Hektor

Zu viel!

  • 1. Mai 2020

Es geht weiter mit „Hektor“, denn so wie es letztes Mal geendet hat (Hier der Link für alle, die es nachlesen möchten *klick*), schreit es nach einer Fortsetzung! Viel Spaß beim Lesen von „Zu viel!“

Nur weg hier! Dieser Gedanke verfolgt mich, als ich wie ein Vogel mit gestutzten Flügeln aus Hektors Höhle schleiche. Ich komme mir vor, als ob ein Güterzug über mich hinweg gerollt wäre. Die Emotionen die durch meinen Körper rauschen, sind nicht von dieser Welt und eben fühle ich mich wie Superman, wäre dieser von Luthor in Kryptonit gebadet worden. Zuviel Drache. Zuviel Mann. Zu viel Nähe.
Klar, es war genau das, was ich mir sehnlichst gewünscht und ebenso stark gefürchtet hatte; Hektor als Mensch zu sehen. Keine Ahnung wie ich auf den Trichter kommen konnte, mir das überhaupt zu wünschen! Nicht wenn ich mich so überwältigt davon fühle, wie jetzt. Verdammte Gefühle! Wie konnte ein Abend, der dermaßen schön begonnen hatte in so einem Desaster enden?

Kaum meine Zimmertüre erreicht, bin ich kurz davor meinen mühsam unterdrückten Tränen freien Lauf zu lassen. Ich sinke, mit dem Rücken gegen die Wand gelehnt, zu Boden und schlinge beide Arme um meine angezogenen Knie. Meine Schultern beginnen zu zucken und letztendlich bricht sich ein Schluchzer seine Bahn. Keine Ahnung, wie lange ich dort schon sitze, als jemand plötzlich sanft mit einer Hand über meinen Kopf streichelt, mich dann an eine warme, breite Brust zieht. Geschockt hebe ich den Kopf und will mich aus der Umarmung befreien, als mir bewußt wird, wer mich da tröstend in seinen Armen hält. Es ist Mike! Ich versteifte mich, doch sein sachtes „Schhhhh …!“ läßt mich inne halten, seinen Trost annehmen.
„Wie kommst du denn hier rein?“, murmelte ich fragend gegen seine Brust gepresst. „Ich war schon auf dem Weg nach Hause, als mir auffiel, dass du dein Handy auf dem Autositzt hattest liegen lassen. Ich bin also zurück gefahren und habe ans Tor geklopft. Weil Licht gebrannt, aber keiner aufgemacht hat, habe ich versucht es aufzumachen und hier bin ich, denn es war nicht verriegelt. Ich habe gerade noch einen kleinen Blick von dir erhascht, als du oben im Gang verschwunden bist. Da ich dich nicht erschrecken wollte, bin ich dir einfach nach oben gefolgt als ich dich auch schon schluchzen hörte.“ Mike legt seine Hände auf meine Oberarme und drückt mich sacht ein wenig von sich weg, um in mein sicherlich total verheultes Gesicht zu sehen. Tränen machen alles andere als attraktiv. Rote Wangen, aufgequollene Augen, leuchtende Nase! Ihr wisst, was ich meine.
„Willst du mir erzählen, was passiert ist, Ka?“, sanft wischt Mike mit seinem Shirtärmel die Tränen von meinen Wangen.
„Es ist … kompliziert. Ich weiß, das hört sich total nach Klischee an, aber es ist wirklich so“, und stoße einen zittrigen Seufzer aus. „Ich bin trotzdem froh, dass du da bist!“ Wir sitzen aneinander geschmiegt nebeneinander auf dem Schlafzimmerboden und halten uns bei den Händen, bis mein Weinen in einem jämmerlichen Schluckauf endet.
