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[VerlagsSalon] Grit Richter – Art Skript Phantastik Verlag

  • 23. Januar 2012

Geneigte LeserInnen,

was bewegt eine Frau, einen eigenen Verlag zu gründen? Von welcher Frau ich spreche? Von Grit Richter. Sie hat den Sprung ins kalte Wasser gewagt um sich auf, zu neuen Verlagsufern zu machen. Ihr frisch geschlüpftes Kind trägt den klangvollen Namen “Art Skript Phantastik Verlag”.

Heute möchten wir uns näher mit dem “Art Skript Phantastik Verlag” beschäftigen und haben dazu Grit Richter in den [VerlagsSalon] eingeladen. Hallo Grit, ich bleibe jetzt einfach beim “Du”, da wir uns ja schon einige Zeit von Facebook kennen. Schön, dass Du hier bist!

Hallo Ka, ich freue mich sehr hier sein zu dürfen und mache mich gleich mal auf dem Sofa breit ^^.

Nur zu, mach es Dir auf unserem virtuellen Sofa bequem! 😉 Fangen wir gleich mit der Frage an, die ich Anfangs schon gestellt habe: Was hat Dich dazu bewogen, einen eigenen Verlag zu gründen?

Ich habe schon immer mit dem Gedanken gespielt mich selbstständig zu machen, aber es war nie der richtige Impuls da. Ich weiß, das klingt sehr esoterisch, aber wenn man diesen Schritt wagt sollte man auch das richtige Gefühl dabei haben. Ich habe vorher nie daran gedacht einen Verlag zu gründen, doch Mitte letzten Jahres kam der Vater eines guten Kumpels auf mich zu und sage „Ich habe für mein Buch einen Verlag gefunden und es wäre toll, wenn du die Illustrationen dafür zeichnen könntest.“ Ich war zum einen überrascht, dass er Autor ist, zum anderen, dass er sich ein illustriertes Buch wünschte, aber natürlich war ich sofort begeistert von der Idee. Damals war ich arbeitssuchend und habe die Illus für ihn unentgeltlich gemacht (hab aber immer einen leckeren Kaffee bekommen, wenn ich vorbei kam ^^). Ich bekam das Manuskript und schon nach wenigen Seiten schoss mir ein Gedanke durch den Kopf „So was will ich auch verlegen!“. Plötzlich war dieser Gedanke da und ließ mich nicht mehr los. Ich kaufte ein Buch über Verlagsgründung, nach dieser Lektüre wurde ich mir immer sicherer über mein Vorhaben. Als ich eines Tages im Wartebereich des Arbeitsamtes saß entdeckte ich eine kleine Broschüre, die mir offenbarte, dass man einen Gründungszuschuss beantragen kann. Tatsächlich gibt der deutsche Staat jungen Gründern einen Zuschuss um den Einstieg in die Selbstständigkeit zu erleichtern und diesen Zuschuss muss man nicht einmal zurück zahlen. Kein Wunder, dass viele Schindluder mit diesem Geschenk treiben, weshalb die Regeln mittlerweile auch viel strenger geworden sind, wie mir mein Arbeitsamt-Berater erzählte. Doch gerade er wurde praktisch zum ersten Fan des Verlags, da er selbst Dark und Urban Fantasy liest ^^. Ich meldete mich anschließend zu einem Existenzgründungskurs bei der IHK an und schreib darauf ein 15-seitiges Konzept, wie ich meinen Verlag aufbauen und finanzieren will. Das Konzept entscheidet über ja oder nein für den Zuschuss und wird von der IHK und vom Arbeitsamt geprüft. Ich habe mir damals geschworen, wenn beide Parteien das Konzept ablehne dann werde ich es auch nicht machen. Ich war also auf alles gefasst, nur nicht darauf, dass von beiden Seiten ein überwältigendes JA kommen würde, doch genau das ist passiert. Der große Zuspruch, der mir und meinem Konzept entgegen gebracht wurde war praktisch der Funke, der die Flamme entzündete und so bin ich seit dem 01.01.2012 entflammte Verlagsgründerin.

“Oh, bei dem Autor, dessen Schreibereien ausschlaggebend für die Idee waren, handelt es sich übrigens um Michael Zandt, der mittlerweile für meinen Verlag schreibt. ^^.”

 

Entflammte Verlagsgründerin mit frisch geschlüpftem Verlag – das suggeriert eindeutig Deine “Schlüfp-Zeichnung”^^ Apropos Zeichnung, ich weiß von Dir, das Du Grafikerin bist. Gibt es für Dich persönlich “das schönste Buchcover”?

