Blog Kas Tatsachenbericht

Roadtrip Tag 12 – Von Alta über Hammerfest ans Nordkap

  • 2. Juli 2026

Roadtrip Tag 12 – Von Alta über Hammerfest ans Nordkap

Donnerstag, 21.08.2025

Geneigte Lesende!

Heute war er also da. Der Tag, auf den wir seit Beginn dieser Reise irgendwie hingefahren sind: Das Nordkap. Aber weil man ja nicht einfach nur stumpf von A nach B fährt, wenn Nordnorwegen unterwegs ständig ruft: „Komm, guck mal hier!“, nahmen wir vorher noch Hammerfest mit.

Roadtrip Tag 12 – Von Alta über Hammerfest ans Nordkap

Weg nach Hammerfest Norwegen NordkapAuf nach Hammerfest – mit Regen auf der Scheibe, grauem Himmel und diesem Gefühl: Wir fahren gerade wirklich sehr, sehr weit nach Norden.

 

Weil Norwegen offenbar beschlossen hatte, uns den arktischen Empfang nicht allzu gemütlich zu machen, wurden wir in Hammerfest direkt mit starkem Regen begrüßt. Nass. Grau. Kalt. So ein Wetter, bei dem man die Kapuze enger zieht, die Schultern hochzieht und trotzdem grinst, weil man eben nicht irgendwo ist, sondern in Hammerfest. *froi*

Einer kleinen Stadt mit rund 11.300 Einwohnern, gelegen auf der Insel Kvaløya, ganz weit oben in Finnmark. Fischerei, arktische Geschichte, moderne Energieexporte – und mittendrin dieses Gefühl, am Rand einer Karte zu stehen. Und dann passierte etwas, das ich so schnell nicht vergessen werde: Ein Rentier lief mitten durch die Stadt! Nicht irgendwo hübsch dekorativ am Straßenrand. Nicht im Gehege. Nein. Mitten durch Hammerfest. Als hätte es kurz beschlossen: „Ich muss mal eben da rüber.“

Ich liebe sowas. Dieses herrlich Ungeplante. Dieses Wilde im Alltag. Dieser Moment, in dem man merkt: Nordnorwegen spielt nach eigenen Regeln.

Roadtrip Tag 12 – Von Alta über Hammerfest ans Nordkap

Die Meridiansäule in Hammerfest – ein Punkt im hohen Norden und gleichzeitig Teil einer richtig großen Weltvermessung.

 

Hammerfest selbst hat uns trotz Regen einiges gezeigt. Besonders spannend fand ich die Meridiansäule im Stadtteil Fuglenes. Sie gehört zum Struve-Bogen, einem UNESCO-Weltkulturerbe, das an eine gewaltige wissenschaftliche Vermessung erinnert. Im 19. Jahrhundert wurde damit ein Stück weit die Größe und Form der Erde bestimmt.

Klingt erstmal trocken? Ist es aber nicht, wenn man dort steht und begreift, dass dieser Ort Teil einer Vermessungslinie war, die sich über viele Länder zog. Ein Punkt im hohen Norden – und plötzlich hängt Hammerfest an einer ganz großen Geschichte.

Auch die Hammerfest-Kirche fiel sofort auf. Kein klassisches Kirchlein, kein verspielter Holzbau, sondern ein moderner, markanter Dreiecksbau aus dem Jahr 1961. Ihre Form soll an die traditionellen Gestelle erinnern, auf denen früher Klippfisch getrocknet wurde. Und ja, wenn man es weiß, sieht man es plötzlich.

Kirche Hammerfest Nordkap Norwegen Ka on Tour
Architektur mit nordischem Bezug. Mag ich.

 

Nach Hammerfest ging es weiter. Weiter Richtung Norden. Weiter Richtung Ziel. Weiter Richtung „Jetzt wird es ernst“. Und es stand nicht mehr nur auf Schildern oder in der Planung. Das Nordkap …

Roadtrip Tag 12 – Von Alta über Hammerfest ans Nordkap

Das Nordkap liegt auf der Insel Magerøya und ist dieser berühmte Schieferfelsen, der über 300 Meter steil aus dem Meer ragt. Für viele gilt es als das symbolische Ende Europas, als der nördlichste Punkt, den man auf dem Straßenweg erreichen kann. Genau genommen reicht das benachbarte Knivskjellodden noch ein Stück weiter nach Norden, aber dorthin kommt man nur zu Fuß. Ganz ehrlich? Für uns war dieser Moment trotzdem riesig.

