Blog Kas Tatsachenbericht

1813 Tage oder: Herzlich willkommen im Regency

  • 30. August 2026

„1813 Tage gelesen. Am Stück. Eigentlich ein Grund, sich über einen neuen Rekord zu freuen.
Mein Hirn hatte allerdings andere Pläne und schickte mich kurzerhand ins Jahr 1813.
Dorthin, wo Herzöge noch Herzöge waren, Kerzen als Beleuchtung galten und der Kindle vermutlich als Hexenwerk durchgegangen wäre.“

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Geneigte Lesende!

Diese Zahl prangte in meiner Lese-App: 1813 Tage. Und natürlich hätte ich mich einfach darüber freuen können, schließlich habe ich damit nicht nur die nächste hübsche Zahl erreicht, sondern gleich einen doppelten Rekord aufgestellt: 1813 Tage und 268 Wochen gelesen. Am Stück.
Man könnte sich also zufrieden zurücklehnen, sich selbst ein wenig auf die Schulter klopfen und anschließend gepflegt weiterlesen. Wenn man nicht ich wäre und mein Hirn bei der Zahl 1813 praktisch ohne zu bremsen ganz woanders abgebogen wäre. Ich sage nur: Regency.

Screenshot der Lese-App für 1813 Lesetage

Ja, Regency. Wir reden schließlich von jener ausgesprochen reizvollen Epoche, in der meine geliebten Historical Romances bevorzugt ihre Herzöge, Viscounts, Earls und sonstigen schwer vermittelbaren adeligen Herren auf heiratsfähige junge Damen loslassen.

Ihr kennt das. Er ist reich, arrogant, emotional ungefähr so zugänglich wie eine verrammelte Burg und selbstverständlich umweht ihn irgendeine skandalöse Vergangenheit, denn geneigte Lesende, so muss dassein! 😉 Sie ist hübsch, klug, für die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse ein bisschen zu meinungsfreudig und wild entschlossen, diesen unausstehlichen Kerl niemals zu heiraten. Und ich weiß natürlich längst, wie das endet. Ihr auch, oder? *hihi*

So weit, so vertraut. Nur stellte sich mir angesichts meiner hübschen 1813 plötzlich eine Frage, die vorher ganz bestimmt niemand gebraucht hatte, die nun aber unbedingt beantwortet werden wollte: Was wäre eigentlich, wenn ich meinen 1813. Lesetag tatsächlich im Jahr 1813 verbringen müsste?
Denn sind wir mal ehrlich: Wenn es irgendeine historische Epoche gibt, in der ich mich aufgrund meines jahrzehntelangen Romance-Konsums zumindest theoretisch nicht vollkommen verloren fühlen dürfte, dann doch wohl das Regency.

Schließlich habe ich genügend Historical Romances gelesen, um mehrere Ballsaisons problemlos damit zu füllen. Mir sind Dukes, Earls, Viscounts, Marquesses und Barons in einer Anzahl bekannt, bei der der britische Hochadel vermutlich selbst den Überblick verlieren würde. Ebenso weiß ich, dass eine junge unverheiratete Dame tunlichst darauf achten sollte, mit wem sie wann auf welcher Terasse allein erwischt wird, kenne Debütantinnen, Anstandsdamen, Morning Calls, gesellschaftliche Regeln und selbstverständlich die verheerenden Folgen eines einzigen unbedachten Kusses. Und Himmel bewahre, eine der Damen würde einen Fußknöchel aufblitzen lassen: Skandalös! Vom Anblick ihrer Drawers mal ganz abgesehen …

Ihr seht: Ich wäre also bestens vorbereitet. Zumindest wäre ich davon kerkertief überzeugt, während mein Hirn beschließt, die Sache konsequent weiterzuspinnen und mich gedanklich ins Jahr 1813 verfrachtet. Was soll schließlich groß schiefgehen?

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Einmal Regency, bitte!
Stellen wir uns die Sache also vor: Ich zelebriere meinen 1813. Lesetag und schwupps stehe ich irgendwo in England zu besagter Zeit herum.
Wisst ihr was? In den ersten Minuten wäre ich vermutlich noch ausgesprochen guter Dinge. Immerhin lese ich Historical Romances nicht erst seit gestern. Regency? Kenne ich! Zumindest theoretisch. Ich weiß, dass ein Duke gesellschaftlich ein paar Stockwerke über einem Mister wohnt, dass unverheiratete junge Damen nicht einfach unbeaufsichtigt mit irgendwelchen Herren durch die Gegend streifen sollten und dass ein Ball nicht ausschließlich dazu dient, sich hübsch anzuziehen und anschließend dem nächstbesten Duke schöne Augen zu machen.

