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Roadtrip Tag 16 — Von Lillehammer nach Margretetorp

  • 24. August 2026

Roadtrip Tag 16 — Von Lillehammer nach Margretetorp

Montag, 25.08.2025

Geneigte Lesende!

Und wieder heißt es Abschied nehmen, dieses Mal von Lillehammer. Und wie es sich für einen ordentlichen Abschied gehört, zeigte sich Norwegen noch einmal von seiner freundlichen Seite: Sonne. Blauer Himmel. Bestes Reisewetter. Unser Ziel für diesen Tag lag bereits wieder in Schweden: Margretetorp, ein kleiner Ort unweit von Båstad.

Zunächst allerdings mussten wir an Oslo vorbei. Und plötzlich war es vorbei mit der großen skandinavischen Straßenidylle. Verkehr! Und zwar so richtig.

Nach all den Kilometern durch Norwegen, auf denen wir uns an leere Straßen, Berge, Fjorde und gelegentlich mehr Rentiere und Schafe als Autos gewöhnt hatten, fühlte sich die Gegend rund um norwegens Hauptstadt Oslo beinahe wie ein kleiner Kulturschock an. Autos vor uns, Autos hinter uns, Autos neben uns. Fast wie daheim. 😅

Gebäude in Göteborg
Gothenburg City Gate im Stadtteil Gårda

 

Nachdem wir Oslo hinter uns gelassen und die Grenze nach Schweden überquert hatten, wurde es zunächst wieder angenehmer – bis Göteborg näher rückte. Dort zeigte sich ein ähnliches Bild: viel Verkehr, volle Straßen und das deutliche Gefühl, wieder in dichter besiedelten Gefilden angekommen zu sein.

Je weiter wir anschließend nach Süden fuhren, desto ruhiger wurde es jedoch wieder bis wir schließlich in Margretetorp landeten. Was für ein Kontrast.

Eben noch Verkehr, Straßen und Großstadt – und plötzlich sattes Grün, alte Bäume, Ruhe und dieses kleine Fleckchen Schweden am Fuß des Hallandsåsen, das aussah, als hätte jemand beschlossen, den Lärm der Welt einfach draußen zu lassen.

Roadtrip Tag 16 — Von Lillehammer nach Margretetorp

Margretetorp – und ein Hotel mit Geschichte

Unser Hotel für diese Nacht war das Margretetorps Gästgifvaregård. Und ich muss euch davon berichten, denn dieses Hotel war der absolute Hammer.

Außenansicht
Blick von Außen auf das Hotels in Margretetorp.

 

Schon das Areal rund um den historischen Gasthof hatte etwas Besonderes. Das Gästgifvaregård liegt eingebettet in unglaublich viel Grün, mit altem Baumbestand, gepflegten Rasenflächen und einem weitläufigen Garten, in dem man wunderbar herumspazieren konnte. Kleine Wege führten zwischen Bäumen, Sträuchern und Blumen hindurch, hier und dort standen Bänke und Sitzgelegenheiten, und überall gab es kleine Ecken zu entdecken. Das fand ich herrlich.

Innenhof Margretetorp Gästehaus

Überhaupt wirkte das Ganze weniger wie ein Hotelgelände und mehr wie ein alter schwedischer Landsitz, der im Laufe der Jahrhunderte gewachsen ist. Mehrere Gebäude gehören zum Ensemble und verteilen sich über das Grundstück, dazwischen Grünflächen, Garten und mächtige alte Bäume. Alles wirkte gepflegt, aber nicht auf Hochglanz getrimmt. Gerade das machte für mich einen großen Teil seines Charmes aus.

Garten vom Margretetorp Gästehaus

Nach den vielen Kilometern und vor allem dem Verkehr rund um Oslo und Göteborg hätte der Gegensatz kaum größer sein können. Dort Autos, Asphalt und Gewusel – hier Vogelgezwitscher, Grün und Ruhe. Man hatte beinahe automatisch das Bedürfnis, ein bisschen langsamer zu gehen.

