Blog Kas Tatsachenbericht

Kerker, Kink und Kinnlade: Diese erotische Szene war mir zu viel

  • 31. Mai 2026

„Manchmal liest man eine Szene und denkt: Kink? Okay. Erotik? Aber ja doch. Aber Kerker, Todesurteil und ein sehr fragwürdiges Publikum?
In diesem Beitrag geht es um Exhibitionismus, Voyeurismus, schwarzen Humor und um die Frage, wann eine erotische Szene für mich persönlich einmal quer durch den Burggraben fällt.“

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Warnhinweis vorab:
Dieser Beitrag ist ausdrücklich für erwachsene Lesende gedacht. Es geht um Erotik, Kink, Exhibitionismus, Voyeurismus und eine Szene, die ziemlich makaber um die Ecke biegt. Wer mit solchen Themen nichts anfangen kann oder sich davon schnell unwohl fühlt, sollte diesen Text vielleicht lieber überspringen. Alle anderen: Willkommen im Kerker der fragwürdigen Leseentscheidungen.

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Eieieieieieiei, geneigte Lesende!

Gerade weiß ich nicht: Soll ich schreien, lachen oder mich nur noch wundern?

Kink hin oder her. Erotik hin oder her. Aber das war nun so gar nicht mein Fall. Stellt euch folgende Situation vor: Die Protagonistin ist exhibitionistisch veranlagt, und es gefällt ihr allem Anschein nach, wenn sie Sex an Orten hat, an denen sie dabei beobachtet werden kann — oder könnte.

Nun ist es aber so, dass ihr Lebensgefährte ziemlich, nun ja, vereinnahmend ist, was die körperlichen Attribute der Dame betrifft, sowohl die in der oberen Gegend als auch die Zonen, die sich etwas weiter unten tummeln. *hust* Er hält nichts davon, wenn andere Kerle etwas von seiner Frau sehen, was nur er sehen darf. Denn sollte ein anderer Kerl zu genau hingucken, würde das seinen — Achtung, festschnallen — Tod bedeuten. Richtig gelesen. Er würde ihn dann abmurksen.

Und auf welche Idee kommt dann der Held? Um der Frau eine Freude (????) zu machen, schleppt er sie in den Kerker, wo ein zum Tode Verurteilter sitzt, um es, exactement, vor dessen Augen mit seiner Frau zu … ähm,  um Körperflüssigkeiten auszutauschen. *miep*

Nee, ne? Ich war sprachlos. Wirklich. Ich war sprachlos. Mir fiel die Kinnlade runter und ich dachte: Mist! Ich mag das Buch wirklich. Wirklich! Ich mag es auch, wenn es in fiktiven Geschichten chaotisch und übertrieben zugeht, doch das?
Jetzt sitze ich da und denke mir: Kink ist wirklich in Ordnung, doch wo beginnt der geschmackliche Totalschaden? Ein Kink ist ja erst einmal nichts anderes als eine sexuelle Vorliebe, ein besonderer Reiz, eine Fantasie oder eine Spielart, die Menschen erregend finden können. Das kann harmlos, verspielt, sehr speziell, sehr intensiv oder für Außenstehende komplett unverständlich sein. Muss man nicht alles mögen. Muss man nicht alles nachvollziehen können. Aber solange alle Beteiligten freiwillig, bewusst und einverstanden dabei sind: bitteschön. Erwachsene Menschen, erwachsene Entscheidungen, erwachsene Spielwiesen, erotische Spielart.

In diesem Fall geht es bei dem Pärchen ziemlich eindeutig um Exhibitionismus. Also um den Reiz, beim Sex gesehen zu werden oder zumindest gesehen werden zu können. Sie findet offenbar genau diese Möglichkeit erregend, dieses „Vielleicht schaut jemand hin“, dieses Spiel mit Öffentlichkeit, Risiko und Beobachtung. Soweit, so kinkig. Kann man mögen, muss man nicht, aber als Motiv ist das in erotischen Geschichten nun wirklich kein unbekannter Gast auf der literarischen Spielwiese. Definitiv nicht, schon oft genug gelesen.

