„Ein mittelalterlicher Marquis, ein schlecht gelaunter Bücherdrachen und ein Glas Piment, das eindeutig stärker war als geplant.
Ruben de Bounville betritt den HeldenSalon. Standesbewusst, misstrauisch und mit mehr Drohkulisse als höfischer Zurückhaltung.
Es wurde hitzig, feucht und verdammt unterhaltsam.“![[HeldenSalon] — Ruben, Marquis de Bounville](https://meinetaeglichedosis.de/wp-content/uploads/2016/04/Stempel_Spoilerspuren.png)
Geneigte Lesende,
ich glaube, ich brauche erst einmal einen kräftigen Schluck Kaffee. Oder roten Süßwein. Oder beides. Denn heute erwartet der HeldenSalon einen Gast, bei dem selbst Hektor vorsorglich die Schwingen ausgebreitet hat und SUBsi-Lou ihr rotes Lieblingsbuch besonders fest an sich drückt. Ruben, Marquis de Bounville, gibt sich die Ehre.
Ja, genau der Ruben. Der scharfkantige Marquis aus Ria Wolfs „Der skrupellose Marquis und die dritte Braut“. Ein Mann aus dem Frankreich des Jahres 1186, um den sich düstere Gerüchte ranken, dessen Ruf alles andere als kuschelig ist und der vermutlich eher Befehle erteilt, als höflich um einen zweiten Kaffee zu bitten. Wobei … Kaffee kennt er ja noch gar nicht. Heiliges Kanonenrohr, worauf habe ich mich da bloß eingelassen? Und wie spreche ich mit dem Kerl überhaupt? Mittelhoch-irgendwas? So, wie mir der Schnabel gewachsen ist? Grundgütiger!
Nachdem ich in meiner Buchvorstellung ein kleines, standesgemäßes Bittgesuch an den Marquis verfasst hatte, erreichte mich — wie Ihr wisst — eine Antwort —> auf Pergament. Eine Antwort, die zwischen Hochmut, Neugier und einer erstaunlichen Schwäche für Honiggebäck, gefüllte Pasteten und roten Süßwein schwankte. Natürlich konnte ich danach schlecht so tun, als hätte ich diese Einladung nicht ernst gemeint.
Apropos Süßwein: Ich habe gelesen, dass es sich dabei womöglich um einen roten Piment gehandelt haben könnte. Der wurde anno dazumal mit Honig und Gewürzen aufgepeppt! Hallo? Findet heute mal einen roten Piment. Ergo habe ich selbst einen angesetzt. *hicks. schmeckt gut* Ein schlichter, dunkler Merlot wurde dazu mit Honig, Zimt, Nelken, Ingwer und einem Hauch Pfeffer zu einem süßen Piment veredelt. Sollte der Marquis darüber die Nase rümpfen, darf Hektor ihn streng ansehen oder ihm Feuer unterm Hintern machen. Je nachdem. LOL
Ein Klick auf die Dose führt euch direkt zur Buchrezension!
![[HeldenSalon] — Ruben, Marquis de Bounville](https://meinetaeglichedosis.de/wp-content/uploads/2013/01/Trenner-Band.png)
Bei meinen Vorbereitungen schoss zudem eine ganz andere Frage auf mich zu: Wie soll Marquis de Bounville von 1186 nach 2026 kommen? Da kommt Ria Wolf ins Spiel. Zum Glück gibt es in ihrer Prota-WG jemanden, der bei diesem zeitreisetechnischen Problem helfen kann: Adrian aus —> „Keltische Nächte 2“. Der gute Mann ist in der Lage, Zeitportale zu öffnen. Ich hoffe nur, Adrian liefert ihn nicht mitten auf meinem Couchtisch ab. Oder direkt neben Hektor. *himmel bewahre* Oder mit gezücktem Schwert.
Also habe ich den HeldenSalon vorbereitet. Honiggebäck steht bereit, gefüllte Blätterteig Pasteten mit Ricotta-Spinat-Füllung oder Vanillepudding warten auf ihren Einsatz. Keine Ahnung, ob er lieber Süßes oder Deftiges zu sich nehmen möchte; dass er Käse mag, weiß ich aus seiner Geschichte. Hektor habe ich nochmals eindringlich darauf hingewiesen, dass ein Marquis mit herrschergewohntem Auftreten nicht automatisch als Kampfansage zu werten ist. Es knistert plötzlich in der Luft.
Oh.
Oh nein.
Ich glaube, das ist das Zeitportal.
*richtet hastig die kissen auf dem heldensofa und wischt unsichtbaren staub vom tisch und wirft hektor einen mahnenden blick zu*
Geneigte Lesende, wenn ich gleich nicht mehr antworten kann, wurde ich entweder standesgemäß ignoriert, streng gemustert oder von einem mittelalterlichen Marquis für zu neugierig befunden.
Es klopft nicht.
Natürlich nicht
Stattdessen bildet sich plötzlich aus dem Glas Wasser, das ich für mich auf den Tisch gestellt habe, ein rotierender Wasserring. Ein kalter Hauch streicht über den Tisch, die Flamme der Kerze zuckt, und Hektor gibt hinter mir ein tiefes, äußerst unzufriedenes Grollen von sich. Der Wasserring schwebt vom Tisch und verharrt über dem Parkett.
Dann tritt ein Mann aus dem schimmernden Kreis. Groß. Dunkel. Stolz wie eine ganze Burganlage auf zwei Beinen. Mein lieber Herr Gesangsverein. Sein Blick gleitet über den Salon, über Hektor, über die Pasteten, über mich, und für einen winzigen Moment frage ich mich, ob ich vielleicht doch besser eine Rüstung angezogen hätte, anstatt des weißen T-Shirts und meiner obligatorischen Jeans-Latzhose. Ich schlucke, setze das freundlichste Lächeln auf und neige ehrerbietig den Kopf. Zumindest hoffe ich, dass es ehrerbietig aussieht und nicht wie der verzweifelte Versuch, meine roten Chucks vor seinem Blick zu verstecken.