Ich kenne Almack’s, weiß, wie man von Mayfair zum Hyde Park kommt und weiß, dass Skandale das gefundene Fressen für den Ton waren. In unzählige Seasons konnte ich lesend vermutlich mehr Viscounts kennengelernen als im Jahr 1813 tatsächlich frei auf dem Heiratsmarkt herumliefen und habe ausreichend Duelle überlebt, um zu wissen, dass man sich als unverheiratete Frau besser nicht nachts allein mit Lord Sowieso in der Bibliothek erwischen lässt. Ich wäre praktisch vorbereitet! Also … theoretisch.

Denn zwischen „Ich habe ungefähr drölfzig Historical Romances gelesen“ und „Ich lebe jetzt tatsächlich im Jahr 1813“ könnte es möglicherweise doch den einen oder anderen klitzekleinen Unterschied geben. Allein meine Sprache dürfte interessant werden. Nicht, weil ich davon ausgehe, dass ich mich hinstellen und einer ehrwürdigen Dowager Duchess ein fröhliches „Wow, wie cool!“ entgegenschleudern würde. Ich traue mir durchaus zu, mich sprachlich relativ schnell meiner Umgebung anzupassen. Wahrscheinlich würde es sogar erschreckend flott gehen, weil mein Hirn genügend Romanmaterial gespeichert hat, um irgendwo zwischen „My Lady“, „Your Grace“ und ausgesuchter Höflichkeit den passenden Gang einzulegen.

Gefährlicher wäre vermutlich der Moment, in dem ich mich ärgere. *husterer* Denn irgendwann würde mir garantiert etwas herausrutschen, bei dem die anwesende Gesellschaft geschlossen die Luft einsaugt und ich einen Sekundenbruchteil später denke: Upsi. Nun gut, dann müsste eben schnell ein Duke her, der meinen Ruf rettet. Wozu lese ich schließlich seit Jahren Historical Romance? *fg*

Bild Regency-Paar
1813 – ein ausgesprochen gutes Jahr für stolze Männer, die sich hoffnungslos verlieben.

 

Wo zur Hölle ist mein Kindle?
Das eigentliche Drama würde ohnehin an ganz anderer Stelle beginnen. Ich bin schließlich nicht wegen irgendeines Dukes im Jahr 1813 gelandet, sondern wegen meines 1813. Lesetages. Folglich möchte ich lesen. Und genau jetzt hätte die Regency-Romantik ihren ersten ernsthaften Riss.

Natürlich gab es Bücher. Selbstverständlich wurde gelesen. Und ausgerechnet 1813 hätte für mich sogar etwas ganz Besonderes zu bieten, denn am 28. Januar dieses Jahres erschien Jane Austens „Pride and Prejudice — Stolz und Vorurteil“. Während ich also 2026 über meinen 1813. Lesetag stolpere, wurden im echten Jahr 1813 Elizabeth Bennet und Mr. Darcy erstmals auf die Leserschaft losgelassen.

Heiliges Kanonenrohr! Wie perfekt kann eine Zahl eigentlich zu einem Romance-Bücherblog passen? Aber wartet, das wird noch besser. Denn wenn wir schon bei meinen geliebten Historical Romances sind, hat die Zahl 1813 noch einen weiteren Treffer gelandet: Auch Julia Quinn lässt die Geschichte der Bridgertons genau in diesem Jahr beginnen. The Duke and I — Der Duke und ich“, also die Geschichte von Daphne Bridgerton und Simon Basset, spielt 1813.

Ähm … hallo? Da zeigt mir meine Lese-App nach 1813 Tagen ausgerechnet eine Zahl, die mich in das Erscheinungsjahr von „Pride and Prejudice“ katapultiert und gleichzeitig in jenes Regency-Jahr, in dem Daphne Bridgerton ihren Duke bekommt? Langsam bekomme ich das Gefühl, diese Zahl hat sich nicht zufällig auf meinen Bildschirm verirrt. *mit den augenbrauen wackelt*

Und jetzt möchte ich erst recht wissen, wo mein Duke bleibt. Den ich, wie bereits erwähnt, natürlich überhaupt nicht brauche. Aber das Prinzip, geneigte Lesende! Es geht ums Prinzip!

