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[VerlagsSalon] Ein Interview mit dem Verlag bookshouse

  • 16. Juli 2012

Dem bookshouse Verlag ein herzliches Willkommen in unserem virtuellen, heute mal VerlagsSalon! Lassen wir das Vorgeplänkel und stürzen wir uns gleich ins Gespräch? ^^

Sehr gern!

Der Schriftsteller, Verleger und Gründer des Verlagshauses „F. A. Brockhaus“, Friedrich Arnold Brockhaus, hat einmal verlauten lassen: „Verlagsbuchhandel = Eine Lotterie, wo es immer neun Nieten gegen einen Treffer gibt.“
Wie steht Ihr, sozusagen noch frisch und unbeschwert ^^,  zu dieser Aussage?

Ähnliche Aussagen schwirren auch durchs Internet, zum Beispiel: Auf den Schreibtischen der Verleger und Literaturagenturen landen monatlich Hunderte von Manuskripten, aber nur 1 % wird veröffentlicht. Brockhaus sah wenigstens 10 % Treffer. Zur Anzahl der Treffer bei Manuskripteinreichungen können wir noch keine Einschätzung abgeben. Wir haben in der vergangenen Woche einen wesentlich höheren Prozentsatz an Manuskripten angenommen. Ob die Qualität der Einreichungen allerdings gleichbleibend sein wird und wie viele wir überhaupt bewältigen können, wird sich erst herausstellen.

Der Begriff „bookshouse“, also „Haus der Bücher“ ist ein eindeutiger Wegweiser. Wenn man sich auf eurer Homepage umsieht, stellt man fest, dass Ihr nicht nur dem gedruckten Buch, sondern auch dem E-Book, E-Card, eine große Plattform bietet. Ist für euch als Verleger „Die Welt des elektronischen Lesens“ die unausweichliche Zukunft?

Auf jeden Fall. Es wird auch in Zukunft zahlreiche Leser geben, die das gedruckte Buch bevorzugen, es wird Sammler geben, die sich ihre Lieblingsbücher ins Regal stellen möchten. Aber die Vorteile eines E-Books – eigentlich eher eines E-Readers – werden immer mehr Leser für sich zu schätzen wissen. Drei wesentliche Pluspunkte liegen klar auf der Hand: Das Gewicht eines E-Readers im Vergleich zu einem Buch und die Menge an Lesestoff, die man auf einem E-Reader mit sich herumtragen kann. Fast alle Geräte bieten die Möglichkeit, mehrere Tausend Bücher zu speichern. Nicht nur im Urlaubskoffer ist das eine Erleichterung. Ein weiterer Vorzug ist die skalierbare Schriftgröße. Es ist einfach super angenehm und augenfreundlich, sich die Schrift auf die gewünschte Größe einstellen und dafür vielleicht auf die Brille im Bett verzichten zu können.

Auf unser Angebot „E-Sticks & Cards“ sind wir besonders stolz: „Das E-Book zum Anfassen!“ Das ist uns noch bei keinem anderen Verlag begegnet. Ein neuer Boom? Sammelalben mit E-Cards!

Die Gründung eines Verlages ist mit Sicherheit kein gemütlicher Spaziergang im Morgengrauen. Mit welchen Schwierigkeiten hattet Ihr zu kämpfen?

Zum Glück nur mit einer einzigen – der Bürokratie. Hört sich furchtbar an, aber es hätte schlimmer sein können. Man hat uns den Firmennamen „bookshouse“ ohne Zusatz leider nicht gestattet. Es hat lang gedauert und zahlreiche Vorschläge gekostet, bis wir eine Einigung mit den Ämtern gefunden haben. Herausgekommen ist dann „at bookshouse“. Damit können wir leben.

“bookshouse” ist ein All-Age-Verlag und bedient somit ein breit gefächertes Leserklientel. Der geneigte Leser findet sehr viele Genre vertreten, z. B. Abenteuer, Krimi, Dystopie, Fantasy, Girl, History, Joke, Legend, Love, Mystery, Para, Pet, Romance, Sci-Fi, Thrill. Habe ich etwas vergessen *lol*? Warum die Vielfältigkeit und nicht die Wahl einer „Nische“?

