„Shanna“ von Kathleen E. Woodiwiss ist ein großer, dramatischer Historical-Romance-Klassiker voller Stolz, Leidenschaft und Abenteuer. Zwischen London, karibischer Kulisse und gefährlichen Verwicklungen trifft eine eigensinnige Heldin auf einen Helden, der viel zu charmant ist, um vergessen zu werden. Altmodisch, opulent und herrlich übertrieben – aber genau deshalb bis heute ein echtes Romance-Erlebnis.
Shanna
Kathleen E. Woodiwiss
Originaltitel: Shanna
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 978-3442410903
Erscheinungsdatum: 1. Januar 1996
Genre: Historical Romance
Teil einer Serie: –
Klappentext – eigene Zusammenfassung
London um 1750
Shanna, Tochter eines reichen Plantagenbesitzers, will sich den Heiratsplänen ihres Vaters entziehen und greift zu einem gewagten Plan. Sie heiratet heimlich Ruark Beauchamp, einen jungen Mann aus guter Familie, der wegen Mordes zum Tode verurteilt wurde. Für Shanna scheint die Sache einfach: Ein Ehemann auf dem Papier, bald eine Witwe in Freiheit. Doch Ruark ist längst nicht so leicht aus ihrem Leben zu entfernen, wie sie gehofft hat. Seine Flucht wird zum Beginn einer abenteuerlichen, gefährlichen und leidenschaftlichen Geschichte voller Intrigen, Stolz und unwiderstehlicher Anziehung.
Quelle Cover: Goldmann Verlag
Kas Bewertung

„Shanna“ von Kathleen E. Woodiwiss ist ein historischer Romance-Klassiker, der nicht kleckert, sondern sehr eindeutig klotzt. Mit Gefängnismauern, falschen Erwartungen, verletztem Stolz, karibischer Kulisse, Abenteuer, Gefahr, Seefahrerflair und einer Liebesgeschichte, die sich weder von gesellschaftlichen Regeln noch von Vernunft besonders beeindrucken lässt.
Im Mittelpunkt steht Shanna, eine junge Erbin, die sich in einer ziemlich verzwickten Lage befindet. Sie braucht einen Ehemann, aber bitte ohne die lästige Konsequenz, diesen Ehemann anschließend auch wirklich in ihrem Leben haben zu müssen. Praktisch, wenn sich dafür ein zum Tode verurteilter Mann anbietet. Unpraktisch, wenn dieser Mann Ruark Beauchamp ist und sich das Schicksal nicht im Geringsten an Shannas sorgfältig zurechtgelegten Plan hält. Denn Ruark ist nicht nur deutlich lebendiger, als ihr lieb sein dürfte, sondern auch viel zu anziehend, viel zu beharrlich und viel zu schwer aus dem Herzen zu verbannen.
Und ja, Shanna selbst ist keine Heldin, die man durchgehend knuddeln möchte. Im Gegenteil. Sie kann verwöhnt, stur, naiv, eigensinnig und wahnsinnig anstrengend sein. Manchmal möchte man sie sanft an den Schultern nehmen, manchmal weniger sanft, und ihr zuflüstern: Mädchen, jetzt reiß dich bitte zusammen. Gleichzeitig ist genau das ein Teil des Reizes. Shanna ist nicht von Anfang an die reife, einsichtige Liebesheldin, die alles richtig macht. Sie wächst in diese Geschichte hinein. Sie stolpert, verdrängt, wehrt sich, verletzt und begreift erst nach und nach, was Ruark ihr wirklich bedeutet. Diese Entwicklung macht sie nicht immer sympathisch, aber interessant. Und gerade weil sie so viele Ecken, Kanten und emotionale Scheuklappen hat, wirkt ihre Wandlung am Ende umso spürbarer.
Ruark dagegen ist eine vollkommen andere Kategorie Mann. Einer dieser historischen Romance-Helden, bei denen man sehr schnell versteht, warum Lesende auch Jahrzehnte später noch mit glänzenden Augen seinen Namen nennen. Er ist charmant, klug, leidenschaftlich, gefährlich genug für Herzklopfen und gleichzeitig erstaunlich geduldig mit einer Frau, die ihm das Leben wirklich nicht leicht macht. Man könnte sagen: Ruark leidet schöner, liebt hartnäckiger und verzeiht großzügiger, als es für den Blutdruck der Leserin gut ist. Er ist einer dieser Helden, bei denen man während des Lesens gelegentlich denkt: Shanna, Schätzchen, falls du ihn nicht möchtest, es gäbe da sicher eine lange Warteliste.
