Blog Kas Tatsachenbericht

Prinzip Hoffnung

  • 23. Juli 2016

Gerade sitze ich auf der Terrasse. Die Nacht ist lau und ich erfreue mich am leisen Plätschern des Regens. Und während ich ihm lausche, gehen meine Gedanken auf Wanderschaft. So stelle ich fest, wie sehr ich das Leben eigentlich liebe. So wie jetzt gerade, in der friedlichen, heimeligen Sille meines Gartens, die nur vom Zirpen der Grillen unterbrochen wird, denen egal ist, ob es sanft regnet oder nicht. Und ob meines Wissens, dass es meiner Familie, meinen Freunden gut geht, das … das ist für mich, mein persönliches, mein kleines Stückchen Paradies.

Als Kind habe ich mir das Paradies mit tuffig-flauschigen Wattewolken vorgestellt, auf denen Flügelträger mehr gleiten denn gehen und auf deren höchsten Punkt ein uralter, weiser alter Mann sitzt, dessen weißes langes Haar samt Bart sich um ein lächelndes, gütiges Gesicht kringelt.

Heute ist mir mehr denn je bewußt geworden, welch großes Glück wir Menschen eigentlich haben, auf so einem fantastischen Planeten wie der Erde zu leben. Doch anstatt das Geschenk Erde, das Geschenk Menschsein anzunehmen, verfallen wir immer wieder in alte, in territoriale, in religiös-fanatische Verhaltensmuster zurück, was draußen, vor unseren Türen, den Gewaltpegel extrem in die Höhe schießen läßt. Menschen bekriegen Menschen, die nicht in ihr Schema „F“ passen. Doch warum das alles? Für einen Platz im Paradies? Für mehr Raum? Zur Machtbefriedigung? Aus Ignoranz und Überheblichkeit? Aus Egoismus?

Johann Christian Friedrich Hölderlin hat mal gesagt, dass es immer wieder jene gibt, die die Welt zur Hölle machen und vorgeben, sie dadurch zum Paradies machen zu wollen. Das stimmt, leider! Im Grunde  genommen, liegt das Paradies hier, direkt vor unseren Füßen. Es liegt so nahe vor uns. Um darin zu leben, sollten wir jetzt schon so handeln, als ob es nach dem Tod tatsächlich ein Paradies geben würde, denn genau dann, hätten wir es bereits im Hier und Jetzt!

Ich werde nicht müde zu sagen, dass es egal sein sollte, welcher Religion ich angehöre, egal sein, ob ich weiß, schwarz, gelb oder kunterbunt bin. Egal, ob ich Männer, Frauen oder beides liebe. Hauptsache ich liebe! Und wie ist es dann mit dem Paradies? Dann brauche ich nicht zu warten, bis mich das Zeitliche segnet, denn ich könnte es im Diesseits leben. Ich, Du, wir alle.

Meine Hoffnung, dass wir das irgendwann erreichen können, stirbt nicht zuletzt, sie stirbt nie …

Am Ende werden Frieden, Vernunft und Freiheit die Oberhand gewinnen.

© Dalai Lama Tenzin Gyatso