Uff, schwere Frage, aber ich habe diese letztens auch erst auf der Verlags-Facebook-Page gestellt. Grundsätzlich mag ich Cover, an denen man erkennt, dass Leute am Werk waren, die sich Gedanken gemacht haben. Ein gutes Beispiel für solch eine Arbeit ist der Roman „Sisters Red“ von Jackson Pearce (Link zum Buch) man muss das Cover eine ganze Weile lang betrachten bis man die Details erkennt und es spiegelt sehr schön in Inhalt des Buches wieder.

(SISTERS RED) BY Pearce, Jackson (Author) Paperback Published on (04 , 2011)

Dein Verlag nennt sich “Art Skript Phantastik Verlag”, was darauf schließen lässt, das der Bereich “Illustration” bzw. “Kunst” einen nicht unbeträchtlichen Stellenwert in Anbetracht der Bücher, die Du verlegen möchtest, einnehmen wird. Kann man das so behaupten?

Auf jeden Fall! Ich bin, wie erwähnt selber Grafikdesignerin und habe mich schon vor meiner Ausbildung mit Kunst und Malerei beschäftigt (in Kunstgeschichte war ich ein echter Streber ^^). Das illustrierte Buch genießt in Europa eine sehr lange und auch sehr schöne Tradition, auch wenn Illustratoren heute bevorzugt in Kinderbüchern vorkommen. Besonders in der Epoche des Jugendstils war Illustration ein Must-Have. Die Idee des Jugendstils war es, Alltagsgegenstände einfach schön zu machen. Alles sollte Eleganz ausstrahlen und so wurden auch bald Bücher illustriert. „Carmilla, der weibliche Vampir“ von Sheridan LeFanu und „Salome“ von Oscar Wild (beides illustrierte Bücher für Erwachsene) sind für mich daher kleine Schätze in meiner Büchersammlung.

Aber die Idee für illustrierte Bücher habe ich eigentlich aus Japan, dort nennt man sie Light Novells. Es handelt sich dabei um Literatur für junge Erwachsene, die teils mit sehr aufwendigen Illustrationen versehen sind.

Doch Kunst ist vor allem etwas selbstgemachtes, ein Unikat! Es erschrickt mich, dass man in Buchhandlungen Cover sieht, die fast identisch sind oder auf denen das gleiche Bild verwendet wurde, weil zwei Verlage auf einer Bilddatenbank das gleiche Bild gefunden haben.

Das Hauptaugenmerk des Verlages liegt aber auf den Geschichten! Eine schlechte Geschichte wird nicht besser, weil man sie mit Illustrationen versieht aber eine gute Geschichte kann davon durchaus profitieren.

 

Wir, also Happy End Bücher, sind – wie der Name schon sagt – dem “glücklichen Ende” sehr gewogen. Kann es in den Büchern, die Du verlegen möchtest auch zu einem “happy end” kommen, oder sagst Du: “Nö, das ist mir zu rosarot! Ich hole mir die pure Darkness?” ^_^

Happy Ends sind nicht ausgeschlossen! ^^ Doch das Dark und Urban Fantasy Genre bietet sehr viele Möglichkeiten. Es ist, in meinen Augen, sehr spannend nicht zu wissen ob ein Buch gut oder schlecht endet. Da ich mich schon immer zur japanischen Pop Kultur hingezogen gefühlt habe wurde mir auch schnell klar, dass dort der Protagonist nicht immer überleben muss. Aber Wiedergeburt bzw. Wiederauferstehung gibt es ebenfalls. Dark und Urban Fantasy gibt Autoren die Möglichkeit Weltuntergansszenarien herbeizurufen und/oder neue Welten zu erschaffen – Es gibt absolut keine Grenzen!

Aber das heißt nicht, dass es immer super ernst sein muss, Abwechslung ist wichtig! Wie gesagt der Autor hat alle Möglichkeiten. Krimi, Romantik, Erotik, Abenteuer, Steampunk, Historik, das kann alles mit einfließen.


Für jedes Leserherz also etwas *schmacht* Doch weiter im Text:

Wir haben uns über Facebook “kennengelernt”. Du selbst betreibst neben Facebook auch einen VerlagsBlog. Wie stehst Du dieser Art der Kommunikation gegenüber?

Facebook-Page, Blog und Website sind für mich unschätzbare Werbemittel! Durch sie habe ich die Möglichkeit Kontakt zu Personen aufzunehmen, die sonst vielleicht nie auf meinen Verlag aufmerksam geworden wären. Aber es genügt nicht diese Portale nur zu haben, die Leute wollen auch unterhalten werden. Wer zB. Mitglied einer bestimmten Facebook-Page ist erhofft sich davon meist einen Vorteil. Ich lasse die „Gefällt-Mir-Klickerinnen und Klicker“ gerne an meinem Verlags-Alltag teilnehmen, frage sie nach Buchcovern die ihnen gefallen oder poste Clips rund um das Thema Buch.

