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Rezensionsschwund

  • 16. Januar 2017

Geneigte Leserinnen und Leser!

Ein Autor freut sich über Rezensionen. Das ist absolut nachvollziehbar! Schließlich ist es der Applaus für seine Arbeit. Es ist eine Rückkoppelung, ob ein Buch gefallen hat, oder nicht, ein Austausch zwischen Leser und Autor. Und ich spreche jetzt von ernst gemeinten Rezensionen, nicht von: „Komm, lass uns mal schnell dem Autor eine Auswischen!“, wie man sie auch zuhauf findet. Momentan kann man im Netz häufiger Diskussionen darüber lesen, warum Rezensionen immer mehr und mehr zurück gehen – nicht bei allen Autoren, aber doch bei vielen …

Ein Autor schreibt eine Story, ich lese sie und schreibe daraufhin eine Rezensionen. Die Rezensionen, die ich schreibe, findet man auf Happy End Bücher, sowie auf Amazon und ab und an hier, auf meinem Profil. Bei Amazon ist es bekanntermaßen so, dass die Möglichkeit besteht, eine Rezension als „Hilfreich“ oder „Nicht hilfreich“ zu bewerten. Wie in der Vergangenheit schon oft geschrieben, gibt es unter Rezensenten so etwas wie „Konkurrenzdenken“, was ich absolute Kacke finde. Grund: Was ist schön daran, jemanden ans Bein zu pinkeln, den man; 1. gar nicht kennt und 2. nur deswegen als „Nicht hilfreich“ anklickt, weil man möchte, dass die Rezension, nach unten fällt? Aber lassen wir das, das ist nicht das Thema, außerdem bekomme ich davon Aggressionspickel . *ohhmmm*

Nun habe ich bei einer dieser Diskussionen, etwas sehr interessantes gelesen, was mich zum Nachdenken angeregt hat. Steht das Schwinden der Rezensionen in direktem Zusammenhang damit, dass Bücher zu Schleuderpreisen von 99 Cent verkauft werden? Ich kann nur von mir ausgehen … ich kaufe Bücher, ob sie nun 99 Cent kosten, oder 12,99 Euro. Natürlich würde ich lügen, wenn ich behaupten würde, ich würde mich nicht über eine Buchperle zu 99 Cent freuen. Doch genauso würde ich lügen, wenn ich behaupten würde, für 12,99 gibt es nur geile Bücher! 😀 Wenn ich ein Buch haben will, wird es gekauft. Ich rezensiere Bücher, die 99 Cent kosten, oder 12,99 Euro, immer dann, wenn ich denke, dass ich das Buch rezensieren „MÖCHTE“, um kund zu tun, wie gut es war. Natürlich rezensiere ich nicht alle gelesenen Bücher, weil mir dazu schlicht und ergreifend die Zeit fehlt. Die weniger guten rezensiere ich meist nicht mehr, was vielleicht ein Fehler sein mag. Doch auf einen Entrüstungssturm von Fans oder Autoren, die sich davon eventuell „belästigt“ fühlen, habe ich keine Lust, dafür macht mir das Rezensieren viel zu viel Spaß! Außerdem: Positive Dinge in die Welt hinaus zu schreiben, bereitet im Gegensatz zu negative Dingen, mehr Freude! Wobei es total geniale negative Rezensionen gibt. 😉

Doch wenn ich weiter über die Buchschleuderpreise nachdenke, komme ich auch zu folgendem Gedanken. Ein Buch hat einen gewissen Wert. Verkauft man es „unter Wert“, verliert es dann an Wert? Verliert es soweit an Wert, dass sich ein potentieller Rezensionschreiber denkt: „Hey, das eBook war so billig! Das ist es ist mir nicht wert, eine Rezension dazu zu schreiben.“ Kann man so ticken, so denken? Ich weiß es nicht, aber dieser Gedanke ist ungefragt in mir aufgeploppt. Eigentlich kann ich es mir nicht vorstellen, denn wenn ich persönlich eine Rezension schreiben will, schreibe ich eine Rezension. Einerlei, was das Buch gekostet hat. Es kommt auf das an, was drin steht! Es geht für mich als Rezensent nicht darum, welchen Preis das Buch hatte. Bei Günstigen denke ich mich beim Kauf höchstens, warum es nicht mehr gekostet hat. *lacht* Doch wie gesagt, an den Preis, verschwende ich beim Schreiben einer Buchbesprechung keinen Gedanken! Es ist eher der ideelle Wert, der für mich ein Buch ausmacht.

