„Rauhnächte – die geheimnisvolle Zeit zwischen den Jahren, in der der Schleier zwischen Diesseits und Jenseits dünn ist.
Magie, Geister und wilde Jagden erwarten uns, doch sie sind auch perfekt,
um zur Ruhe zu kommen und Kraft für das neue Jahr zu sammeln.“
Geneigte Lesende!
Gerade befinden wir uns mitten in der Zeit zwischen den Jahren, den sogenannten Rauhnächten. Je nach Überlieferung werden sie etwas unterschiedlich gezählt; häufig beginnen sie um Weihnachten und enden mit dem Dreikönigstag am 6. Januar. Es ist die Zeit, in der sich allerlei gehörnte, jenseitige Wesen herumtreiben, die den Diesseitigen ans Leder bzw. an deren wohlschmeckende Seele wollen. Jedenfalls erzählen das die Mythen, die in der Vergangenheit ordentlich rankten und schließlich tief verwurzelt wurden.
Woher der Begriff „Rauhnächte“ eigentlich stammt, ist übrigens gar nicht eindeutig geklärt. Eine Erklärung führt ihn auf das Räuchern von Haus und Hof zurück, eine andere bringt ihn mit „rauen“, also haarigen oder pelzigen Gestalten in Verbindung. Die Rauhnächte selbst sind jedenfalls von einer faszinierenden Mischung verschiedener alter Volksvorstellungen und christlicher Traditionen geprägt.
Heutzutage werden die Rauhnächte gerne mit keltischen Vorstellungen und dem keltischen Jahreskreis in Verbindung gebracht. Solche Parallelen und Zuordnungen sind durchaus verbreitet (und in der Fiktion sicherlich super-duper zu gebrauchen), auch wenn sich daraus keine eindeutig belegte historische Herkunft der Rauhnächte aus keltischem Brauchtum ableiten lässt.
Im überlieferten Volksglauben markieren sie den Übergang in ein neues Jahr. Da der Mondkalender nur 354 Tage hatte und der Sonnenkalender 365 Tage, brachte man die dazwischenliegende Zeit mit den zwölf Rauhnächten in Verbindung, die symbolisch dafür genutzt wurden, Ordnung in die Zeit zu bringen. Diese Tage galten als besonders magisch, da sie sich außerhalb der normalen Zeitrechnung bewegten, eine Art „Zeit zwischen den Zeiten“. Passend dazu findet sich im Volksglauben die Vorstellung, dass in diesen Nächten auch die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits durchlässiger sei. Wer jetzt an die keltische Anderswelt denkt, liegt mit der Assoziation also gar nicht so weit daneben – auch wenn es sich dabei nicht um ein und dieselbe Überlieferung handelt. Die Erklärung über die unterschiedlichen Längen von Mond- und Sonnenjahr wird häufig herangezogen, doch ob der Ursprung der Rauhnächte tatsächlich darauf zurückgeht, ist nicht eindeutig belegt und bleibt daher eher im Bereich der Vermutungen.
In der Vergangenheit war das Winterhalbjahr weitaus stärker von Kälte, Hunger und Krankheiten geprägt als heute – das Leben war rauer. Ohne elektrisches Licht waren die Dunkelheit der Winternächte und die langen Schatten ungleich eindringlicher und gegenwärtiger als in unserer Zeit. Diese besonderen Nächte sind jedoch nicht nur finster und bedrohlich, sondern auch eine Zeit der Übergänge und der Magie.
So sollen in den Rauhnächten nicht nur die Seelen der Verstorbenen umherwandeln, sondern auch die Wilde Jagd durch die Lüfte toben. Diese Geisterprozession wird je nach regionaler Überlieferung von unterschiedlichen Gestalten angeführt – etwa von Wotan beziehungsweise Wodan; andernorts begegnen uns in diesem Zusammenhang auch Frau Holle oder Frau Percht. Mit Getöse zieht die Wilde Jagd durch die Nacht. Wer sie erblickt, soll sich besser nicht einmischen, denn das bringt Unglück – oder, wenn man Pech hat, sogar den Tod.

Laut Überlieferung gab es zwischen den Jahren außerdem allerlei Arbeitsverbote – besonders berüchtigt ist das Verbot, Wäsche zu waschen beziehungsweise aufzuhängen! Also vielleicht doch lieber Finger weg vom Wäscheberg, Bügeln, Putzen, Bücherregalabstauben und so weiter! Muss es doch sein, dann bitte nur mit Muße, Bedacht und ohne Zeitdruck. Schließlich will sich kein Mensch den Zorn der Jenseitigen zuziehen. Denn wenn diese so aussehen würden wie die hier abgebildeten Perchten, dann gute Nacht! Da ist kein Sixpack oder gar ein schmackofatziger Adonis-Belt zu sehen, wie Protagonisten ihn in unserer allseits geliebten, einschlägig-paranormalen Literatur ihr Eigen nennen! Nur gefletschte Fratzen und Fellbehang.
Zurück zum Thema! Heute werden die Rauhnächte auch gerne dazu genutzt, zur Ruhe zu kommen, Bindungen zu Familie und Freunden aufzufrischen und gestärkt ins neue Jahr zu gehen. Der 6. Januar ist — wie oben bereits erwähnt — Stichtag und der Spuk ist vorbei! Die Jenseitigen überlassen das Diesseits wieder uns und was wir daraus machen, bleibt offen. Einem Aberglauben nach soll das, was man in den Rauhnächten träumt, im folgenden Jahr in Erfüllung gehen. Glückskekse sind also gänzlich überflüssig, auch wenn es Spaß macht sie zu knacken! Darum: süße Träume und zieht Euch beim Schlafen anständig an, oder auch nicht(s) *höhöhö*! Ihr wisst schon: Man weiß nie, wer im Traum zu Besuch kommt.
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In diesem Sinne, rau(h)e Nächte!
Ka
Bildquelle „Perchten“: pixabay.de