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Die Bücherflut …

  • 16. Januar 2018

Geneigte Leserinnen und Leser,

… manchmal habe ich das Gefühl, ich würde nicht in Büchern baden, sondern in Büchern ertrinken. Ist die Zeit, in der Quantität der Qualität den Rang abläuft eingetroffen? In der es immer schwieriger wird, Buchperlen zu finden und das Verheizen von Autoren und ihren Werken auf der Tagesordnung steht? Für mich fühlt es sich so an. Mag sein, dass das mein persönliches Empfinden ist, doch es ist da.

Wie Ihr wisst, wildere ich sehr gerne und immer wieder unter mir unbekannten Autoren, nur um zu sehen, ob ich eine Perle finde. Was mir immer wieder geglückt ist! In den letzten Monaten habe ich mir jedoch nicht nur einmal die Frage gestellt, wie es kommt, dass viele Leser ein Buch in den Himmel loben, das sich – sobald ich es mir aufgrund der tollen Rezensionen gekauft und gelesen habe – als alles andere als „toll“ entpuppt hat. Ich weiß nicht woran es liegt …

Natürlich weiß ich, das Lesegeschmäcker unterschiedlich sind, aber ich denke, mein „Geschmack“, was den Inhalt von Büchern betrifft ist durchaus „massentauglich“, auch wenn ich meine Nase immer wieder in Bücher stecke, die in „Nischen-Genres“ zu Hause sind. Doch das, was „massentauglich“ ist, muss noch lange nicht gut sein, wie ich vermehrt festgestellt habe. Und das liegt nicht mal daran, dass man merkt, dass an allen Ecken und Kanten gespart wurde. Angefangen von der Covergestaltung, die oftmals einfach nur … okay, ich verkneife mir, was ich gerade dachte, bis hin zur Korrektur und dem Lektorat. Aber das sind Dinge, über die ich hinweg sehe, wenn mich die Geschichte mitzureißen vermag! Wenn. Wenn das Wörtchen „Wenn“ nicht wär’ …

Ebenso stelle ich fest, dass die „Lebensdauer“ von Büchern rapide abgenommen hat. Der Spruch „Papier ist geduldig.“, scheint in der e-Book-Zeit keine Wirkung mehr zu haben. Was – so meine Vermutung – damit zusammen hängt, dass Neuerscheinungen aus dem Boden sprießen, wie Pilze in feucht-warmen Herbstnächten. Jeder kann heute das, was er aufs „Papier“ gebannt hat, veröffentlichen. Doch auch hier gilt wohl: Nicht alles, was veröffentlicht wurde, war es Wert veröffentlicht zu werden. Aber das, ist wie oben bereits angemerkt, meine persönliche Meinung!

Ist ein Buch, dass gerade mal eine Woche jung ist, tatsächlich schon alt? Es scheint so, sonst würden Neuveröffentlichungen nicht so schnell im amazonistischen Nirvana verschwinden. Hmmm, für mich werden gute Bücher nie alt. Je öfter ich sie lese, desto besser werden sie, desto lieber vergrabe ich mich in ihnen. Desto häufiger lasse ich mir liebgewonne Textpassagen über die Lippen purzeln.

Im Bücherstrudel geht`s rasant nach unten …

Erlaubt mir hier den Vergleich zu gutem Whiskey, der ebenfalls lagern muss um seine optimale Reife zu erlangen. Bücher werden besser, wenn sie lagern. Zuerst „lagern“ sie beim Autor. Werden dort ein paar mal „durchgelagert“, bevor sie ins Lektorat/Korrektorat kommen, wo sie ebenfalls wieder „durchgelagert“ werden, um dann vom Autor entsprechend einen weitern „Durchlagerungsdurchlauf“ zu bekommen. Nach dem ganzen „Durchlagern“ sind sie schon so gut, dass es Sinn macht, sie nun dem Leser zum „Durchlagern“ … pardon, zum „Durchlesen“ zur Verfügung zu stellen. Dieser tut dies mit äußerster Sorgsamkeit. Schließlich hat ein Buch, das ordentlich „durchgelagert“ wurde, einen Wert. Und diesen Wert ist das Buch dann auch wert. Ein “Wert”, der oftmals sehr niedrig zu haben ist …

Klar, gibt es auch gut “durchgelagerte” Bücher, die trotzdem nicht unbedingt das sind, was man als das “Gelbe vom Ei” bezeichnen kann, doch das, das ist eine andere Geschichte! 😉

Summa summarum fühlt es sich für mich als Vielleser so an: Es wird geschrieben und geklotzt auf Teufel komm raus und als Leser stehe ich vor einer sintflutartigen Bücherwelle, die über mich hinweg schwappt. Mit den guten Büchern reite ich auf der Welle, wohingegen sich schlechte Bücher an meinen Fußknöcheln festhalten, um mich hinab, durch den Bücherstrudel, in die unübersichtliche Tiefe des Mussichnichtgelesenhabenmeeres zu reißen. Und dort unten gefällt es mir nicht unbedingt! Es ist nich mal ein Meermann zur Stelle, der mich retten könnte …

Ka

Bildquelle “Bücherstrudel”: pixabay.com, unter der Lizenz CCO, public domain picture