Blog Hektor

Hektors Nebula Draconum

  • 12. April 2020

Geneigte Leserinnen und Leser,

Hektor hat noch ein kleines Ostergeschenk für Euch, er war nämlich in Erzähllaune, weswegen es heute weiter geht!
Hier für Euch wieder den Link – zur Erinnerung – was vorher geschah: *klick*

Nebula Draconum! Da war er der endgültige Beweis. Eigentlich hätte die Tatsache, dass sie für meine Nase von Anfang an unwiderstehlich duftete, oder ich in Drachengestalt meine Temperatur in ihrer Gegenwart immer weniger unter Kontrolle hatte, Beweis genug sein müssen. Aber nach Jahrtausenden des Wartens, waren mein Herz, mein Verstand UND mein Körper in Sachen ‚Erkennen der Gefährtin‘ wohl zögerlich, wenn nicht gar halb blind geworden. Offensichtlich hatte ich die Eine endlich in einer kleinen Menschenfrau gefunden, obwohl ich nicht mehr damit gerechnet hatte. Die Eine!
Das, was eben geschehen war, als sie mich das erste Mal in meiner menschlichen Gestalt berührt hat, hat meine Vermutung, meine vorsichtige Hoffnung eindringlich untermauert. Nebula Draconum konnte nur von der wahren Gefährtin eines Drachen hervorgerufen werden. Sie war mein und das sowas von. MEIN!
So gut ich sie in den letzten Monaten kennen gelernt hatte war mir jedoch bewußt, dass Ka sicherlich nicht mit fliegenden Fahnen zu mir laufen würde um kund zu tun: „Ich bin dein!“ Da warte ich seit Jahrtausenden auf meine Gefährtin und dann muss es dieser kleine, widerborstige, sommersprossige Giftzwerg sein, der mir durchaus mal ans Schienbein kickt, oder mich am Drachenschwanz zieht. Ironie des Schicksals. Die Frau hat einfach keinen Respekt vor einem altehrwürdigen Drachen, wie ich es bin. Aber um ehrlich zu sein, ich mag das an ihr! Sie kuscht nicht, reibt sich lieber an mir und liest mir durchaus auch die Leviten. :3

Gerade ist mein Menschlein mir so nahe, dass ich nicht anders kann. Ich lege meine Hand in ihren Nacken und ziehe sie an mich heran. Näher und näher. Wie immer trägt sie ihr langes Haar zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden. Aus geweiteten Augen und schweratmend sieht sie mich an. Mir ist klar, dass sie durch das, was sie eben erlebt hat, beunruhigt und extrem neugierig ist, doch dafür ist später Zeit. Ich kann nicht anders und gebe meinem bodenlosen Wunsch nach, mehr von ihrer Haut zu berühren, lasse meine Lippen über die samtige Stelle unter ihrem Ohr gleiten, wo ihr Duft nach Orangen und Cookies sehr intensiv ist. Mit einem zufriedenen Knurren atme ich tief ein und einem statisch geladenem Prickeln gleich, läuft ein wohliger Schauer durch meinen gesamten Körper. Ihr Puls schlägt heftig, als ich mit dem Mund sanft über diese Stelle gleite. Kas Finger, die gerade noch auf meiner Wange gelegen haben, streichen nun über meinen Hals, zu meinem Brustkorb und krallt sich dort im Stoff des Shirts fest. Mit meiner linken Hand fasse ich nach ihrer rechten, indem ich unsere Hände zu ihrem Rücken, hinunter zu ihrem wohlgerundeten Po führe und dort verharre, bewege ich sie stärker an meinen Körper heran. Meine andere Hand wandert zu ihrem Zopf, greift danach und zieht ihn sanft nach hinten. Jetzt habe ich besseren Zugang zum Hals meiner Kleinen, dem Schlüsselbein, welches aus dem verrutschen Kragen der Bluse heraus blitzt. Abrupt stoppe ich, als ich plötzlich wieder den Gestank von diesem Büchertreffen-Typen in der Nase habe, der von ihrer Bluse aufsteigt. Himmel! Meine Euphorie – und anderes – fällt in sich zusammen wie ein zum falschen Zeitpunkt aus dem Backrohr gezogenes Schokoladen-Souffle. „Frau, ich wiederhole: Du stinkst nach ihm!“, quetsche ich zwischen zusammengepressten Zähnen hervor und lasse sie los. Meine Nase bläht sich aggressiv und ich merke, dass aus ihr kleine Rauchwölkchen empor steigen.

