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[VerlagsSalon] Martina Campbell – SiebenVerlag

  • 21. September 2011

Geneigte LeserInnen,

mit Sicherheit hat es sich herumgesprochen, dass der Sieben Verlag im September sein 5-jähriges Firmenjubiläum feiert! Grund für uns, einen Blick hinter die Autoren und Bücher des Verlages zu werfen, um unser Augenmerk auf die Chefin, Martina Campbell, zu richten.

Ein herzliches Willkommen, Frau Martina Campbell, bei Happy End Bücher. Wir titulieren den Autoren-Salon jetzt einfach in Verlags-Salon um – obwohl – bei Ihnen trifft ja beides zu! Sie sind unter dem Pseudonym Joy Fraser selbst als Autorin tätig und ein Blick in Ihr Verlags-Repertoire zeigt, dass sie unter Ihrem Pseudonym auch im Bereich “Sachbuch” schreiben. Was muss passieren, Frau Campbell, dass eine Autorin sozusagen zur Verlegerin mutiert?

Danke für die Einladung in euren Salon. Sehr gemütlich! Nun, die Verlagsbranche hat mich schon immer fasziniert. Da ich schon immer „auf der anderen Seite“ tätig sein wollte, mein berufliches Leben aber eine andere Richtung einschlug, ergriff ich 2006, zum passenden Zeitpunkt die Initiative und gründete meinen Verlag. Frei nach dem Sprichwort: Lebe deinen Traum! Genau das habe ich getan. Mittlerweile schreibe ich selbst nicht mehr, meine Zeit, Arbeit und Energie fließt ausschließlich in den Sieben Verlag.

Wie kritisch gehen Sie mit sich selbst – als Autorin – um?

Als Autor ist man leider betriebsblind, sodass Hilfe von außen dringend notwendig ist. So stand ich Kritik immer offen gegenüber, wenn es um die Überarbeitung ging. Den Manuskripten hat es gut getan. Dabei bin ich genauso kritisch mir selbst gegenüber, wie fremden Texten, vielleicht sogar noch kritischer. 😉

Der inzwischen verstorbene österreichische Schriftsteller Robert Neumann hat einmal ganz provokant zum Begriff “Verleger” verlauten lassen, dass dies Menschen seien, die zu wenig investieren, zu wenig werben und zu viel verdienen. Nun meine Frage – mit einem GROSSEN Augenzwinkern: Ist das wirklich so, oder würden Sie Herrn Neumann ob dieser Äußerung lieber auf den Mond schießen, oder sonst wo hin?

Ein solch generelles Statement halte ich für sehr oberflächlich. Und auf den zweiten Blick für unlogisch, denn wer nicht investiert oder wirbt, kann nichts verdienen. Vielleicht war das früher einmal der Fall, und mag geboren sein aus der Vermutung, dass Großkonzernchefs nur auf ihrer Yacht sitzen während sich das Business von alleine managed. 😉 Ich bezweifle das, und meine geschätzten Kolleginnen und Kollegen, ob kleine oder mittlere Verlage, investieren eine Menge in ihr Geschäft. Nicht nur Geld und Know How,  sondern auch Energie, Herzblut, Zeit … Es gehört eine große Portion Enthusiasmus und Liebe zu diesem Job, aber natürlich auch ein gewisses Maß an Realtitätsbewusstsein. Die Autoren vertrauen einem ihre Projekte an, und man sollte behutsam und respektvoll, aber auch mit der nötigen kaufmännischen Neutralität und Kompetenz damit umgehen können. Das kann mitunter ein Balanceakt sein und birgt natürlich auch Risiken. Auch, dass man Vorwürfe gemacht bekommt. Damit muss man ebenfalls umgehen können. In jedem Verlag wird hart und mit viel Engagement gearbeitet. In einem Kleinverlag investiert man darüber hinaus vor allem unbezahlte Zeit und eine Menge Geld, das nur mühsam – wenn überhaupt – wieder reinkommt.

Was empfinden Sie, wenn Sie auf fünf Jahre Sieben Verlag zurückblicken?

Da toben in mir nur Glücksgefühle. 😉 Ich freue mich über unsere lieben und treuen Leser, unsere wunderbaren Autoren, die den Weg zu uns fanden und ihr Vertrauen in uns setzen. Zwischenmenschliche Kontakte und gemeinsame Erfolge geben Mut, weiterzumachen. In diesen fünf Jahren ist unser Programm enorm gewachsen und es geht weiter aufwärts, Großverlage kaufen unsere Taschenbuch-Lizenzen. Das alles spornt an, bestätigt uns, auf dem richtigen Weg zu sein und macht uns glücklich.

