Buch Fiktive Charaktere

[HeldenSalon] — Damian und Keenan

  • 15. März 2021

[HeldenSalon] — Damian und Keenan

Die „Wolves & Angels“-Reihe von Loraine Aksander geht mit „Verdrängte Sehnsucht“ in die dritte Runde. Ihr kennt mich zwischenzeitlich gut genug um nachvollziehen zu können, dass meine Neugierde bezüglich der Protagonisten in den vorherigen Teilen ordentlich angeheizt wurde. Vor allem in Anbetracht dessen, dass sich die Autorin sogar mal zwischen ihnen liegend – wohlgemerkt nach einer durchzechten Patch Party der Desert Wolves, dem MC, dem Damian und Keenan angehören – wieder gefunden hat! OMG! Da wäre ich gerne mit bei gewesen um das Gesicht von Frau Aksander zu sehen, als sie sich dessen gewahr wurde … *hihi* Nun hatte ich die Gelegenheit, das Buch vorab lesen zu dürfen. Was meine Neugierde exponentiell gesteigert hat! *ggg*

[HeldenSalon] — Damian und Keenan

Und heute, geneigte Leserinnen und Leser, kommen die „Zwillinge“ TATSÄCHLICH in den HeldenSalon. „Zwillinge“ deshalb, weil sie immer im Doppelpack auftreten. Ich bin dermaßen aufgeregt, denn seit Ripper, Member bei den Hell’s Horsemen, war kein Rocker mehr zu Gast. Klar bin nervös, denn, sie sind nicht nur Rocker, sie leiten auch mit großem Erfolg für ihren MC das Puppethouse, ein … Bordell mit angegliedertem exklusiven Club für ein Klientel mit großem Geldbeutel. DAS ist sowohl für mich, als auch für den HeldenSalon eine Premiere! Okay, okay, die Jungs von Escort-Elite-Service von Ria Wolf, waren auch in diesem „Gewerbe“ tätig, allerdings auf der anderen Seite der Türe … apropos Türe, es klopft!

[HeldenSalon] — Damian und Keenan

Schnell haste ich nach vorne und öffne die Türe voller Ungeduld. Ein erfreutes Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus, als ich Damian an seinen hellen, graugrünen Augen erkenne! Ich weiß aus dem Buch, wie eindringlich sie blicken können. Mein Blick huscht von seinen Augen, über seine in eine Kutte gehüllte Brust und wieder zurück. „Du musst Damian sein! Herzlich Willkommen …“

„Hi! Freut mich. Aber ich sag’s dir lieber gleich.“ D setzt einen ernsten Blick auf. „Wir sind bloß wegen deiner Erdbeertörtchen hier, von denen Cam bei der letzten B’n’S so geschwärmt hat. Ich hoffe, du hast welche da. Oder wenigstens was Vergleichbares.“

„Nur wegen der Erdbeertörtchen?! Puh, da bin ich aber froh, dass ich auch solche gemacht habe!“ Feixend sehe ich an ihm vorbei zu Keenan, der nahe hinter ihm steht. In seinen schokoladenbraunen Augen blitzt der Schalk. „Auch dir ein herzliches Willkommen, Keenan. Ich freue mich total, dass ihr euch die Zeit – weg vom Puppethouse – nehmen konntet.“

(K antwortet)
„Die Mädels und Jungs kommen auch mal ne Weile ohne uns klar. In dem Job kann man ja auch nicht viel falsch machen. Jedenfalls im normalen Puppethouse nicht. Also, danke für die Einladung. Ach, und nimm D am besten gar nicht ernst. Also ICH bin nicht nur wegen dem Süßkram hier!“
Er grinst von einem Ohr zum anderen.

„Dann wahrscheinlich wegen der deftigen Snacks“, kann ich mir nicht verkneifen.
Mit einer Geste fordere ich die Männer auf einzutreten. Lehne mich kurz an die geschlossene Türe um in Ruhe tief durchzuatmen. Ich habe zwar schon von Damians tollem Hintern gelesen, doch zu lesen und ihn dann live zu sehen, sind definitiv zwei paar Stiefel!