Es könnte sich aber auch folgender Gedanke unter den Rezensenten breitmachen, bei der Flut an Büchern, die Monat für Monat den Buchmarkt erobern wollen: „Hey, es gibt so viele Bücher auf dem Markt, da hab` ich echt keinen Bock mehr, für die nicht so bekannten Autoren, auch noch eine Buchbesprechung zu schreiben. Die liest doch sowieso kein Schwein und außerdem bekommt man dann auch keine hilfreich Klicks, sondern nur Missachtung.“ Das ist eine weitere Vermutung meinerseits, warum Rezensionen immer seltener geschrieben werden. Diesen Gedanken kann ich nachvollziehen, weil es oft so ist. Schließlich lese und rezensiere ich auch Bücher von Autoren, die erst am Anfang stehen, oder eine wesentlich kleineren Bekanntheitsgrad haben, wie zum Beispiel ein Nicolas Sparks *grinst*

Und ja, viele Autoren, die noch nicht so bekannt sind, oder über eine kleinere Fanbase „verfügen“, bekommen weniger Rezensionen. Ich lehne mich aus dem Fenster und stelle die Behauptung auf, dass das vielleicht nicht immer und unbedingt an ihrem kleineren Bekanntheitsgrad liegt oder in welcher Genre-Nische ihr Buch veröffentlicht ist, sondern vielleicht auch daran liegen könnte, dass Rezensenten sich Autoren aussuchen, durch die sie auf der Rezensentenrangliste nach oben klettern! Es ist nun mal so: Je bekannter der Autor, desto mehr „Hilfreich Klicks“ bekommt man für eine Rezension, was gleich bedeutend damit ist, dass man als Rezensent im Rezensionsrang hoch klettert. Viele Klicks helfen dem Rezensenten nach oben — viele Rezensionen helfen dem Autor nach oben. Und hey, ich wußte es selbst nicht, bis ich es am eigenen Leibe erfahren habe: Sobald man als Rezensent den Rang 500 erreicht hat, bekommt man plötzlich Angebote, alle möglichen Sachen zu testen und dafür dann eine Rezension zu schreiben *lacht* Hüllen für Handys, Still-BHs oder Fahrradabdeckplanen um nur einige zu nennen …

Wenn es tatsächlich so ist, ist mir das aber sowas von – entschuldigt den Ausdruck – scheißegal! Ich lese weiter Bücher von Autoren, deren Geschichten mir Freude bereiten. Und dabei lege ich keinen Wert darauf, nur „große Berühmtheiten“ zu lese! Ich lese genauso gerne „kleine Berühmtheiten“ :3 weil deren Geschichten nicht schlechter sind, als die von „großen Berühmtheiten“, nur, weil sie möglicherweise auf irgendwelchen Listen nicht nach oben wandern, auf Grund von zu wenig Rezensionen. Teufelskreis, da bist Du! Wo wir wieder beim Thema „Rezensionsschwund“ sind.
Noch eine Vermutung: Seitdem es für jedermann möglich ist, Bücher zu veröffentlichen, tummeln sich wesentlich mehr Autoren auf den Bücher-Verkaufsplattformen. Vielleicht hat sich das Schreiben von Rezensionen dadurch verlagert, schlicht und ergreifend, weil mehr Autoren auf dem Markt sind, zu deren Bücher man Rezensionen schreiben kann. Ob dieses „Mehr“ auch ein Zeichen von Qualität ist, ist allerdings wieder ein anderes Thema – eines, das mir durchaus auch den ein- oder anderen Aggressionspickel beschert.

In diesem Sinne,

Ka

P.S. Und ja, ich gestehe, manchmal flackert auch in mir das Zweifel-Flämmchen auf, welches mir leise zuzischelt: „Warum machst Du Dir überhaupt die Mühe, Rezensionen zu schreiben? Werden sie überhaupt gelesen? Werden sie beachtet? Als hilfreich geklickt? Warum?“ Ich schüttle mich dann meist und antworte: „Weil´s Spaß macht. Weil ich meine Empfindungen zu einem Buch gerne weitergebe. Weil ich damit vielleicht ein wenig Freude schenken kann — immer vorausgesetzt es handelt sich um eine positive Buchbesprechung. *fg* Weil es Menschen gibt, die genauso gerne wie ich Rezensionen lesen. Darum.“