Später werden natürlich auch Leseproben, Bilder, Trailer usw. dort (und auf den anderen Portalen) zu finden sein. Auf dem Blog schreibe ich längere Beiträge über den Verlag und möchte in Zukunft auch mehr Support für Autoren liefern. Ich habe jedoch auch die monatlichen „Trendthemen“ eingeführt, bei denen die Besucher ihre Meinungen zu bestimmten Themen abgeben können (Das Trendthema im Januar sind Vampire ^^). Die Trendthemen erscheinen zwar monatlich, man kann aber jederzeit Kommentare dazu abgeben.

Letztens schrieb mir jemand, ob ich nicht genau wüsste, was ich will und darum immer andere nach ihrer Meinung frage. Es ist eigentlich genau umgekehrt, ich weiß genau was ich will! Doch Verleger haben ab und an eine Neigung zur Weltherrschaft und denken, so wie sie es machen ist es der einzig richtige Weg. So kann es vorkommen, dass sie an der Zielgruppe vorbei arbeiten und das will ich tunlichst vermeiden. Ich hatte die Idee eine Anthologie zu machen, darum habe ich auf dem Blog nachgefragt ob dafür überhaupt ein Markt besteht und wie die Leute sich ein solches Sammelwerk vorstellen, wie es sein soll oder was auf gar keinen Fall sein darf. Das heißt nicht, dass ich mir selbst keine Gedanken mache, ich bin eine junge Verlegerin ich lechze nach Feedback ^^

 

Der Art Skript Phantastik Verlag beschäftigt sich mit illustrierter Dark und Urban Fantasy. Du selbst bist eine Freundin von Mangas. Wird dieses Genre auch im “Art Skript Phantastik Verlag” eine Chance bekommen?

Ich habe mir überlegt auch Mangas und/oder Graphic Novells von deutschen Künstlern zu verlegen, aber das wäre eine Sache die vielleicht in ein paar Jahren mal aktuell ist. Ein junger Buchverlag sollte sich auf ein Genre, ein Thema, spezialisieren und wenn dieses Thema läuft, dann kann das Programm ausgebaut werden.

© Copyright: Grit Richter (mit freundlicher Genehmigung vom Art Skript Phantastik Verlag)

In der Verlags-Info kann man lesen, dass für Dich von Anfang an klar war, Dich als Verlegerin der Dark- und Urban Fantasy zu widmen. Warum?

Hmmm, ich glaube das ich mich schon immer zur dunklen Seite der Macht hingezogen gefühlt habe ^^. Ich mochte als Kind schon Gruselgeschichten und als Teenie hatte ich immer vollstes Verständnis für den Bösewicht. Wie bereits erwähnt bin ich der Manga und Anime Szene sehr zugetan und da kommt es oft vor, dass man erfährt, warum der Bösewicht so ist wie er ist, die Hintergründe seines Handels werden thematisiert. Das faszinierte mich sehr und diese Faszination kam wieder, als ich die ersten Dark und Urban Fantasy Romane gelesen habe.

Ein gutes Beispiel sind die Harry Potter Romane, die man reinen Gewissens dem Urban-Fantasy-Genre zuordnen kann. Man denkt die ganze Zeit Snape ist der perfekte Bösewicht bis am Ende rauskommt, dass er der Held schlechthin ist. Andere Figuren werden für Freunde gehalten, doch sie stellen sich als Feinde heraus. Teilweise weiß man nicht, wem man trauen kann, das hat fast schon Züge eines Krimis, jeder ist verdächtig ^^.

Ich denke, dass ist an diesem Genre besonders spannend, man weiß eigentlich, dass alle nicht-menschlichen Wesen böse sind und am Ende kann sich das genaue Gegenteil herausstellen.

Wo wir gerade bei nicht-menschlichen Wesen sind: Welchen persönlichen Bezug hast Du zu Raben (abgesehen davon, das es ein – nennen wir es – mystisches Geschöpf ist)? Ich stelle diese Frage, weil er ein sehr ansprechend Element Deines Firmenlogos ist.