Ich könnte mir also theoretisch „Pride and Prejudice“ besorgen, im Original (!!!) und meinen 1813. Lesetag mit einem Roman verbringen. Spätestens am Abend würde ich meinen Kindle wahrscheinlich trotzdem schmerzlich vermissen. Obwohl … wenn man bedenkt, dass eine Originalausgabe 2022 bei einer Auktion angeblich 92.000 Pfund einbrachte, wäre das schon, wie soll ich sagen, ein Moment, in dem man den Kindle vielleicht gar nicht mehr sooo schmerzlich vermisst. *höhöhö*

Allerdings bin ich inzwischen ausgesprochen verwöhnt. Ich kann lesen, wann ich möchte. Ist es dunkel, leuchtet mein Reader. Ist mir die Schrift zu klein, mache ich sie größer. Beende ich nachts um 23:48 Uhr einen Band und stelle fest, dass ich JETZT SOFORT wissen muss, wie es weitergeht, dauert es normalerweise nur wenige Augenblicke, bis der nächste auf meinem Kindle liegt. Versucht das mal in der Regency-Ära.

„Schnell, Perkins. Lassen Sie die Kutsche anspannen! Ich benötige dringend Band zwei.“

Ich fürchte, spätestens an dieser Stelle würde mir auffallen, dass die gute alte Zeit aus Sicht einer Vielleserin durchaus gewisse logistische Schwächen hatte. *lacht*

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Mein Regency hat einen Komfortfilter
Nach diesem Debakel wäre wahrscheinlich genau das die größte Erkenntnis meines kleinen Ausflugs. Trotzdem: Ich liebe das Regency, das mir Historical Romances schenken. Ich liebe die prachtvollen Bälle, die wunderschönen Kleider, die Kutschen, Landsitze und riesigen Bibliotheken. Ich mag den ganzen gesellschaftlichen Zirkus mit seinen Regeln, die heimlichen Blicke über einen Ballsaal hinweg, die Skandale, den Klatsch und natürlich jene Herren, die zu Beginn eines Romans häufig kerkertief davon überzeugt sind, niemals ihr Herz an irgendeine Frau zu verlieren. *hach ja*

Nur besitzt mein literarisches Regency einen ausgesprochen angenehmen Komfortfilter. Während ich lese, muss ich mir keine Gedanken darüber machen, wie warm das Schlafzimmer dieses prachtvollen Herrenhauses im Januar tatsächlich ist. Ich muss nicht darüber nachdenken, ob ich mich nach einem langen Tag einfach unter eine warme Dusche stellen kann, und eine Zahnwurzelentzündung interessiert mich höchstens dann, wenn eine Autorin beschlossen hat, damit eine Nebenfigur zu quälen. ^^

Vor allem aber kann ich über all die gesellschaftlichen Regeln herrlich lesen, weil sie für mich keine Konsequenzen haben. Eine Romanheldin kann sich darüber sorgen, dass ein falscher Schritt ihren Ruf ruiniert, und ich kann mit ihr mitfiebern. Würde mir dagegen jemand erklären, wohin ich ohne männliche Begleitung gehen darf, welche Entscheidungen ich nicht allein treffen kann oder dass meine wirtschaftliche Zukunft im Wesentlichen davon abhängt, möglichst vorteilhaft zu heiraten, dürfte sich meine Begeisterung für das authentische Regency relativ schnell in überschaubaren Grenzen halten.

Da hilft dann vermutlich auch kein Duke mehr. Wobei …
Wenn er schon einmal da ist, kann ich ihn mir natürlich trotzdem ansehen. Und wenn er zufällig Sir Anthony Malory (aus „Lodernde Leidenschaft“ von Johanna Lindsey) heißt … man muss ja nicht gleich heiraten. :3

Es grüßt, die heute mal 1813mäßig unterwegse,

Ka

Banderole zur optischen Trennung

Bildquelle „Regency-Pärchen“: Pixabay, by Praxi05, KI- generiert

Bildquelle „Lesephase“: Screenshot von Kas Handy.

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