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Mabon & das Herbst-Äquinoktium: Von Ernte-Knistern und der perfekten Sofa-Saison

  • 17. September 2026

„Wenn die Tage kürzer werden, die Nächte länger und die fiktiven Bad Guys im Kerzenschein noch ein bisschen düsterer wirken: Ein augenzwinkernder Blick auf das Herbst-Äquinoktium, das moderne Mabon-Fest und die offizielle Eröffnung der kuscheligsten Lese-Zeit des Jahres.“
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Geneigte Lesende,

ein Blick aus dem Fenster verrät: Die Natur wirft sich langsam in ihr spektakulärstes goldenes Gewand, die Temperaturen sinken in den absolut deckenpflichtigen Bereich und der Tee-Konsum steigt sprunghaft an. Kalendertechnisch gesehen haben wir jetzt den Moment erreicht, an dem sich Tag und Nacht beinahe die Waage halten. Das Herbst-Äquinoktium ist nah!

Ab jetzt übernehmen die Nächte langsam das Kommando. Und während die einen dem Sommer hinterhertrauern, sitzen wir Romance-Fans doch mal ehrlich gesagt mit einem heimlichen Grinsen auf dem Sofa. Warum? Weil die dunkle Jahreszeit die absolut beste Ausrede liefert, um sich ohne schlechtes Gewissen stundenlang in dicke Bücher zu vergraben. *hachjaaa*

In meiner mythologischen Wunderwelt – genauer gesagt auf der Treppe für „Magische Bräuche, Feiertage & schrullige Traditionen“ – hat dieses Datum aber noch eine ganz andere Bedeutung. Rund um die Herbst-Tagundnachtgleiche wird heute in verschiedenen neuheidnischen Traditionen ein Fest namens Mabon gefeiert.

Und wer jetzt denkt: Aha, also haben die alten Kelten am Herbst-Äquinoktium Mabon gefeiert, tappt prompt in die nächste mythologische Falle. Denn ein uraltes keltisches Fest namens Mabon ist historisch nicht belegt. Mehr noch: Wir wissen nicht einmal, ob die Kelten die Herbst-Tagundnachtgleiche überhaupt mit einem eigenen Fest begingen.

Was wir kennen, sind andere wichtige Stationen ihres Jahres: Lughnasadh Anfang August war mit dem Beginn der Erntezeit verbunden, einige Wochen später folgte Samhain, das den Übergang in die dunkle Jahreshälfte markierte. Dazwischen liegt unser Herbst-Äquinoktium – nur ein überliefertes Keltenfest namens Mabon sucht man dort vergeblich. Mabon ist also der moderne Gast auf dieser uralten Party. In unseren heißgeliebten Büchern darf sich Mabon selbstverständlich überall tummeln. *hehe*

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Äpfel, Wein und ein Mann im Versteck
Seinen wunderbar altertümlich klingenden Namen bekam das heutige Fest eigentlich erst im 20. Jahrhundert. Anscheinend verwendete der amerikanische Wicca-Autor Aidan Kelly in den 1970er Jahren „Mabon“ als Namen für das Herbst-Äquinoktium. Für das neuheidnische Herbstfest griff er dabei auf Mabon ap Modron aus der walisischen Überlieferung zurück. Das klingt nach Druiden, Nebelschwaden und jahrtausendealter Überlieferung. Ist als Festname aber jünger als so manches Bücherregal.

Der Namensgeber selbst kann dafür nichts. Mabon ap Modron gehört tatsächlich zur walisischen Mythologie und ist wesentlich älter als das moderne Fest. Sein Name lässt sich sinngemäß etwa als „Sohn der Mutter“ verstehen. Sinngemäß daher, weil ich jetzt sicher keine keltologische Doktorarbeit daraus machen werde, um Mabon ap Modron genau zu definieren. LOL Fakt ist: seine Geschichte könnte sich auch in einem Fantasy-Roman ziemlich gut machen.