 

Spielt die Zahl “7” eine Rolle in Ihrem Leben, ist sie gar Ihre Glückszahl? Der Name “Sieben Verlag” ist meines Erachtens sehr interessant und weckt in mir die Neugierde zu erfahren, was sich wohl dahinter verbirgt!

Die Zahl sieben gilt als mystisch, gar magisch. Das schien mir ein gutes Omen. 😉

 

Das Hauptaugenmerk – wenn ich es als solches bezeichnen darf – Ihres Verlages, liegt in der Romantischen / Urban Fantasy. Das ist jedoch noch nicht alles. Breit gefächert darf sich der Leser über Erotik, Fantastik, Krimi / Thriller, Romane und selbst Sachbücher und Regionales freuen. Haben Sie persönlich einen, nun ja, “Genre-Favoriten”, welcher Bereich ist Ihr liebstes “Kind”?

Die Breite des Programms entstand anfangs natürlich durch ein Vortasten, eine Orientierung der Richtung, die vom Leser am besten angenommen wird. Inzwischen verlegen wir keine neuen Thriller oder klassische Krimis mehr, ebenso haben wir die frechen Frauenromane aus dem Programm genommen. Darin sind die „Großen“ besser. 😉

Man muss erkennen, was einem am meisten liegt. Bei uns ist das eindeutig der Liebesroman, den wir in verschiedenen Varianten im Programm haben.  Als ich anfing, gab es kaum Autoren, die sich in Fantasy-Romance betätigten. Ich selbst liebte dieses Genre bereits seit 15 Jahren, kannte es aus Kanada und den USA, wo der paranormal romance schon lange auf dem Weg war, ein etabliertes Liebesroman-Subgenre zu werden. Ich träumte davon, es selbst zu verlegen. Glücklicherweise hat  sich das Genre hier nun auch etabliert, sodass ich in meinem Lieblingsfeld agieren kann.

Die Sachbücher liegen mir aber auch sehr am Herzen, denn sie sind Hilfsliteratur für Menschen, die sich speziell informieren möchten. Es macht Spaß zu sehen, wie gut diese Titel angenommen werden.

Wie viele hoffnungsvolle Autoren klopfen mit ihren Manuskripten an Ihre Verlagstür? Ich stelle es mir schwer vor, da Sie ja selbst als Autorin tätig sind, manchen Autoren besagte Verlagstür zu zeigen …

Wir bekommen täglich Anfragen. „Die Tür zeigen“ wir vor allem solchen Autoren, die unsere Genres nicht treffen.  Alles andere wird genauestens geprüft, und wenn die Story interessant ist und der Schreibstil ansprechend, arbeiten wir auch mit Jung- bzw. unveröffentlichten Autoren gern zusammen. Sind noch zu viele handwerkliche Mängel vorhanden, empfehlen wir Fachliteratur und Schreibkurse, und helfen auch selbst im Lektorat Autor und Manuskript auf die Beine. Natürlich ist es hart, auch welche aussortieren zu müssen, aber wir geben immer eine Begründung ab, sodass diese Autoren an sich arbeiten und immer wieder etwas einreichen können. Da ich die empfindsamen Seelen der Autoren kenne ;), weil ich selbst schon an Verlagstüren klopfte, versuche ich immer, sachlich und fair zu begründen.

 

Nach welchen Kriterien werden Manuskripte ausgewählt, die es dann bis zum Druck schaffen?

Wie gesagt, vor allem muss eines unserer Genres genau getroffen werden. Genre-Mix ist immer schlecht, denn nicht nur die Leser, sondern auch die Buchhändler erwarten eine klare Zuordnung. Natürlich kann man das Rad des Liebesromans nicht neu erfinden, aber die Geschichten müssen zumindest etwas Originelles, Neues mitbringen, und einen fesselnden Schreibstil aufweisen. Die LeserInnen in unserem Genre sind anspruchsvoll, haben oft jahrelange Leseerfahrung und sind eine hohe Qualität gewöhnt, setzen diese voraus. Daher sollten die Autoren  ihr Handwerk beherrschen, wissen, was ein Spannungsbogen und ein Perspektivwechsel ist, sowie die Konkurrenz in ihrem Genre gut kennen, damit sie wissen, was schon alles da war.

