also einen, bei dem es heißt: eine Kirsche einlegen, eine Kirsche entkernen, eine Kirsche einlegen, eine Kirsche entkernen, etc. pp. usw. *was von fast blasen am zeigefinger rumjammert*

Kirschernte eskaliert:
Ka entsteint, Hektor vernichtet die Vorräte und SUBsi-Lou recherchiert sicherheitshalber, was passiert, wenn doch der Wurm drin ist.
🍒
Unsere Kirschernte fiel dieses Jahr jedenfalls ordentlich aus, so viel kann ich sagen. Aus zwei gut gefüllten 10-Liter-Eimern — und hey, der Baum ist noch nicht mal zur Hälfte geleert — haben wir am Ende 12 Kilogramm gewaschene und entkernte Kirschen gewonnen. Zwölf. Kilo. Kirschen. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen.
Am Ende wurden daraus 4,5 Kilogramm eingefrorene Kirschen, 12 Gläser Amarena-Kirschen (saulecker! ICH LIEBE AMARENA-KIRSCHEN *yamm-yamm*), 15 Gläser Kirschmarmelade, 8 Gläser eingeweckte Kirschen mit Zimt und ein Kirsch-Käsekuchen mit Baiserhaube. Hoffentlich habe ich mich mit den Gläsern nicht verzählt. *höhöhö* Insgesamt war ich rund zehn Stunden in der Küche beschäftigt, um diese Kirschen irgendwie „gebacken“ zu bekommen. Wobei „gebacken“ in diesem Fall ein sehr dehnbarer Begriff ist und ungefähr bedeutet: entsteint, gekocht, gerührt, gezuckert, abgefüllt, eingekocht, eingefroren, Küche verwüstet, Küche wieder halbwegs erkennbar gemacht und zwischendurch vermutlich ein paar Mal sehr dramatisch geseufzt. EXTREM DRAMATISCH.

Vielleicht fragt ihr euch jetzt: Warum denn jetzt schon Kirschernte? Ist das nicht ein bisschen früh? Ja, ist es. Und genau das ist der Sinn der Sache. Denn wir haben uns damals ganz bewusst für eine frühe Kirschsorte entschieden. Nicht, weil wir besonders ungeduldig sind. Na gut, vielleicht auch ein bisschen, denn Kirschen sind zuuu lecker. Aber vor allem, weil ich keine Würmer besser gesagt Maden in meinen Kirschen mag. Und mit „nicht mag“ meine ich: Pfui daibel.
Frühe Kirschsorten der 1. bis 3. Kirschwoche, also Sorten wie z.B. Burlat, Früheste der Mark oder Kassins Frühe, haben nämlich einen entscheidenden Vorteil: Sie sind meist schon über den kritischen Farbumschlag hinaus oder sogar bereits geerntet, bevor die Hauptpopulation der Kirschfruchtfliegen überhaupt so richtig loslegt. Diese Fliegen interessieren sich nämlich nicht für steinharte grüne Kirschen und auch nicht für lieblich süße, tiefrote, reife Früchte, sondern für genau dieses Zwischenstadium, wenn die Kirschen sich von Grün nach Gelb beziehungsweise Hellrot verfärben. Genau dann legen sie ihre Eier hinein. Und daraus werden dann diese kleinen, sehr ungebetenen Bewohner, die einem später aus der Kirsche entgegenwinken. Und die können winken, das sag’ ich euch.
Ich hatte früher durch Schwiegertigers Kirschbaum schon Kontakt mit späteren Kirschen. Und ganz ehrlich: Mir hat gegraust, wenn mich diese kleinen Dinger aus der Frucht heraus angeguckt haben. Ja, ich weiß, ich weiß. Die futtern sich auch nur durchs Fruchtfleisch der Kirsche. Ergo schmecken sie vermutlich nach Kirsche und kacken auch Kirsche. Trotzdem möchte ich sie nicht in meinem Mund haben. Da bin ich eigen. Sehr eigen sogar.
Darum haben wir uns damals für eine frühe Sorte entschieden. Die Kirschen sind früher dran, die Kirschfruchtfliegen kommen zu spät zur Party und die Maden dürfen künftig gern anderen Leuten aus dem Obst zuwinken. Aber mir nicht. LOL
Und so standen wir nun also da mit unserer frühen, madenfreien Kirschernte und einer Küche, die zwischendurch aussah, als hätte ein Kirsch-Massaker stattgefunden. Himmel, ich hätte euch von diesem Kirschchaos echt ein Foto machen sollen. *lacht* Aber ganz ehrlich? Es hat sich gelohnt. Wenn die Gläser später im Regal stehen, die Amarena-Kirschen durchziehen, die Marmelade leuchtet, die Zimt-Kirschen auf ihren Einsatz warten und im Gefrierfach kleine Portionen für später liegen, dann ist das schon ein ziemlich gutes Gefühl. Ich mag das und habe so auch stets eine Kleinigkeit zur Hand, wenn ich Besuche mache.

Und der Kirsch-Käsekuchen mit Baiserhaube? Der war dann quasi die Krönung dieser kleinen Küchen-Eskalation. Nach all dem Waschen, Entsteinen, Einkochen und Marmeladekochen musste schließlich auch noch etwas direkt auf den Teller. Man will ja wissen, wofür man gelitten hat, ne?! Aber ich habe mich (leider) dieses Mal ans Rezept gehalten, weil ich mit dem Kuchen Neuland betreten habe und siehe da, er war mir persönlich – und auch meiner Familie – zu süß. Denn wenn ich Kuchen, Torten, Cookies und Co backe, dann immer mit weniger Zucker als in den Rezepten angegeben. Egal. Ich habe mir jedenfalls eine Notiz ins Backbuch gemacht, nächstes Mal weniger Zucker zu verwenden.
Ich grüße euch heute mal kirschig-extrem,
Ka
P.S. Falls ihr nach dieser Kirsch-Eskalation Lust auf mehr Hektor in der Küche habt: Bei den —> Nutella-Glücksbomben, in —> Ritter, Drache oder doch ein Keks? und bei —> Hektors Schokolinsenversuchung zeigt sich ziemlich deutlich, dass mein Drache kulinarisch nicht nur anwesend, sondern hochgradig involviert ist.

Bildquelle: Kirsch-Eskalation mit SUBsi-Lou und Hektor: Gestaltet von Ka mit Hilfe einer KI.
Bildquellen Kirschkuchen und Kirschernte/Eingekochte Kirschen: Fotografiert und in PhotoShop zusammengesetzt von Ka.