Blog Kas Tatsachenbericht

Du fandest das Buch gut? Na, dann muss ich es wohl lesen!

  • 11. Oktober 2026

„Über Rezensionen, gemeinsamen Buchgeschmack und die merkwürdige Angewohnheit, fremden Menschen bei der Buchauswahl zu vertrauen.“

🖤

Geneigte Lesende,

ich lese. Viel. Und das schon seit laaanger Zeit. Was zur Folge hat, dass sich im Laufe meines Lebens nicht nur eine stattliche Anzahl gelesener Bücher angesammelt hat, sondern auch eine gewisse Erfahrung darin, welche Geschichten mir gefallen könnten und bei welchen ich besser die Finger davon lasse.

Wobei Letzteres nicht immer funktioniert. Ich lasse mich gerne von Büchern um den Finger wickeln, nur um dann festzustellen, dass das ein oder andere durchaus unter die Kategorie „Perlen für die Säue“ fällt. Aber das ist eine andere Geschichte. *fg*

Nun bin ich nicht nur jemand, der Bücher liest und anschließend seinen Senf dazu abgibt, sondern ich lese auch ausgesprochen gerne die Rezensionen anderer Menschen, aber das wisst ihr ja bereits. Also ja, ich wiederhole mich mal wieder.

Wie dem auch sei, dabei ist mir über die Jahre etwas aufgefallen: Es gibt Rezensenten, deren Meinung ich inzwischen so gut einschätzen kann, dass ich bei einer begeisterten Buchbesprechung durchaus hellhörig werde. Nicht, weil ich grundsätzlich alles glaube, was andere Menschen ins Internet schreiben. Himmel, bewahre! Sondern weil ich irgendwann festgestellt habe, dass wir offenbar einen ziemlich ähnlichen Buchgeschmack haben.

Wenn also jemand, dessen Rezensionen ich schon seit Jahren lese, von einem Buch begeistert ist, dann werde ich neugierig. Manchmal sogar ausgesprochen neugierig. Und schwupps, landet ein weiteres Buch auf meiner ohnehin schon hoffnungslos überfüllten Wunschliste.

Du fandest das Buch gut? Na, dann muss ich es wohl lesen!

Wenn fremde Menschen plötzlich meinen Buchgeschmack kennen

Das Interessante daran ist ja, dass ich diese Menschen nicht einmal persönlich kennen muss. Ich weiß nicht, wie sie ihren Kaffee trinken, ob sie morgens gut gelaunt aus dem Bett hüpfen oder ob sie, genau wie ich, gelegentlich vor einem Buch sitzen und sich fragen, ob der Autor zusammen mit dem Teufel ein Tässchen Tee schlürft und die beiden dann entscheiden, welchen der fiktiven Charaktere sie heute über die Klinge springen lassen wollen.

Was ich weiß, ist, dass diese Rezensenten bestimmte Geschichten mögen und warum sie diese Geschichten mögen. Das ist für mich ein ganz wesentlicher Unterschied. Denn eine Rezension, die mir lediglich mitteilt, dass ein Buch fünf Sterne verdient hat und unbedingt gelesen werden muss, hilft mir nicht sonderlich weiter.

Ich möchte die Frage aller Fragen beantwortet haben: Warum muss ich das Buch unbedingt lesen?
Weil die Figuren so wunderbar ausgearbeitet sind? Weil die Geschichte spannend ist? Weil der Humor genau nach meinem Gusto ist? Oder weil der männliche Protagonist so umwerfend ist, dass man ihm am liebsten persönlich die Hemdknöpfe öffnen möchte? Ähm. Rein literarisch betrachtet, versteht sich. *hüstelt*

Fakt ist: Was den einen Leser begeistert, kann den anderen fürchterlich langweilen oder umgekehrt. Deshalb sind mir Rezensionen von Menschen, deren Vorlieben ich inzwischen kenne, oft wesentlich hilfreicher als irgendeine noch so euphorische Bewertung. Ich muss nämlich gar nicht immer derselben Meinung sein. Es reicht schon, wenn ich verstehe, weshalb jemand ein Buch gut oder schlecht findet.

Du fandest das Buch gut? Na, dann muss ich es wohl lesen!

Und wie sieht es eigentlich andersherum aus?

Nun habe ich angefangen, mich zu fragen, ob es Menschen gibt, denen es mit meinen Rezensionen ähnlich geht. Nicht, weil ich mir einbilde, mit meinen literarischen Ergüssen ganze Heerscharen von Lesenden in die nächste Buchhandlung zu treiben. Definitiv nicht. *bahahaha*

Aber vielleicht gibt es tatsächlich jemanden, der schon mehrere Bücher gelesen hat, die ich auf meinem Blog vorgestellt oder rezensiert habe, und irgendwann festgestellt hat: „Hoppla, die Ka scheint ja einen ganz ähnlichen Buchgeschmack zu haben wie ich!“

Und vielleicht genügt dann irgendwann ein begeisterter Beitrag von mir, um diesen Menschen neugierig zu machen. So, wie es mir mit den Rezensionen anderer Menschen geht. Der Gedanke gefällt mir.

Nicht zuletzt deshalb, weil ich weiß, wie schwierig es manchmal sein kann, aus der schier unüberschaubaren Menge an Büchern genau die Geschichten herauszufischen, die einem wirklich Freude bereiten. Denn seien wir mal ehrlich: Nur weil auf einem Buch Bestseller steht, bedeutet das noch lange nicht, dass es auch meinen Geschmack trifft. Absofuckinglutely not!

Ebenso wenig muss ein Buch schlecht sein, nur weil es kaum jemand kennt. Manchmal sind es gerade die eher unbekannten Geschichten, die einen völlig unerwartet erwischen.

Du fandest das Buch gut? Na, dann muss ich es wohl lesen!

Eine Rezension ist nicht in Stein gemeißelt

Selbstverständlich kann auch jemand, dessen Buchgeschmack meinem normalerweise sehr ähnlich ist, einmal von einer Geschichte begeistert sein, mit der ich überhaupt nichts anfangen kann. Geschmäcker sind selbst dann verschieden, wenn sie sich über weite Strecken erstaunlich ähnlich sind.

Aber genau das macht den Austausch über Bücher doch so interessant: dass wir nicht alle dieselben Geschichten lieben, wir über Figuren diskutieren, uns über Handlungen aufregen, über manche Szenen lachen und andere am liebsten aus dem Buch radieren würden.

Ich jedenfalls möchte auf solche Rezensionen nicht verzichten. Auch wenn meine Wunschliste dadurch nicht gerade kürzer wird. Aber wann wäre sie das jemals geworden, ne?

Ka

🖤

P.S. Noch nicht genug über Rezensionen & Co. gelesen? Dann folgt doch einfach den Links zu „Rezensionsmangel im Bücherwald“ oder „Fünf Sterne für Hoffnung oder warum das keine Rezension ist“.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner