„Was passiert, wenn ein Mann selbst aus dem Gefängnis heraus die Macht behält und aus Briefen plötzlich etwas viel Größeres entsteht?
„Sweet Prison — Der Gefangene“ verbindet Slow Burn, düstere Mafia Atmosphäre und eine besondere Figurenkonstellation.
Warum mich das Buch einerseits packen konnte, mich andererseits aber nicht ganz ohne Zweifel zurückließ, lest ihr hier.“
Sweet Prison — Der Gefangene
Neva Altaj
Originaltitel: Sweet Prison
Verlag: VAJONA Verlag
ISBN: 978-3987183782
Verkauft durch: Amazon Media EU S.à r.l.
ASIN: B0FSKFV5Z1
Erscheinungsdatum: 17. Dezember 2025
Genre: Mafia Romance – Zeitgenössisch
Teil einer Serie: Perfectly Imperfect —> Ein Klick auf den jeweiligen Titel und ihr landet bei der Rezension.
1. Painted Scars – Der Pakhan
2. Broken Whispers – Das Monster
3. Hidden Truths – Der Killer
4. Ruined Secrets – Der Capo
5. Stolen Touches – Der Don
6. Fractured Souls – Der Kämpfer
7. Burned Dreams – Der Bodyguard
8. Silent Lies – Der Serbe
9. Darkest Sins – Der Dämon
10. Sweet Prison – Der Gefangene
11. Precious Hazard – Der Unterboss
Klappentext
Ist es möglich, sich in einen Mann zu verlieben, dem man noch nie begegnet ist? Noch bevor ich sein Gesicht sah oder seine Stimme hörte oder die Wärme seiner Berührung spürte, verliebte ich mich in seinen Geist. Er ist verschlagen. Listig. Und verführerisch. Der Meister tödlicher und gefährlicher Pläne. Die stille Gefahr, die niemand kommen sah. Er manipuliert Menschen wie Figuren auf einem Schachbrett, setzt die gesamte Welt der Cosa Nostra in Brand. Und verbrennt mein Herz einfach zu Asche …
Quelle Klappentext: VAJONA Verlag
Kas Bewertung

„Sweet Prison — Der Gefangene“, der 10. Teil der „Perfectly Imperfect“-Reihe von Neva Altaj, knüpft bereits mit seiner Ausgangslage an die Ereignisse des vorherigen Bandes an und macht von Beginn an deutlich, dass Massimo kein gewöhnlicher Protagonist ist. Achtzehn Jahre Hochsicherheitsverwahrung haben ihn nicht gebrochen, sondern eher noch geschärft. Selbst hinter Gittern zieht er Fäden, lenkt Menschen wie Spielfiguren und hält das Machtgefüge von la famiglia in Bewegung. Besonders spannend fand ich dabei, dass ausgerechnet die Briefe von Zara, seiner Stiefschwester, nach und nach eine Verbindung entstehen lassen, die zunächst nicht auf Nähe im klassischen Sinn beruht, sondern auf Geist, Sprache und einer wachsenden Vertrautheit.
Gerade dieser leise Aufbau war für mich eine der großen Stärken des Buches. Die Geschichte ist als Slow Burn angelegt und nimmt sich Zeit für die Annäherung zwischen Zara und Massimo. Dass die beiden Stiefgeschwister sind, hat mich persönlich nicht gestört, da sie nicht blutsverwandt sind. Zudem sind sie nicht gemeinsam aufgewachsen, sondern begegnen sich erst als Erwachsene wirklich. Auch der Altersunterschied von siebzehn Jahren dürfte nicht für alle Leser gleichermaßen funktionieren. Innerhalb der Geschichte war diese Konstellation für mich jedoch schlüssig genug, um mich auf die Beziehung der beiden einlassen zu können.
Besonders gelungen fand ich Massimos innere Zerrissenheit. Seine Zwiesprache mit dem Alter Ego, das ihn in der Einzelhaft davor bewahrt, den Verstand zu verlieren, verleiht seiner Figur zusätzliche Tiefe. Ebenso glaubhaft war für mich die Darstellung eines Mannes, der nach beinahe zwei Jahrzehnten Haft erst wieder lernen muss, sich in der Welt außerhalb der Gefängnismauern zurechtzufinden. Diese Brüche, diese Fremdheit gegenüber der Freiheit, haben der Geschichte mehr gegeben.
Auch emotional hat der Roman durchaus funktioniert. Die Verbindung zwischen Zara und Massimo wird intensiv erzählt, und gerade die leiseren Momente zwischen ihnen haben mir gut gefallen. Dennoch muss ich sagen, dass mich dieser Band gefühlsmäßig nicht ganz so stark erreicht hat wie sein Vorgänger „Darkest Sins — Der Dämon“, in dem Zaras Schwester Nera die weibliche Hauptrolle spielt. Die Emotionen waren da, keine Frage, aber sie haben für mich nicht dieselbe Wucht entfaltet wie im vorherigen Teil der Reihe.
Was meinen Gesamteindruck jedoch spürbar geschmälert hat, waren Szenen gegen Ende, die im Büro von Massimo während der Sitzungen mit seinen Capos spielen. Für mich wirkten diese Momente unnötig überzogen und vor allem nicht ganz stimmig mit Zaras bisheriger Charakterzeichnung, selbst mit der von Massimo nicht. Zara war über weite Strecken ihres Lebens eine eher introvertierte, zurückhaltende und kluge Figur, die aus dem Hintergrund heraus wirkt. Zwar wird im Verlauf der Geschichte deutlich, dass sie durch Massimos Liebe an Stärke gewinnt und sich mehr öffnet, doch genau diese Art des Nach außen Tretens konnte ich ihr in dieser Form nicht ganz abnehmen. Deshalb fühlten sich diese sehr demonstrativen Momente für mich nicht organisch an, sondern eher wie ein Bruch in ihrer Entwicklung. Die Szenen passten für mein Empfinden weder zu ihrer Persönlichkeit noch wirklich zum Ton der restlichen Geschichte. Das hat mich tatsächlich aus der Handlung herausgerissen und den positiven Eindruck leider getrübt.
Hinzu kommt, dass Massimos extremes Schutzbedürfnis stellenweise sehr stark in den Vordergrund rückt. Das gehört zwar grundsätzlich zur überzeichneten, düsteren Welt dieser Reihe, wirkte hier auf mich aber phasenweise etwas zu viel. Dadurch verlor die Figur stellenweise etwas von dem, was sie zuvor so interessant gemacht hatte: ihre strategische Kälte, ihre innere Zerrissenheit und ihre ganz eigene Präsenz.
Unterm Strich ist „Sweet Prison — Der Gefangene“ dennoch ein lesenswerter Band der Reihe. Besonders der langsame Aufbau, Massimos psychische Zerrissenheit und die ungewöhnliche Ausgangslage haben mich durchaus gepackt. Gleichzeitig bleibt für mich das Gefühl, dass hier an manchen Stellen zu viel gewollt wurde und nicht jede Zuspitzung der Geschichte der Handlung wirklich gutgetan hat. Ich würde dem Buch deshalb knapp 4 von 5 Punkten geben. Aber hey, im Grunde ist das Jammern auf hohem Niveau.
Kurz gefasst: „Sweet Prison — Der Gefangene“ punktet mit einem ruhigen Beziehungsaufbau, einer interessanten Figurenkonstellation und einem Protagonisten, dessen Zerrissenheit die Geschichte trägt. Gegen Ende verliert der Roman für mich jedoch etwas an Stimmigkeit, weshalb er mich insgesamt nicht ganz so sehr überzeugen konnte wie der Vorgänger.