 

Gehört es zu Ihren Aufgaben als Verlegerin, alle Bücher, die im Sieben Verlag erscheinen, zu lesen um selbige besser an den Mann bzw. die Frau zu bringen?

Ich lese alle Manuskripte. Das ist mir wichtig, ich möchte gern wissen, was ich verkaufe. 😉 Es wird allerdings zeitlich immer enger, sodass die Autoren auch von Mitarbeitern betreut werden. Dennoch geht kein Manuskript über meinen Tisch, das ich nicht, wenn auch manchmal erst in letzter Instanz, selbst kenne. Das Lesen fällt oft in meine Freizeit, und das ist wie ein gutes Buch lesen, nur, dass es sich dabei um unsere Autoren handelt. Leider kommt dabei meine private Lesezeit zu kurz, aber da gibt es nichts zu bereuen. 😉 Unsere Autoren unterhalten mich hervorragend.

 

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf als Verlegerin am Besten – was finden Sie am Schrecklichsten?

Am besten gefallen mir viele Dinge: Der Kontakt mit den vielen lieben Autoren und Autorinnen, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte und mir nie der Lesestoff ausgeht, und die Ansicht der Coverentwürfe. 😉 Schrecklich finde ich eigentlich nichts an meiner Passion. Es ist abwechslungsreich und spannend!

Wenn es Ihre knapp bemessene Zeit erlaubt, lesen Sie auch Bücher aus anderen Verlagen? Wenn ja, wer gehört zu Ihren Lieblingsautoren?

Leider fehlt mir immer mehr die Zeit dazu. Ich habe aber immer gern die amerikanischen Fantasy-Romance-Autorinnen gelesen, sowie Diana Gabaldon. Deutsche Autoren meines Geschmacks, außer meiner eigenen, sind: Andrea Schacht, Eva Völler, Kerstin Gier, und viele viele andere, die ich unmöglich alle aufzählen kann. Mein Lesegeschmack ist breit gefächert, je nach Stimmung. Dazu gehören auch Thriller und historische Romane. Einen speziellen Lieblingsautor habe ich daher gar nicht.

Immer mehr Verlage “verlegen” sich auch auf die Internetplattform “facebook”. Der Sieben Verlag bildet in diesem Fall keine Ausnahme. Was macht “facebook” für einen Verlag interessant? Wie klappt es für den Sieben Verlag via “facebook”?

Facebook ist interessant, weil sich die Fans weit streuen können. So wird vielleicht mal jemand auf uns aufmerksam, der unsere Titel noch nicht kannte. Aber einen großen Werbeeffekt sehe ich darin nicht unbedingt. Wir haben uns bei facebook eingetragen, um Neuigkeiten schneller zu verbreiten und näher an unseren Lesern sein zu können. Das wird sehr gut angenommen, und der Verlag erscheint dynamischer, nicht so statisch wie allein mit einer Webseite, auf der sich ja nicht viel verändert und auf der man sich auch nicht unterhalten kann. Von daher macht facebook viel Spaß und macht den Verlag „nahbarer“ und persönlicher.

Im Internet bilden sich zunehmend Portale und Fan-Seiten, die sich mit Literatur beschäftigen und für Verlage sicherlich nicht “ohne” sind. Sind Sie selbst diesbezüglich im www unterwegs um am Laufenden zu bleiben, bzw. was halten Sie von dieser Entwicklung?

Generell finde ich die Entwicklung, dass Bücher die Menschen so sehr bewegen und beschäftigen, dass sie in ihrer Freizeit viel Energie und Arbeit im Web dafür investieren, wundervoll. Das zeigt, wie sehr die Menschen, trotz unseres schnelllebigen Hightech-Zeitalters, das Lesen lieben und somit die Arbeit der Verlage und Autoren zu schätzen wissen. Das freut mich sehr. Wir verfolgen die weitere Entwicklung mit Interesse.

Der Fokus der Verlage liegt nicht mehr ausschließlich im Verkauf von gedruckten Büchern, sondern verlagert sich immer häufiger auf den Bereich eBook. Wie ist, aus der Sicht des Sieben Verlages, die Resonanz bei den Kunden?

Die Resonanz ist sehr gut. Nicht nur aus Preisgründen greifen die Leute nach eBooks. Eine neue Kundengeneration ist hinzugekommen, die sich ihren Lesestoff gern schnell und einfach besorgt. Ich würde nicht sagen, dass sich der Markt „verlagert“, sondern vielmehr ist das eBook ein zusätzliches Angebot zu der Printausgabe. Ich glaube nicht, dass die beiden Produkte in Konkurrenz stehen. Das gedruckte Buch ist und bleibt „Lesen zum Anfassen und sammeln“, ein sinnliches Vergnügen, während das eBook ein ganz anderes Produkt darstellt.