K stutzt und beugt sich leicht zur Seite, um sich Ds Kehrseite anzusehen.
D zu K: „Was’n?“
K zu D: „Ich dachte, Du hättest was am Arsch kleben oder ’n Loch in der Hose oder so.“
D zieht überrascht die Augenbrauen hoch. „Ich? Wie kommst du denn darauf?“
„Och.“ K grinst sich eins und wendet sich schmunzelnd Ka zu. „Sah so aus.“

Scheiße, ertappt! Ich merke wie mir die Hitze ins Gesicht steigt und haste an Keenan, auch Kay oder schlicht K genannt und Damian vorbei, ohne dessen Po noch mal einen Blick zu gönnen. Sooooo schade. „Nehmt doch bitte auf dem Sofa Platz!“ Ich selbst lasse mich erleichtert in meinen Lieblingssessel plumpsen, der nur von einem Tisch getrennt gegenüber dem Sofa steht. „Ich schätze mal Cam hat euch in etwa erzählt, was euch bei mir erwartet?“

K: „Eine attraktive Frau in seiner Kragenweite“ *lacht*
D boxt K gegen den Oberarm: „Du Blödmann. Das meinte sie doch nicht!“
K: „Hey! Das ist genau, was Cam gesagt hat. Wortwörtlich.“
D: „Weiß ich, aber das meinte sie trotzdem nicht.“

*Im fliegenden Wechsel folgt mein Kopf ihrem Schlagabtausch.*

D sieht Ka entschuldigend an. „Sorry, das muss der Jetlag sein. So ist er normalerweise nicht. Meistens ist er eher ernst. Naja, ab und zu. Gelegentlich. Wenn er nicht gerade dummes Zeug redet.“
K lässt ein kurzes Knurren hören. „Wer ist jetzt der Blödmann? Aber mal Spaß beiseite. Ja, Cam hat uns berichtet, dass du einem gern Löcher in den Bauch fragst. Meinetwegen kann’s losgehen.“

Zufrieden wandert mein Mund Richtung Ohren zu erreichen. „Gerne, aber vorher möchte ich euch einen Kaffee anbieten, oder etwas Kaltes? Solltet ihr hungrig sein, greift zu.“ Auf der Theke hinter mir, habe ich ein paar süße und deftige Teilchen angerichtet und natürlich auch die von Cam gepriesenen Erdbeertörtchen. „Ich weiß, dass dein Leibgericht Rinderbraten ist, Keenan. Und wenn es deine und Damians Zeit erlaubt, würde ich euch nach dem Interview gerne zum Rinderbraten-Essen einladen.“

K: “Siehst du, D, da sind deine süßen Teilchen ja. Ich bevorzuge ja eher eins von den deftigen.“ Lächelt Ka an, nachdem er sich eins geholt hat. „Vielen Dank.“
Ka: „Gerne doch!“
Er beißt hinein und schließt die Augen. „Mmmmmh. Pi sinn ja poppal legger.“
D: „Mit vollem Mund spricht man nicht, Kay! Ich weiß genau, dass Granny das nicht bloß mir, sondern DIR auch beigebracht hat.“
K schluckt und streckt D dann die Zunge raus. „Pffff“
„Also“, richtet er das Wort dann an Ka, „wenn Dein Rinderbraten nur halb so gut ist wie dieses Teil hier, dann nehm ich die Einladung gerne an. Unser Rückflug geht eh erst morgen.“

Ich liebe Männer mit Appetit. Nicht was Ihr jetzt denkt, geneigte Leserinnen und Leser! „Bisher konnte ich bezüglich meines Rinderbratens noch keine Klagen hören!“ Ich rutsche vor an den Rand des Sessels. „Keenan, ich hoffe, du machst mich nach der folgenden Frage keinen Kopf kürzer.“ Grüblerisch lasse ich meinen rechten Zeigefinger unter meiner Nase hin- und her gleiten während ich ihn ansehe. “Was hat dich dazu bewogen den Desert Wolves beizutreten? Ich meine, es ist sicherlich nicht alltäglich, dass man sich dazu entschließt Teil eines MC, besser gesagt eines OMC zu werden? Ich könnte mir denken, dass deine Großeltern nicht sehr begeistert darüber waren?“