Der Wasserring fällt in sich zusammen, platscht auf den Fußboden und schlängelt sich langsam in das Glas zurück.
„Hochwohlgeborener Marquis de Bounville … willkommen im HeldenSalon.“
![[HeldenSalon] — Ruben, Marquis de Bounville](https://meinetaeglichedosis.de/wp-content/uploads/2013/01/Trenner-Band.png)
Ein flüchtiges Neigen des Kopfes.
“Hüterin des HeldenSalons, habt Dank für die Einladung.”
Sein Blick schweift sogleich abschätzend zu Hektor.
“Es heißt, Drachen wären nur Legenden. So muss ich Euch wohl eher Hüterin des letzten Drachen nennen. Und mir gefiel der Gedanke nicht, nur ohne Waffen das Portal durchschreiten zu können. Doch irgendwas findet sich immer, was man als solche nutzen kann.”
Zieht die Handschuhe aus, klopft mit dem Fingerknöchel gegen Hektors Wange und streicht dann über ein paar Schuppen.
“Er ist wahrhaftig, keine Illusion. Interessant. Sitz! Drache! Willst du nicht einen Zahn oder ein Auge verlieren.”
Das hat er jetzt nicht getan und gesagt oder? Schnell husche ich zu Hektor, der bereits die Zähne fletscht, während schwarze Rauchwolken und Feuerfunken aus seinen Nüstern quillen. Wenn Blicke töten könnten. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen, ziehe seinen Kopf zu mir herunter und flüstere: „Es ist besser, du wartest draußen.“ „Und dich mit dem Typen alleine lassen? Keine Chance, Ka!“ „Doch, du gehst, sonst ist es mit der Wochenration Cookies vorbei … Außerdem, er muss sich erst … ähm … akklimatisieren.“
Der Blick des Marquis trifft auf SUBsi-Lou.
“Possierlich. Steckt da ein beschriebenes Pergament zwischen den Zähnen? Gebt Ihr ihm nicht genug zu fressen? Füttert es mit Mäusen oder Hühnern, dann leiden keine Folianten.”
Schnell zische ich Hektor zu: „Nimm SUBsi-Lou mit, bevor sie ihn in die Wade beißt!“ Mürrisch klemmt sich Hektor SUBsi unter den Arm und marschiert wütend zur Türe hinaus. Bevor er sie hinter sich zuknallt, dreht er sich zu Ruben, Marquis de Bounville um und knurrt: „Krümm ihr auch nur ein Haar und ich hänge dich an die nächste Zinne!“ Er blickt zu mir. „Ich warte direkt vor der Tür.“

Wenn ein mittelalterlicher Marquis auf einen schlecht gelaunten Bücherdrachen trifft,
hält selbst der HeldenSalon kurz den Atem an.
![[HeldenSalon] — Ruben, Marquis de Bounville](https://meinetaeglichedosis.de/wp-content/uploads/2013/01/Trenner-Band.png)
Ruben bedenkt ihn nur mit einem warnenden Blick und streift dann gänzlich unbeeindruckt durch den Salon. Er streicht über einige Buchrücken, mustert mit einem Anflug von Respekt die Menge der Bücher und nimmt schließlich den kleinen Globus auf. Als der zu leuchten beginnt, lässt er ihn erschrocken fallen
„Magie! Man verschwieg mir, dass Ihr Hexenwerk betreibt!“
Fährt mit wütendem Blick zu Ka herum.
„ Bin ich hier, um einer neuen Prophezeiung gewahr zu werden? Wenn sie droht, mir Sibilla zu nehmen, verschweigt es besser, sonst breche ich Euch das Genick noch bevor Ihr das letzte Wort gesprochen habt!“
Am Schachbrett setzt er einen Zug mit einem Bauern. „Wenigstens etwas vertraut Scheinendes ist in dieser Welt geblieben.“ Seufzt und geht zum Tresen.
Für einen winzigen Moment vergesse ich, wie Atmen funktioniert. Genick brechen? Wegen eines leuchtenden Globus? Ich werfe einen hektischen Blick zur Tür, hinter der Hektor garantiert jedes Wort gehört hat und vermutlich bereits überlegt, ob „an die nächste Zinne hängen“ nicht doch zu milde wäre.
Langsam hebe ich beide Hände, als würde ich mich einem scheuenden Pferd nähern. Oder einem mittelalterlichen Marquis mit ausgeprägtem Prophezeiungstrauma. Letzteres trifft es vermutlich besser.
„Marquis“, sage ich so ruhig wie möglich, obwohl mein Herz gerade panisch Polka tanzt, „das ist kein Hexenwerk. Jedenfalls keines, das Euch oder Sibilla betrifft. Das ist ein Globus. Ein Weltmodell. Ein sehr kleines, sehr harmloses Weltmodell mit Licht.“ Kurz sehe ich zu dem gefallenen Globus, dann wieder zu ihm.
„Er leuchtet nur, weil Menschen meiner Zeit merkwürdige Dinge mögen. Einschließlich kleiner Weltkugeln mit Licht.“
„Weltkugel? Wer hat solchen Humbug erdacht? Die Welt ist eine Scheibe, das weiß ein jeder. Und dieses Licht ist magisch, ohne Zweifel. Es ist keine Kerze darin und auch nicht die Sonne. Beginnt unsere Bekanntschaft also nicht mit Lügen, Hüterin! Steht besser zu Eurem Hexentreiben. Solange Ihr es nicht an mir erprobt, ist mir das einerlei.“
Nervös und die Hände vor dem Bauch ringend beobachte ich den mittelalterlichen Mann und lasse meinen Blick über ihn wandern. In seinem dunklen Haar blitzen ab und an rötliche Lichter auf. Ruben trägt ein dunkles, eng geschnittenes Gewand, das weniger nach höfischer Bequemlichkeit als nach einem Mann aussieht, der jederzeit bereit ist, vom Gespräch in den Kampf zu wechseln. Der schwere Stoff schmiegt sich an seine Schultern und Arme, schmale Borten säumen Kragen, Kanten und Ärmel. Über einer Schulter liegt ein wadenlanger, dunkelgrüner Mantel mit goldbestickter Borte, der bei jeder Bewegung herrschaftlich mitschwingt und ungefähr so dezent wirkt wie der Mann selbst: nämlich gar nicht. Seine Haltung, diese Selbstverständlichkeit, mit der er meinen Salon inspiziert, als würde er gleich entscheiden, ob er ihn einnimmt oder gnädig duldet, lassen mich für einen Moment vergessen, dass ich hier eigentlich die Gastgeberin bin.