Was wünschen Sie dem Sieben Verlag für die Zukunft, bzw. in welche Bereiche würden Sie noch gerne Ihre Verlagsfühler ausstrecken?

Wir haben unsere Passion gefunden, und was die Zukunft bringt, weiß niemand. Wir werden in jedem Fall am Ball bleiben und auch auf Trends eingehen, so sie denn vom Leser ins Leben gerufen werden. Nicht alles lässt sich auch im Kleinverlag verwirklichen, aber wir sind durchaus flexibel und offen für Neues. Ich wünsche mir, dass der Verlag von immer mehr Lesern entdeckt wird und wir weiter wachsen können.

Auf welche Neuerscheinungen dürfen sich geneigte Sieben Verlag-LeserInnen in Zukunft freuen?

Im Jahr 2012 stehen natürlich einige Reihenfortsetzungen an, so darf man sich auf den dritten und letzten Teil von Jennifer Benkaus „Schattendämonen“-Trilogie freuen, Nybbas Blut wird im Juni 2012 herauskommen. Aber auch Stephanie Madeas „Night Sky“-Trilogie, Mara Laues „Dämonenerbe“ und Kathy Felsings „G.E.N. Bloods“ Serie, deren erster Teil jetzt im Oktober in die Regale kommt, werden weitergehen, genauso wie die „City of Angels“-Reihe von Andrea Gunschera, die im Januar herauskommen wird.

Wir haben darüber hinaus einige talentierte Debütautorinnen im neuen Programm und freuen uns schon sehr auf die Veröffentlichung. Hervorheben können wir auch den neuen Britta Strauss Einzel-Roman, „Wenn nur noch Asche bleibt“. Diesmal wagt sie sich ins Genre des paranormal-romantic-thrill und wir können versprechen, es wird außergewöhnlich. Das Cover konnten wir diese Woche vorstellen. Für alle Kerstin Dirks Fans können wir schon verraten, es kommt etwas Neues!

Insgesamt kommt einiges auf die Leser zu und wir sind schon sehr aufgeregt, wie die Titel und die neuen Autorinnen angenommen werden. Das ist immer ein sehr spannender Moment. Spätestens im Oktober werden wir unser Frühjahrsprogramm 2012 komplett ankündigen können und die einzelnen Titel sind dann auf unserer Webseite einsehbar.

Zum Abschluss habe ich noch ein Zitat für Sie, dass “VerlegerInnen” wieder ins rechte Licht rückt: „Verleger sind besessen, man ist manisch. Diese Fixierung auf das Gedruckte läßt mich nie los. Wäre es anders, würde ich eine Leere empfinden, einen Schock.“ Zitat von Heinrich-Maria Ledig-Rowohlt (1908-92), dt. Verleger (Quelle: zitate.de). Können Sie diesem Ausspruch zustimmen?

Ja, das kann ich unterschreiben. Das Verlegen erfüllt mich und ich glaube auch, dass es für mich immer so sein wird. Man geht damit eine Symbiose mit den Autoren ein, denen es ähnlich geht, auch sie können ohne das Schreiben nur noch Leere empfinden. Daraus ergibt sich ein Team, das dafür sorgt, dass den Lesern nie der Nachschub ausgeht.

Frau Martina Campbell! Herzlichen Dank, dass Sie bei uns, im “VerlagsSalon” Platz genommen und mit Ihren tollen Antworten dem Interview das nötige “Leben eingehaucht” haben. Wir wünschen dem Sieben Verlag weiterhin gesundes und stetiges Wachsen und Ihnen Geduld und Muse mit allem, was in Ihrem Leben als Verlegerin, auf Ihrem Verlagsschreibtisch landet.

Vielen Dank, es war mir eine Freude!

Ja, geneigte LeserInnen, jetzt konntet Ihr mal erlesen, was einem als Verlegerin so alles im Kopf herumgeht, bzw. im Ansatz erfahren, wie die Arbeit in einem Verlag aussieht. Sie ist mit Sicherheit interessant UND heftig! In diesem Sinne wünsche ich Euch weiterhin viel Spaß mit den Erscheinungen aus dem SiebenVerlag

Eure Ka