K:
“Wieso sollte ich dich für diese Frage einen Kopf kürzer machen? Sie liegt ja quasi auf der Hand.“ Lächelnd denkt er einen Moment nach. „Weißt du, Loraine hat es nicht explizit erwähnt, aber das Viertel, in dem Grandpa den Laden hatte, ich also aufgewachsen bin, gehört nicht zu den besten von Las Vegas. Auch in dieser Stadt sind Street Gangs ein großes Thema und waren es damals schon. Gerade in meiner Jugend hatte man, zumindest als Junge, kaum eine Wahl, als sich irgendeiner Gruppierung anzuschließen. Das ging mir genauso und war wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. ‚Entweder du gehörst zu uns, oder wir zerlegen den Laden deines Opas‘ – ich weiß nicht, wie oft ich mir den Spruch anhören musste. Mit dreizehn! Ja, und dann kamen da plötzlich ein paar Männer daher, die jetzt auch nicht gerade besonders vertrauenserweckend aussahen mit ihren Kutten und Abzeichen und Tattoos, die aber weder Grandpa – direkt oder indirekt – noch mich bedroht haben. Im Gegenteil. Die liebten den Laden und haben den Gangs gezeigt, wo der Hammer hängt, wenn sie uns nicht in Frieden lassen. Ohne eine Gegenleistung zu fordern. So kam ich in Kontakt mit den Wölfen. Der Rest hat sich dann automatisch ergeben, möcht ich fast sagen.“
Erneut schiebt sich K ein Teilchen in den Mund.
„Was meine Großeltern angeht …“ Er lacht leise, bevor er fortfährt. „Die sind nicht als Großeltern geboren worden, und soweit ich mich an die eine oder andere Andeutung von Granny erinnere, muss Grandpa in seinen jungen Jahren ein schlimmer Finger gewesen sein.“

[HeldenSalon] — Damian und Keenan

„Echt? Ich finde das niedlich. Grandpa hat in eurer Geschichte auf mich einen total lieben und klugen Eindruck gemacht.“ Ich wende mich D zu: „Kannst du ein wenige von den Wölfen erzählen?“, als ich sehe wie die beiden fast synchron ihre Stirn runzeln, füge ich schnell hinzu: „Keine Interna! Ich möchte viel mehr wissen, wie lange es die Desert Wolves schon gibt, wieviele Mitglieder ihr habt und ob G immer so, hmmm, so streng ist. Ich denke da gerade an eine Szene im Buch, als Keenan etwas Unüberlegtes getan hat und du … du weißt, was ich meine, Damian.“ Ich stehe auf und hole mir ebenfalls ein deftiges Teilchen, in dass ich herzhaft hineinbeiße, während D zu erzählen beginnt.

D nickt langsam und bedächtig. „Ich weiß, was du meinst, ja. Aber du täuschst dich, wenn du G für streng hältst. Er führt den Club mit fester und durchaus auch unerbittlicher Hand. Bei um die neunzig Mitgliedern plusminus nur in Merulah, das Washington Chapter nicht mitgezählt, braucht es das aber auch, damit nicht jeder macht, was er will. Gabs war da sogar noch ne Schippe extremer.“
„Aber erst, als die Wölfe tatsächlich zu einem richtigen MC wurden“, fällt K seinem Freund ins Wort. „Am Anfang war das noch ganz was anderes. Die Ursprünge gehen in eine Zeit zurück, als Gabs, Mick und Screw ungefähr so alt waren wie D und ich, als wir uns kennenlernten.“
„Richtig“, bestätigt D. „Das waren einfach ein paar Jungs oder junge Männer, die sich seit der Schulzeit kannten, gerade frisch ihren Führerschein hatten und es liebten, Motorrad zu fahren.“
„Ja, und zu mehreren macht es einfach mehr Spaß als allein. Insbesondere in der Wüste.“
„Das stimmt. Zunächst ging es also nur darum, zusammen zu fahren. Erst mit der Zeit wurde es dann … hmmm, wie soll ich das jetzt nennen?“
„Kriminell?“, springt K für D in die Bresche. „Nein, eigentlich wollten diese Männer die Kriminalität aus Merulah draußen halten. Weil sie inzwischen junge Väter waren. Und die einfachste Methode, das zu bewerkstelligen, war wohl, die damit einhergehenden entsprechenden Geschäfte wie Drogen und so weiter selbst in die Hand zu nehmen. Außerhalb der Stadtgrenzen. So kam das.“

„Plausible Erklärung, Keenan. D, du bist vor ungefähr 15 Jahren in Las Vegas gestrandet und hast dort Keenan kennen gelernt. Ihr beide geht gemeinsam durch Dick und Dünn. Was macht Eure Freundschaft so besonders? Ich meine, ihr taucht fast nur im Doppelpack auf.

