Blog Kas Tatsachenbericht

Wenn Historie auf Quote trifft: Meine Netflix-„Bridgerton“-Kritik

  • 1. Februar 2026

„Historische Romance trifft Netflix-Quote – und stolpert.
„Bridgertons“ opfert für mich zunehmend erzählerische Logik zugunsten sichtbarer Quotenerfüllung.
Schöne Kostüme retten keine Geschichte, wenn Setzen Erzählen ersetzt.
Ich schaue weiter. Ich meckere weiter. Mit Fächer. Und Tee.“

Kleine Warnung vorab:

Wer sich leicht darüber aufregt, wenn man nicht jederzeit und überall – insbesondere im historischen Kontext oder im direkten Vergleich zur Buchvorlage – jede Form von Quotenerfüllung reflexartig schönreden möchte, sollte an dieser Stelle lieber nicht weiterlesen.
Alle anderen: Kommt rein, setzt euch, nehmt euch einen Tee. Oder etwas Stärkeres. Könnte leicht sein, dass ihr das braucht. *mit den wimpern klimpert*

Wenn Historie auf Quote trifft: Meine Netflix-„Bridgerton“-Kritik

Geneigte Lesende – oder wie Lady Whistledown es vermutlich formulieren würde: Geneigte Leserschaft! Lachen wir kurz gemeinsam und legen los.

Wer mich kennt, weiß: Kritik heißt nicht Ablehnung, sondern Lust am genauen Hinschauen – schließlich klappe ich auch bei den Büchern, die ich lese und rezensiere, innerlich den Fächer auf und schaue genau hin. LOL

Ich bin bekennender Netflix-„Bridgerton“-Fan. Eigentlich. Wirklich.
Ich liebe die opulenten pastelligen Kostüme (auch wenn ich eher ein Freund von Schwarze und Rot bin *ggg*), die perfekten Bälle, den zuverlässig zur Saison explodierenden Blauregen an der Residenz der Bridgertons. Und ja: Ich habe selbstverständlich alle Bücher gelesen. Mehrfach. Mit Genuss. Mit Seufzen. Mit innerem Fächerklappen.

Julia Quinns „Bridgerton“-Reihe lebt von Figuren, die organisch in ihrer Zeit verankert sind. Von gesellschaftlichen Regeln, Zwängen und Erwartungen, die den Rahmen für Romantik, Konflikte und Sehnsüchte bilden. Genau das macht mitunter den Reiz historischer Romances aus.
Und genau hier beginnt mein Problem mit der Netflix-Adaption.

Denn je weiter die Serie fortschreitet, desto stärker habe ich das Gefühl, dass sie sich von den Büchern immer weiter weg entfernt und historische Atmosphäre und innere Logik zunehmend der Quotenerfüllung untergeordnet werden. Nicht als erzählerische Entwicklung, nicht als gewachsene Neuinterpretation – sondern als bewusste Setzung.
Die Geschichte wirkt stellenweise nicht mehr erzählt, sondern belegt.
Nicht entwickelt, sondern abgehakt. Nach dem Motto: Super. Wieder eine Quote erfüllt.

Natürlich ist mir klar, dass Serien heute unter anderen Erwartungen entstehen als Bücher.
Und ebenso klar war von Anfang an – bereits beim Casting der ersten Staffel –, dass „Bridgerton“ bewusst auf eine vielfältige, internationale Besetzung setzt. Das wurde offen kommuniziert, und ich fand (und finde) das persönlich sehr schön, spannend und total erfrischend. Vielfalt an sich ist für mich kein Problem – im Gegenteil. Sie war von Beginn an sichtbar, nachvollziehbar und als kreative Entscheidung klar erkennbar. Genau deshalb habe ich sie nie infrage gestellt.

Der Punkt ist ein anderer: Wenn historische Stoffe so gestaltet werden, dass Quoten erfüllt werden, ohne diese Entscheidungen erzählerisch sauber in Zeit, Welt und Logik einzubetten – ganz im Gegensatz zu der von Anfang an klar durchdachten, vielfältigen internationalen Besetzung, die hervorragend in die Serie integriert ist – entsteht ein Bruch. Und dieser Bruch ist spürbar.

