„Manchmal steht man unter einem Kirschbaum, mit roten Fingern und einer Schüssel voller Arbeit, und fragt sich: Warum eigentlich?
Vielleicht, weil in einem Glas Kirschmarmelade am Ende mehr steckt als nur Kirschen.
Nämlich Sommer und ein kleines bisschen Erinnerung zum Aufschrauben.“
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Geneigte Lesende,
als ich unter unserem Kirschbaum stand, die letzte Schüssel voller Früchte vor mir und die Finger längst rot vom Pflücken, fragte ich mich zum wiederholten Mal, warum ich mir das eigentlich antue.
Schließlich könnte ich Kirschmarmelade im Supermarkt kaufen. Amarenakirschen ebenfalls. Und wir wissen, das wäre sogar deutlich 👉 weniger Arbeit. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass es beim Einkochen gar nicht nur um Marmelade und andere Leckereien geht.
Es geht um Erinnerungen.
Es geht um den Sommer, den man einfangen möchte, bevor er wieder vorbeizieht. Um den Duft reifer Kirschen. Um den Genuss, sich eine Kirsche nach dem Pflücken in den Mund zu stecken und mit Sohnemann „Kirschkernweitspucken“ zu zelebrieren. Es geht um die Stunden im Garten. Um das Gefühl, etwas mit den eigenen Händen geschaffen zu haben.
Und vielleicht geht es auch um die Menschen, denen ich später ein Glas davon schenke. Denn ein selbstgemachtes Glas Kirschmarmelade ist nie nur Kirschmarmelade. Darin stecken ein Kirschbaum, ein Sommertag, viele Stunden Arbeit und die Freude, etwas weitergeben zu können.
Wenn ich im Winter ein Glas öffne, schmecke ich nicht nur Kirschen. Ich schmecke auch ein Stück Sommer.
Und genau deshalb werde ich vermutlich auch nächstes Jahr wieder unter dem Kirschbaum stehen und mich fragen, warum ich mir das eigentlich antue.
Bis ich den ersten Löffel probiere und die Antwort längst kenne.
Ka