Barentsee Norkap Norwegen Ka on TourDie Barentssee. Grau, gewaltig – und trotzdem so schön, dass man einfach nur still guckt.

 

Man steht dort oben, blickt hinaus auf die Barentssee, spürt den Wind, sieht dieses weite, offene Grau-Blau vor sich und denkt: Wir sind wirklich hier.

Nach 5.460 Kilometern.

Fünftausendvierhundertsechzig. Himmel. Arsch und Zwirn. Das muss man erstmal sacken lassen.

Roadtrip Tag 12 – Von Alta über Hammerfest ans Nordkap

Im Vergleich zu Hammerfest zeigte sich das Nordkap fast — aber nur fast — gnädig. Es war nicht ganz so nass, wie wir es nach dem Vormittag schon befürchtet hatten. Und der Blick auf die Barentssee war großartig. Keine kitschige Postkartenidylle. Kein Sonnenuntergang in Orange und Gold. Sondern echtes Nordkap-Wetter. Kalt. Windig. Erhaben. Und genau deswegen passte es.

Barentsee Nordkapp Norwegen Ka on Tour Weltkugel Nordkap Norwegen Ka on Tour
Wir waren da. Nass, kalt, glücklich – und nach 5.460 Kilometern ehrlich gesagt auch ein bisschen stolz.

 

Auf dem Plateau befindet sich auch die „Nordkapphallen“, das Besucherzentrum, das teilweise in den Fels hineingebaut wurde. Ein Ort, an dem man kurz aus dem Wind flüchten kann, ohne das Gefühl zu verlieren, immer noch ganz oben am Rand Europas zu sein. Irgendwie hübsch fand ich das Denkmal „Kinder der Welt“. Große Steinscheiben, gestaltet von Kindern aus verschiedenen Kontinenten. Sie stehen für Frieden, Zusammenarbeit und den Gedanken, dass diese Welt trotz aller Grenzen eben doch zusammengehört. Gerade dort oben, an diesem windigen, kargen, weiten Ort, wirkte das auf mich sehr passend. Vielleicht, weil man am Nordkap so deutlich spürt, wie groß die Welt ist. Und wie klein man selbst daneben steht.

Kinder der Welt Nordkap Norwegen Ka on Tour

Das Denkmal „Kinder der Welt“ – sieben Kreise, eine Botschaft: Frieden darf auch am Ende Europas nicht fehlen.

 

In den dunklen Monaten ist das Nordkap außerdem ein wunderbarer Ort für Nordlichter. Von Ende September bis März stehen die Chancen hier oben besonders gut, weil die Region mitten im Polarlichtgebiet liegt. Wir waren dafür natürlich noch zu früh dran. August. Hell. Kalt genug, ja. Aber noch nicht diese dunkle, magische Nordlichtzeit. Trotzdem: Allein die Vorstellung, dort oben zu stehen, während grüne Schleier über den Himmel tanzen. Norwegen, du machst es einem wirklich nicht leicht, einfach wieder nach Hause zu fahren.

Roadtrip Tag 12 – Von Alta über Hammerfest ans Nordkap

In Nordnorwegen steht dann eben auch mal ein Rentier am Straßenrand, oder zwei oder drei oder acht. Ganz normal. Für das Rentier zumindest.

 

Roadtrip Tag 12 – Von Alta über Hammerfest ans NordkapAufgenommen auf dem Weg zurück nach Alta. Der Kopf voll Nordkap, Rentieren, Regen und diesem einen Gedanken: Wir waren wirklich dort.

 

Nach diesem großen Moment ging es zurück nach Alta. Und ich gebe zu: Ich war müde. Aber auf diese gute Art müde. Diese Reisemüdigkeit, bei der der Kopf voll ist mit Bildern, Straßen, Regen, Rentieren, Felsen, Meer und diesem einen Gedanken: Wir waren am Nordkap.

Die bisher zurückgelegten 5.460 Kilometer haben sich absolut gelohnt.

Ka

P.S. Lust, nochmal einen Schritt zurück zu reisen? Hier geht es zu Tag 11 – Von Vallen nach Alta, „Stadt der Nordlichter“. Und wer sich ganz gemütlich durch unseren bisherigen Norwegen-Roadtrip klicken möchte: In meinem Norwegen-Roadtrip-Überblick habe ich alle bisher erschienenen Etappen gesammelt. Einmal einsteigen, zurücklehnen und mitreisen. *grinst* Ich wünsche euch viel Spaß — ganz ohne Reisekrankheit.

Fun Fact Nordkap Norwegen Ka on Tour

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