Wenn Historie auf Quote trifft: Meine Netflix-„Bridgerton“-Kritik

Ich möchte das nochmals ganz deutlich sagen: Was mich stört, ist nicht die Existenz moderner Themen – sondern die Art, wie sie in eine historische Kulisse gestellt werden. Ohne Vorbereitung. Ohne Kontext. Ohne Rücksicht auf das Zeitkolorit. Die Historie dient dann nicht mehr als tragendes Fundament, sondern nur noch als dekorative Kulisse für aktuelle Anforderungen.
Eine gute Geschichte kann fast alles erzählen – wenn sie sich die Mühe macht, es zu erklären. Manchmal genügen dazu nur ein paar Sätze. Aber wenn Quotenerfüllung sichtbar wird, wenn sie nicht aus der Handlung heraus wächst, sondern von außen aufgesetzt wirkt, wenn ich sie als Betrachter als Bruch erkenne, leidet die innere Glaubwürdigkeit der Welt.

Gerade bei historischen Romances ist das für mich ein empfindlicher Punkt. Dieses Genre lebt davon, dass Gefühle, Konflikte und Figuren innerhalb klarer gesellschaftlicher Grenzen entstehen. Werden diese Grenzen beliebig verschoben oder ignoriert, verliert die Geschichte genau das, was sie ursprünglich besonders gemacht hat und das Zeitkolorit der Regency-Ära bekommt sichtbar Risse.

Vielleicht wäre es für mich tatsächlich einfacher, die TV-Serie „Bridgerton“ komplett losgelöst von den Büchern zu betrachten. Als modernes Märchen mit hübschen Kleidern, perfekten Kulissen und viel Glanz, viel Glitzer, ähnlich wie zum Beispiel die Serie „The Great“, in der es um Katharina die Große geht. Da ziehe ich auch keine Parallelen zur wahren, historischen Zeit – weil das Ganze bereits im Vorspann mit einem Augenzwinkern und als satirische Dramedy beginnt. Und das fehlt mir bei „Bridgerton“. Dann würde ich vermutlich weniger meckern. Aber als Leserin der Vorlage fällt mir dieses Abschalten schwer.

Trotz allem: Ich werde „Bridgerton“ natürlich weiter schauen – die Kostüme sind zu schön, der Blauregen zu fotogen *höhöhö*, und ich kann einfach nicht anders, als mich heimlich in die Bälle zu träumen.

Also ja – ich kritisiere.
Ich meckere und rolle mit den Augen.
Aber ich tue das nicht aus Ablehnung, sondern aus Liebe zum Genre. Und aus dem Wunsch heraus, dass erzählerische Logik und historische Atmosphäre nicht dauerhaft zugunsten reiner Quotenerfüllung geopfert werden.

Manchmal muss man eben ein bisschen meckern, um den Nachmittagstee richtig genießen zu können, ne? Eloise kann da sicher ein Wörtchen mitreden, die wird ja neuerdings von Penelope und ihrer Schwester Francesca regelrecht ignoriert, wie es scheint. Auch irgendwie seltsam … *zwinkernd den fächer schwingt*

Und außerdem! Bei der filmischen Umsetzung der „Black Dagger“ von J.R. Ward scheint das ja auch zu funkitonieren! *KLICK zu Black Dagger & Passionflix – Ich hab’s wirklich getan (und nicht bereut)!* Die erste Staffel ist erkennbar nahe am Buch. Wunderbar kann ich da nur sagen!

Blauregnerische Grüße sende die

Ka

PS – ganz im Sinne Lady Whistledowns:
Geneigte Leserschaft!
Diese Zeilen richten sich nicht gegen Vielfalt, sondern gegen das Erzählprinzip „Setzen statt Erzählen“. Quote ersetzt keine Dramaturgie – und historische Kulissen sind mehr als bloße Tapete. Und ja: Ich bin gespannt, wie es im Februar mit der vierten Staffel weitergeht.

Wenn Historie auf Quote trifft: Meine Netflix-„Bridgerton“-Kritik

Bildquelle Blauregen: Pixabay.com von Lony59

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