Ruben streicht mit den Fingern über den Tresen, betrachtet die Espressomaschine, als habe sie ihn persönlich beleidigt, und greift dann nach einer der kleinen Tassen. „Wozu dient dieses seltsame Gerät?“, fragt er, ohne mich anzusehen.
„Das“, sage ich und versuche, nicht zu hastig zu klingen, „ist eine Kaffeemaschine.“
Er wendet den Kopf zu mir. „Eine Kriegsmaschine?“
„Kaffee, nicht Krieg.“ Ich hebe beschwichtigend beide Hände. „Obwohl manche Menschen ohne Kaffee durchaus kriegerisch werden können. Ich zum Beispiel. Wenn Ihr möchtet, bereite ich Euch das Getränkt zu.“
Er betrachtet mich einen Moment lang schweigend. Dann gleitet sein Blick weiter zum Tisch, auf dem Honiggebäck, Blätterteig-Pasteten und der Piment bereitstehen.
Ich folge seinem Blick und nutze die Gelegenheit, bevor er auf die Idee kommt die Espressomaschine auf ihre Kampftauglichkeit zu prüfen. „Vielleicht“, beginne ich vorsichtig, „wäre es angenehmer, wenn Ihr Platz nehmt. Der Piment ist mit Honig, Zimt, Nelken, Ingwer und einem Hauch Pfeffer bereitet. Ich habe mir sagen lassen, dass ein Mann Eures Standes dünnen Wein vermutlich als persönliche Beleidigung auffassen würde.“
Das wirkt. Sein Blick kehrt zu mir zurück. Prüfend. Abschätzend. „Ihr habt Euch bemüht“, sagt er.
„Ich bemühe mich immer, meine Gäste nicht zu vergiften.“
„Beruhigend.“
„Nicht wahr?“ Zuckt da gerade sein rechter Mundwinkel nach oben?
„Die Anwendung von Gift scheint demnach auch in dieser Zeit noch üblich.“ Stellt die kleine Tasse auf den Tresen zurück, nimmt stattdessen ein Weinglas auf und betrachtet das durchsichtige Werk. „Warum verlangte es Euch nun tatsächlich nach meiner Gesellschaft? Steht Ihr mit dem alten de Lille im Bunde, um mich auszuschalten? Oder hofftet Ihr auf ein intimes Amüsement? Da Ihr meine Geschichte kennt, plagt Euch womöglich … Hitze?“
Hitze?
Ich glaub mein Schwein pfeifft!
Kurz lege ich mir eine Hand an die Brust und atme einmal sehr bewusst ein. Ganz ruhig, Ka. „Marquis“, sage ich schließlich und bemühe mich um einen ausgeglichenen Ton, „ich darf Euch versichern, dass ich weder mit dem alten de Lille im Bunde stehe noch irgendeine Absicht hege, Euch auszuschalten. Wäre dem so, hätte ich Euch vermutlich keinen Piment angeboten, der mir selbst schmeckt, ich habe ihn nämlich vorher gekostet.
Und was das … intime Amüsement betrifft: Nein. Der HeldenSalon ist kein Ort solcher Absprachen. Hier werden Fragen gestellt und Geschichten beleuchtet, auch wenn bereits Männer zu Gast hier waren, deren Berufung es ist, Frauen, nun ja, lustvolle Momente zu schenken.“
Kurz ziehe ich eine Augenbraue hoch.
„Was mich nach Eurer Gesellschaft verlangen ließ, war Neugier, Marquis. Echte, ehrliche Neugier. Ihr seid kein einfacher Mann. Nicht bequem, nicht ungefährlich und gewiss kein Held, den man mal eben in eine hübsche Schublade steckt. Gerade deshalb wollte ich wissen, was sich hinter Eurem Ruf, Eurer Härte und Eurer bemerkenswerten Selbstgewissheit verbirgt. Und deswegen de Bounville, werde ich Euch sogleich mit meiner ersten Frage konfrontieren: Ihr geltet als skrupellos und wenig geneigt, Widerspruch zu dulden. Ist dieser Ruf in Euren Augen gerechtfertigt, oder nur das Gerede jener, die Euch fürchten?
Lupft eine Augenbraue. “Skrupellos? Ich nenne es konsequent Ziele verfolgen und Grenzen setzen. Nur jene, die gedenken sie zu überschreiten oder sich mir in den Weg stellen haben etwas zu fürchten. Widerspruch dulde ich durchaus, in Momenten, wo das nicht meine Autorität untergräbt.”
Riecht an dem Krug Wein und probiert einen Schluck. Gießt das Glas voll und leert es in einem Zug. Nickt anerkennend.
Holla, das sieht aus, als hätte ich es tatsächlich geschafft, einen Stein ins bisher leere Brettchen des Marquis zu platzieren. Erstaunt reiße ich die Augen auf, als er sich ein weiteres Glas Wein einschenkt. Ich hoffe, er weiß, was er da tut. Obwohl, natürlich weiß er das, er ist schließlich Weingelage gewöhnt. Den haut das nicht so schnell aus den Stiefeln. Schnell stehe ich auf, um mir zur Stärkung einen Espresso runter zu lassen. Währenddessen drehe ich mich zu meinem Gast, um mit den Fragen fortzufahren. „Ihr seid ein Mann, der gewohnt ist zu befehlen. Wie schwer fällt es Euch, wenn eine Frau wie Sibilla nicht gehorcht, sondern Euch die Stirn bietet?“
Seine Augen huschen zur Espressomaschine, die gerade in Aktion tritt und meine Tasse mit dem schwarzen Gold füllt.
