Ich schwöre: Ich plane das nicht!
Aber jedes verdammte Mal wird es heiß, sobald
ich in dieses Dorf hinein rolle. Erklärung dringend gesucht.
Geneigte Lesende,
ich weiß ja nicht, wie es euch geht, doch bei mir sieht es folgendermaßen aus: Bücher begleiten mich überall hin.
Zum Arzt ins Wartezimmer.
Bei Bahnfahrten.
In Wartesituationen aller Art.
Und natürlich beim Autofahren.
Ja. Beim Autofahren.
Ich lasse mir die Teile immer über die Lesefunktion vorlesen. *hihi*
Und genau da ist mir etwas höchst Seltsames aufgefallen. Etwas, das ich mir bis heute nicht erklären kann. Ich schwanke noch zwischen Zufall, Schicksal, einer sehr speziellen Form von Ironie, Teufelswerk – oder schlicht Irrsinn. LOL
Stellt euch folgende Situation vor: Um zur Arbeit zu fahren, brauche ich knapp zwanzig Minuten. Diese zwanzig Minuten führen mich über Stock und Stein der niederbayerischen Niederungen. Über Straßen, links und rechts gesäumt von Feldern, durch kleine Dörfer, vorbei an herum tollenden Krähen mit Weltherrschaftsblick – bis hin zu einer Schule.
Und wie es der Teufel, der Zufall oder eben das Schicksal so will, beginnt jedes VERDAMMTE MAL, wenn ich durch ein ganz bestimmtes Dörfchen fahre – selbstverständlich unter Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung – eine erotische Szene im Buch.
Jedes.
Verdammte.
Mal.
Warum?!
Woran liegt das, fiesematucki?!
Ihr wisst ja, wie laut es draußen ist, wenn man drinnen über Bluetooth via Handy spricht oder – wie in meinem Fall – leidenschaftlichstes Buchmaterial konsumiert. Und jedes Mal stoße ich einen kleinen, panischen Seufzer aus, drehe die Lautstärke hektisch runter oder schalte das Hörbuch ganz aus. Nicht etwa, weil ich prüde wäre – HA! – sondern weil ich wirklich keinen Bock habe, mit meiner akustischen Erotikauswahl das halbe Dorf zu beschallen.
Hallo?! In den Büchern, die ich lese und höre, geht es in der Regel ziemlich heiß her. Ich möchte weder, dass jemand vom Fahrrad fällt, noch, dass beim Bäcker plötzlich betretenes Schweigen herrscht, weil jemand — nämlich ich — gerade eine sehr intensive Szene über die Freisprechanlage geteilt hat. Aber darum geht es eigentlich gar nicht. Es geht um die viel größere Frage:
WARUM immer dieses Dorf?
Warum nie auf der Landstraße?
Warum nicht zwischen Feld A und Feld B?
Warum exakt dort, wo gefühlt jedes Fenster offen und jede Oma hellhörig ist?
Gibt es dafür ein Gesetz?
So etwas wie Murphys Law für Hörbücher?
Nach dem Motto:
„Alles, was peinlich werden kann, wird peinlich – und zwar genau dann, wenn fremde Menschen in Hörweite sind“?
Ich bin mittlerweile überzeugt: Dieses Dorf ist kein Ort.
Es ist ein Triggerpunkt.
Ein erotischer Hotspot.
Ein schwarzes Loch für unschuldige Autofahrten. Und bis die Wissenschaft dieses Phänomen endlich untersucht, bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als kurz vor dem Ortsschild tief durchzuatmen, den Finger bereit am Lautstärkeregler zu haben und mir zu denken:
Tja, Ka. Manche hören Radio.
Andere Nachrichten.
Und du?
Du spielst wieder einmal literarisches Russisch Roulette.
In diesem Sinne: Fahrt vorsichtig. Hört achtsam. Und wenn plötzlich schwere Atemgeräusche aus euren Lautsprechern kommen – ihr seid nicht allein.
Ka