Kink im Kerker Kritik Erotik

Nur kommt hier eben der große, fette Haken: Der Mann, der zusieht, ist kein freiwilliger Zuschauer in irgendeinem prickelnden Arrangement. Er sitzt im Kerker und wartet auf seinen Tod. Und das offenbar nicht einmal zufällig. Nein, nein. Der Gatte hat ihn ja genau deshalb ausgewählt, weil der arme Kerl sowieso hingerichtet werden soll. Praktisch gedacht, nicht wahr? So muss der Herr Gemahl hinterher keinen zusätzlichen Mann umbringen, nur weil dieser versehentlich oder absichtlich Brüste, Hintern und Vagina seiner Frau gesehen hat. Sehr rücksichtsvoll. Fast schon nachhaltig. Man muss schließlich Prioritäten setzen. *schwarzer humor ende*

Okay, okay, er sitzt also im Kerker und wartet auf seinen Tod. Warum genau er zum Tode verurteilt wurde, erfährt man später natürlich auch noch. Ein kleines bisschen hat mich das im Nachhinein tatsächlich versöhnt. Nicht mit der Szene selbst, aber zumindest mit der Wahl des unfreiwilligen Kerkerpublikums. Bin ich jetzt blutrünstig? Möglich. Oder einfach nur erstaunlich pragmatisch, sobald meine Kinnlade wieder eingerastet ist.

Und ja, ein bisschen Voyeurismus schwingt in der Szene natürlich auch mit, weil jemand beim Sex zusieht. Nur ist Voyeurismus normalerweise der Reiz des Sehens, des Beobachtens, des heimlichen oder vereinbarten Blicks. Hier wirkt es aber nicht wie ein lustvolles Spiel zwischen einverstandenen Erwachsenen, sondern wie eine sehr makabre Sondervorstellung im Kerker. Mit freiem Eintritt und ohne Ausgang für den Betrachtenden.

Gut möglich, dass die Grenze in dieser Szene nur bei mir liegt, weil das nicht in mein Bild passt — nicht mal in der Fiktion —, Sex vor einem zum Tode Verurteilten zu haben. Ja, sie verletzen ihn nicht körperlich, nur weil sie Sex vor ihm haben. Aber für mein Empfinden kippt die Szene von „gewagter Kink“ zu „geschmacklich einmal quer durch den Burggraben gefallen“. Nope, mir war das zu viel.

Wer an dieser Stelle noch nicht genug von kritischen Anmerkungen zu fiktiven Szenen hat, darf gerne weiter stöbern. *mit den wimpern klimpert*

👉 Age-Gap, Mafia, Australien und ein großes „HÄ?“

👉 Was zur Hufe habe ich da gelesen? Zentauren-Erotik eskaliert.

👉 Nur devote Weibchen stehen drauf

👉 Die Sache mit dem Meermann

In diesem Sinne,

Ka

P.S.: Ich habe mich übrigens bewusst dazu entschieden, an dieser Stelle weder Titel noch Autorin oder Autor zu nennen. Nicht, weil ich hier geheimnisvoll mit dem Buch herum wedeln möchte, sondern weil es mir nicht darum geht, ein Buch oder eine schreibende Person öffentlich an den Pranger zu stellen. Ich mochte die Geschichte insgesamt tatsächlich, nur diese eine Szene hat mich einmal komplett aus der Lesefassung gekickt. Deshalb bleibt es bei meinem sehr persönlichen „Eieieieiei“-Moment.

Kerker, Kink und Kinnlade: Diese erotische Szene war mir zu viel

Bildquelle „Kerkerszene“: Gestaltet von Ka mit Hilfe einer KI und Photoshop.

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