Rezensionen Zeitgenössisches

Lisa Marlene Hammelehle — Favela Chick

  • 18. Oktober 2026

„Favela Chick“ von Lisa Marlene Hammelehe ist alles andere als eine gewöhnliche Liebesgeschichte. Drei Menschen, deren Wege sich kreuzen und die mehr verbindet, als zunächst zu vermuten wäre. Es ist ein Roman über Vertrauen, Lebenslügen und die Frage, ob man die Vergangenheit hinter sich lassen kann?

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Favela Chick
Lisa Marlene Hammelehle

Originaltitel: —
Verkauft durch: Amazon Media EU S.à r.l.
ASIN: B0GZW23D5R
Herausgeber: ‎ Mosses Schroeter Verlag
ISBN-13: 978-3941780347

Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2026
Genre: Contemporary

Teil einer Serie: —

Klappentext

Was, wenn es diesen einen Menschen gibt? Milena glaubt nicht daran. Auch nicht an Liebe oder Vertrauen. Doch genau damit verdient sie ihr Geld – indem sie Männern auf einem Dating-Portal Liebe und Vertrauen vorgaukelt. Erfolgreich, aber rastlos und verloren trifft sie in einem Berliner Club auf Hassan. Zwischen den beiden entwickelt sich eine außergewöhnliche Freundschaft. Bis sie sich auf ein Spiel einlassen, das alles verändert.

Quelle Cover und Klappentext. Mosses Schroeter Verlag

Rezensionsdose Favela Chick von Lisa Marlene Hammelehle

Kas Bewertung

Lisa Marlene Hammelehle — Favela Chick

Manche Menschen tragen ihre Vergangenheit wie einen schweren Rucksack mit sich herum. Andere versuchen, ihn irgendwo abzustellen und möglichst schnell das Weite zu suchen. Dumm nur, dass die Vergangenheit die unangenehme Angewohnheit hat, einem trotzdem hinterherzulaufen um die Gegenwart zu beeinflussen. In Lisa Marlene Hammelehles Roman „Favela Chick“ begegnen wir drei Menschen, deren Leben auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Doch der Schein trügt bekanntlich.

Da wäre zunächst Milena. Als kleines Mädchen kam sie mit ihrer Mutter aus Brasilien nach Deutschland. Inzwischen lebt sie in Berlin, mehr oder weniger aus dem Koffer, ohne irgendwo wirklich anzukommen. Mit Vertrauen und Liebe kann sie herzlich wenig anfangen. Dafür versteht sie sich ausgezeichnet darauf, anderen Menschen genau diese Gefühle vorzugaukeln.

Ihr Arbeitsplatz? Das Internet. Ihre Kundschaft? Männer auf der Suche nach Zuneigung. Milena schlüpft in erfundene Identitäten, macht ihnen schöne Augen auf digitalem Wege und erleichtert sie nebenbei um ihr Geld. Dass dabei auch Gefühle auf der Strecke bleiben, scheint sie wenig zu kümmern.

Einer dieser Männer ist Björn. Nach seiner gescheiterten Ehe sehnt er sich nach menschlicher Nähe und glaubt, diese bei einer Frau gefunden zu haben, die in Brasilien lebt. Dass seine vermeintliche Herzensdame tatsächlich in Berlin sitzt und mit seinen Hoffnungen ihren Lebensunterhalt bestreitet, ahnt er nicht.

Und dann ist da noch Hassan. Ein ausgesprochen intelligenter junger Mann, der sich mit verschiedenen Jobs über Wasser hält, unter anderem als Türsteher eines Berliner Clubs. Dort begegnet er Milena. Aus dieser zufälligen Begegnung entwickelt sich eine ungewöhnliche Verbindung und Freundschaft.

Besonders Hassan habe ich ins Herz geschlossen. Er ist ein regelrechter Menschenleser, der hinter Fassaden blickt und Dinge erkennt, die man einem jungen Mann seines Alters kaum zutrauen würde. Für mich ist er so etwas wie eine alte Seele. Sehr vereinnehmen war außerdem, dass Paula einen besonderen Auftritt bekommt, bei dem Hassan und letztendlich auch Milena einen emotionalen Sonnenstrahl zugespielt bekommen. So, als würde sich ein Kreis schließen.

Aber auch Milena mochte ich, obwohl sie mit ihren betrügerischen Machenschaften alles andere als ein Unschuldslamm ist. Weshalb ich ihr dennoch Sympathie entgegenbringen konnte? Nun, das würde ich gerne erklären. Allerdings müsste ich dafür Dinge aus ihrer Vergangenheit hervor zerren, die jeder Leser besser selbst entdecken sollte.

Interessant fand ich die Erzählweise. Lisa Marlene Hammelehle lässt Milena, Hassan und Björn abwechselnd zu Wort kommen und springt dabei zwischen verschiedenen Zeitebenen. Nach und nach fügen sich die einzelnen Puzzleteile zusammen. Auch Hassans Erlebnisse mit seinem Onkel und seinen Eltern gewinnen dadurch an Bedeutung.

„Favela Chick“ verlangt Aufmerksamkeit. Die wechselnden Perspektiven und Rückblicke machen den Roman zu einer Lektüre, auf die man sich einlassen muss. Zwischen den Kapiteln finden sich zudem lyrische Zwischenspiele, die Gefühle und Geschehnisse aufgreifen und der Geschichte zusätzliche Tiefe verleihen. Selbst dort, wo Nähe entsteht, spürt man eine eigentümliche Melancholie. Es stellt sich die Frage: Können zwei Menschen einander helfen, wenn sie mit ihren eigenen Problemen kaum zurechtkommen?

Zudem macht gerade das Zusammenspiel der Figuren für mich einen wesentlichen Reiz des Romans aus. Es geht nicht nur darum, ob aus einer Begegnung Liebe entstehen kann, sondern auch darum, ob man bereit ist, diese überhaupt zu erkennen und anzunehmen. Darum, wie sehr persönliche Erfahrungen unser Handeln prägen. Und der Schluss? Nun ja, den dürfte jeder Leser anders interpretieren. Für mich symbolisiert er einen Neuanfang.

Kurz gefasst: Wer eine leichte Romanze mit Schmetterlingen im Bauch, rosaroten Wolken und möglichst wenigen Problemen sucht, dürfte hier an der falschen Adresse sein. Wer hingegen tiefgründige Geschichten mag, die hinter die Fassaden ihrer Figuren blicken, findet in Lisa Marlene Hammelehles „Favela Chick“ reichlich Stoff dazu.

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