Und auch Wasser gehört zu diesem kleinen Idyll. Durch das Gelände fließt ein Bach, und im Garten befindet sich ein Teich, der sich wunderbar in die üppige Vegetation einfügt. Zusammen mit den alten Bäumen und den historischen Gebäuden entstand dadurch eine Atmosphäre, bei der man tatsächlich ein wenig das Gefühl bekam, aus der Gegenwart herausgefallen zu sein.

 Treppe Margretetorp-Garten

Dabei ist dieses hübsche Drumherum keineswegs nur schmückendes Beiwerk. Das Anwesen blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück und genau das merkt man den Gebäuden an. Die Geschichte dieses Hauses, konnte man förmlich spüren (und riechen, doch dazu später mehr).

Margretetorp lag über Jahrhunderte an einer wichtigen Reiseroute durch diese Gegend. Lange bevor Reisende mit Autos über schwedische Straßen rollten, waren sie auch hier natürlich mit Pferden und Kutschen unterwegs. Gasthöfe wie dieser waren deshalb weit mehr als Orte, an denen man etwas essen oder übernachten konnte. Hier wurde gerastet, gegessen, getrunken, Pferde wurden versorgt und gewechselt, ehe die Reise weiterging. Und genau diese Vergangenheit steckt noch heute im Gebäude.

Altes Holz, historische Bausubstanz und die verwinkelte Anlage erinnern noch immer daran, dass dieses Haus schon Reisende beherbergte, als niemand auch nur im Traum an Autobahnen, Navigationsgeräte oder unseren Roadtrip gedacht hätte.

Roadtrip Tag 16 — Von Lillehammer nach Margretetorp

Das Faszinierendste aber war etwas ganz anderes. Man konnte die Pferde noch riechen. Nein, nicht unangenehm. *hihi* Es roch nicht nach Stall im Sinne von: Hilfe, hier müsste dringend jemand ausmisten.

Es war vielmehr dieser ganz eigene, warme Geruch von altem Holz, Leder und Pferd, der irgendwo tief im Gemäuer zu stecken schien. Ganz dezent, aber unverkennbar. Man ging durch das Haus und hatte tatsächlich das Gefühl, seine Geschichte nicht nur sehen, sondern auch riechen zu können. Richtig großartig.

Und so abwegig ist es gar nicht, dass ausgerechnet hier die Erinnerung an Pferde so präsent geblieben ist. Bereits im Mittelalter spielten entlang der wichtigen Reisewege Gasthöfe und Pferdewechselstationen eine entscheidende Rolle. Reisende konnten schließlich nicht Hunderte Kilometer mit denselben Pferden zurücklegen. In regelmäßigen Abständen mussten die Tiere versorgt oder gewechselt werden.

Margretetorp entwickelte sich zu einer dieser wichtigen Stationen am Hallandsåsen. Später gehörten selbstverständlich auch große Stallungen und Wirtschaftsgebäude zu einem Gasthof dieser Bedeutung. Wenn königliche Gesellschaften mit Gefolge unterwegs waren, bedeutete das nicht zwei Pferde und eine hübsche Kutsche, sondern mitunter einen gewaltigen Tross aus Menschen, Wagen und Tieren.

Blick aus unserem Zimmer Margretetorp Gästehaus
Blick aus unserem Zimmer …

 

Ein Beispiel gefällig? Als der spätere König Gustav III. im Jahr 1766 seine Braut Sophie Magdalene von Dänemark in Helsingborg empfing, soll der Tross aus sage und schreibe 400 Pferden und 56 Wagen bestanden haben. Man kann sich ungefähr vorstellen, was es bedeutete, wenn eine solche Reisegesellschaft unterwegs versorgt werden musste. Ähm, nur mal so zur Info. *hüstelt*

Heute geht es hier erheblich beschaulicher zu. Keine königliche Reisegesellschaft weit und breit, jedenfalls haben wir keine gesehen — oder erkannt? LOL Nachdem wir eingecheckt und unser wirklich außergewöhnliches Quartier ausgiebig bestaunt hatten, wollten wir den Abend natürlich noch nicht im Hotel verbringen. Schließlich lag Båstad nur um die 20 Kilometer entfernt.

