„Manche düsteren Helden haben Tiefe, Narben und eine nachvollziehbare Entwicklung.
Andere sitzen besser in der Trotz-Ecke und nuckeln an ihrem namenlosen Saftpäckchen.
Heute geht es um Ar…löcher in Büchern und darum, wann aus „gebrochener Held“ einfach nur „Vollpfosten deluxe“ wird.“
WARUM, geneigte Lesende?
Warum müssen es immer wieder Arsc…öscher sein, die in Büchern der Unterhaltungsliteratur die Protagonisten mimen? Wobei man hier allerdings sehr deutlich differenzieren muss:
Es gibt fiktive Arsc…öcher, weil in ihrer Sozialisation irgendetwas massiv schiefgegangen ist. Dies wird von Autorinnen und Autoren gekonnt vermittelt, und als Leser lernt man im Laufe der Geschichte, warum sie sind, wie sie sind. Es wird Stellung zu ihrem Verhalten genommen. Es wird erklärt, man folgt tiefen emotionalen Spuren, die auf der Seele der dargestellten Protagonisten irgendwann von irgendjemand Miesem hinterlassen wurden. Populärpsychologisch betrachtet wird hier also nicht einfach mieses Verhalten entschuldigt, sondern ein inneres Muster sichtbar gemacht: Verletzung, Schutzpanzer, Abwehr, Angriff, Rückzug. Gerade dadurch entsteht im besten Fall keine billige Ausrede, sondern ein nachvollziehbarer Blick darauf, wie ein Mensch gelernt hat, Nähe als Gefahr zu begreifen und Gefühle lieber wegzubeißen, bevor sie ihn selbst erwischen. Ja, man arrangiert sich letztendlich mit ihnen, versteht ihr Handeln und warum sie um sich schlagen, keinen an sich heranlassen. Außer die Liebe ihres Lebens *hat romantische herzen in den augen und rückt die rosarote brille zurecht* und hat sie letztendlich sogar liebgewonnen.
Man folgt als Leser dabei dem logischen Aufbau, den Autorinnen und Autoren festlegen. Spürt einen gefühlvollen roten Faden, eine glaubhafte Darstellung und die Wandlung des Charakters bis hin zu einem möglichen Happy End. Wenn das Buch gekonnt erzählt ist, kann man dies alles nachvollziehen, und das Ar…och ist in Situationen, in denen es tatsächlich darauf ankommt, kein Ar…och mehr! So muss das meines Erachtens sein.

Doch dann gibt es diese fiktiven Arsc…öcher, die Ar…öcher sind, weil sie grundlos Honks sind, die ohne Erklärung nach dem „Wieso? Weshalb? Warum?“ einfach so auf die Leser losgelassen werden. Oder weil sie vielleicht einen etwas strengeren Papa haben, der lieber mit ihnen Mensch-ärgere-dich-nicht spielte, anstatt irgendein Ego-Shooter-Game mit ihnen zu zocken. Himmel! Was Papas doch für Unmenschen sein können! *mi-mi-mi-mi-mi*
Und diese Ar…öcher kann ich einfach nicht ab. Da bekomme ich dermaßen Aggressionspickel, die mich aussehen lassen wie eine Survival-Urlauberin in den Feuchtgebieten Norwegens; zerstochen von gefühlt Milliarden Mücken. Hallo?
Doch viele positive Rezensionen sprechen eine andere Sprache! Das ist, als würden Autorinnen und Autoren Klingonisch und ich als Leser Khoisanisch sprechen. Keiner versteht das Wort des anderen. *gg*
Ich kann es nicht oft genug wiederholen, wie froh ich bin, dass Lesergeschmäcker unterschiedlich sind, denn sonst hätte ich bei der Aussicht auf solche Kerle schon längst mein Lesehandtuch geworfen. Grob gesagt spreche ich von Büchern, deren Inhalt man auf das hier reduzieren kann:
„… die mache ich fertig. Die breche ich, dann setze ich sie wieder zusammen, wie ich sie brauche, und dann zerschmettere ich sie ganz. Aber erst, nachdem sie sich in mich verliebt hat. Was wird das doch für ein Heidenspaß! Warum ich das mache, fragst du, lieber Leser? Ist doch egal, es gibt keinen Grund. Ich kann es einfach, weil ich ein Ar…och bin und außerdem 30 cm größer und viel mehr Muckis habe als sie.“
Hääääh? Geht’s noch? Wie kann man sich als Frau — und sei es nur Fiktion — in so ein Riesenhirnie verlieben? *ironiemodus ein* Ach so, es ist Hassliebe!!! *ironiemodus aus* Aber vielleicht ist es unter den Mädels einfach en vogue, sich das größte Ar…och zu sichern?
Vielleicht lesen manche nicht über solche Arschlöcher, weil sie Arschlöcher lieben, sondern weil sie die Fantasie lieben, dass selbst der kälteste, härteste, kaputteste Mensch für eine einzige Person weich werden kann. Mein Problem beginnt nur genau dort, wo aus dieser Fantasie in einer Geschichte keine Entwicklung wird, sondern der vermeintliche „Hero“ sich eine Dauerkarte fürs emotionale Draufhauen gesichert hat. *so ein vollpfosten*
Sorry, aber wenn dein gesamter düsterer Heldenbogen darauf basiert, dass ein Mädchen früher nicht die Vormundschaft über den Umzugswagen ihrer Eltern übernommen hat, dann bist du kein gebrochener Held. Dann bist du ein sehr großer Junge mit sehr kleinen Bewältigungsstrategien. Und hey: Setz dich einfach in die Ecke und nuckel weiter an deiner Capri-Sonne.
Sorry. Nicht meine Welt. Darum ein fettes, grandioses, von Herzen kommendes Danke an all die Autorinnen und Autoren, die es schaffen, ein Ar…loch zu konzipieren, welches es innerhalb einer toll erzählten Story trotzdem schafft, sich in die Herzen der Lesenden zu schleichen. Das nennt man gelungene Charakterentwicklung, und davon gibt es in meiner Lesevergangenheit einige. Chapeau.
Falls ihr nach diesem kleinen Ausflug in die Trotz-Ecke noch nicht genug von fragwürdigen Helden, dunklen Romance-Grenzen und literarischen Stirnrunzlern habt: Ich habe da noch ein paar passende Beiträge für euch. Klickt euch gern weiter durch meine Gedanken zu
👉 Dark Romance,
👉 Emotionslegasthenikern,
👉 devoten Weibchen
👉 und der Frage, wann es in Geschichten vielleicht nicht mehr prickelt, sondern bis aufs Blut geht.
Eure Ka

Bildquelle „Ar….lochheld“: Erstellt von Ka mithilfe einer KI und PhotoShop.