Reverse Harem war gestern, heute heißt es Why Choose. Aber ist das wirklich etwas Neues?
Ich habe schließlich schon mehrere Männer in meinen Romanzen gehabt, als noch keiner „Why Choose“ auf die Schublade geklebt hat. 😉
Also habe ich ein bisschen gebohrt: in alten Begriffen, neuen Etiketten, ziemlich viel Spice – und der Frage, warum eine Frau eigentlich wählen sollte.
Why Choose? Eben!
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Liebesdreiecke, geneigte Lesende? *gähnt ausgiebig*
Warum soll sich eine Heldin mühsam zwischen dem düsteren Bad Boy und dem treuen Sandkastenfreund entscheiden, wenn sie einfach das komplette Paket haben kann?
Den Bad Boy fürs Knistern. Den Beschützer fürs sichere Gefühl. Den Charmeur fürs Herzklopfen. Und wenn noch irgendwo ein schweigsamer, schwer traumatisierter Drachenprinz herumsteht – her damit. Man soll schließlich nichts verkommen lassen. 😉
Willkommen bei Why Choose Romance!
Ein Begriff, über den ich in letzter Zeit immer häufiger stolpere. In den sozialen Medien, bei Buchvorstellungen und natürlich beim Lesen selbst. Durchaus freiwillig übrigens. Vor allem, wenn es dabei ordentlich Spice gibt. *höhö* Nur frage ich mich inzwischen: Was ist eigentlich aus dem guten alten Reverse Harem geworden?
Jahrelang wusste ich schließlich, in welche Schublade ich meine Frau-plus-mehrere-Männer-Geschichten stecken konnte. Reverse Harem. Fertig. Und jetzt heißt das plötzlich Why Choose? Muss ich mich da jetzt umorientieren oder was?
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Reverse Harem oder Why Choose – alter Wein in neuen Schläuchen?
Neu ist die Idee jedenfalls nicht. Ich habe schon mehrere Männer in meinen Romanzen gehabt, als noch keiner „Why Choose“ auf die Schublade geklebt hat. Also habe ich angefangen, nach dem Unterschied zu suchen. Und je länger ich danach suche, desto mehr lande ich bei derselben Frage:
Wo genau soll dieser Unterschied sein?
Denn das Grundprinzip, das heute so hübsch mit Why Choose überschrieben wird, kennen Reverse-Harem-Lesende seit Jahren: Eine Protagonistin hat mehrere Love Interests und am Ende wartet eben nicht zwangsläufig die große Aussortieraktion. Und nein, auch Beziehungen zwischen den Männern z. B. innerhalb von M-F-M sind keine Erfindung von Why Choose.
Bestes Beispiel aus meinem eigenen Bücherregal: 👉 Lorelei James’ Rough, Raw and Ready – Wenn es Liebe ist. Das Buch erschien bereits 2008. Trevor, Chassie und Edgard lieferten mir damals eine ausgesprochen heiße M-F-M-Konstellation, in der nicht nur Chassie Beziehungen zu beiden Männern hat. Trevor und Edgard verbindet eine eigene Vergangenheit, eigenes Begehren und eine eigene emotionale Geschichte.
Das Kind hatte also schon einen Namen. Warum nun Why Choose?
Auf mich wirkt es, als hätte man für ein längst etabliertes Erzählmodell schlicht einen zeitgemäßeren Begriff gesucht. Und zugegeben: Why Choose ist ziemlich geschickt. Der Begriff kommt ohne das etwas angestaubte Harem-Bild aus und lässt sich problemlos auf vielfältigere Konstellationen anwenden – queer, divers, non-binär, genderfluid oder mit Beziehungen kreuz und quer innerhalb der Gruppe.
Vielleicht ist genau das sein großer Vorteil: Why Choose beschreibt weniger, wer da mit wem in welcher Geschlechterverteilung verbandelt ist, sondern bringt das romantische Versprechen auf zwei Wörter herunter. Warum wählen? Musst du nicht. Trotzdem werde ich jetzt bestimmt nicht anfangen, meine alten Reverse-Harem-Bücher umzuetikettieren. *pah*
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Das Liebesdreieck hat seinen Verlierer verloren
Denn egal, welches Schild wir auf die Schublade kleben: Das Prinzip hat schon einen gewissen Charme. Ihr kennt das. Zwei interessante Männer, eine Frau. Man selbst hat selbstverständlich längst den Richtigen ausgesucht – die Heldin braucht nur leider noch 350 Seiten, um zur selben Erkenntnis zu gelangen. Und der andere? Pech gehabt.