Was „Shanna“ besonders macht, ist aber nicht nur die Liebesgeschichte, sondern dieses enorme Gefühl von Weite. Das Buch bleibt nicht brav in einem Salon sitzen und lässt zwei Menschen über Teetassen hinweg schmachten. Nein, diese Geschichte will hinaus. Von düsteren Londoner Gassen geht es über den Atlantik, auf eine karibische Insel, auf Schiffe, in gefährliche Situationen und später noch in eine wildere, rauere Welt. Dadurch fühlt sich „Shanna“ weniger wie eine reine Liebesgeschichte an, sondern eher wie ein großes historisches Abenteuer mit sehr viel Herzklopfen im Gepäck. Es gibt Gefahren, Intrigen, Flucht, Geheimnisse, Nebenfiguren, Schauplätze und diese herrlich dramatische Atmosphäre, bei der man merkt: Hier durfte Romance noch episch sein.
Kathleen E. Woodiwiss schreibt dabei nicht nüchtern, knapp oder modern reduziert. Ihr Stil ist üppig, bildreich, die Sprache dem Zeitkolorit angepasst und eindeutig ein Kind seiner Zeit. Wer minimalistische Sätze, schnelles Tempo und schlichte Dialoge bevorzugt, könnte hier zwischendurch die Augenbraue heben. Aber wer sich auf diese Sprache einlässt, bekommt genau dieses große Kopfkino, das historische Romances so wunderbar machen können. Alles wirkt opulent: die Kulissen, die Kleidung, die Gefühle, die Konflikte, die Leidenschaft. Man riecht förmlich die salzige Luft, hört das Rascheln der Stoffe und sieht Ruark vermutlich viel zu gut vor sich.
Natürlich merkt man dem Buch an, dass es ein Klassiker ist. Figurenbilder, Dynamiken und manche romantische Zuspitzung entsprechen nicht unbedingt dem, was man heute in einer modernen Romance erwarten würde. Auch Shannas Verhalten kann Geduld kosten, und Ruarks fast grenzenlose Hingabe wirkt stellenweise wie ein romantischer Fiebertraum. Aber genau darin liegt auch der Reiz dieser alten, großen Historicals: Sie sind nicht vorsichtig. Sie sind dramatisch, überbordend, sinnlich, manchmal widerspenstig und sehr überzeugt von ihrer eigenen Wucht.
Kurz gefasst: „Shanna“ ist groß, altmodisch, dramatisch und stellenweise herrlich übertrieben. Ja, ich finde durchaus kritische Worte für dieses Buch, aber das ändert nichts daran, dass es für mich ein echter Evergreen ist und trotzdem volle Punkte bekommt. Eine Romance, die nicht leise anklopft, sondern mit wehenden Röcken, pochendem Herzen und einem Ruark Beauchamp im Gepäck die Tür aufstößt.

P.S. Wenn euch „Shanna“ jetzt wieder Lust auf große Gefühle in historischen Kulissen gemacht hat, habe ich noch ein bisschen weiterführenden Lesestoff für euch. Denn Historical Romance kann so viel mehr sein als nur raschelnde Kleider, strenge Gesellschaftsregeln und dramatische Blicke über Ballsäle hinweg, auch wenn ich genau das natürlich sehr liebe. In meinem Artikel 👉 „Warum ich mich so gern in Historical Romances verliere“ erzähle ich ausführlicher, warum mich dieses Genre immer wieder so zuverlässig erwischt. Wer es etwas rauer, schottischer und mit mehr Highlander-Herzklopfen mag, findet vielleicht in 👉 „Highlander, Herzklopfen und Eskapismus – Warum ich die schottischen Helden liebe“ den nächsten passenden Abstecher. Und falls ihr eher neugierig seid, wie sich moderne Serienadaptionen historischer Liebesgeschichten schlagen, schaut gern auch in mein Serienregal zu 👉 „Bridgerton“: Julia Quinns Buchreihe vs. Serie – meine Kritik zur Netflix-Adaption hinein. Vielleicht findet ihr dort direkt die nächste historische Eskapismus-Dosis für eure Leseliste.
