Hektor

Mike oder Malik?

  • 4. Mai 2020

Hektor ist redselig geneigte Leserinnen und Leser, derweilen wollte ich eigentlich lesen, aber er meinte, ich soll endlich erzählen wie es weiter geht! *Drachen! Tztztz* Ach ja, hier der Link zum vorherigen Teil von Hektors Fortsetzungsgeschichte *klick*

„Lass mal, Mike. Ich werde schon fertig mit … der Situation“, kaum ausgesprochen, höre ich ihn hinter mir „tapferes Mädchen“ murmeln und wundere mich, was er damit meint! Dank Mike habe ich mich inzwischen wieder beruhigt und bin froh, dass er in diesem aufwühlenden Moment für mich da war.
Ich öffne die Türe einen Spalt und bevor ich reagieren kann, drückt Hektor sie weiter auf. Seine eisblauen Augen fliegen von meinem zerzausten Haar, das sich vollständig aus dem Zopf gelöst hat, bis hin zu Mikes Oberteil, welches ich immer noch in den Händen halte. Wahrscheinlich sehe ich aus, wie eine zerrupfte Henne. Verflucht! Siedend heiß fällt mir ein, dass ich nun sicherlich so rieche, als hätte ich in Mike gebadet. O.M.G!
Von einer Sekunde auf die andere, erscheint ein Leuchten in Hektors Augen, als ob blaue Flammen darin züngeln würden. Ich habe fast das Gefühl, als könnte ich Wut durch seinen Körper pumpen sehen, was ihn noch größer wirken läßt. „Du hast dich wohl eben trösten lassen?“, zornig stößt er die Türe ganz auf und blitzt Mike, der lässig mit der Schulter am Pfosten meines Himmelbetts lehnt mit einem Blick an, der mein Blut zu Eis erstarren lässt. Mikes offensichtlich nicht. Ist der Kerl lebensmüde? Er steht mit barer Brust und frechem Grinsen vor uns und wirkt total tiefenentspannt, während mein Arsch auf Grundeis läuft.
„Das kann doch wohl nicht sein! Warum hat mir das der Geruch nicht gleich gesagt, dass du es bist, Malik?“, knurrt Hektor geschockt. „Das Gefährtending vernebelt mir offensichtlich den Verstand.“ Irritiert schaue ich zu meinem Buchclub-Kumpel und wundere mich, wie er so verdammt gelassen bleiben kann, angesichts der Gefahr, die meinem Drachen aus allen Poren quillt. Moment!
„Das ist Mike! Vier Buchstaben Hektor! Ein M. Ein I. Ein K und ein E?“, hitzig halte ich ihm meine Hand vor das Gesicht, während ich die Buchstaben an den Fingern herunter zähle. Hinter mir höre ich meinen lebensmüden Kumpel leise vor sich hin lachen.
„Der Kerl, der mit nackter Brust an deinem Bettpfosten lehnt, als würde er dort hingehören, ist nicht Mike“, brüllt der Drache in meine Richtung! Ich sage Euch, wenn sich meine Haare nicht schon vorher selbständig gemacht hätten, jetzt wäre es soweit, bei dem Windzug, den Hektors Gebrülle erzeugt hat. Todesmutig gehe ich näher an ihn heran, mache beruhigende Bewegungen mit den Händen, bis ich letztendlich seine Brust berühre. Sein Herz donnert mir regelrecht entgegen. Kräftig. Schnell. Zornig.
„Das ist Mike, der Mike, der sich seit 6 Wochen mit mir und den anderen Mädels im Buchclub trifft. Ich habe dir von ihm erzählt, Hektor“, rede ich ruhig auf ihn ein, während meine Hände auf seiner Brust ein Eigenleben zu entwickeln scheinen und zärtlich über die unter seinem T-Shirt versteckten harten Täler und Hügel streichen. „Nicht Malik, Mike!“ Unruhig wandern mein Kopf zwischen den beiden hin und her. Wenn es so weiter geht, werde ich noch Probleme mit dem Nacken bekommen.
