Blog Hektor

Drachenfeuer

  • 13. September 2019

Wir haben uns da mal wieder unterhalten, geneigte Leserinnen und Leser! Nämlich Hektor und ich …

„Hektor, kennst du die Legende die besagt, dass wenn man nachts nicht schlafen kann, es daran liegt, dass man im Traum eines anderen zum Leben erwacht ist?“
„Jup, kenne ich! Es gibt in meiner Drachenhöhle ein uraltes, handgeschriebenes Buch, welches sich mit diesem Thema auseinander setzt und ich habe darin gelesen, dass man aktiv eingreifen kann, wen man in seinen Träumen haben will … Übrigens ein schöner Gedanke, Ka“, grüblerisch sieht er mich an. „Natürlich vorausgesetzt, man befindet sich nicht in einem Albtraum, in dem Bücher in Flammen aufgehen, weil jemand Bestimmtes, klein Geratenes, mal wieder vergessen hast die Kerzen auszublasen, die besagter jemand in der ganzen Bibliothek verteilt hat. Zwecks romantischer, wohlig-warmer Lese-Atmosphäre oder so …“, pikiert runzelt Hektor die Stirn und sieht mich wissend an.“Offene Flammen in der Bibliothek? Tztztz, darauf kannst auch nur du kommen, Ka!“
Er ist kurz davor mit seinem Zeigefinger rum zu wedeln, das sehe ich ihm zu hundert Prozent an: „So ist es doch viel gemütlicher, du oller Griesgram!! Außerdem fühle ich mich null angesprochen, denn ich puste die Dinger I.M.M.E.R. aus, bevor ich ins Bett gehe!“ Hektisch rattern die Gedanken durch mein Hirn während ich imaginäre Fragezeichen vor und nach I.M.M.E.R. mache. „ … glaube ich wenigstens.“ Aus halbgeschlossenen Augen sehe ich in von unten heraus an. „Hast DU sie gestern etwa ausgeblasen, Bücherdrache?“ mich an einer unschuldigen Miene versuchend, kucke ich weiter in Hektors gletscherblaue Augen.
Sein Stirnrunzeln löst sich auf, dafür setzt er sich auf seine Hinterläufe und verschränkt die vorderen vor seiner mächtigen, beschuppten Drachenbrust, während er mit seinem Drachenschwanz für Stabilität beim Sitzen sorgt. Selbstredend, dass er in dieser Postion noch dominanter ist. Aus gewagter Höhe blickt er auf mich hinab. Um weiter in seine Augen schauen zu können, muss ich meinen Kopf bis zum Anschlag in den Nacken legen. „Mann, rück schon raus mit der Sprache und mach’ hier keinen auf ‚Lass-uns-mal-klein-Ka-einschüchern!‘. Ich hasse es, wenn du das tust.“
„Darum tu’ ich es ja, Winzling! In Zukunft achte darauf, dass die Kerzen aus sind, wenn du deine Wohlfühl-Atmosphäre verlässt“, sein Mund verzieht sich zu einem ironischen Lächeln, so dass seine spitzen Zähne hervor blitzen.
Anstatt das Weite zu suchen, weil er einen auf testosterongesteuerte Zicke macht, drücke ich die Brust raus und stemme meine Hände in die Hüften. „Was ist nun, willst du mir den Marsch weiter blasen, nur weil ich einmal schusselig war?“
„Einmal??? Keine Kerzen mehr in der Bibliothek, Ka!“, presst Hektor hervor.
„Darf ich dich erinnern, wie oft du mir schon den Arsch verkohlen wolltest! Vorzugsweise in der Bibliothek?“, gebe ich zurück. „Genau aus dem Grund habe ich darauf verzichtet, Rauchmelder einzubauen! Die würde nur noch losheulen bei deiner Feuerproduktion! Ich hoffe nur, dass sich niemand zu uns verirrt, um zu kontrollieren, ob die Dinger tatsächlich angebracht sind. Du weißt schon, Feuerschutz, Versicherung und so …“ Schwungvoll drehe ich mich um, so dass mein langer Zopf an seinem Bauch entlang peitscht. „Übrigens, Hektorlein, ich stehe total auf Feuer!“ Natürlich nicht, wenn es um meine Büchern geht, das muss ich nicht explizit hinzufügen. Aber zu sehen, wie ihm jetzt der Unterkiefer auf die Brust knallt, und seine Augen zu lodern beginnen ist die Drachenstandpauke allemal wert gewesen. Kichernd verlasse ich die Bibliothek und hege nur noch einen Gedanken: „Drachen!“

In diesem Sinne,

Ka