„Wenn Fantasy, Paranormal und Science-Fiction-Romance munter durcheinanderpurzeln, wird es Zeit für einen kleinen Genre-Kompass. Denn nicht jeder Vampir gehört in die Fantasy-Schublade, nicht jeder Alien-Krieger ist paranormal und nicht jede magische Welt meint dasselbe. Also: Bücherstapel richten, Schubladen öffnen und durch einen kleinen Teil des herrlichen Chaos‘ der Romance-Subgenres lustwandeln .“
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Geneigte Lesende!
Kennt ihr das, wenn man eine Rezension liest (und ich lese viele Rezensionen) und plötzlich innerlich die Stirn runzelt? Da steht dann irgendetwas von Fantasy Romance, dabei hüpft im Buch kein einziger Fae-Prinz durch den mystischen Gespinstwald von Grondinien, kein Drache röchelt dekorativ im Hintergrund und es wartet definitiv kein magisches Königreich darauf, von einer widerspenstigen Heldin gerettet zu werden. Stattdessen haben wir Vampire, Werwölfe, Shifter oder andere übernatürliche Wesen, die sich mehr oder weniger elegant durch New York bewegen.
Oder umgekehrt: Ein Buch spielt in einem magischen Reich voller Fae, Flüche, Prophezeiungen und Intrigen am Königshof — und irgendwo nennt jemand das Ganze Paranormal Romance. Da sitzt dann vermutlich ein Vampir irgendwo in einer paranormalen Ecke, nippt beleidigt an seinem Blutbeutel und murmelt: „Entschuldigung, aber Paranormales wäre eigentlich meine Abteilung.“
Ich gebe zu: Ich verstehe, woher die Verwirrung kommt. Alles, was nicht ganz realistisch ist, landet im allgemeinen Sprachgebrauch schnell im großen Topf namens „Fantasy“. Da schwimmen dann Drachen neben Vampiren, Alien-Krieger neben Fae-Prinzen, Werwölfe neben Cyborgs, und irgendwo versucht eine arme Buchbloggerseele, Ordnung in dieses herrliche Chaos zu bringen. *holt tief Luft und sortiert imaginäre genre-kärtchen*
Und weil ich offenbar gern wagemutig an Bücherstapeln rüttle, mache ich mich nun also ans Sortieren. Allerdings mit ausdrücklich erhobenem Warnfähnchen: Ich verspreche selbstverständlich nicht, dass hier jedes Buch, jedes Wesen und jeder grummelige Alien-Krieger am Ende in der einzig wahren Schublade landet, liegt oder was auch immer. Denn jeder weiß: Ich bin vieles, aber sicher nicht unfehlbar oder gar perfekt. *sich ein imaginäres staubkörnchen von der schulter wischt* Aber ich gebe mein Bestes und das könnte schon mehr Ordnung ins Chaos bringen, als der Genre-Dschungel freiwillig hergibt.

Fantasy Romance – wenn Magie die Welt regiert
Fantasy Romance ist dort zu Hause, wo Magie, Mythen, Flüche, Fae, Drachen, Götter, Königreiche oder andere fantastische Elemente eine tragende Rolle spielen. Eine neu erfundene Welt, wie z.B. —> hier. Sie darf an historische Settings erinnern, sie darf Portale haben, magische Höfe, dunkle Prophezeiungen, verfluchte Blutlinien oder Heldinnen, die eigentlich nur ihre Ruhe wollen und dann leider doch das Schicksal der halben Welt auf den Schultern tragen. Kennt man ja. Montag eben, ne. *hüstelt*
Wenn also Fae-Höfe, Drachenreiter, magische Akademien, verwunschene Königreiche oder epische Quests im Vordergrund stehen, dann sind wir ziemlich sicher im Bereich Fantasy Romance unterwegs. Auch dann, wenn es ordentlich knistert. Vielleicht sogar besonders dann. *wedelt sich luft zu*
Paranormal Romance – oder das Übernatürliche wohnt nebenan
Paranormal Romance ist ein bisschen anders gestrickt. Hier geht es meist um übernatürliche Wesen oder Kräfte, die in unserer Welt oder einer sehr sehr sehr ähnlichen Realität existieren. Vampire, Werwölfe, Shifter, Dämonen, Engel, Geister, Hexen, Medium-Fähigkeiten oder andere paranormale Phänomene tummeln sich darin bevorzugt.