Mabon wird seiner Mutter bereits drei Nächte nach seiner Geburt geraubt und an einem unbekannten Ort gefangen gehalten. Später wird er von König Artus und seinen Gefährten dringend gebraucht. Nur weiß leider niemand, wo er steckt.
Also beginnt eine Suche, bei der einige der ältesten Tiere der Welt um Rat gefragt werden. Schließlich kennt ausgerechnet der Lachs (ja, der Lachs!!!) von Llyn Llyw, das älteste Tier von ihnen, Mabons Aufenthaltsort. Er führt Artus‘ Männer zu dessen Gefängnis, Mabon wird befreit – und darf anschließend bei der Jagd auf den gewaltigen Eber Twrch Trwyth zeigen, was er kann.

König Artus treibt sich ja ohnehin schon auf meiner mythologischen Treppenstufe herum. Offenbar kennt dieser Mann einfach jeden.

Mit dem Herbst-Äquinoktium hatte Mabons ursprüngliche Geschichte allerdings nichts zu tun. Diese Verbindung ist eine moderne Ergänzung. Genau deshalb sollte man Mabon ap Modron, die alte walisische Sagengestalt, und Mabon, das moderne neuheidnische Herbstfest, hübsch auseinanderhalten.

Beim heutigen Mabon-Brauchtum dreht sich dagegen vieles um Ernte, Dankbarkeit und Fülle. Häufig ist dabei von einer zweiten Ernte die Rede. Nüsse, Äpfel, Getreide, Trauben und auch Wein passen in dieses herbstliche Bild. Man schaut auf das Jahr zurück und fragt sich: Was habe ich eigentlich geerntet? Welche Samen, die ich im Frühjahr gesät habe, sind aufgegangen?

In meinem Fall meistens eine stattliche Anzahl neuer Bookboyfriends und ein gefährlich angewachsener Stapel ungelesener Bücher, aber das zählt doch auch als reiche Ernte, oder?! *subsi-lou nickt heftig zustimmend*

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Die Balance zwischen Licht und Dunkelheit
Mabon ist aber auch ein Fest der Balance. Schließlich steckt schon im Wort Äquinoktium die „gleiche Nacht“ – abgeleitet vom lateinischen aequus für „gleich“ und nox für „Nacht“. Nur nimmt es die Astronomie mit der Gleichheit nicht ganz so genau.

Tag und Nacht sind am Äquinoktium nämlich nicht auf die Minute gleich lang – aber wir wollen wegen ein paar Minuten jetzt mal nicht kleinlich sein. Unter anderem sorgt die Lichtbrechung in unserer Atmosphäre dafür, dass wir die Sonne noch sehen können, obwohl sie geometrisch bereits unter dem Horizont steht. Außerdem wird für Sonnenauf- und -untergang der Rand der Sonnenscheibe berücksichtigt.

Das Äquinoktium selbst bezeichnet ohnehin keinen ganzen Tag, sondern einen astronomischen Augenblick: den Moment, in dem der Mittelpunkt der Sonne den Himmelsäquator überquert. In diesem Jahr, also 2026, ist es bei uns am 23. September gegen 02:05 Uhr MESZ so weit.

Symbolisch bleibt es die große Schwelle zwischen Licht und Dunkelheit. Danach werden die Nächte auf unserer Nordhalbkugel weiter länger und die Tage kürzer, bis schließlich die Wintersonnenwende erreicht ist.

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Und dann wäre da noch Persephone …
Ihr fragt euch jetzt sicher: Und was hat die Trulla nun damit zu tun? Nun, wo von Herbst, Ernte und dem langsamen Rückzug der Natur die Rede ist, dauert es nicht lange, bis  eine Dame mythologische Treppe herunterspaziert: Persephone.

Mit Mabon ap Modron hat sie eigentlich überhaupt nichts zu tun. Sie stammt aus der griechischen Mythologie und hat mit den Kelten ungefähr so viel gemeinsam wie ein Olympier mit einem Druiden. Doch trotzdem passt ihre Geschichte erstaunlich gut zum Herbst.

