Blog Hektor

Hektor in seiner menschlichen Form

  • 4. April 2020

Hektor sitzt mir seit einiger Zeit im Nacken und meinte, ich soll endlich weiterschreiben an „seiner“ Geschichte … Ich so: „Geht klar, Chef.“

Hektor in seiner menschlichen Form

Ich kann es nicht fassen! Da warte ich fast ein Jahr darauf einen Blick auf Hektor in menschlicher Gestalt zu erhaschen und prompt falle ich in Ohnmacht. Fakt ist, ich war nicht auf ihn vorbereitet. So verdammt groß und präsent und ja, durchaus furchteinflößend. Sogar jetzt, immer noch auf dem Boden sitzend ist er … Ehrfurcht erbietend. Seine muskulöse Brust hebt und senkt sich in schnellem Takt, während er mich eindringlich betrachtet. Shit! Er ist die Reinkarnation meiner erotischen Träume, so wahr ich Kalypso Buchanan heiße!
Richtig gelesen Kalypso! Total ätzend, oder? Meine Eltern haben ein Faible für griechische Mythologie. Darum haben sie mir diesen unsäglichen Namen verpasst! „Kalypso, die Tochter von Atlas dem Harten, dem Himmelsträger, einem der Titanen“, O-Ton meine Mom. Fragt nicht, wie das in meiner Kindheit gelaufen ist: „Schreibt man dich mit „C“ wie das Calypso-Eis?“, und später dann im hormongesteuerten Teenageralter „Du, Kalypso! Darf ich mal an dir lecken!“ Dreck! Darum die Abkürzung auf Ka! Kurz und knackig ohne diesen ganzen mythologischen Schnickschnack im Nacken.
„Gute Güte! Das habe ich jetzt nicht gesagt!“ „Doch! Hast du Kleines.“ Aus meinen wirren Gedanken und Brabbeln gerissen, lasse ich meinen Blick zu Hektor schweifen, an dessen Mundwinkel ein Lächeln zupft. Langsam krabble ich auf allen Vieren auf ihn zu. „Was genau hast du gehört?“
Mit einem Schmunzeln in der Stimme wiederholt er „Du hast gerade gesagt, ich wäre die Reinkarnation deiner erotischen Träume. Und ja, ich würde sehr gern an dir lecken!“ Fast schon dämonisch lupft er seine rechte Augenbraue nach oben.
Am liebsten würde ich im Erdboden versinken. „Du musst dich verhört haben Hektor und drehst mir außerdem die Worte im Munde um. Ich sagte, wenn du mich nochmal so erschreckst, werfe ich dich in die Kanalisation und dort kann man dich dann vom Boden lecken.“ Ich weiß, ich weiß, das ist eine verdammt schlechte Ausrede, aber hey! Euch würde in dieser Situation wahrscheinlich auch nichts Geistreiches einfallen. Hallo? Mein Leben wurde gerade in seinen Grundfesten erschüttert. Vor mir sitzt MEIN Drache Hektor in SEINER menschlichen Gestalt. Nicht dass ich nicht von jetzt auf gleich aus den Puschen fallen würde. Schon wieder. Ich bin sowas von … von den Socken! Was für ein Anblick.
Wenn ich eine andere Frau wäre, würde ich jetzt auf seinen Schoß kriechen und mich rollig wie ein Kätzchen an ihm reiben. Scheiße! Wo kommen nur diese irren Gedanken her? Ich bin erschüttert und komme mir vor, als hätte ein fliegendes, pummeliges Einhorn Libidohormone über mir ausgekotzt. Genau! So und nicht anders muss es gewesen sein. Es gibt Drachen, warum also sollte es keine libidohormonkotzenden, pummeligen Einhörner geben?
Umständlich schockfasziniert bleibe ich kurz vor ihm auf meinen Knien sitzen und strecke vorsichtig meine Hand nach seinem Gesicht aus. Letztendlich verlässt mich der Mut. Noch bevor ich meine Hand zurück ziehen kann, greift Hektor sanft aber nachdrücklich nach ihr und legt sie auf seine linke Wange. Ganz so als würde er wissen, dass ich unbedingt darüber streichen möchte. Meine Augen werden immer größer, während harsch Luft aus meinen Lungen entweicht. Atmen Ka! ATMEN!!! Was passiert da gerade! 
Es ist, als würde wogender Rauch von seiner mit schwarzen Bartstoppeln bedeckten Wange über die ich inzwischen leicht reibe, wellenartig über meine Hand hinweg hinauf zu Arm und Schulter wallen, um kurz darauf meine kleinen Nackenhärchen vor Wonne aufzustellen. Nein, ich werde Euch nicht erzählen, was ein Stockwerk tiefer, geschweige denn zwei Stockwerke tiefer mit meinem Körper los ist. 
Ihr kennt mich, ich bin normalerweise keiner Worte verlegen, doch das, das macht mich sprachlos. Ich kann diese Art Lichterrauch nicht nur spüren, ich kann ihn sehen! Er ist gletscherblau wie Hektors Augen. Nix von wegen Aurora Borealis, sondern eine Aurora Drakonis. Bevor ich fragen kann, was da gerade passiert, spüre ich Hektors warme Hand in meinem Nacken, die meinen Kopf immer näher zu sich heran zieht. Oh-oh …

— © 04.04.2020 by Ka, Meine tägliche Dosis

Hektor in seiner menschlichen Form

Herr Hektor ist nun zufrieden. Und ist Hektor zufrieden, bin ich zufrieden. Bis zum nächten Mal, bleibt zuhause, bleibt gesund!

Ka