„Ka, ich bin dir eine Erklärung schuldig …“, Mike stößt sich vom Bettpfosten ab und fährt mit beiden Händen durch sein dichtes, kastanienbraunes Haar, das ihm in weichen Wellen bis zu den ausgeprägten Schultern fällt. Mir fallen fast die Augen aus dem Kopf als ich sehe, wie sich sein Latissimus bei dieser Bewegung anspannt. Seine samtig dunkelbraunen Augen sind auch nicht ohne. Was für ein Anblick! Hektor funkelt mich wütend an, und drückt mir seinem Zeigefinger mein Kinn nach oben. „Ups, entschuldige, ich wollte dich nicht so anstarren Mike, aber ich muss zugeben, sowas sehe ich nicht alle Tage!“ Düster sieht mein Drache Mike an und bellt: „Raus hier! Sofort, bevor ich etwas tue, was wir beide später bereuen werden!“
Mike feixt von einem Ohr zum anderen während er das Zimmer verläßt: „Falls du Hilfe brauchst, du weisst, wo du mich findest!“
Ich stehe kurz vor einer Ohnmacht und das wäre die zweite in dieser beschissenen Nacht, doch die Spannung, die zwischen Mike und Hektor durch den Raum flirrt ist fast greifbar! Als würde Lava auf Wasser treffen. Mit einem lauten Knall schließt er endlich hinter Mike die Türe und lehnt sich schwer atmend dagegen. Ich wußte gar nicht, dass ich die Luft angehalten hatte, die ich nun mit einem Zischen ausstoße.
„Raus damit, was war das hier?“, legt er los, doch ich habe im Moment überhaupt keine Lust auf sein Frage Antwort-Spiel und schweige.
Schnell wie eine Schlange reißt mir Hektor Mikes Shirt aus den Händen, packt mich, dreht sich mit mir um und drückt mich mit dem Rücken gegen die Wand, fixiert meine Arme über meinem Kopf. „Du willst also nicht antworten, nein?“, flüstert der Drache in mein Ohr. Sein Atem löst eine Reihe Schauer aus, die von meinem Nacken geradewegs über den Rücken rollen. Mit aller Macht stemme ich mich gegen das Verlagen, das sich in mir aufbäumt. „Bist du verrückt geworden? Lass mich sofort los, du … du Lindwurm“, zische ich ihm entgegen.
„Ja, ich bin verrückt. Verrückt, von dem Moment an, als ich dich das erste Mal wahrgenommen habe. Ich bin verrück nach deinem Duft, der mich zu verfolgen scheint. Verrückt nach deinen Kurven, die für mich, für meine Hände geschaffen sind. Verrückt nach dir …“ Heftig presst Hektor seine Lippen auf meine. Vor Überraschung versuche ich mich aus seinem Griff zu lösen und denke kurz daran mein rechtes Knie in seine Weichteile zu rammen, als seine Lippen mit einem Mal sanft werden. Anstatt ihn zu kicken, versuche ich nun – scheiß auf meinen Stolz – so nah als möglich an Hektor heran zu kommen. Er löst seinen Griff an meinen Handgelenken und streift mit den Händen über meine Arme hinunter, bis eine Hand in meinem Nacken zum Liegen kommt, während er mit der anderen bis zu meiner Hüfte streicht. Vor Wonne bekomme ich Gänsehaut, die sich über meinen ganzen Körper verteilt. Erst jetzt hebt er seine Lippen von meinem Mund, um kurz darauf zarten Küsse auf meine Mundwinkel zu verteilen. Zieht mit seinen warmen Lippen sacht aber bestimmt, eine Spur bis unter mein Ohr. Was vorher noch vor Schmerz und Zorn in mir gebrodelt hatte, wird butterweich und langsam setzt Begreifen ein …

— © Copyright by Ka, 04.05.2020 Meine tägliche Dosis