Persephone wird nämlich von Hades, dem Herrscher der Unterwelt, entführt. Ihre Mutter Demeter, Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit, ist darüber dermaßen wenig begeistert, dass auf der Erde schließlich nichts mehr wachsen will. Am Ende darf Persephone zu ihrer Mutter zurückkehren – nur leider hat sie in der Unterwelt vom Granatapfel gegessen. Und wer einmal Unterwelt-Snacks futtert, kommt offenbar nicht mehr ganz so einfach aus der Sache raus.

Fortan verbringt Persephone einen Teil des Jahres bei Hades in der Unterwelt und den anderen bei Demeter. Schon in der Antike wurde ihre Geschichte mit dem Werden und Vergehen der Vegetation verbunden: Die Natur zieht sich zurück – und kehrt später wieder ins Leben zurück.

Hades sitzt in einem Ohrensessel, Brille auf der Nase, und liest.

Herbst-Äquinoktium für Romance-Leserinnen:
Die Tage werden kürzer, die Bücher dicker und selbst Hades setzt schon mal die Lesebrille auf.

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Kein Wunder also, dass Persephone heute auch wunderbar in die Symbolwelt rund um Mabon und das Herbst-Äquinoktium passt: Ernte, Rückzug, Dunkelheit, Tod und die Aussicht auf Wiederkehr – die Dame bringt praktisch das komplette Herbstpaket mit.

Nur eine kleine mythologische Spaßbremse muss ich trotzdem noch spielen: Dass Persephone ausgerechnet am Herbst-Äquinoktium in die Unterwelt hinabsteigt, ist keine antike Überlieferung. Diese hübsche Verbindung ist eine moderne symbolische Deutung. Schade eigentlich. So ein fester Termin hätte Hades‘ Jahresplanung sicherlich erheblich erleichtert.

Und weil wir hier schließlich immer noch auf einem Bücherblog unterwegs sind: Wer Hades und Persephone nicht nur mythologisch, sondern auch mit ordentlich Romance, Prüfungen und göttlichem Drama erleben möchte, kann direkt bei meinem Buchtipp zu 👉 [Eliza Raine – Die Hades Tribunale] weiterstöbern. Schließlich wäre es geradezu fahrlässig, Hades hier aus der Unterwelt zu zerren und ihn anschließend ohne passenden Lesestoff wieder nach Hause zu schicken. *mit den wimpern klimpert*

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Licht und Dunkelheit – astronomisch sogar sichtbar
Wer jetzt glaubt, diese Sache mit Licht und Dunkelheit sei lediglich hübsche Symbolik für Hexen, Mythologen und Menschen mit einem bedenklich hohen Kerzenverbrauch: Man kann sie tatsächlich sehen.

Betrachtet man die Erde aus dem All, verläuft die Grenze zwischen Tag und Nacht – der sogenannte Terminator – zum Äquinoktium nahezu gerade von Nord nach Süd, also von Pol zu Pol. Nord- und Südhalbkugel werden zu diesem Zeitpunkt nahezu gleichmäßig von der Sonne beleuchtet. Für einen kurzen Moment bekommen also sogar beide Enden der Welt etwas vom Licht ab. Wenn das mal keine ziemlich gelungene Vorstellung von Balance ist. <3

Wer gerade keinen Satelliten zur Hand hat – meiner steht beispielsweise grundsätzlich dann in der Werkstatt, wenn ich ihn brauche – kann das Ganze auch wesentlich bodenständiger beobachten: Rund um das Äquinoktium geht die Sonne nahezu genau im Osten auf und im Westen unter.

Wer also schon immer wissen wollte, wo bei ihm ziemlich genau Osten und Westen liegen: Sonne beobachten. Kompass-App gespart.

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Und was macht Stonehenge eigentlich dabei?
Wo wir schon bei Sonne, Herbst und uralten Geheimnissen sind, darf natürlich ein Kandidat nicht fehlen, der bei solchen Themen zuverlässig um die Ecke lugt: Stonehenge.