”Manche Frauen ignorieren die Weltordnung, fürwahr. Ihr offenbar auch, Ihr tragt Beinkleider. Gehorsam schafft Ordnung auf die man vertrauen kann. Aufbegehren bringt unnötige Unruhe. Nicht selten auch den Tod. Bei Sibilla ist die Unruhe jedoch äußerst reizvoll, solange das nicht ihrem Leib und Leben schadet. Es sollte also wohl durchdacht sein, inwieweit sie mir die Stirn bieten will, sonst findet sie sich rasch mit blanker Kehrseite über meinen Knien wieder.”

Ruben, Marquis de Bounville. Ist er nicht yummi? Aber das würde ich natürlich NIEMALS in seiner Gegenwart zugeben!
![[HeldenSalon] — Ruben, Marquis de Bounville](https://meinetaeglichedosis.de/wp-content/uploads/2013/01/Trenner-Band.png)
Hätte ich in diesem Augenblick von meinem Espresso getrunken, wäre Ruben de Bounville vermutlich der erste Marquis des Hochmittelalters gewesen, der Bekanntschaft mit einer modernen Kaffeetaufe gemacht hätte. Ich starre ihn an. „Ihr überrascht mich, Marquis. Nicht, weil Ihr Beinkleider an mir bemerkt habt. Damit habe ich gerechnet. Aber dass Ihr das Blankziehen von Sibillas Kehrseite mit derartiger Ruhe erwähnt, als sprächet Ihr über Wetter, Waffenpflege oder Weinqualität, ist schon … bemerkenswert.“ Ich setzte mich bemüht ruhig auf meinen Ohrensessel und rühre zwei Teelöffel Zucker in meinen Espresso. „Allerdings erklärt es durchaus, warum Sibilla Euch nicht einfach ergeben zu Füßen sinkt, sondern lieber Dinge nach Euch wirft.“ Mit einem fetten Schmunzeln denke ich an diese tolle Frau.
„Ihr scheint von ähnlichem Temperament wie Sibilla.“ Deutet auf den Ohrensessel. „Sollte dieser … Thron … nicht dem Gast vorbehalten sein? Oder ist das ein Wink, Euch auf den Schoss zu nehmen?“ Langt nach einer Pastete, riecht daran und hält sie Ka mit einem Zwinkern zum Vorkosten hin. „Was die blanke Kehrseite betrifft, was ist daran ungewöhnlich? Wie begegnen die Männer in dieser Zeit haarsträubendem Ungehorsam ihrer Frauen? Versohlte man Euch noch nie den blanken Po, so wisst Ihr auch nicht, welche Freuden diese Züchtigung beiden Seiten bringen kann. Das Maß ist entscheidend. Ich will Sibilla nicht verletzen. Ihre Fingernägel hinterlassen an meiner Kehrseite dagegen echte Wunden. Die ich nicht missen möchte. Sitze ich im Sattel, erinnert mich jede Bewegung des Pferdes an die Wonnen wie sie entstanden sind. Ich wäre ein Narr, deswegen zu jammern.“
Holla die Waldfee.
Ich starre erst auf die Pastete, die er mir zum Vorkosten hinhält, dann auf den Ohrensessel, dann wieder auf den Marquis. Mein Hirn braucht einen Moment, um die Begriffe Thron, Schoß, blanker Po, Sattel und Wonnen in eine halbwegs ungefährliche Reihenfolge zu bringen. Spoiler: Es gelingt nicht.
„Marquis“, sage ich schließlich und nehme ihm die Pastete mit größtmöglicher Würde aus der Hand, „zunächst einmal: Dieser Ohrensessel ist MEIN Lieblingssessel. Kein Thron. Kein Wink. Und ganz sicher keine Einladung, auf Eurem Schoß Platz zu nehmen.“
Ich beiße in die Pastete, kaue, schlucke und nicke.
„Nicht vergiftet. Ihr seid also fürs Erste sicher, Marquis. Widmen wir uns der nächsten Frage.
Was war Euer erster Gedanke, als Ihr Sibilla begegnet seid? Und bitte, versucht nicht, Euch hinter Politik, Prophezeiung oder Rache zu verstecken.“
“Der erste Gedanke? Eine verzweifelte oder geschmacklose Metze, dass sie sich mit Vicomte Leroux abgibt. Der Zweite jedoch: Interessant, eine Frau, die meine Aufmerksamkeit binden kann. Metze hin oder her.”
„Eine Metze also“, wiederhole ich langsam und greife nach meiner Tasse, trinke von meinem Espresso, den ich nur süß liebe.
„Ihr versteht es wirklich, einem ersten Eindruck den Charme einer rostigen Klinge zu verleihen, Marquis. Oder bedeutet Metze für Euch etwas anderes als für mich?“ Ich ziehe eine Augenbraue hoch.
Marquis: „“Ihr scheint mir intelligent genug, um die Deutung zu verstehen. Charme einer rostigen Klinge. Eine sehr bildliche Umschreibung.“
„Oh, ich verstehe die Deutung durchaus, Marquis.“ Ich stelle meine Tasse ab und schenke ihm ein Lächeln, das hoffentlich höflich wirkt und nicht nach gleich fliegt Gebäck. „Ich wollte Euch lediglich die Gelegenheit geben, Euch eleganter auszudrücken. Wobei, irgendwie ist es passend, denn Ihr habt Sibilla nicht aus Liebe gewählt, sondern aus Gründen, die alles andere als romantisch sind. Wann habt Ihr zum ersten Mal gespürt, dass diese Frau gefährlicher für Euch werden könnte als jeder Feind auf dem Schlachtfeld?“
Er schnaubt. „Wäre Euch die Bezeichnung Hure lieber gewesen? So nennt man diese Damen nun einmal in meiner Zeit. Das mindert nicht ihren Wert für das Stillen gewisser Bedürfnisse. Doch zu Eurer Frage. Als Gedanken und Sorge um Sibilla meinen inneren Schutzschild durchdrangen. Derartige Irritationen machen angreifbar.” Tastet und drückt das Polster der Couch. Setzt sich schließlich und schenkt erneut von dem Wein nach.