„Deshalb nennen sie uns auch die Zwillinge“, antwortet K, bevor D was sagen kann. Dann wechseln die beiden einen Blick, einen sehr tiefen Blick.
„Was macht unsere Freundschaft besonders“, sinniert D leise. „Wahrscheinlich, dass wir uns blind aufeinander verlassen können. Und dass wir keine Geheimnisse voreinander haben. Inzwischen jedenfalls nicht mehr.“ Die letzten Worte hat D eher geflüstert.
„Loraine hat erzählt, dass du auch schon gewaltig lang mit deinem Mann zusammen bist“, übernimmt K. „Was macht eure Ehe denn so besonders? Lass mich raten. Ihr vertraut einander. Ihr kennt euch inn- und auswendig und schafft es trotzdem, euch immer noch gegenseitig zu überraschen. Richtig?“
„Absolut, K!“
„ Siehst du, so ist das bei uns auch. Vertrauen, das ist der Dreh- und Angelpunkt. Es ist der Grundpfeiler einer jeden Beziehung, wenn sie dauerhaft funktionieren soll. Ob das nun eine Ehe, eine Lebensgemeinschaft oder eine Freundschaft ist. Ohne Vertrauen geht es nicht. Das ist bei den Wölfen nicht anders. Deshalb die lange Anwartschaft. Dabei geht es nicht darum herauszufinden, ob das potentielle neue Mitglied bereit ist, vielleicht auch richtig schlimme Dinge für den Club zu tun. Es geht darum sicherzustellen, dass dieses neue Mitglied vertrauenswürdig ist, ein Bruder werden kann.“
D nickt heftig. „Und so ist das bei Kay und mir auf persönlicher Ebene auch. Wir vertrauen einander. Natürlich tun wir auch mal Dinge oder sagen Dinge, die den anderen verletzen. Das kommt vor. Aber wir wissen doch, dass wir uns auf den anderen verlassen können, und nicht nur, wenn’s hart auf hart kommt. Ich würde Kay mein Leben anvertrauen. Jederzeit und blind.“
„Und ich dir meins.“
Erneut ein tiefer Blick, begleitet durch ein vielsagendes Lächeln.

Awwww, sind sie nicht süß? „Übrigens, allen Respekt dafür, wie ihr das Puppethouse leitet! Es spricht für die Qualität von Euch als Chefs. Jede weibliche oder männliche Hure wird versuchen bei Euch zu arbeiten, wenn sich das herum spricht! War der Vorstand, der Destert Wolves mit Eurer Vorgehensweise einverstanden?

D: „Wird versuchen? Die rennen uns schon seit geraumer Zeit die Bude ein. Unsere Warteliste umfasst mehrere Seiten.“
„Der Vorstand lässt uns völlig freie Hand. Die vertrauen uns eben auch.“ K grinst.
„Weil die Kohle stimmt“, schiebt D hinterher.
„Das auch.“ Jetzt lacht K gerade heraus.

„K, wie sieht eigentlich die Hierarchie bei den Desert Wolves aus? Vorausgesetzt du darfst das beantworten.“