Auch dort treffen sich heutzutage Menschen zum Herbst-Äquinoktium, um gemeinsam den Sonnenaufgang zu erleben. Da liegt der Gedanke natürlich verdächtig nahe: „Ha! Dann haben bestimmt schon die Erbauer von Stonehenge hier die Tagundnachtgleiche gefeiert.“ Tja. Eine weitere Mythos-Falle am Start.

Ausgerechnet dafür gibt es nämlich keinen belastbaren Beleg. Stonehenge ist tatsächlich eindrucksvoll nach dem Lauf der Sonne ausgerichtet – allerdings spielen dabei vor allem die Sommer- und Wintersonnenwende eine Rolle. Dass auch das Äquinoktium für seine Erbauer eine besondere Bedeutung hatte oder gar mit einem eigenen Fest begangen wurde, lässt sich archäologisch nicht nachweisen.

Heute darf man dort also durchaus den herbstlichen Sonnenaufgang bestaunen. Nur sollte man dabei den alten Steinen keine Äquinoktiums-Party unterschieben, von der sie uns selbst nichts erzählt haben. Stonehenge kann schließlich nichts dafür, was wir ihm ein paar tausend Jahre später alles andichten.

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Wie feiert man Mabon auf dem Lese-Sofa?
Man muss heute kein Druide mehr sein, um der Jahreszeit etwas magischen Tribut zu zollen. Für die perfekte, unkommerzielle Mabon-Stimmung braucht es eigentlich nur ein paar feine Zutaten:

Saisonales Foodporn: Eine heiße Kürbissuppe, ein Stück warmer Apfelkuchen mit Zimt oder ein gutes Glas Wein (oder Traubensaft) passen perfekt zum Erntedank-Vibe.
Herbst-Deko fürs Auge: Ein paar Kastanien, bunte Blätter vom Spaziergang oder ein kleiner Zierkürbis neben dem Lesesessel bringen die Natur nach drinnen.
Kerzen an, Welt aus: Das Licht wird weniger, also machen wir uns unser eigenes. Das sorgt garantiert für das richtige literarische Knistern.

Sind Mabon & das Herbst-Äquinoktium also pädagogisch wertvoll für uns?
Absolut. Denn diese Energie des Rückzugs lässt sich wunderbar ummünzen: Wenn es draußen stürmt und dunkelt, entfalten die düsteren, kantigen Helden in unseren Büchern erst recht ihre volle Wirkung. Da darf der Vampir ruhig noch ein bisschen dramatischer im Schatten stehen und der Bad Guy im Türrahmen die Arme verschränken.  Außerdem: Im flackernden Kerzenschein liest es sich intensiver.

In diesem Sinne: Schnappt euch eure Kuscheldecken, stellt die Heißgetränke bereit und lasst uns die dunkle Jahreszeit gebührend begrüßen! Die 👉  fiktiven Helden warten schon im fahlen Herbstlicht auf uns.

Eure mythologisch unterwegse

Ka

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P.S. Wer nach diesem herbstlichen Ausflug direkt Lust bekommen hat, weiterzustöbern, kann sich hier durch die anderen Stufen meiner Mythologischen Wunderwelt klicken:
👉 [Hier geht es zurück zur großen Mytho-Treppe] – mit allen wilden Kreaturen und antiken Geheimnissen im Überblick.
👉 [Vampire: Blutsauger, Nachtschwärmer, Erotik-Legenden] – falls die herbstliche Dunkelheit nach dem passenden Biss verlangt.
👉 [Halloween: Zwischen Kelten, Kürbissen und Jack O’Lantern] – für alle, die schon wissen wollen, welcher magische Brauch als Nächstes vor der Tür steht.

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Bildquellen „Hades liest“ sowie „Banderole Sonne-Mond-Äquinoktium“:
Bildidee, Prompt und Gestaltung: Ka, erstellt mit Unterstützung einer KI.

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