Das kann urban, düster, sexy, geheimnisvoll oder auch wunderbar dramatisch sein. Vielleicht gibt es eine geheime Vampirgesellschaft unter der Stadt. Vielleicht lebt ein Wolfsrudel im Wald hinter dem verschlafenen Kleinstädtchen. Vielleicht ist der attraktive Nachbar kein schlecht gelaunter Einzelgänger, sondern ein jahrhundertealter —> Dämon mit Bindungsproblemen. Was soll ich dazu sagen? Manche Mietverhältnisse sind eben komplizierter als andere. Word!
Ein Werwolf ist also nicht automatisch Fantasy, nur weil er nicht realistisch ist. Ein Vampir ist nicht Fantasy, nur weil er kein Sonnenstudio braucht. Und ein Shifter ist nicht automatisch ein Fae, nur weil beide in Rezensionen gern gemeinsam in dieselbe Schublade geworfen werden. *schiebt die schublade energisch wieder gerade*
Science-Fiction-Romance – denn der Alien-Krieger ist kein Werwolf mit Raumschiff
Und dann kommt Science-Fiction-Romance. Die wird besonders gern in den großen „nicht realistisch“-Topf geworfen, obwohl sie eigentlich eine ganz eigene Ecke verdient hat. Hier geht es nicht um Magie oder klassische übernatürliche Wesen, sondern um —> Aliens, fremde Planeten, Raumfahrt, Zukunftstechnologie, Cyborgs, künstliche Intelligenz, Experimente, Kolonien im All oder dystopisch-futuristische Gesellschaften.
Ein Alien-Krieger ist also in der Regel kein paranormaler Held, auch wenn er Hörner, Klauen, Schuppen, Tentakel oder ein beeindruckendes Maß an Beschützerinstinkt mitbringt. Er ist außerirdisch. Biologisch anders. Vielleicht genetisch optimiert. Vielleicht von einem fernen Planeten. Vielleicht mit einem Paarungsinstinkt ausgestattet, bei dem man als Leserin kurz die Teetasse abstellt und sagt: „Aha. Wir sind also an diesem Punkt angekommen.“ Und das, geneigte Lesende, ist mir bei Sci-Fi-Romances nicht nur einmal passiert. *gibt ein gackerndes hexenlachen von sich*
Wenn also Raumschiffe, Aliens, Labore, Cyborgs, intergalaktische Kriege oder fremde Planeten eine zentrale Rolle spielen, dann sind wir nicht bei Paranormal Romance, sondern eher bei Science-Fiction-Romance. Auch wenn der Held knurrt. Knurren allein macht noch keinen Werwolf …
Genre-Schubladen sortieren sich nicht von allein: Hektor übernimmt Fantasy-Romance, SUBsi-Lou wuselt durch Paranormal-Romance – und Ka klettert tapfer Richtung Science-Fiction-Sterne.
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Und was ist dann Speculative Romance?
Jetzt wird’s gemütlich, denn Speculative Romance ist im Grunde der große Regenschirm über all diesen nicht-realistischen Romance-Spielarten. Darunter können Fantasy Romance, Paranormal Romance, Science-Fiction-Romance, Dystopian Romance, Time-Travel Romance, Monster Romance und ähnliche Subgenres fallen.
Speculative Romance bedeutet: Die Liebesgeschichte enthält ein deutliches „Was wäre, wenn …?“-Element.
Was wäre, wenn sie sich in einem magischen Reich verliebt?
Was wäre, wenn er ein Vampir ist?
Was wäre, wenn sie auf einem fremden Planeten strandet?