Ich reiße meine Augen auf. „Gedanken und Sorge“, wiederhole ich langsam. „Marquis, das war jetzt gefährlich nah an einem Gefühl. Soll ich das Fenster öffnen, damit Ihr Euch kurz sammeln könnt?“
„Deswegen spreche ich nicht gern darüber! Gefühle einzugestehen erntet nur Spot. Behaltet ihn für Euch, sonst ist die Unterhaltung sogleich beendet!“
Auwehzwick! Wie konnte ich nur, er ist ein gebranntes Kind, was Spot betrifft. Ich schiebe ihm die Platte mit den Pasteten hin und reagiere lieber nicht auf das Gesagte.
„Vielleicht hilft eine Pastete. Ich habe Süßes und Deftiges vorbereitet, weil ich nicht wusste, ob Euer Geschmack eher nach Vanillepudding oder nach Ricotta-Spinat verlangt. Wobei ich zugeben muss: Nach dieser Antwort tippe ich auf deftig. Männer mit inneren Schutzschilden wirken selten wie Vanillepudding.“
Fragend blicke ich ihn an.
„Vanille und Spinat? Mir fremdes Zeug, doch ich erweitere gern mein Wissen.“ Nimmt mit Vanille und seine Augen leuchten bei dem Genuss zufrieden auf.
„Ihr scheint Mauern um Euch errichtet zu haben, die höher sind als jede Burgmauer. Wer oder was hat Euch gelehrt, dass Verwundbarkeit gefährlicher ist als ein Schwert?“
„Der Schmerz um den Tod meiner Eltern. Der Kampf darum, als Nachfolger meines Vaters respektiert zu werden. Feinde gewähren keine Ruhe, weil man trauert. Sie nutzen diese Momente in der Hoffnung, man wäre handlungsunfähig. Die eigenen Leute bedauern deinen Verlust, suchen zugleich aber nach einer festen Hand, die sie leitet und schützt oder wenden sich ab. Ohne innere Mauer, die Gefühle wegschließt, ist all dem kaum zu begegnen. Eine unerschütterliche Haltung jedoch, wiegt hundert scharfe Klingen auf.”
„Puh, sehr gut gesprochen, Marquis!“ Und erschreckend nachvollziehbar. Für einen Moment sehe ich nicht den skrupellosen Mann, über den so viele tuscheln, sondern den Jungen, der viel zu früh lernen musste, dass Trauer im falschen Augenblick als Schwäche gilt. Was für ein schrecklicher Moment das gewesen sein muss. Armer Kerl. Ich räuspere mich leise und greife nach einem Stück Pastete mit Puddingfüllung. Herzhaft beiße ich in das wolkige Etwas und lecke mir einen Rest Pudding von der Lippe. Nur mit Mühe kann ich mir ein Stöhnen verkneifen, weil mir die Teilchen wirklich gut gelungen sind. „Trotzdem frage ich mich, Marquis, ob eine unerschütterliche Haltung nicht irgendwann verdammt schwer wird, wenn darunter alles Menschliche eingemauert bleibt. Vielleicht war Sibilla deshalb so gefährlich für Euch: weil sie nicht vor Euren Mauern stehen blieb.“
„Fürwahr, zeitweilig steht man sich selbst im Wege. Doch die Menschlichkeit missen andere. Selbst spürt man das nicht, bis jemand an der Mauer kratzt und darauf aufmerksam macht. Die Erkenntnis, noch immer verletzlich zu sein, lässt hinterfragen, wie angreifbar ich auch noch für andere bin. Ob meine Gefühle mich für Gefahren erblinden lassen, wie meinen Vater. Wäre er nicht so auf Mutter fixiert gewesen, hätte er den Meuchler kommen sehen. So ließen sie beide ihr Leben, wegen ihrer Schwäche füreinander.“
„Was fürchtet Ruben de Bounville mehr: einen Feind mit gezückter Klinge oder eine Frau, die hinter seine skrupellose Schale blickt?“
Lacht ironisch und nimmt nun seinerseits vom Honiggebäck. “Weder das eine noch das andere. Gezückten Klingen weiß ich zu antworten und Frauen … würden sie ausplaudern, was sie sehen … wer würde ihnen schon glauben? Und sollte das jemand tun, was nutzt es ihm? Allein für den Versuch, eine Schwäche auszunutzen, würde der Kopf desjenigen rollen.”
Ich starre ihn einen Moment lang an. Dann auf das Honiggebäck in seiner Hand. Dann wieder ihn. „Ihr sprecht über rollende Köpfe, während Ihr Gebäck esst. Das muss man auch erst einmal schaffen.“ Ich atme langsam aus. „Verzeiht, Marquis, aber an diese Mischung aus mittelalterlichem Chauvinismus, eiskalter Selbstgewissheit und hochherrschaftlicher Drohkulisse muss sich eine moderne Frau erst gewöhnen. Wobei ich zugeben muss: Ihr seid nicht grundlos so überzeugt von Euch selbst. Leider.“ Ich nicke ihm wohlwollend zu.
„Warum sollte ich währenddessen nicht essen?“ Winkt jedoch gleich ab. „Nun, Ihr seid eine Frau, das erklärt Eure Irritation und das Unverständnis, denn Ihr seid mit Schlachtfeldern nicht vertraut. Könnten wir nicht auch bei Blut und abgetrennten Körperteilen essen, so fehlte uns die Kraft das nächste Scharmützel zu bestreiten. Und glaubt Ihr, die Männer würden mir noch ohne Zögern folgen, wenn ich speiend über einem Fasse hinge?“
Da hat er einen Punkt eingefahren. Einen blutigen, mittelalterlichen, höchst unappetitlichen Punkt, aber einen Punkt.
