„Kornäpfel im Überfluss, weißer Rum in Reichweite und eine Küche kurz vor dem Ausnahmezustand.
Zwischen Konfitüre, Gelee, Apfelmus und Liköransatz gerieten nicht nur die Gedanken ein wenig durcheinander.
Wie der Verarbeitungswahnsinn überstanden wurde? Weiterlesen!“
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Geneigte Lesende,
es ist, wie es ist: Unsere Kornäpfel – auch Weiße Klaräpfel genannt – waren zeitig. Sprich: Sie sind ob des trockenen Wetters in den vergangenen Monaten ziemlich schnell vom Baum gefallen. Darum haben wir sie – obwohl sie teilweise noch etwas Zeit gebraucht hätten – geerntet.
Doch nicht nur, dass sie vom Baum fielen: Stare hatten sich offensichtlich auch bereits daran gütlich getan. Nun gut, das ist nicht weiter schlimm. Die haben schließlich auch Hunger.
Zurück zum Kornapfel. Wir also geerntet. Drei Eimer voll haben wir verschenkt, und zwei 20-Liter-Eimer hatte ich mir behalten, um die Äpfel zu verarbeiten. In den vergangenen Jahren hatte ich viel Apfelstrudel gemacht, vakuumiert und eingefroren, um unter dem Jahr immer wieder selbst gemachten Apfelstrudel genießen zu können. Und hey, es gibt keinen besseren Apfelstrudel als einen, der mit Kornäpfeln gefüllt ist. Jedenfalls meiner Meinung nach. LOL
Doch dieses Jahr wollte ich sie anderweitig verarbeiten.

Die gesamte Ausbeute meines Kornapfel-Verarbeitungswahnsinns. Und bevor jemand Schleichwerbung wittert:
Ich fülle meine selbst gemachten Köstlichkeiten sehr gerne in Gläser und Flaschen, die ich sammle und immer wieder verwende.
Nennt sich Upcycling – und macht jedes Glas zum unverwechselbaren Einzelstück. *lacht*
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Ich habe einen Ansatz für Likör gemacht, nämlich zwei 5-Liter-Ansatzgefäße mit Kornäpfeln, weißem Rum, Zucker, Zitronenabrieb, Zimtstangen und Vanilleschoten gefüllt. Die dürfen nun zwei Wochen im Hellen und anschließend vier weitere Wochen im Dunkeln lagern, bevor ich den Likör absiebe und abschmecke. *hicks*
Nach mindestens drei weiteren Monaten Ruhezeit darf der Likör dann genossen werden.
Weiter ging es mit neun Gläsern Kornapfel-Aprikosen-Zucchini-Konfitüre. Richtig gelesen: Zucchini. Hört sich vielleicht pervers an, aber hey! Botanisch gesehen gehört die Zucchini zu den Kürbisgewächsen, ergo zum Fruchtgemüse. Genau genommen sogar zu den Beeren. *pruuuust*
Von daher passt es. Und ich habe die Konfitüre bereits getestet: Sie passt hervorragend zu Käse und Wildgerichten oder einfach nur auf ein leicht mit Butter bestrichenes Sesam-Knäckebrot. LECKER!
Nach der Konfitüre folgte das Entsaften. Nicht ganz reife, noch voll knackige Kornäpfel enthalten eine große Menge Pektin und Säure im Fruchtfleisch. Das führt dazu, dass sich nach dem Pressen oben auf dem Saft Schaum absetzt: der Fruchtfleischschaum. Er setzt sich aus besagtem Pektin, winzigen Fruchtfleischpartikeln, Proteinen und eingeschlossener Luft zusammen.
Er ist ziemlich voluminös, und ich lasse den Saft deshalb etwas stehen, damit ich den entstandenen Schaum anschließend abschöpfen kann. Das minimiert zwar die Saftmenge, aber nun gut. Am Ende waren es 4,5 Liter Apfelsaft. Drei Liter habe ich abgefüllt, einen halben Liter haben GöGa und die Kinder gleich getrunken – verdünnt, versteht sich.
Und der übrige Liter Apfelsaft?
Ich sage nur: Scharfes Apfelgelee!
Richtig gelesen: scharfes Apfelgelee. Ich habe etwas experimentiert – hihi – und eine mittelgroße Zwiebel in kleine Würfel geschnitten, ebenso 25 g frischen Ingwer und eine kleine orangefarbene Paprikaschote in dünne Streifen. Daraus habe ich mit Gelierzucker 1:1 ein Gelee gekocht und zusätzlich 3 g getrockneten roten Chili hinzugefügt.
Man mag es kaum glauben, doch das schmeckt echt lecker!
Jetzt hatte ich noch ein paar Äpfel übrig – geputzt knapp 900 g. Daraus habe ich dann noch Kornapfelmus gekocht, das für zwei große Gläser gereicht hat.
Damit war mein Verarbeitungswahnsinn beendet, und um 21 Uhr – pünktlich zum Anpfiff des Endspiels der Fußball-WM – habe ich erfolgreich, erschöpft und mit der Ausbeute zufrieden die Küche verlassen. Das Spiel habe ich allerdings nur bis zum Ende der ersten Halbzeit verfolgt, weil ich nach dem arbeitsreichen Tag schlicht und ergreifend bratfertig war. *ich darf das*

Wenn Kornäpfel, weißer Rum und gute Absichten aufeinandertreffen,
endet das bei Ka, Hektor und SUBsi-Lou zuverlässig im Verarbeitungswahnsinn – inklusive leicht vernebelter Köpfe.
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Offenbar hatten mir zu diesem Zeitpunkt nicht nur die Kornäpfel, sondern auch deren Dämpfe gehörig das Hirn vernebelt. Denn während ich die letzten Gläser betrachtete, begann es in meinem Kopf plötzlich zu reimen:
Gerade quillt mir der Apfel aus den Ohren,
die Gedanken sind schon ganz verworren.
Die Finger, die sind ebenfalls braun
vom Apfelschälen – man glaubt es kaum.
Doch spätestens zur Winterzeit,
wenn kein Kornapfel ist weit und breit,
hole ich mir vom Vorrat eine Konfitüre
und öffne so dem Sommer wieder die Türe.
Genieße den Duft von Apfel und mehr,
erfreue mich am fruchtigen Aroma so sehr.
Was bleibt, ist die Moral von meinem Gedicht:
Später im Jahr lacht mir der Sommer ins Gesicht.
Und nachdem mein innerer Goethe damit ebenfalls Feierabend gemacht hatte, bleibt nur noch festzustellen:
Die nächste Ernte kommt mit Sicherheit. Dann werden es Zwetschgen und Birnen sein. Bereitet euch also auf mehr Ernteergüsse vor. *haha*
In diesem Sinne,
Ka
P.S. Vor dem Kornapfel-Verarbeitungswahnsinn gab es auch einen Kirsch-Verarbeitungswahnsinn. 😀 Wer also Lust auf mehr Wahnsinn dieser Art hat, darf sich gerne in „Kirsch-Eskalation oder: Wie man aus zwei Eimern Kirschen plötzlich zehn Stunden Küchenarbeit macht“ oder „Ein Glas voll Sommer“ austoben.

Bildquelle „Hektor, SUBsi-Lou und Ka in der Küche“: Gestaltet von Ka mit Hilfe einer KI.