Was wäre, wenn Liebe in einer dystopischen Zukunft gefährlich oder verboten ist?
Was wäre, wenn ein Fluch, eine Zeitreise, ein Experiment oder ein nichtmenschliches Wesen alles verändert?
Was wäre, wenn er sich ausgerechnet in ein Monster verlieben würde?
Oder weniger … ähm … sachlich gesagt:
Speculative Romance ist Romance mit einem Realitätsknick.
Trick. Klick. Schick. OMG! Ich muss aufhören, sonst fange ich auch noch zu reimen an. *miep-miep-miep-ich-hab-dich-lieb* Scheiß REIMEREI! Weiter im TEXT!
Mal magisch, mal paranormal, mal außerirdisch, mal futuristisch, mal völlig herrlich daneben. Ich sage nur —> Zentaure. Hauptsache, die Liebe muss nicht nur mit Missverständnissen, Ex-Partnern und schlechten Kommunikationsfähigkeiten kämpfen, sondern zusätzlich mit Flüchen, Fangzähnen, Raumschiffen oder gesellschaftlichen Zusammenbrüchen. Romantisch? Absofuckinglutely! *ggg*
Warum wird das so oft verwechselt?
Weil Genre-Schubladen praktisch sind, aber Bücher nun einmal nicht immer brav darin sitzen bleiben. Manche Geschichten mischen munter. Ein Alien-Shifter kann Science-Fiction und Paranormal berühren. Eine Fae-Geschichte in einer modernen Großstadt kann Urban Fantasy, Fantasy Romance oder paranormal angehaucht wirken. Eine Zeitreise kann historisch, magisch oder technisch erklärt werden. Und Monster Romance kann je nach Wesen mal Richtung Fantasy, mal Richtung Paranormal, mal Richtung Science-Fiction kippen.
Dazu kommt: Viele Lesende verwenden „Fantasy“ ganz allgemein für alles, was nicht realistisch ist. Das ist im Alltagsgespräch völlig verständlich. Für genauere Rezensionen ist es aber manchmal ein bisschen ungenau. Denn ein Vampirclub in New Orleans ist eben etwas anderes als ein Fae-Königreich hinter sieben magischen Nebeln. Und ein Alien-Krieger vom Planeten Grummeldrax ist kein Dämon, nur weil er Hörner hat und moralisch zunächst eher flexibel … wirkt. *hustet sich die seele aus dem leib*
Natürlich darf ein Buch trotzdem mehrere Schubladen gleichzeitig antippen. Bücher sind da manchmal wie Katzen: Man stellt ihnen eine schöne Kiste hin, und sie setzen sich demonstrativ in den Schuhkarton.
Und am Ende?
Am Ende geht es selbstverständlich nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger durch Rezensionen zu stapfen und „Falsch einsortiert!“ zu rufen. Dafür ist das Leben zu kurz und der SuB (jedenfalls —> meiner) zu hoch. Aber eine saubere Einordnung hilft. Gerade dann, wenn andere Lesende wissen möchten, was sie erwartet.
Denn wer Fantasy Romance sucht, möchte vielleicht Magie, Königreiche und Fae-Drama. Wer Paranormal Romance sucht, hat möglicherweise Lust auf Vampire oder Werwölfe. Und wer Science-Fiction-Romance sucht, freut sich vielleicht über Aliens, fremde Planeten und Helden, die zwar anatomisch Fragen aufwerfen, aber emotional erstaunlich überzeugend sind. *räuspert sich würdevoll*
In diesem Sinne: Sortiert eure Genre-Schubladen, aber lasst den Büchern ruhig ein bisschen Platz zum Atmen. Manche Geschichten passen sauber hinein. Andere lehnen sich halb heraus, grinsen frech und sagen: „Sortier mich doch!“
Eure
Ka

Bildquelle „Genre-Dschungel“ und „Wir sortieren in Genres“: Erstellt von Ka mit Hilfe einer KI.
Bild „Genre-Dschungel“ zusätzlich bearbeitet mit PhotoShop.