Narratologisch betrachtet – ha! Das Wort wollte ich unbedingt einmal unterbringen – macht Why Choose beziehungsweise Reverse Harem etwas ziemlich Cleveres: Das Modell behält eine der attraktivsten Zutaten des Liebesdreiecks, nämlich mehrere interessante Love Interests, und entsorgt den lästigen Teil: die Entscheidung!
Sie nimmt einfach beide. Oder drei. Oder vier. Das ermöglicht gleichzeitig etwas, das Romance sowieso liebt: unterschiedliche Männertypen und unterschiedliche Beziehungsdynamiken in einer einzigen Geschichte. Das funktioniert allerdings nur unter einer Bedingung. Ich möchte bitte tatsächlich unterschiedliche Männer bekommen.
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Vier Männer. Vier Sixpacks. Vier Haarfarben. Ein Charakter?
Genau hier kann das Ganze nämlich grandios gegen die Wand fahren. Wenn Mann Nummer eins der mürrische Alpha ist, Nummer zwei ebenfalls, Nummer drei überraschenderweise auch und Nummer vier sich hauptsächlich dadurch von den anderen unterscheidet, dass er blonde statt schwarze Haare hat, brauche ich keine vier Männer. Einer hätte gereicht.
Wie gut es anders geht, hat mir 👉 Alex Lidell mit ihrer „Macht der Fünf-Reihe“ gezeigt. River, Coal, Tye und Shade sind bereits eine Einheit, bevor Lera in ihr Leben tritt. Sie haben gemeinsam gekämpft, einen Gefährten verloren und tragen ihre eigene Geschichte mit sich herum. Und vor allem: Sie sind eigenständige Charaktere. Ähnlich funktioniert es für mich in 👉 Lidells „Ihr königliches Drachenrudel„. Quinton, Cyril, Tavias und Hauck könnte ich nicht beliebig gegeneinander austauschen. Der eine ist ein tortured hero mit Hang zur Blutmagie, der nächste besonnen, einer Stratege und General, der andere ein verletzter Charmeur.
Vier Drachenprinzen. Vier Persönlichkeiten. So darf das. Denn wenn ich schon vier Männer bekomme, möchte ich bitteschön nicht vier Körper, sondern vier Figuren. ^^
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Und was ist mit dem ganzen Sex?
Ja, was wohl? Her damit. *yummi* Reverse Harem – upsi, Why Choose – darf für mich ausgesprochen spicy sein. Mein Problem beginnt nicht dort, wo viel Sex stattfindet, sondern dort, wo außerhalb des Bettes nichts mehr stattfindet. Das habe ich vor Jahren wunderbar unfreiwillig getestet, nämlich mit Charlene Teglias „Nacht der Begierde“ (ich hänge euch die Rezension unten an den Beitrag).
Eine Frau. Elf Männer. Ja. Elf. Meine damalige Erotikwertung: 4,5 Punkte. Meine Wertung für die Handlung: 2 Punkte. Damit dürfte zumindest geklärt sein, dass ich einem Buch nicht vorwerfe, zu viel Sex zu haben. Interessanterweise ist „Nacht der Begierde“ trotz elf Männern nicht unbedingt ein Paradebeispiel für eine Frau plus viele Männer. Chandra sollte sich nämlich aus ihren elf Werwölfen einen, nennen wir es, Hauptpartner wählen. Wie das ausgeht? Selber lesen. *lacht los*
Meiner Meinung nach macht die Anzahl der Kerle allein noch keine gute Mehrfachromanze aus. Für mich liegt der Unterschied zwischen einer Geschichte, die funktioniert, und einer, die mich irgendwann nur noch durch die Bettszenen trägt, woanders: bei den Beziehungen UND beim Rundherum. Ein gutes Why Choose, ein guter Reverse Harem brauchen nicht möglichst viele Männer. Es braucht mehrere glaubwürdige Beziehungen – und eine Geschichte, die auch dann noch funktioniert, wenn gerade niemand miteinander schläft. Hallo? 11 in einer Nacht? *hüstelt* Das nenne ich produktiv …
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Aber Moment mal: Wie frei ist die Wahl der Protagonistin?
Auf den ersten Blick könnte man dem Genre glatt ein kleines Emanzipationsschleifchen umbinden. Die Heldin muss sich nicht für einen Mann entscheiden. Sie darf mehrere Männer lieben und begehren. Sie darf unterschiedliche Bedürfnisse haben und muss ihre Gefühle nicht auf den einen einzig wahren Kerl reduzieren.