K:
„Na, die Hierarchie bei den Wölfen ist nun wirklich kein Geheimnis. Man erkennt sie leicht an den Aufnähern auf den Kutten.“
„Ganz oben steht der Präsident.“
„Ja, aber der ist kein Diktator. Es gibt nur wenige Angelegenheiten, die er allein entscheiden kann. Wichtige Entscheidungen werden durch Mehrheitsbeschluss vom Vorstand getroffen.“
„Richtig, der Präse ist nur das Zünglein an der Waage, wenn es da ein Patt gibt.“
„Direkt nach dem Vorstand kommen die Sternträger.“ K deutet mit dem rechten Zeigefinger auf seine Niete. „Drei, zwei, eins. In der Reihenfolge. Das Wort von denen mit drei Sternen hat mehr Gewicht als das von denen mit zwei Sternen, und die mit zweien haben mehr zu sagen als die mit einem. Also, wenn mir ein Zwei-Sterner sagt ‚Spring‘, dann spring ich.“
„Ach, wirklich?“ D feixt sich eins, während er kurz auf seine zwei Sterne blickt.
„Du brauchst keinen Stern, um mich zum Springen zu bringen oder zu sonst irgendwas, und das weißt du auch.“
D räuspert sich, dann richtet er den Blick auf Ka zurück. „Nach den Sternträgern kommen die normalen Vollmitglieder, das macht die größte Gruppe aus, und danach die Prospects, aber die haben kein Mitspracherecht.“

„Darf ich euch beide bezüglich der … der Endabnahme der Prostituierten löchern, die nach der Probezeit fix für euch arbeiten? Das … ähm … das“, ich setzte mit den Händen Redezeichen in die Luft, „ist nicht ohne, will ich meinen.“ Kurz schaue ich zu Keenan und richte mein Augenmerk dann auf Damian und denke daran, worauf er all die Jahre verzichten musste. Unweigerlich fällt mir das Zitat ein, das noch vor dem Prolog in „Verdrängte Sehnsucht“ zu lesen ist:

[HeldenSalon] — Damian und Keenan

Scheiße, und schon habe ich Tränen in den Augen. Hektisch klimpere ich sie weg. Auf keinen Fall werde ich vor ihnen zu heulen anfangen. Sowas führt nur zu unangenehmen Fragen, die im Spoilern enden würden …

„Klar kannst du uns dazu befragen“, meint K. „Hätt mich jetzt gewundert, wenn dazu keine Frage kommen würde.“
„Was willst du denn wissen?“

„Oh, da gibt es Einiges!“ Ich reibe mir vor Freude die Hände, endlich meine – was das betrifft – latent vor sich hinglimmende Neugierde befriedigt zu bekommen.
„Erstens: Warum hat sich diese Endabnahme eingebürgert?
Zweitens: Kay, fühlt es sich für dich nicht seltsam an, wenn du von D dabei … beobachtet wirst?
Drittens: Warum siehst du zu, D?
Viertens: Bist du bi, Kay?“
Mit einem „Scheiße“, verschließe ich meinen vorlauten Mund mit der Hand. „…. das ist mir jetzt so rausgerutscht“, nuschle ich zwischen den Fingern hindurch. „Sorry!“

“Dann sag ich wohl erst mal was zu Erstens.“ D schlägt die Beine an den Fesseln übereinander. „Die Endabnahme gibt’s nur für die Angestellten, die auch im Club arbeiten wollen. Gibt durchaus auch die eine oder andere Hure, weiblich wie auch männlich, die ausschließlich im Puff anschaffen wollen. Meistens die mit Kindern. Wegen der besseren Planung. Keine unverhofften Einsätze, sondern nur Schichtdienst nach Plan. Aber ich schweife ab. Also, die Endabnahme für den Club. Eigentlich ist es ganz logisch, warum wir sie eingeführt haben. Im Club verkehren“, er hustet etwas gekünstelt „keine Durchschnittsbürger, sondern gut betuchte Prominente. Der Mitgliedsbeitrag ist nicht gerade niedrig, und diese Leute erwarten ein gewisses Maß an Qualität für ihr Geld. Wenn ich diese Qualität sicherstellen will, muss ich sie auch selbst prüfen. Nicht wahr?“
„So betrachtet ja.“
„Dann bin ich jetzt wohl mit Zweitens dran, hm?“ K grinst leicht. „Bisher hat es sich nicht seltsam angefühlt. D und ich, wir teilen uns ja ein Zimmer, seit er damals bei uns eingezogen ist. Und das war so, bis wir gemeinsam ausgezogen sind. Ich hatte also nie ein Problem damit, D nackt zu sehen oder von ihm nackt gesehen zu werden.“ K schüttelt schmunzelnd den Kopf. „Gott, wenn ich daran denke, wie oft er unverhofft reingekommen ist, wenn ich grade mit meiner Exfreundin Caroline zugange war. Oder wie oft wir uns gegenseitig beim Wichsen erwischt haben.“ Jetzt lacht K grade heraus. „Nein, was D angeht, hatte ich nie ein diesbezügliches Schamgefühl. Wie das jetzt in Zukunft sein wird, muss sich erst noch rausstellen.“
„Es wird in Zukunft auch nicht anders sein, als es das in der Vergangenheit war.“ D klingt leicht säuerlich und kräuselt für eine Sekunde die Lippen. „Und ich sehe zu, weil die Endabnahme nun mal von uns beiden durchgeführt wird. Ist ne rein technische Einschätzung der Qualitäten des neuen Pferds im Stall.“
„Klar, und das kauft dir Ka jetzt auch bestimmt ab“, feixt K. „Was Viertens angeht. Nicht, dass ich wüsste.“