Zu dem Raben gibt es viele nette kleine Geschichten. Zum einen bin ich in dem kleinen Örtchen Rabenau aufgewachsen, dessen Wappentier ein Rabe ist. Ein Rabe war auch eines der ersten Tiere, dass ich gemalt habe und für das ich sehr gute Noten bekommen habe (Ich Streber ^^). Desweiteren liebe ich das Gedicht „Der Rabe“ von Edgar Allan Poe. All das und natürlich die Tatsache, dass der Rabe ein mystisches Geschöpf ist, führten dazu, dass ich ihn zu einem Element des ersten Verlagslogos gemacht habe. Doch das Logo habe ich bald wieder verworfen, da es schlichtweg nicht tragbar war. Jedoch hatte ich das Konzept mit dem Raben-Logo an die IHK geschickt und bis ich einen Termin bekommen habe (das dauerte drei Wochen, da mein zuständiger Berater im Urlaub war) habe ich ein neues Logo ohne Rabe entworfen. Mein Berater war jedoch von dem Raben begeistert und rang mir das Versprechen ab, das Tier müsse irgendwo wieder auftauchen. Mittlerweile fühlt er sich sehr wohl auf dem Blog und der Facebook-Page. Vielleicht sollte ich ihm einen Namen geben?

Ja, mach ihn zum Verlags-Maskottchen! ^^ Lass mich kurz mal ein paar Namen grübeln: Hmmm, wie wäre es mit Raven (ne, war zu oft da), Rabeo, Rabello, Rufus!! Doch halt, machen wir lieber weiter mit den Fragen, sonst ufert das noch aus! *lol*

Da wir alle Leseratten sind, wäre es toll, wenn Du uns verraten würdest was Dein absolutes Lieblingsbuch ist. Dein Keeper. Deine Never-Ending-Lese-Liebe?

Ich geh mal für ein paar Stunden in die Badewanne und sinniere über eine Antwort nach. Wirklich knifflig, doch es gibt ein Buch, dass schon seit Jahren neben meinem Bett liegt, das ich teilweise Nachts aufschlage wenn ich nicht schlafen kann oder das ich einfach so zur Hand nehmen um zu schmökern. Bei diesem Buch handelt es sich um Goethes „Faust“. Dazu muss ich sagen, dass ich „Faust“ für ein Dark-Fantasy-Buch halte, oder wie oft erscheint Dir der Teufel in Gestalt eines Pudels und schlägt dir einen zwielichtigen Vertag vor? So oft ist mir das jetzt noch nicht passiert ^^.

Es ist auch wieder so eine Sache, von Anfang an weiß man, dass der Teufel nichts Gutes im Sinn hat, trotzdem empfinden viele (so wie ich) Sympathie für ihn (klar, er ist der Ober-Bösewicht ^^). Man weiß von Anfang an, dass es mit dem armen Doktor Faust kein gutes Ende nehmen wird, trotzdem fiebert man mit ihm. Zum Schluss, kein Happy End, die Geliebte des Protagonisten stirbt und es geht trotzdem mit einer Fortsetzung weiter.

Der Teufel in Pudelgestalt. Von der “Fantasy-Seite” habe ich Faust noch gar nicht betrachtet *lach* Doch es hat was! Vielleicht hätte ich Dir eine Gretchenfrage stellen sollen *g*

Liebe Grit! Ich ziehe meinen imaginären Hut vor Deinem Mut, einzutreten in die Welt der Verleger doch ich möchte noch ein bisschen an Dir kratzen! Unser lieber, guter Johann Wolfgang von Goethe hat mal folgenden Spruch zum Thema “Verleger” losgelassen:

„Die Buchhändler sind all des Teufels, für sie muß es eigene Hölle geben.” Was würdest Du ihm daraufhin antworten?

Geht das als Gretchenfrage durch? *grins*

Ich würde sagen: lol, wtf, OMG =^.^= ihm anschließend meine Goethe und Schiller Salz- und Pfeffersteuer präsentieren und ihm genau erklären weshalb bei ihm Salz und bei Schiller Pfeffer drin ist. Kurz, auf sowas gehe ich gar nicht erst ein!

Liebe Grit, ein herzliches Dankeschön, dass Du Dir die Zeit genommen hast für dieses Interview! Wir, das Happy End Bücher-Team, wünschen Dir super Autoren, tolle Bücher und eine rundum zufriedene Leserschaft! In diesem Sinne, alles Gute.

Vielen Dank für die guten Wünsche und auch Euch noch weiterhin viele schöne Jahre mit den Happy End Büchern, ich halte Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden. ^^

Geneigte LeserInnen,

mit diesem Interview haben wir unsere und hoffentlich auch Euere Neugierde auf den frisch geschlüpften Art Skript Phantastik Verlag etwas befriedigen können. In diesem Sinnne,

viele Grüße von eurer Rufus-geneigten Ka