Klingt ziemlich frei. Bis man ein bisschen genauer hinsieht. Denn häufig begegnet einem eine interessante Konstruktion: Sie darf mehrere Männer haben – während ihre Männer ihrerseits auf sie und keine andere Frau ausgerichtet sind.
Moment mal. Haben wir die klassische Romance-Fantasie vom Mann, für den nur diese eine Frau existiert, damit wirklich abgeschafft? Oder haben wir sie einfach vervielfacht? Vielleicht schafft das Genre die klassische Romance-Fantasie also gar nicht ab. Vielleicht MULTIPLIZIERT es sie nur.
Ein Mann, der dich liebt, begehrt und beschützt? Nett. Vier davon? Wo muss ich unterschreiben?
Wobei auch das natürlich längst nicht auf jede Geschichte passt. Gerade Konstellationen wie die von Trevor, Chassie und Edgard zeigen, dass Beziehungen innerhalb einer Gruppe erheblich komplexer sein können als „mehrere Männer kreisen um eine Frau“.
Und genau deshalb finde ich die Sache so interessant.
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Und wer hat hier eigentlich gewählt?
Noch lustiger wird es, wenn das Schicksal seine Finger im Spiel hat. Fated Mates. Gefährtenbande. Rudelstrukturen. Magische Verbindungen. Das volle paranormale Partnervermittlungsprogramm.
In „Macht der Fünf“ bestimmt die Magie, dass Lera das fehlende Mitglied des Quints ist. 👉 In Lily Archers „Omega-Akademie“ bilden Lana und ihre drei Alphas Kyte, Jeren und Ceredes einen mächtigen Kreis. Bei 👉 Charmaine Ross’ „Beanspruchte Magie“ spielen Gefährtenbande und Rudelstruktur eine Rolle.
Diese Konstruktionen können einer Geschichte eine wunderbare innere Logik geben. Gerade in Fantasy, Paranormal Romance oder Omegaverse muss mir dann niemand seitenlang erklären, warum drei oder vier Männer mit dieser Beziehungskonstellation klarkommen. Die Welt liefert ihre eigenen Regeln gleich mit. Nur drängt sich mir dabei eine etwas gemeine Frage auf:
Wie viel „Why Choose?“ steckt eigentlich in einer Geschichte, wenn Magie, Biologie oder Schicksal die Auswahl längst getroffen haben? Vielleicht sollte das dann „Already Chosen“ heißen. *fg*

Wer den entscheidenden Unterschied findet, darf ihn behalten. *grinst breit*
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Vielleicht ist Why Choose einfach Reverse Harem mit neuem Namensschild
Und damit bin ich wieder bei der Frage angekommen, mit der ich angefangen habe. Was ist eigentlich aus Reverse Harem geworden? Nach meinem ganzen Herumbohren lautet meine höchst unwissenschaftliche Antwort: Eigentlich gar nichts.
Reverse Harem ist nicht plötzlich verschwunden und Why Choose hat auch nicht über Nacht eine völlig neue Art erfunden, mehrere Menschen gleichzeitig lieben, begehren oder miteinander verbandeln zu lassen. Das gab es vorher.
Das gab es vielfältiger, als manche schnelle Definition des klassischen Reverse Harem heute vermuten lässt. Und das gab es bereits, als Why Choose noch nicht als schickes Etikett auf jeder zweiten entsprechenden Romance klebte. Auf mich wirkt es deshalb, als hätte man für ein längst etabliertes Erzählmodell schlicht einen zeitgemäßeren Begriff gesucht.
Vielleicht einen, der offener klingt. Einen, der ohne das Wort Harem *mit den augenbrauen wackelt* auskommt. Einen, unter dem sich unterschiedliche Geschlechter, sexuelle Orientierungen und Beziehungskonstellationen leichter versammeln lassen.
Kann ich nachvollziehen. Nur neu erfunden wurde das Rad deshalb für mich nicht. Das Kind hatte definitiv schon einen Namen. Darüber dürfen sich andere streiten. Ich nehme solange meine Drachenprinzen und lese weiterhin Reverse Harem, denn warum sollte ich wählen?
Why Choose?
