Blog Hektor

Hektor is not amused

  • 12. Februar 2020

Geneigte Leserinnen und Leser,

Mr. Hektor wollte Euch was erzählen! *pffft*

Was tut sie nur da oben? Vor einiger Zeit hatte das Telefon geläutet und seitdem höre ich Musik in meine Höhle schallen. Das Gespräch scheint Ka erfreut zu haben, da ich sie immer wieder laut mitsingen höre, so wie jetzt „… your sex is on fire …“ Wie bitte? Was soll das denn bedeuten? Wenn hier jemand wen in Brand steckt, dann doch wohl ich. Kas inbrünstiges, aber total schräges Singen führt mich in die Küche. Vorsichtig pirsche ich mich heran um sie ungestört beobachten zu können. Sieh an! Madame knetet gerade Teig, den sie immer wieder mit Schmackes und im Takt der Musik, auf die Arbeitsfläche knallt. „Yeha-haaaaa! Your sex is on fei-hei-errrr …“
Was sie dabei mit ihren Hüften anstellt sorgt prompt dafür, dass ich meine Temperatur nur mit Mühe unter Kontrolle halten kann. Ihrem Hüftschwung nach, scheint sie das Talent einer Bajadere zu haben. Gebannt starre ich abwechselnd auf ihren, sich zur Musik kreisenden Hintern und den hoch angesetzten Pferdeschwanz, der bei jeder Bewegung wippt, als sich die Kleine unversehens zu mir umdreht. Wahrscheinlich habe ich mich durch irgendetwas verraten, sonst hätte sie mich nicht so schnell bemerkt. Mit funkelnden Augen verkündet sie. „Ha! Erwischt! Du bist normalerweise der absolute Meister im Anschleichen, aber eins hast du nicht bedacht, Hektor: das klitzekleine mysteriöse Problem mit deiner Körpertemperatur. Du hast nämlich eine ordentliche Portion Wärme mit in die Küche gebracht.“ Fröhlich vor sich hin summend greift Ka, nachdem sie die Hände vom Mehl befreit hat, nach der Fernbedienung des Sound Systems und schaltet es leiser. „Falls du wegen des Kuchens gekommen bist“, schmunzelnd blickt sie zu mir auf, „er ist noch nicht fertig, mein Freund.“
Stets bereitet es mir großes Vergnügen sie beim Werkeln in der Küche zu beobachten, da es offensichtlich ist, dass sie sich sehr wohl mit dem fühlt, was sie tut. „Ich bin nicht wegen des Kuchens hier, Kleines. Ich war nur neugierig, was es mit der Musik und deinem Singen auf sich hat.“ Weise wie Drachen sind (Ich weiß, Selbstlob stinkt!) verzichte ich sie darauf hinzuweisen, dass ihr Singen mehr dem Krächzen einer rostigen Türangel gleicht. Leidenschaftlich laut aber krumm.
„Alles in bester Ordnung, ich freue mich einfach auf heute Abend.“ „Heute Abend? Was ist heute Abend, Kleines?“, frage ich überrascht. Trifft sie sich etwa mit ihren Freundinnen? Nein, das war erst vor zwei Tagen. Sie nennt es „Bücherdate“. Ein schöner Brauch, will ich meinen. „Trifft du dich nochmal zu einer Leserunde?“
„Diesmal nicht. Stell dir vor, ich habe eine Verabredung, seit gefühlt ewigen Zeiten mal wieder. Eigentlich seitdem ich hier auf der Burg bin, wenn ich recht überlege.“ Grüblerisch zupft sie an ihrer Unterlippe. „Ist das nicht schön? Endlich Tanzen gehen und die Sau rauslassen! Mike hat mich gefragt und ich habe zugesagt.“ Tänzelnd dreht sie sich im Kreis um mich herum. „Er ist ein hervorragender Tänzer. Habe ich zumindest von den anderen Buch-Mädels gehört, die kennen ihn nämlich schon länger.“ Meine Temperatur ist derweilen weiter nach oben geschossen. Schnell halte ich Ka an den Hüften fest, als sie zu einer zweiten Rund ansetzen will. „Wer ist Mike, Menschlein?“, kommt es – einem hitzigen Knurren gleich – aus meiner Kehle.