„Okay, ich schweig dazu jetzt lieber, nicht dass ich noch was ausplaudere, was die Leser lieber selbst lesen sollen! Zurück zum Puppethouse. Wisst ihr, ich war zwar schon auf vielen Motorradtreffen, doch noch nie in einem Club wie dem Puppethouse, jedenfalls nicht außerhalb eines Buches. Weswegen ich das Puppethouse aus Recherchegründen in Kürze besuchen werden.“ Bedeutsam nicke ich mit dem Kopf, kann aber partout nicht ernst bleiben „Sorry, ihr hättet jetzt Eure Gesichter sehen sollen“, und breche in schallendes Gelächter aus. „Keine Sorge Jungs, das war nur Spaß!“

K:
„Och. Wenn du mal vorbeikommen willst … Kein Problem.“
„Richtig. Du könntest ein Praktikum machen, dann hast du alle Infos aus erster Hand.“ Für einen kleinen Moment sieht D Ka durchdringend an, bevor er in schallendes Gelächter ausbricht. „Sorry, aber die Retourkutsche musste sein.“

Ich stimme in sein Gelächter mit ein. Ich mag die beiden. „D, was passiert genau, wenn ein Kunde oder auch eine Kundin eine Grenze überschreitet?“

[HeldenSalon] — Damian und Keenan

„Das kommt darauf an, was er oder sie macht. Zechprellerei gibt es bei uns nicht, weil wir mit Vorkasse operieren. Das hat sich bewährt. Natürlich versuchen manche Kunden immer wieder, die Leistung auszudehnen, wenn sie auf den Zimmern sind. Aber unsere Mädels und Jungs sind darauf geschult und trainiert, das abzuschmettern. Das gilt jetzt natürlich für den normalen Puff. Im Club gelten andere Regeln, weil es hier über eine exklusive Mitgliedschaft mit Mitgliedsbeitrag läuft.“
„Wir dulden aber auch im Club keine Misshandlung unserer Angestellten. Auf sowas reagieren wir sehr empfindlich“, schiebt K hinterher. „Es ist schon vorgekommen, dass Clubmitglieder diese Grenze überschritten haben. Die waren danach keine mehr. Und sowas spricht sich ziemlich schnell rum.“
„Oder wenn man meint, man könnte uns bzw. die Wüstenwölfe verarschen, wie ein gewisser Herr Hartfort. Das kann dann durchaus zu ernsteren Konsequenzen führen.“ Bei diesen Worten klingt eine gewisse Nachdenklichkeit aus Ds Stimme.
„Die zuweilen so schnell greifen, dass man nicht mal mehr eine Chance hat, sie überhaupt richtig zu spüren.“ Diese Aussage wird durch einen todernsten Ausdruck auf Ks Gesicht begleitet.