Ich verziehe kurz das Gesicht und schiebe meine Tasse ein Stück von mir weg. „Ich gebe zu, Marquis, aus dieser Sicht betrachtet ergibt Eure Gelassenheit eine gewisse grausige Logik. Wer auf Schlachtfeldern bestehen muss, darf vermutlich nicht bei jedem rollenden Kopf die Contenance verlieren.“
Kurz mustere ich ihn nachdenklich. Was habt Ihr an Sibilla am meisten unterschätzt?“
“Ihren Tatendrang, ihren Mut, mir die Stirn zu bieten und sich mir zu entziehen.”
„Ohja, das war ein wirklich mutiger Schachzug von Sibilla, das muss ich ihr absolut zugestehen. Gut, dass Zoe bei ihr war, was für eine tolle Frau. Übrigens, wie schwer fällt es einem Mann Eures Standes, sich zu entschuldigen? Oder betrachtet Ihr Entschuldigungen grundsätzlich als unnötige Schwächung der eigenen Position?“
Leckt sich die Finger ab und sieht Ka mit aufgewölbter Augenbraue an. “Entschuldigungen sind etwas für kriecherische und verweichlichte Männer. Habt Ihr den Eindruck, ich wäre ein solcher? Und wofür, glaubt Ihr, sollte ich mich entschuldigen?”
„Dem möchte ich vehement widersprechen, Marquis. Entschuldigungen sind nicht für kriecherische, verweichlichte Männer, sondern starken Männern vorbehalten. Sich zu entschuldigen bedeutet schließlich, genug Rückgrat zu besitzen, um eigenes Fehlverhalten zu erkennen, nicht wahr?“ Mit einem niedlichen Lächeln sehe ich ihn an und hätte an dieser Stelle definitiv aufhören sollen. Verdammtes Temperament, aber auch. „Ihr seid absolut ein starker Mann, nicht wahr? Warum habt Ihr Euch dann nicht dafür entschuldigt, dass Ihr monatelang – während Eurer Ehe, wohlgemerkt – mit Metzen, oder welcher Zunft auch immer diese Damen angehört haben, das Bett geteilt habt?“ Erschrocken, schlage ich mir über meine eigene Frechheit die Hände vor den Mund. Da war sie, die Frage mit der gußeisernen Bratpfanne im Unterton. Gut, dass durch das Portal keine Waffen transportiert wurden.
![[HeldenSalon] — Ruben, Marquis de Bounville](https://meinetaeglichedosis.de/wp-content/uploads/2025/04/dose_625_keltischenaechte_1.png)
Ria Wolfs „Keltische Nächte 1“
Einmal auf die Dose geklickt und ZACK, seid ihr auch schon bei der Buchbesprechung.
![[HeldenSalon] — Ruben, Marquis de Bounville](https://meinetaeglichedosis.de/wp-content/uploads/2013/01/Trenner-Band.png)
Schüttelt langsam den Kopf.
„Was war daran falsch und warum sollte ich mich dafür entschuldigen? Jeder Mann tut das, sofern Lust und Herz noch nicht ausschließlich an sein Weib gebunden sind. Zudem rang ich mit meinen bröckelnden Prinzipien. Diese Distanz zu Sibilla half mir, mich mit meinen Empfindungen auseinanderzusetzen. Hat es sie getroffen? Nun weiß ich das, aber zu der Zeit beruhte das mehr auf verletzte Eitelkeit. Meint Ihr nicht auch?“
Er schnalzt mit der Zunge und schnaubt.
„Frauen. Ihr scheint auch übertrieben emotional und eigensinnig, sobald es um den Bund der Ehe geht. Viele Männer halten sich nebenbei sogar eine Mätresse, um dem Bett ihres Weibes auszuweichen und wahrhaftige Freuden zu genießen. Sagt nicht, das wäre Euch unbekannt.“
Gießt sich von dem Wein nach, prostet Ka zu und trinkt die Hälfte aus.
„Wenn es Euch so wichtig ist, so nehmt meine Entschuldigung, dass ich Eure magische Kugel fallen ließ!“
Ich blinzle ihn an und greife nach seinem halb gefüllten Glas und exe es.
„Den brauche ich jetzt.“
Dann stelle ich das Glas wieder hin, als wäre das völlig selbstverständlich. Bei allen Heiligen, wenn er mir mit Mätressen, weiblicher Emotionalität und einer Entschuldigung an einen Globus kommt, darf ich wohl kurz seinen Piment konfiszieren!
„Ausgesprochen mutig, meinen Wein zu stehlen, Hüterin. Oder dumm? Anderen brach ich für Gleiches schon die Finger. Nur Sibilla und Stephan ist solche Frechheit gestattet. Doch Ihr habt den Wein gestellt, so will ich es dabei belassen. Aber ich wünsche einen frischen … Kelch, oder wie man diesen durchscheinenden Becher nennt.“
Ich schenke ihm mit größtmöglicher Unschuldsmiene nach und stelle das frisch gefüllte Glas vor ihn hin. „In meiner Zeit nennt man das Glas, Marquis. Und da Ihr mir erfreulicherweise nicht die Finger brecht, wage ich mich gleich an die nächste Frage. Der HeldenSalon bietet Euch Honiggebäck, gefüllte Pasteten und roten Süßwein. Was müsste man Euch sonst noch anbieten, damit Ihr freiwillig länger bleibt als geplant?
“Eine Kralle oder eine Schuppe Eures Drachen. Dafür wäre ich bereit, noch weitere, viel zu persönliche Fragen zu ertragen.” Lehnt sich zurück, schlägt die Füße übereinander und schwenkt leicht den Wein in seinem neuen Glas. “Was, Hüterin? Ihr müsstet einen Rock tragen, um interessanter zu sein. Oder wenigstens andere Reize erblicken lassen. Versteckt Ihr Euch hinter dieser Männerkleidung? Ist sie Euch eine Rüstung?”