„Mike? Habe ich dir nicht von ihm erzählt? Er ist seit einigen Wochen „Bücherdate“-Mitglied“, berichtet sie munter und weiß nicht mal, was sie damit in mir auslöst.
„Ein Mann in eurer Leserunde? Ich bin gelinde gesagt entrüstet. Ihr nehmt euch bei euren Treffen doch auch erotische Literatur vor, oder irre ich da?“
„Natürlich tun wir das und glaub mir, da geht es immer total hoch her! Aber das weißt du doch Drache. Ich habe dir darüber erzählt.“
Grimmig stemme ich meine Pranken in die Hüften, baue mich vor ihr auf und blicke auf sie hinunter. Wirklich, was nun folgt ist kein Einschüchterungsversuch, ich möchte lediglich ein wenig Präsenz zeigen und schicke darum ein paar mächtig düstere Rauchschwaden aus meinen Nüstern auf den Weg: „Das geht absolut nicht, Ka. Lass dir das gesagt sein! Wie könnt ihr nur einen Kerl in eure Mitte aufnehmen? Und als ob das nicht reichen würde, gehst du auch noch mit ihm aus!“ Leider ist meine Kleine gänzlich unbeeindruckt von meinem … okay, okay, ich gebe es zu: EINSCHÜCHTERUNGSVERSUCH!
„Und wer bist du, mir zu sagen, dass das nicht geht, Herr Hektor Asmundur Balthasar Skrýmir?“ Ohoh, mein ganzer Name und das aus Kas Munde, das ist gar nicht gut ihr Leser da draußen. „Ich arbeite für dich. Ja. Wir sind befreundet. Ja! Doch ich bin nicht dein Eigentum. UND, du hast dich NICHT in mein Freizeitgestaltung einzumischen. Die mein Lieber obliegt mir!“, heftig pikst sie mit ihrem Zeigefinger in meine Brust. „Außerdem macht ein Mann in der Leserunde total Spaß! Mike liefert eine andere Sicht auf die Bücher, die wir besprechen. Vor allem wenn es um Erotik geht!“ Aufgebracht zieht sie ihre Hand zurück und blickt mir ungerührt in die Augen.
„Bücher ja, aber nicht erotische Bücher, Madame! Darf ich dich daran erinnern, dass du dich bis dato geweigert hast, mir erotische Passagen vorzulesen?“, mit größtmöglichen Verachtung in der Stimme spreche ich weiter „Deinem Mark“, erbost unterbricht sie mich „Er heißt Mike!“ „Deinem Max“, setzte ich nach „liest du bereits nach ein paar Wochen vor!“
Aufgebracht zischt mich Ka an: „Welche Laus ist dir nur über die Leber gelaufen? Ich gehe heute aus. Damit ist das Thema für mich erledigt.“ Mit einem Schnauben, schnappt sich Ka den Teig, stopft ihn ohne groß Federlesen in eine Vorratsdose und bringt die Schüssel mit ausholenden Schritten zur Speisekammer. Von drinnen höre ich sie vor sich hin schimpfen. „… Herr von und zu Skrýmir will es mir also madig machen. Kein Mann bei der Leserunde? Keiner mit dem ich tanzen darf? Von wegen …“ Es rumort noch etwas in den Regalen der Vorratskammer, doch wieder in der Küche meint sie schließlich versöhnlich: „Freu dich doch für mich, Hektor. Wenn Freunde das nicht tun wer dann?“ Sie dreht sich von mir weg und geht zur Türe, doch bevor sie den Raum verläßt, blickt Ka zurück. „Ich stelle dir später den Kuchen in die Bibliothek, okay? Jetzt muss ich aber wieder ans Werk und die Bücher weiter katalogisieren …“ Offensichtlich ist das Thema für sie erledigt, denn inzwischen eilt sie den Gang entlang Richtung Bibliothek. Ich rufe ihr nach: „Kannst du wenigstens verraten, wohin ihr Tanzen geht?“
„Nop!“, schallt es retour.

Himmel, das Weib bringt mich noch in Rage.

— © Ka, 12.2.2020 Meine tägliche Dosis