Blog Gelegenheitslyrik

Des Teufels Sehnen

  • 4. April 2017

Des Teufels Sehnen

Der Teufel, er kam nicht auf leisen Sohlen,
Sondern verlangend, gierig, ganz unverhohlen.
Wie schauriger Nebel kroch er übers Feld,
Zu holen, die Gefallenen. Den Feigling. Den Held.

Die Nornen, sie hatten durchschnitten den Faden,
Von kahlen Bäumen da krächzten die Raben.
Doch eine Stimme, die ward von ihm vernommen.
Kam aus den Bergen der Toten, leicht verschwommen.

„Du Dämon, sag, willst du mein Leben?
Mein Leben, das kann ich dir nicht geben.
Es ward mir genommen, vor vielen Jahren,
Drum Gevatter, bei mir wirst du verzagen.

Meine Seele, sie ging mit meinem geliebten Weib,
Es brachte mir Schmerzen, unsägliches Leid.
Dämon, so sag` ich dir, gehe von dannen.
Was von mir übrig blieb, darfst nicht in die Hölle verbannen.

Solang es mir möglich ist zu existieren,
Auch wenn ich kriechen muss, auf allen Vieren.
Gesühnt will ich ihren Tode wissen!
Dem Feind, dafür den Kopf hab` abgerissen.

Mein Herz, das hält sie schon längst in ihren Händen.
Teufel, mein restliches Leben, werd ich noch verwenden.
Zu töten, die Schurken, die sie haben geschändet.
Die ihr Leben gebrochen, für sich gar verwendet.

Nun ist für immer ihr frohes Lachen verhallt,
Kein Wind mehr durch ihre dunklen Locken wallt,
Kein Strahlen der Sonne, dass ihre Schönheit küsst,
Oh Herr, was hab` ich ihre Liebe schrecklich vermisst.

So geh dahin und nimm mit den Tod!
Lab`dich an anderer Stelle Not.
Mich, mich bekommst du noch lange nicht,
Erst, wenn ich steh vor des Himmels Gericht.

Doch bis es soweit, gehe von dannen!
Erst vor des Himmels Toren, werd ich dich empfangen.
Stellen werd` ich mich dir, doch nur zum Gefecht,
ein Gefecht um die Liebe meines Weibes, und um mein Recht.

Ich habe vor zu siegen, um sie wieder zu sehen!
Denn im Gegensatz zu meiner, ist ihre Seele rein und so schön.
Voll Demut werd´ ich vor meiner Liebsten sinken mein Haupt,
Mich erfreuen, an ihrer Güte, die mir ward geraubt.

Sanft werden ihre Hände mich dann umfangen,
Hände, nur alleine sie in die Knie mich einst zwangen.
Umhüllen mit ihrer Wärme, mit ihrer Liebe wunderbar,
Werd` ich den Tod dann Willkommen heißen, gar.

Doch noch bin ich dazu nicht bereit,
Drum Teufel, weiche von mir, noch ist nicht Zeit.
Sollte ich doch verlieren, steht es dir offen,
Mich zu geleiten in die Hölle, doch noch bleibt mein Hoffen.“


Als der Teufel gehört hatte diese Worte,
An jenem todgebrachten, schaurigen Orte.
Da zog ein seltsam Sehnen durch seine Brust,
Ob der Liebe der beiden, und ob des Verlusts.

Ein unbekanntes Regen, kroch in ihm auf,
Füllte mit Wärme seinen sonst eisigen Bauch.
Etwas wie Mitgefühl, das er vorher nie gekannt,
Nahm von ihm Besitz, hat schier ihn überrannt.

Das erste Mal, seit Ionen von Jahren,
waren Emotionen in ihn hinein gefahren.
Mit einem letzen Blick, auf den verwundeten Ritter,
wandte der Teufel sich ab. Ohne Groll. Ohne Bitter.

Nur mit diesem Sehnen, in seiner Brust,
Fühlte er trotz seiner Kälte, den großen Verlust.

Geneigte Leserinnen und Leser,
“Des Teufels Sehnen”, überkam mich heute früh im Badezimmer. Seltsames am Morgen, ich weiß. Aber das Gedicht hatte nicht aufgehört mich regelrecht zu bestürmen. Da blieb mir nichts anderes übrig, als mich hinzusetzen, um es aufzuschreiben.
Düstres am Morgen, sozusagen. Doch trotzdem ein … Hoffen.
Ka