Wenn ich an Hartfort denke, denke ich an Melody. Denke ich an Melody bekomme ich unweigerlich Aggressionspickel. Doch mehr zu ihr in der Rezension! „Nachdem ich euch eine Menge Löcher in den Bauch gefragt habe, werde ich noch eine letzte Frage stellen. Ich hoffe ihr dürft sie mir beantworten. Könnte ja sein, dass euch eure Schöpferin diesbezüglich einen Riegel vorschiebt.“ Ich zwinkere ihnen zu. „Es gibt da eine gewisse, nennen wir es Spannung, zwischen Aidan und Fist. Kann es sein, dass der vierte Teil über sie geht?“

„Also, ich sag zu Aidan und Fist nichts!“ Vehement mit dem Kopf schüttelnd, verschränkt D demonstrativ die Arme vor der Brust.
„Sollst du ja auch gar nicht“, erinnert K ihn an die eigentliche Frage. „Es geht um den vierten Teil, nicht um unseren Vize und seinen Sandkastenfreund.“
„Ich sag trotzdem nix dazu.“
„Dann lass es eben!“ Jetzt streckt K seinem Freund sogar die Zunge raus. „Aber ich muss dich enttäuschen, Ka. Im vierten Teil geht’s wieder um die Grave Angels. Okay, okay, Aidan ist als Sänger ein Mitglied der Band. Aber tatsächlich wird sich dieser Teil um den Bassisten Quentin drehen. Der ist übrigens wirklich bi, und soweit ich es verstanden habe, wird das auch mit ein Thema des nächsten Buches sein. Reicht dir das als Antwort?“

„Jup, das reicht! Und du sagtest tatsächlich bi? Ui, das wird eine Lesesause!“ Schnell springe ich auf die Beine. „Und? Was haltet ihr nun von Rinderbraten, Klößen und Blaukraut? Geht noch was rein in eure Bäuche?“, unweigerlich werfe ich einen Blick auf Keenans, der sich schon wieder ein Teilchen geholt hat und neben meinem Sessel stehen geblieben ist.

„Boah, das klingt, als hätte Granny gekocht.“ Schnell verschließt K den Mund mit der flachen Hand.

Innerlich pruste ich vor mich hin! Na, wenn das mal kein sattes Fettnäpfchen war. GGG!

Sobald D fertig ist mit lachen, erklärt er unter Glucksen: „Nicht, dass du denkst, du würdest vielleicht alt aussehen oder so. Du weißt, dass Kays Familie deutschstämmig ist? Granny hat oft deutsche Sachen gekocht. Klöße zum Beispiel bekommt man in den Staaten nicht so ohne Weiteres vorgesetzt. Und ich hätte vor meinem Leben bei den Mullers nicht mal gewusst, was ich mir unter Blaukraut vorstellen soll. Ich glaube, was Kay zum Ausdruck bringen wollte, war als Kompliment gemeint. Er ist bei sowas leider ein ziemlicher Tollpatsch.“
„Zum Glück habe ich dich, der mich immer wieder rettet.“
„Ja, sonst wärst du im Laufe der Jahre schon um mehrere Köpfe geschrumpft.“

 „Wenn ihr wollt, könnt ihr bei uns im Gästezimmer schlafen, außer natürlich ihr habt ein Hotelzimmer gebucht. Dann bringe ich euch später dorthin.“

D
„Du hast nicht gekuckt, als wir ankamen, oder? Sonst hättest du gemerkt, dass wir mit Motorrädern hier sind, die wir uns geliehen haben.“
„Was D damit sagen will, ist, dass wir dein Angebot mit dem Gästezimmer sehr gerne annehmen. Sofern du Bier im Haus hast.“

„Hallo? Ihr seid hier in Bayern! Natürlich haben wir Bier im Haus. Die Frage ist nur, wieviel ihr zwei davon vertragen könnt?“ Mit einem frechen Grinsen quetsche ich mich zwischen K&D und hake mich links und rechts bei ihnen ein. „Ihr müsst mich unbedingt stützen, Granny Ka ist schwer zu Fuß, weswegen sie eure tatkräftige Hilfe benötigt … Ich habe nämlich meinen Rollator zuhause vergessen.“

Unter Lachen verlassen wir zusammen den HeldenSalon …

[HeldenSalon] — Damian und Keenan

Wer Lust hat mehr über die „Wolves & Angles“-Reihe von Loraine Aksander zu erfahren, dem lasse ich einen Link zum Blog „Mein Regal voller Regenbögen“ hier. Dort gibt es nämlich ein schönes Interview mit der Autorin —> *klick*