Wir möchten möglichst vielen Autoren eine Chance geben und natürlich unseren Lesern ein abwechslungsreiches Programm bieten. Natürlich haben die meisten Leser ein „Lieblingsgenre“, was aber nicht bedeutet, dass sie nicht auch „querbeet“ lesen. Beim elektronischen Publizieren sind uns keine Grenzen gesetzt. Es gibt also keinen Grund, sich auf eine Nische zu beschränken. Wenn wir Genres nicht gelistet haben, aber ein tolles Manuskriptangebot dafür bekommen, werden wir auch das aufnehmen. Im bookshouse Verlag passt alles unter ein Dach!

Nun weiß ich inzwischen, dass sich „bookshouse“ und der „Sieben Verlag“ als Partnerverlage sehen. Was dürfen sich die Leser darunter vorstellen?

Wir kooperieren in vielen Bereichen und arbeiten „hinter den Kulissen“ zusammen, zum Beispiel bei Lektorat und Korrektorat. Es wird aber auch gemeinsame Aktionen geben. Lasst euch einfach überraschen.

Was mir persönlich auf eurer Homepage sehr gut gefällt, ist die Tatsache, dass Ihr den Büchern und den Autoren viel Raum bietet. Der Auftritt ist übersichtlich und ansprechend einzusehen. Nach welchen Richtlinien seid Ihr bei der Gestaltung vorgegangen, bzw. welches Augenmerk stand im Vordergrund?

Wir wollten eine Webpräsenz, die so ist, wie wir uns sehen: Jung, dynamisch, bunt, keck, geradlinig. Dazu sowohl für Leser als auch für Autor(inn)en informativ und innovativ. Wir sind wahrscheinlich der zurzeit einzige Verlag, der einen Onlinezugang für Blogger(innen) bietet. Auch unsere Autor(innen) können ihre Daten online einpflegen und damit direkt auf der Verlagsseite aktuelle Informationen an ihre Fans geben. Das waren uns wichtige Punkte: Aktualität und Schnelligkeit. Kein Walross, das erst angestoßen werden muss, um etwas zu ändern. Flexibilität und Interaktivität. Bewegung, keine angestaubten oder veralteten Informationen.

Kommen wir zu einer interessanten Frage: Wer steckt denn eigentlich hinter bookshouse?

Unser Team setzt sich aus einer ganzen Reihe fester und freiberuflicher Mitarbeiter zusammen und wir sind stolz, bereits zum Start des Verlags auf 13 Leute zählen zu können. Da sind zum einen unsere Programmierer und unser Webmaster, die sich um die Webpräsenz und um das Erstellen der E-Books kümmern. Unsere geschätzte Bürokraft, ohne die die Workaholics wahrscheinlich in ihren Büros übernachten würden. Zwei Künstlerinnen, die zu jedem unserer Buchcover ein eigenes kleines Kunstwerk kreieren (unser „Cover-Art“). Drei professionelle Sprecher(innen), die unsere Buchtrailer vertonen. Unsere Programmleiterin und Lektorin ist Stephanie Bösel, im Bereich Korrektorat und Zweitlektorat ist Susanne Strecker tätig. Der Name wird einigen schon begegnet sein – in den Büchern des Sieben Verlags. Frau Strecker ist dort ebenfalls für das Korrektorat zuständig. Darüber hinaus beschäftigen wir noch einen Grafiker, der unsere Cover und Trailer entwirft, zwei Mitarbeiterinnen, die das Zweitkorrektorat erledigen und eine Kraft, die für das Advertising zuständig ist.

Stephanie Bösel und Susanne Strecker kennen wir auch als Autorinnen. Wie gestaltet es sich für die beiden, da sie doch selbst schreiben, Manuskripte von anderen Autoren zu lesen? Ist das wie eine Abenteuerreise in ein fremdes Gehirn?