„Kann ich irgendetwas für dich tun? Da steckt doch siche rein Kerl dahinter, oder? Soll ich demjenigen, der dich zum Weinen gebracht hat, die Visage polieren?“, fragt Mike in die Stille hinein, die nur von meinen gelegentlichen Hicksern unterbrochen wird. Ich würde ihm das glatt zutrauen! Er ist ähnlich gebaut wie Hektor in seiner menschlichen Gestalt, nur ein paar Zentimeter kleiner. Seltsam, vorher ist mir gar nicht bewußt gewesen, dass Mike auch so ein Riese ist! Liegt vielleicht daran, dass ich, seitdem ich hier auf der Burg bin, keinem Mann mehr diesen speziellen zweiten Blick gegönnt habe. Was absoluter Bullshit ist, schließlich war zu dem Zeitpunkt Hektor für mich immer noch ein Drache. Trotzdem, es gab damals schon diese gewisse Sehnsucht nach ihm. Sehnsucht nach einem Drachen? Wenn das nicht durchgeknallt ist, was dann?
Sanft legt Mike einen Zeigefinger unter mein Kinn, hebt meinen Kopf nach oben und drückt einen brüderlichen, beruhigenden Kuss auf meine Stirn, während er mir nochmal mit dem langen Ärmel seines dunkelblauen Shirts meine Wangen trocken tupft. „Nicht! Ich mach ja alles glibbrig“, schniefe ich peinlich berührt. „Ist egal, Ka!“, meint Mike mit einem schiefen Grinsen. „Du hast mich sowieso schon total nass gemacht!“
Vorsichtig riskiere ich einen Blick auf sein Oberteil, das an Brust und Ärmeln von meinen unaussprechlichen Augen-Nase-Flüssigkeiten feucht ist. Ich stehe auf und halte Mike meine Hand entgegen. “Gib mir dein T-Shirt. Ich wasche es für dich. Das ist das Mindeste, was ich im Gegenzug für deinen Trost tun kann und dafür, dass ich dich so … so vollgemacht habe! Ich gebe dir eines meiner großes Schlafshirts, das sollte dir passen und du kommst wenigstens trocken und ohne diese häßlichen Flecken nach Hause.“
„Du weisst schon, dass du verrückt bist, oder Ka? Ich tröste dich nicht um was dafür zu bekommen, sondern weil ich dich gern habe! Das verdammte Stückchen Stoff kann mir gestohlen bleiben.“ Doch ich bin nach wie vor von dem, was geschehen ist, so durch den Wind, dass ich nicht auf Mike höre. Nach einem kurzen Schlagabtausch gibt er nach. Wahrscheinlich nur um mich nicht noch mehr aufzuregen. Verlegen blicke ich auf das Shirt, das ich nun nervös in meinen Händen knete und letztendlich an meine Brust drücke.
„Entschuldige. Ich bin normalerweise keine Heulsuse. Geschweige denn, dass ich Männer in meinem Schlafzimmer dazu zwinge sich ausziehen,“ mit einem leichten Lächeln auf den Lippen füge ich hinzu, „auch wenn es nur das Shirt war. Weißt du, bevor du gekommen bist, hatte ich eine“, ich stocke kurz, “Meinungsverschiedenheit mit meinem Chef. Sie ist etwas eskaliert.“
„Bitte sag es mir, wenn du Unterstützung brauchst. Und wenn …“, abrupt unterbricht Mike seinen Satz, als polternde Schritte zu hören sind, die die Treppe nach oben stürmen und vor meiner Türe zum Stehen kommen. Es folgt ein lautes, unbeherrschtes Klopfen, das Mike regelrecht in die Höhe schnellen lässt. „Kalypso Buchanan! Mach sofort auf …“ Zornig, ob Hektors anmaßendem Ton, eile ich zur Türe, will sie mit Schmackes aufreißen und werde im nächsten Moment von Mike davon abgehalten, indem er seine Hand auf meine Schulter legt und mich zu sich umdreht. „Meinst du, ob das jetzt eine gute Idee ist, Ka?“, flüstert er mir zu und deutet auf sein nackte – und wohlgemerkt mächtig attraktive – Brust.

— © Copyright by Ka, 1. Mai 2020 — Meine tägliche Dosis