Entgeistert sehe ich den Frechdachs in seiner ganzen, nonchalanten Pracht an. „Eine Schuppe von Hektor? Ganz sicher nicht. Ich hänge an meinem Bücherdrachen, und er hängt an seiner vollständigen Schuppenpracht.“ Kurz wandert mein Blick zu meiner Jeans-Latzhose. „Joa, man könnte sie durchaus als Rüstung betrachten, wenn auch eine sehr bequeme, äußerst praktische Rüstung mit vielen Taschen. Und glaubt mir, Marquis: In meiner Zeit sind Taschen eine Macht, die Ihr nicht unterschätzen solltet.“ Grinsend lehne ich mich nach vorne und schaue ihn mit blitzenden Augen an. „Was meine Reize betrifft, die liegen in meiner Neugier, meiner Schlagfertigkeit und meinen kulinarischen Köstlichkeiten versteckt. Wie ich sehe, hat auch der Piment einen Reiz auf Euch, mein lieber Marquis.“
„Piment und Mahl sind Euch gelungen. Ihr dürft in meiner Küche vorstellig werden. Wofür benötigt eine Frau Taschen? Und welche Macht soll daran gebunden sein? Habt ihr darin verwunschene Hühnerklauen oder Hasenpfoten? Ich finde Neugier lästig und Schlagfertigkeit reizt mich nur bei Sibilla. Weshalb muss Euer Drache mit dem Verlust einer Schuppe einverstanden sein? Ihr seid seine Hüterin. Und dass er keine Kralle entbehren könnte, erwähntet ihr nicht. Die soll mir recht sein. Ich möchte sie Sibilla als einzigartiges Geschenk überreichen.“
„Danke für die Einladung! Eine mittelalterliche Küche würde ich sehr gerne mal besichtigen. In meiner Zeit, Marquis, trägt eine Frau in Taschen keine verwunschenen Hühnerklauen, sondern Dinge, mit denen sie jederzeit sehr eigenständig handeln kann und genau darin liegt die Macht.“
Ich schenke ihm ein unschuldiges Lächeln.
„Was Hektors Schuppen und Krallen betrifft: Er gehört nicht mir, sondern zu mir; und bevor Ihr Sibilla ein Drachenpräsent macht, verratet mir lieber, ob Ihr den Mann, der sie zur dritten Braut machen wollte, heute einen Narren nennen würdet, einen Strategen oder einen Mann, der nicht ahnte, dass sein eigenes Herz längst belagert wurde?“
„Einen Strategen, der nicht ahnte, dass Herzen intensivere Strategien verfolgen.”
In Keltische Nächte 2, könnt ihr mehr von Adrian, dem Portalöffner, lesen.
![[HeldenSalon] — Ruben, Marquis de Bounville](https://meinetaeglichedosis.de/wp-content/uploads/2013/01/Trenner-Band.png)
„Awwww, davon konnte ich mich in Eurer und Sibillas Geschichte überzeugen, Marquis!“
Für einen winzigen Moment glaube ich tatsächlich, so etwas wie Wärme in seinem Blick aufflackern zu sehen. Natürlich nur ganz kurz, denn diese Wärme, die schenkt er nur der Liebe seines Lebens, nämlich Sibilla. Bevor ich noch eine letzte, ganz sicher viel zu persönliche Frage stellen kann, kräuselt sich plötzlich erneut die Oberfläche des Wassers in meinem Glas. Der Wasserring, durch den Ruben vorhin so hochherrschaftlich in meinen HeldenSalon getreten ist, beginnt erneut zu wachsen und zu rotieren.
„Oh nein“, murmele ich. „Nicht schon wieder.“
Aus dem schimmernden Kreis erscheint nicht etwa Adrian, wie ich erwartet hätte. Stattdessen schiebt sich eine weibliche Gestalt in den Wasserglanz. Wache blaue Augen, wallendes blondes Haar, ein entschlossener Blick und eine Ausstrahlung, die sofort verrät, dass diese Frau sich weder von Prophezeiungen noch von herrischen Marquis dauerhaft unterkriegen lässt. Sibilla.
„Ruben“, erklingt ihre Stimme, „Bist du fertig damit, die Hüterin des HeldenSalons einzuschüchtern?“
Ich presse die Lippen zusammen, um nicht loszuprusten.
Der Marquis hebt langsam eine Augenbraue.
„Ich schüchtere keine Frauen ein.“
„Natürlich nicht“, erwidert Sibilla trocken. „Das geschieht stets nur aus Versehen.“
Mein Herz macht einen kleinen Hüpfer. Ich mag sie. Ich mag sie sehr.
Ruben geht rasch zum Wasserring, ergreift Sibillas Hände und legt seine Stirn an ihre.
„Tritt nicht ein, mein Herz. Hier wohnen ein zweibeiniger blonder und ein echter Drachen. Ich möchte nicht, dass du gebissen oder verbrannt wirst. Ich habe kein Schwert dabei.“
Ha! Den blonden Drachen lasse ich ihm jetzt durchgehen.
„Ka?“, fragt Sibilla, und ihr Blick richtet sich auf mich. „Ich danke Euch für die Einladung. Und dafür, dass Ihr ihn mit Fragen beschäftigt habt. Es ist selten genug, dass jemand ihn länger als ein paar Atemzüge aus dem Gleichgewicht bringt. Bisweilen kann er auch etwas anstrengend sein.“
„Ich bin nicht aus dem Gleichgewicht! Diese Neugier strapaziert nur meine Geduld.“
Ruben küsst Sibilla intensiv und lange.
„Liebes … sagte ich schon, wie leid es mir tut“, wispert er an ihren Lippen, „dass ich dich mit anderen Frauen ein halbes Jahr lang betrog?“
Ihr Blick trübte sich voller Schmerz.