Es ist für die beiden ja nichts Neues. Schon seit ein paar Jahren sind sie mit Lektorat und Korrektorat vertraut. Sie haben beide ein Händchen dafür, Nachwuchsautor(inn)en mit Tipps und Erklärungen zu unterstützen, haben bis vor Kurzem Coachings gemacht und Lektorate auf dem freien Markt. Diese Tätigkeiten haben sie nun zugunsten von bookshouse eingestellt. Davon können Nachwuchstalente jetzt bei bookshouse profitieren.

Wie geht Ihr mit dem Wissen um, dass Ihr als Verleger mit der Ablehnung von Manuskripten Träume von Autoren zerstören könnt?

Nichts liegt uns ferner, als Träume zu zerstören. Wir geben jedem Manuskript eine reelle Chance, auch Geschichten, die in keine „Schublade“ passen, denn Schubladendenken passt nicht zu uns. Allerdings reicht es leider nicht aus, dass eine Geschichte „Hand und Fuß“ hat. Auch das Schreibhandwerk muss beherrscht werden, damit die Leser nicht enttäuscht werden. Es gibt zahlreiche Kleinigkeiten, die kann man im Lektorat und Korrektorat geradebiegen – und in diesem Bereich geben wir uns allergrößte Mühe –, aber wenn der Aufwand zu groß wird, weil der Autor noch zu viele Anfängerfehler macht, dann müssen auch wir leider Absagen erteilen. Zumeist lektorieren wir ein Manuskript an, machen einige Anmerkungen und weisen darauf hin, woran noch poliert werden muss. Es gibt immer eine zweite Chance: Wenn das Werk überarbeitet und neu eingereicht wird, prüfen wir es gern erneut.

Mit dem Thriller „Satans Erbe“ von John Maylynn geht bookshouse an den Start. Durch welche Mühlen musste z. B. das Manuskript zu „Satans Erbe“ gehen, um sozusagen die Startglocke zu läuten?

John Maylynn war vor einigen Monaten der erste Autor, der uns sein Manuskript anvertraute. Es hat den Weg genommen, den jedes weitere Manuskript bei uns gehen wird: Erstlektorat, Zweitlektorat, Erstkorrektorat, Zweitkorrektorat. Freundlicherweise hat John zugestimmt, sein Werk bereits jetzt zu veröffentlichen, obwohl es für ein halbes Jahr allein auf weiter Flur im bookshouse Verlag sein wird und von uns quasi als „Probelauf“ genutzt wird, damit ab Januar alle Abläufe reibungslos funktionieren.

Eine letzte Frage: Ein Patentrezept zur Gründung eines neuen Verlages gibt es wohl nicht. So eigenwillig wie jeder Gründer ist, ist es auch jeder Verlag. Stimmt das? *lol*

Ehrlich? Keine Ahnung. Sind andere Verlage „eigenwillig“? Mitunter vielleicht der eine oder andere Mitarbeiter. Wir sind froh, auf ein starkes Team blicken zu können, bei dem sicher jeder seine Ecken und Kanten hat, aber dafür mit Herz und Seele seine Stärken in die Verlagsarbeit einbringt. Entscheidungen werden bei uns im Team gefällt, es gibt kein „Chef – Mitarbeiter“ Verhältnis. So, wie das Miteinander bei uns im Team funktioniert, heißen wir auch Autor(inn)en und Blogger(innen) willkommen. Und darüber hinaus natürlich unsere Leser, für deren Wünsche und Anregungen wir ebenfalls immer ein offenes Ohr haben.

Es war mir ein Vergnügen, dieses „VerlagsInterview“ zu führen. Wir wünschen bookshouse viele zufriedene Leser und Autoren, die es wert sind, verlegt, ergo gelesen zu werden!

Ganz unsererseits. Wir freuen uns über das Interesse an bookshouse und das tolle Gespräch und hoffen, dass Happy End Bücher uns viele Jahre lang auf unserem Weg begleiten wird.


(Quelle der abgebildeten Cover bookshouse: Auge um Auge – Moonbow · Glasseelen · Jenseits des Windes · Satans Erbe)