Blog Hektor

Schaft seiner Wollust

  • 8. Oktober 2019

Geneigte Leserinnen und Leser,

es gibt wieder was zu erzählen. Ähm … von Hektor und seinen Schandtaten! *pffft*

Ein lautes Lachen schallt von der Bibliothek zu mir in die Drachenhöhle. Eindeutig Ka. Es erinnert mich immer ein wenig an das Wiehern eines Pferdes, wenn es wie jetzt herzhaft aus ihrer Kehle kommt. Ungelogen, es ist absolut unüberhörbar und passt so gar nicht zu ihrer kleinen Gestalt. Neugierig schleiche ich mich, soweit es mir meine Größe erlaubt, nach oben. Soviel ich weiß, sitzt sie gerade über einem Buch und wenn Ka tief genug darin vergraben ist, kann ich mich an sie heran pirschen, selbst in meiner Drachenform. In meiner menschlichen Gestalt wäre das natürlich ein Kinderspiel, doch diese Gelegenheiten hebe ich mir für ihre Träume auf. Noch! Ein Schwall Wärme breitet sich in meinem Körper aus, als ich an ihren, nein, unseren letzten Traum denke. 
Oben angelangt, krieche ich wie eine Schlage am Boden in ihr Bücherzimmer und halte meinen Schwanz dabei in die Höhe, damit die Schuppenplatten kein Geräusch erzeugen, was sie täten, würden sie über den Boden schleifen. Ich höre Ka vor sich hin murmeln, als ich vor ihrem heiß geliebten Ohrensessel ankomme. Als Drache sacht auf Zehenspitzen zu tippeln, gelänge in etwa so brilliant, als würde ein Elefant in Spitzenschuhen und Tütü Pirouetten drehen.

Wie üblich, hat Ka ihre Beine nach oben gezogen! Holla, Madame liest wohl gerade eine erotische Szene. „WTF! Ich glaub, ich hab mich tatsächlich verlesen!“, höre ich meine Büchermaus kichernd ausrufen. „… Schaft seiner Wollust? Hihihihi. Moment … ich habe mich nicht verlesen, da steht es Schwarz auf Weiß, wie stark der Schaft seiner Wollust gegen ihren Unterleib drückt! Wie geil ist das denn? Schaft der Wollust. Von Wollusttropfen habe ich schon zuhauf gelesen, von Schäften auch, doch vom Schaft der Wollust? Cooool. Wieder etwas Neues gelernt. Da sage noch einer mal, lesen würde nicht bilden! Hmmm, mal sehen, ob ich das Hektor erzähle werde … nein, lieber nicht! Wir wollen es nicht übertreiben. Schaft seiner Wollust, das muss ich mir über die Zunge rollen lassen. Schaft seiner Wollust“, beendet sie ihren Monolog und ein verzücktes Seufzen entweicht ihren Lippen. An der Stille, die nur durch das Rascheln der Blätter gestört wird, wenn Seiten umgeblättern werden, kann ich kurz darauf erkennen, dass sie wieder im fiktiven Universum abgetaucht ist. Die perfekte Gelegenheit, mich bemerkbar zu machen. „Was möchtest du mir erzählen?“, frage ich polternd, Unwissenheit vortäuschend. Da mein Anschleichen tatsächlich unbemerkt geblieben ist, ist es ein großes Vergnügen, Ka wie ein Schachtelteufelchen aus ihrem Sessel heraus springen zu sehen! Vor Schreck presst sie ihre linke Hand auf die Brust und stößt ein ersticktes Japsen aus, während sie mit dem Buch in der anderen Hand nach mir ausholt. „Heiliges Kanonenrohr! Du hast sie wohl nicht mehr alle“, wird mir auch sofort um die Ohren gehauen, als sie sich meiner gewahr wird. Gerade noch rechtzeitig, kann ich mich aus der Schusslinie bringen. „Musst du dich so anschleichen, Drache? Irgendwann bekomme ich noch einen Herzkasper!“, wirft sie mir entgegen.

„Ich bin nur neugierig, mein Mädchen. Bis nach unten habe ich dein Lachen vernommen und wollte nachfragen, was dich so amüsiert hat. Liest du gerade ein humorvolles Buch?“, frage ich scheinheilig nach und genieße, wie sie sich – einer Antwort verlegen – windet. Kurz räuspert sie sich „Ja, ein bisschen. Es ist ein Romantic Suspence mit humorvollen Sequenzen. Inzwischen steigt nicht nur die Spannung, wer der Serienmörder ist, der es auf die Heldin abgesehen hat, sondern auch … nun ja, die Anziehungskraft zwischen den Protagonisten.“

„So, so. Die Anziehungskraft. Und? Hatten sie schon Sex?“, hake ich mit unschuldiger Miene nach und rücke wieder näher an Ka heran. Ich weiß genau, dass sie diesbezüglich nicht flunkern wird, weil sie es nämlich nicht kann. Ich habe in meinem Leben noch nie einen Menschen kennen gelernt, der so miserabel schwindelt. Man kennt es ihr sofort an der Nasenspitze an, weswegen sie es in der Regel lässt. Ich sehe fast, wie die Rädchen in Kas Kopf zu rattern beginnen. Ein Schauspiel, das sage ich Euch. Letztendlich gewinnt die Wahrheit den inneren Kampf, den sie führt. „ … Schaft der Wollust!“, bricht es aus ihr hervor. „Was hast du da gesagt, Ka?“, amüsiert wandern meine Mundwinkel Richtung Ohren. „Ich sagte, Schaft der Wollust“, nuschelt Ka peinlich berührt und atmet tief ein. „Hör mal Hektor, ich will mit dir nicht über erotisches Vokabular sprechen.“ 
„Aber warum denn nicht? Du liest doch auch darüber! Und ich weiß, dass du es genießt, Kleines. Was ist anders mit mir darüber zu sprechen?“ Sie sieht überall hin nur nicht zu mir und ich gestehe, ich genieße es in vollen Zügen zu erleben, dass sie nicht weiß, wie sie reagieren soll. „Es macht mich verlegen. Klar? Und jetzt lass mich in Ruhe, Hektor.“ Bevor ich mich versehe, hat sie sich umgedreht und flüchtet in Richtung Küche. Oh-oh, da habe ich jemanden aber nervös gemacht ….

Dieses Menschlein. :3

Schaft seiner Wollust

Ich werde nicht mehr dazu sagen, geneigte Leserinnen und Leser! Der Schaft der Wollust bleibt mein Geheimnist! 😉

Ka

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