Wie in Trance findet ihr Blick meinen und verfängt sich darin. Selbst jetzt stelle ich nicht ohne Stolz fest, dass ihr Mund in verzücktem Erstaunen einen Spalt offen steht und Kas kleine rosa Zungenspitze vorwitzig hervor schnellt, um über die Lippen zu lecken. So, als ob sie auf meinen Kuss warten würde. „Gottverdammt, Ka. Hör sofort auf damit!“, raunze ich, um einen klaren Kopf bemüht, die immer noch vor mir kniende Frau an. Offensichtlich hat dieser zweiter Versuch ausgereicht, sie aus ihrem entrückten Zustand heraus zu reißen, denn unmittelbar darauf klappt sie erschrocken den Mund zu und krabbelt, wie von Tarantula gejagt, rückwärts von mir weg. Ich setze ihr nach und erwische sie am Fußknöchel, was Ka zum Anhalten zwingt. „Was soll das alles, Hektor?!“, wirft sie mir auch schon entgegen und versucht vehement ihren Fuß aus meinem Griff zu befreien. Ich lasse sie los, rapple mich auf und reiche ihr meine Hand, um ihr beim Aufstehen behilflich zu sein. In manchen Sachen mag ich vielleicht modern sein, doch was das betrifft, werde ich immer altmodisch und ein Gentleman sein. Rigoros missachtet sie mein stummes Angebot und steht, ohne mich dabei aus den Augen zu lassen, auf.

Würdevoll richtet sie den verrutschten Kragen ihrer Bluse, schließt einen Knopf und klopft sich nichtvorhandenen Staub von der Hose, während ihre Augen Blitze auf mich schleudern. „Nach wem ich stinke? … Ich stinke nicht, Drache!“, giftet sie mir entgegen und verschränkt ihre Arm vor der Brust, wodurch diese ordentlich nach oben gedrückt werden.
Hilfe! Ich schlucke den Speichel herunter, der mir bei diesem Anblick in den Mund geschossen ist und versuche meine Atmung in den Griff zu bekommen. Noch müssen wir klären, wie es sein kann, dass sie nach einem Mann riecht, der nicht HEKTOR heißt! Um Ruhe und Ausgeglichenheit bemüht, versuche ich es erneut, dieses Mal mit Höflichkeit. „Ich wollte wissen, wie der Geruch Mann an dich kommt, Ka …“, die Schimpfwörter, mit denen ich den Satz gerne garniert hätte, verkneife ich mir lieber.
Sichtlich irritiert meint sie: „Hektor, ich bin gerade total überfordert! Zuerst lauerst du mir oben in der Halle auf und gebärdest dich wie Conan der Barbar, dem der Haarreif auf den Hals gerutscht ist! Dann jagst du mir die Treppe in deine Höhle hinunter nach. Wohlgemerkt dachte ich zu diesem Zeitpunkt, du wärst ein 2 Meter riesiger Dämon der es auf meine Seele abgesehen hat. Dann, falle ich vor der Erkenntnis, dass du MEIN HEKTOR IN MENSCHLICHER GESTALT BIST“, ihr merkt sicherlich, dass ihre Stimme im Zuge ihres Monologs immer lauter wird, „VERDAMMT NOCH MAL IN OHNMACHT. Ich wache auf und denke ich liege träumend in den Armen eines erotischen Ergusses. Ich berühre dich und dieser seltsame blauer Lichterrauch, oder was auch immer das war, springt von deiner Haut auf meine über. Du ziehst mich an dich, schnupperst an mir, als wäre ich dein absoluter Lieblingscookie, und wir wissen beide, wie intensiv das bei dir abgeht! Zerrst mich an dich, so dass nicht mal mehr ein Blatt zwischen uns passet, nur um mir im nächsten Moment die Frage um die Ohren zu hauen NACH WEM ICH STINKE?“ Nach diesem verbalen Ausbruch scheint Ka jegliche Kraft verlassen zu haben. Ihre Schultern sinken nach unten, ihr Kinn senkt sich und ihre Arme hängen regungslos an ihren Seiten herab.
Ich habe es vermasselt, aber sowas von. „Ka, ich …“, setze ich vorsichtig an und werde unterbrochen. „Weißt du Hektor, ich … ich habe dich verdammt gern, doch gerade bist du mir zu viel“, wispert sie leise, hebt den Kopf, atmet geräuschvoll ein und schaut für einen kurzen Augenblick zu mir, bevor sie Richtung Höhlentor geht. Ich weiß, dass ich momentan verloren habe und nicht an sie heran kommen werde. Nur darum lasse ich sie gehen, nicht ohne sehnsüchtig ihren Abgang zu verfolgen. Doch meine Kleine braucht nun Raum für sich und den werde ich ihr geben, solange sie ihn braucht. Bis morgen, oder für ein paar Stunden …?

— © Copyright by Ka, 12.04.2020 Meine tägliche Dosis