Blog Kas Tatsachenbericht

Objektiv vs. Gefühl – ein Experiment zwischen Buchseiten

  • 27. Januar 2026

Objektiv oder aus dem Bauch heraus?
Ich habe ein Experiment gewagt: dasselbe Buch, zwei Rezensionen – eine sachlich, eine fühlend.
„Fractured Souls – Der Kämpfer“ zeigt für mich, wie groß der Unterschied zwischen Wissen und Erleben sein kann.

Geneigte Lesende,

vor Kurzem habe ich darüber geschrieben *KLICK zu „Warum ich Bücher nicht von oben betrachte“, warum meine Rezensionen selten nüchtern, sachlich oder „objektiv“ ausfallen. Warum ich Bücher nicht von außen betrachte, sondern von innen heraus erlebe.

Am Ende habe ich einen Gedanken in den Raum geworfen:
Vielleicht sollte ich einmal eine Gegenüberstellung machen. Eine objektive und eine subjektive Rezension.
Nun ja. 
Hier sind wir. *lacht*
Denn ich habe genau das getan.
Ein kleines Experiment.
Dasselbe Buch.
Zwei Blickwinkel.

„Fractured Souls — Der Kämpfer“

Objektiv vs. Gefühl – ein Experiment zwischen Buchseiten

Hier meine objektive Rezension:

„Fractured Souls – Der Kämpfer“ ist der sechste Band der Perfectly Imperfect-Reihe von Neva Altaj. Der Roman greift das Verschwinden von Asya DeVille auf, das im vorherigen Teil bereits angedeutet wurde, und stellt ihr weiteres Schicksal in den Mittelpunkt der Handlung.

Asya wird als junge Frau dargestellt, die nach schweren traumatischen Erfahrungen mit den langfristigen psychischen Folgen dieser Erlebnisse konfrontiert ist. Der Fokus der Geschichte liegt auf ihrem inneren Zustand und dem schrittweisen Versuch, wieder Stabilität und Kontrolle über das eigene Leben zu erlangen. Die Handlung ist dabei stark auf psychologische Prozesse ausgerichtet.

Der männliche Protagonist Pavel wird als ruhiger, kontrollierter und altersmäßig deutlich reifer Charakter eingeführt. Seine Rolle besteht vor allem darin, eine konstante, unterstützende Bezugsperson darzustellen. Die Beziehung zwischen Asya und Pavel entwickelt sich langsam und ohne schnelle emotionale oder körperliche Eskalation.

Thematisch behandelt der Roman unter anderem Menschenhandel, Zwang und Traumabewältigung. Diese Inhalte werden explizit dargestellt und nehmen einen zentralen Platz innerhalb der Erzählung ein. Entsprechende Triggerwarnungen sind zu beachten. Eine schnelle oder vollständige Auflösung der traumatischen Erfahrungen findet nicht statt.

Stilistisch ist der Roman ruhig angelegt und folgt einer linearen Erzählstruktur. Innerhalb der Reihe stellt dieser Band einen stärker psychologisch geprägten Teil dar.

Objektiv vs. Gefühl – ein Experiment zwischen Buchseiten

Sachlich korrekt.
Inhaltlich stimmig.
Und trotzdem: Würde mich diese Rezension dazu bringen, dieses Buch lesen zu wollen? Puhhh, ich sage jetzt nicht generell „NEIN!“, aber … naja. Klar, sie sagt mir, worum es geht – aber nicht, wie es sich anfühlt, dort gewesen zu sein.

 

Nun meine subjektive Rezension:

„Fractured Souls – Der Kämpfer“ ist kein Buch, das man „mal eben“ liest. Es ist eines von denen, die sich leise unter die Haut schleichen, dort bleiben und erst wieder gehen, wenn sie alles aufgewühlt haben.

Von Asya DeVilles Verschwinden erfährt man bereits im vorherigen Teil „Stolen Touches“. Kein kleines Detail, kein beiläufiger Nebensatz – sondern einer dieser Momente, bei denen in meinem Leserherz sofort die Alarmglocken schrillten. Schließlich ist ihr Bruder Arturo einer der Capos von Salvatore Ajello, und in dieser Welt verschwindet niemand einfach so. Was Asya tatsächlich widerfahren ist, erfahren wir schließlich im sechsten Teil der Perfectly Imperfect-Reihe – und vorweg: Es ist keine leichte, aber eine eindringliche Geschichte.

Asya ist jung, gebrochen und innerlich so weit von dem entfernt, was sie einmal war, dass jeder Schritt zurück ins Leben wie ein unüberwindbarer Berg wirkt. Und dann ist da Pavel. Still. Kontrolliert. Einer der ruhigsten und gleichzeitig stärksten männlichen Charaktere, die ich in diesem Genre gelesen habe. Kein Retter mit Heldenpose, sondern ein Mann, der versteht, dass Heilung nichts mit Besitz, Tempo oder Forderungen zu tun hat. Seine Stärke liegt nicht in Gewalt, sondern in Geduld.

Die Beziehung der beiden ist kein Feuerwerk, sondern ein vorsichtiges Wieder-atmen-Lernen. Fragil. Ehrlich. Asyas Trauma steht dabei klar im Mittelpunkt – nicht als bloßes Plotmittel, sondern als etwas, das Raum bekommt, Zeit braucht und nicht zwischen zwei Buchseiten „weggeheilt“ wird.

Ja, das Buch ist hart. Die Triggerwarnungen sind ernst zu nehmen. Es geht um Menschenhandel, Zwang und tief sitzende Traumata – und nichts davon wird beschönigt. Aber genau darin liegt die Intensität der Geschichte: Sie zeigt nicht nur das Zerbrechen, sondern auch das mühsame Zusammensetzen der eigenen Seele. Stück für Stück. Ohne falsche Romantisierung. Ohne billige Lösungen.

Kurz gesagt: Dieses Buch hat mich leise zerlegt und am Ende mit einem Gefühl von Hoffnung zurückgelassen. Roh, schmerzhaft und gleichzeitig behutsam erzählt.

Objektiv vs. Gefühl – ein Experiment zwischen Buchseiten
Und genau hier möchte ich euch eine Frage stellen:
Würdet ihr eher zu einer Romance greifen – egal ob nun Historical, Erotik, Fantasy, Paranormal, Gay usw. – deren Buchbesprechung nüchtern, korrekt und sachlich daherkommt?

Oder nach dem Lesen einer Rezension, bei der man spürt, dass jemand das Buch gefühlt hat? Ganz gleich, ob dieses Gefühl positiv oder negativ war – aber eben nicht gleichgültig …

Ka

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