In diesem Sinne,
Ka

P.S. Und hier noch die Rezension zu „Nacht der Begierde“ von Charlene Teglia:
Meine Wertung? Zwischen 4,5 und 2 Punkten. Wie ich darauf komme? Einfach weiterlesen, das erklärt alles:
Mir fehlen die Worte – und das mag `was heißen. „Nacht der Begierde“ von Charlene Teglia ist Erotik, vollgepumpt mit animalischem Sex. Keine Verniedlichungen. Kein Blümchensex. Lust und Begierde pur.
Zur Handlung: Plötzlich scheint Chandras Leben aus den Fugen zu geraten. Ihre Sinne, die schon vorher gut waren, spielen verrückt – und das seit ihrem einundzwanzigsten Geburtstag. Sie weiß nicht, ob es genetisch bedingt an ihrer familiären Herkunft liegt, da sie einst adoptiert wurde. Ihre biologischen Eltern hat Chandra nie kennengelernt.
Chandra beginnt wie üblich ihren Arbeitstag im Tyson Corner – einem Leder-Laden – und findet sich unversehens Zach gegenüber. Zach Nuri ist der Alpha eines Werwolfrudels und spricht mit Chandra, als würde er sie schon ewig kennen. Doch Chandra lässt ihn abblitzen, nur um dann nach Ende der Arbeitszeit von ihm vor drei „Panthern“ gerettet zu werden. Er wiederholt seine Forderung, dass Chandra vor dem kommenden Vollmond zu seinem Haus kommen soll. Dem Haus, das sie in ihren Träumen sieht.
Was hat das alles zu bedeuten? Später im Bett, als sie aus dem Schlaf erwacht, findet sie sich – zum Schutz – in den Armen von David wieder, einem weiteren Werwolf, der morgens wieder verschwunden ist. Um Antworten zu finden, macht sie sich auf, um in einer Bibliothek zu recherchieren, und wird tatsächlich fündig. Neuri. Nordslawischer Stamm, dessen Angehörige sich in Werwölfe verwandeln. Und von da an nimmt die Geschichte ihren Lauf.
Chandra ist nämlich Werwölfin – dies macht sich erst nach dem Erreichen des Erwachsenenalters bemerkbar – und auserkoren, als „Königin“ Zachs Rudel zu führen. Sie muss sich dazu vorher einen der elf männlichen Rudelangehörigen als Partner auswählen. Doch zuerst wird sie von allen elf in einer Nacht – ich nenne es jetzt ganz salopp – markiert. Chandra empfängt in dieser Nacht ein Kind, aber nicht von dem Neuri, welchen sie als ihren „König“ will. Wohin das führt? In ein relativ ungewöhnliches Happy End.
Meine Bewertung fällt mir genauso schwer wie anfangs meine ersten Worte. Wie bereits vorweg erwähnt, gibt es in „Nacht der Begierde“ mehr als reichlich offenherzige Erotik. Schließlich ist das Buch als erotischer Roman ausgeschrieben. Sex ist hier definitiv Sex, und zwar von der „animalischen“ Art. Eine Frau mit elf Männern, das ist schwer zu erfassen, auch wenn alles, nun ja, eher „entspannt“ und in voller Bereitschaft – von allen Beteiligten – abläuft.
Charlene Teglia bedient sich einer eindeutigen, ungekünstelten Sprache, die klipp und klar das sagt, was gemeint ist. Unverhüllt! Für alle Leser, die es gerne bei erotischer Lektüre „animalisch-mega-orgienmäßig“ grins mögen, ist diese Geschichte sehr geeignet. Hierfür gibt es 4,5 Punkte. Aber aufgepasst! Kalkulieren Sie den Rudel-Faktor mit ein. Mir persönlich ist besagter Faktor definitiv zu hoch. Meine romantische Seite leidet hier.
Kurz gefasst: Den romantisch veranlagten Lesern, die Wert auf eine umfassende, „gepflegte“ Handlung legen, rate ich dagegen ab, diesen Roman zu konsumieren. Die Handlung steht hier nicht im Vordergrund, obwohl der Grundgedanke – meines Erachtens – nicht schlecht ist. Dafür gibt es 2 Punkte. Die durchschnittliche Punktzahl liegt dann nach Adam Riese bei 3,25 Punkten. Und hiermit ist dem Erotik-Fan sowie dem Romantik-Fan eine hoffentlich helfende Rezension an die Hand gegeben worden.

Bildquelle „Reverse Harem / Why Choose“:
Bildidee, Prompt und Gestaltung: Ka, erstellt mit Unterstützung einer KI.