„Nein. Lass diese Erinnerung ruhen. Bessere Zeiten hielten seitdem Einzug. Und warum flüsterst du?“
„Das muss niemand außer dir hören und ich will es diesen Moment nicht ruhen lassen. Nimm meine Entschuldigung, die aus tiefstem Herzen geboren ist. Mir fehlte der Sinn für deinen Schmerz. Doch weil ich durch dich nun alles anders betrachte, ist mir bewusst, wie demütigend das war. Verzeih mir, bitte.“
„Längst geschehen, Marquis, Herr meines Herzens, denn seit wir unserer Liebe bewusst sind, kann ich deiner Treue sicher sein.“
„Du nanntest mich Marquis? Hier, vor außenstehenden Ohren? Wir müssen dringlich gehen, Liebes, meine Beinlinge werden zu eng. Oder wir werfen Ka durch den Wasserring und nutzen umgehend die erstaunlich weichen Polster.“
Leckt über ihre Lippen und zieht ihre Hüfte eng an seinen Leib.
Ein kalter Wasserstrahl ergießt sich über ihn und lässt auch Sibilla nicht ganz unverschont.
Ruben schnauft und streicht sich das nasse Haar zurück.
„Dieser verdammte missgünstige Adrian!“
Sibilla lacht und wischt Wasser aus ihrem Gesicht.
„Der Mann scheint nur mehr Gespür für passende Momente zu haben.“
Ihr Blick schweift zu Ka.
„Verzeiht, dass wir nun rasch gehen. Seine Ungeduld äußert sich sonst in Bärbeißigkeit und auch ich möchte keinen Moment mit ihm verstreichen lassen, bevor er wieder zu einer Schlacht gerufen wird. Gehabt Euch wohl, Ka, und tragt ihm nicht nach, wenn er ungehobelt war. Die Zeit in der wir leben, formte ihn derart. Doch wen er liebt, weiß er mit Wärme und Großmut zu umarmen.“
„Du musst mich nicht entschuldigen, Sibilla! Ich kann für mich selbst sprechen.“
„Und schaffst dir damit mehr Feinde als Freunde. So schweige jetzt lieber! Oder ich stille meine Lust selbst und du musst bis morgen darben!“
Ruben gibt ein missmutiges Brummen von sich, hebt Sibilla hoch und wuchtet sie bäuchlings auf seine Schulter.
„Habt Dank, für Speise und Trank, Ka, Hüterin des HeldenSalons. Doch nun eilt es mich zu gehen.“
Lachend winkt Sibilla Ka zu.
„Ich liebe diesen Rohling“, ruft sie noch aus dem Wasserschimmer heraus, „und will ihn gar nicht anders haben.“
![[HeldenSalon] — Ruben, Marquis de Bounville](https://meinetaeglichedosis.de/wp-content/uploads/2013/01/Trenner-Band.png)
„Ähm … gehabt Euch wohl“, bringe ich noch hervor und hebe die Hand, während Sibillas Lachen im Wasserschimmer verklingt und Ruben mit seiner dritten Braut verschwindet, als würde er gerade nicht klatschnass, bärbeißig und mit viel zu engen Beinlingen durch ein Zeitportal stapfen.
Der Wasserring fällt in sich zusammen. Dann öffnet sich die Tür einen Spalt, und Hektor steckt den Kopf herein. „Ist er weg?“
Ich blinzle langsam. „Ja.“
„Hat er dich bedroht?“
„Ein bisschen.“
„Hat er dich beleidigt?“
„Auch ein bisschen.“
„Hat er sich benommen?“
Ich kratze mich am Kopf, sehe auf das HeldenSofa, den Piment, die Pastetenkrümel und den Fleck Wasser auf dem Boden.
„Für seine Verhältnisse vermutlich schon.“
Hektor schnaubt, während SUBsi-Lou unter seinem Arm hervorlugt und ihr rotes Lieblingsbuch noch fester an sich drückt.
Ich lasse mich in meinen Ohrensessel sinken, greife nach meinem Espresso und stelle fest, dass ich dringend einen neuen brauche.
![[HeldenSalon] — Ruben, Marquis de Bounville](https://meinetaeglichedosis.de/wp-content/uploads/2013/01/Trenner-Band.png)
Geneigte Lesende, was soll ich sagen?
Der HeldenSalon hat schon vieles erlebt. Warriors, Rocker, Escorts, Dämonen, Fay und allerlei heldenhafte Unruhe. Aber ein mittelalterlicher Marquis, der Drachenzähne sammelt, Piment leert, mein Sitzmöbel strategisch begutachtet und anschließend höchst erregt mit seiner lachenden Frau durch ein Wasserportal verschwindet?
Das war neu, aufregend und verdammt unterhaltsam. *hihi*
In diesem Sinne grüßt Euch eine leicht durchnässte, pimenterprobte und sehr froh über Hosen mit Taschen seiende
Ka *hickst erneut, der hat`s in sich*
P.S. Mehr fiktive Helden und noch mehr Interviews mit selbigen, könnt Ihr hier entdecken —> Willkommen im HeldenSalon — Wo fiktive Helden lebendig werden. Von dort aus, führen euch die Links zu allen Interviews, die ich geführt habe. Viel Spaß beim Entdecken … *mit den wimpern klimpert*
![[HeldenSalon] — Ruben, Marquis de Bounville](https://meinetaeglichedosis.de/wp-content/uploads/2013/01/Trenner-Band.png)
Bildquellen: Die Bilder „Ruben, Marquis de Bounville“ und „Hektor mit Marquis de Bounville“ wurden von Ka mithilfe einer KI erstellt.
Die Verwendung und Darstellung von Ruben erfolgte nach Rücksprache mit Ria Wolf.
![[HeldenSalon] — Ruben, Marquis de Bounville](https://meinetaeglichedosis.de/wp-content/uploads/2026/05/dose_704_derskrupellosemarquisunddiedrittebraut.png)

![[HeldenSalon] — Ruben, Marquis de Bounville](https://meinetaeglichedosis.de/wp-content/uploads/2025/04/dose_62_keltischenaechte_2.png)