Rezensionen sind mehr als Lob oder Kritik – sie halten die Leselandschaft bunt und lebendig.
Wer Bücher liest und seine Meinung teilt,
schenkt Autoren Applaus und Inspiration für neue Werke.
Geneigte Lesende,
unlängst wurde ich Zeuge einer Rezension, die eigentlich keine Rezension ist. Doch was hat eine Rezension, die keine Rezension ist, unter der „Rubrik“ Rezension zu suchen? Warum wendet sich der Leser, dem ein bestelltes eBook offensichtlich nicht geliefert wurde, per Mail am Verkäufer und übt so direkte Kritik aus? Warum wird stattdessen eine Rezension zum Buch geschrieben, das man nie gelesen hat, da man es ja offensichtlich nie bekommen hat, mit dem ungefähren Wortlaut: „Ich habe mir vor einiger Zeit ein eBook bestellt. Bis zum heutigen Tag ist das Buch nicht auf meinem eBook-Reader eingetroffen.“
Irgendwie ist in Sachen Buchbesprechungen, sprich Rezensionen, sowieso der Wurm drin! Die „Rezensionsmoral“ – ich nenne das Phänomen jetzt einfach mal so – geht langsam den Bach runter. Ich weiß, ich weiß. Darüber habe ich mir in der Vergangenheit nicht nur einmal den Mund fusselig geredet – ähm, geschrieben – aber es ist doch wahr! *stampft mit dem Fuß auf*
Da ich persönlich gerne Rezensionen und Meinungen über Bücher lese, frustriert mich das Schwinden selbiger auch sehr. Und wenn ich dann anstatt einer Rezension, die sich – wie es sich normalerweise gehört – auf den Inhalt eines Buches bezieht, zur Kritik am eBook-Versender verkommt, stellen sich mir dezent die Nackenhaare auf! Das ist dasselbe, als würde ich eine Buchrezension schreiben, in der zum Beispiel stünde: „Das Buch kam heil bei mir an, da die Verpackung einfach erstklassig war!“ Oder in der negativen Form: „So ein zerfleddertes Päckchen, kann sich die Versandabteilung in die Haare schmieren! Mit mir NICHT …!“

Hach ja … wenn ich um eiiiiinige Jährchen in der Zeit zurückgehe, konnte ich durch einen schönen, satten Wald voller Rezensionsbäume laufen. Man pflückte sich dort eine Portion Input, nahm sich an jenem ein Häppchen Spoiler, am anderen ein Häufchen Humor und dem übernächsten Rezensionsbaum eine scharfe Prise Kritik mit. Und nun, nun wird es immer schwieriger für Leute wie mich, die gerne Buchbesprechungen lesen – und natürlich auch für die Autoren selbst. Wir verhungern allmählich in einem Wald, in dem keine Rezensionsbäume mehr wachsen.
Im Zusammenhang mit dieser Situation fällt mir ein Zitat von Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ein:
„Man kann einen Garten nicht düngen, indem man durch den Zaun furzt.“
(Marcel Reich-Ranicki, *2. Juni 1920 – †18. September 2013, deutsch-polnischer Publizist und Autor; Zitat aus öffentlichen Auftritten, genaue Quelle unbekannt)
Ergo: Lest Bücher, schreibt Rezensionen (der Dünger für Autoren und neue Bücher) und animiert somit Autoren, weitere Werke zu schreiben. Ich möchte auch in Zukunft eine kunterbunte Leselandschaft vorfinden! Es muss frustrierend für Menschen der schreibenden Zunft sein, keine Rückmeldung zu getaner Arbeit zu bekommen. Rezensionen sind der Applaus (okay, okay, manchmal auch Buh-Pfiffe ^^ ), den wir Leser dem Autor schenken.
In diesem Sinne
Ka
Bildquelle: Rezensionsbaum erstellt mit Hilfe einer KI.