Roadtrip Tag 16 — Von Lillehammer nach Margretetorp

Båstad – Schweden mit einem Hauch Süden

Von Båstad hatten wir im Vorfeld gehört, dass der Ort einen Strand besitzen und beinahe mediterranes Flair verbreiten sollte. Bei solchen Beschreibungen bin ich ein wenig vorsichtig. „Mediterranes Flair“ kann schließlich vieles bedeuten. Manchmal reichen dafür offenbar schon drei Blumenkübel, zwei Sonnenschirme und ein Café mit Olivenbaum. *ggg*

Aber Båstad? Båstad konnte das tatsächlich. Der kleine Küstenort liegt auf der Bjäre-Halbinsel am Kattegat und gilt in Schweden seit Langem als mondäner Sommer- und Badeort. Schon beim ersten Spaziergang verstanden wir, warum.

Das Meer. Die Strandpromenade. Die Häuser und Villen, die teilweise unmittelbar hinter dem Strand stehen. Dazu das satte Grün, das Licht und diese entspannte Atmosphäre eines Ortes, der ganz offensichtlich seit Generationen weiß, wie Sommerurlaub funktioniert. Ja. Das hatte was.

Bastad Steg ins Meer

Unser Ziel war natürlich der Strand. Skansenbadet liegt direkt bei Båstad. Er gehört unmittelbar zum Ort. Hafen, Promenade, Strand und Bebauung gehen beinahe nahtlos ineinander über.

Am Strand stehen außerdem kleine hölzerne Badehütten, die weit mehr sind als hübsche Fotomotive. Sie gehören zum charakteristischen Bild des Skansenbadet und erinnern an Båstads lange Tradition als Badeort. Übernachtet wird darin nicht. Sie dienen vielmehr als private Rückzugsorte am Meer – für Liegestühle, Handtücher, Kaffeegeschirr und all die Dinge, die man für einen ausgedehnten schwedischen Strandtag eben braucht.

Dieser Hütten werden innerhalb der Familien weitergegeben und sind eng mit der Geschichte des Badeortes verbunden. Selbst bei Veränderungen achtet man darauf, dass das vertraute Bild am Strand erhalten bleibt.

Båstad Strand Schweden
Hach, das war so schön dort …

 

Während wir am Strand entlanggingen, wurde jedenfalls schnell klar, warum Båstad als einer der bekanntesten Sommerorte Schwedens gilt. Im Hochsommer dürfte hier richtig etwas los sein. Ende August, an einem lauen Abend, war es bereits ruhiger – und vielleicht war gerade das besonders schön. Der angekündigte mediterrane Flair war da, definitiv.

Innerhalb weniger Kilometer waren wir an diesem Tag von Lillehammers norwegischer Bergkulisse über die verkehrsreichen Regionen rund um norwegische Oslo und das schwedische Göteborg bis an einen Sandstrand gefahren – und schliefen am Ende in einem jahrhundertealten Gasthof, in dessen Mauern noch immer ein Hauch seiner Zeit als Pferde- und Reisestation steckte.

Genau solche Tage mag ich an einem Roadtrip. Man fährt morgens los und hat keine Ahnung, welches Bild am Abend im Kopf hängen bleiben wird. An diesem Tag waren es zwei. Das Meer vor Båstad. Und der Duft nach Pferden in einem alten schwedischen Gemäuer.

Ka

P.S. Wer jetzt wissen möchte, was vor unserem Abstecher nach Margretetorp und Båstad passiert ist, darf gerne noch einmal mit uns zurück nach Norwegen reisen: Tag 14 und 15 – Über Östersund nach Lillehammer

Oder ihr macht gleich die ganz große Rolle rückwärts. *fg* In meinem Norwegen-Roadtrip-Überblick findet ihr alle bisher veröffentlichten Etappen unserer Reise versammelt. Vom ersten Kilometer bis zu unserem inzwischen ziemlich weit fortgeschrittenen Roadtrip.

Also: Wunsch-Etappe aussuchen, virtuell einsteigen und losfahren. Für ausreichend Beinfreiheit müsst ihr allerdings selbst sorgen.

Fun-Fact für Oslo Tag 16

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