Meine Kritik zur Netflix-Serie Bridgerton Staffel 2.
Seit Dienstag durchgesuchtet – sehr zum Leidwesen meines GöGa. Sein leicht genervter Gesichtsausdrucks sprach Bände.
Anthony, Kate, jede Menge Drama, himmelschreiende Featherington-Roben und natürlich ein nasses Hemd-Moment.
Warum mein Bücherherz trotzdem ein weint – und ich die Serie dennoch weitergucke – lest Ihr hier.
Ich habe sie durchgesuchtet geneigte Lesende,
und das nicht erst seit heute sondern schon seit, ähm, lasst mal überlegen … jetzt hab’ ich’s … seit Dienstag! 😀 Mein Liebster war übrigens mit von der Partie, wenn auch mit einem etwas miesepetrigem Gesicht! *hihihi* Vor allem, als sich die Macher der filmischen Umsetzung der „Bridgertons“ dazu verleiten ließen, das Ganze ein wenig – will ich und GöGa meinen – in die Länge zu ziehen.
Die zweite Staffel rund um die Bridgertons beschäftigt sich – wie in Julia Quinns Buch-Vorlage „Wie bezaubert man einen Viscount“ – hauptsächlich mit den Protagonisten Viscount Anthony Bridgerton (gespielt von Jonathan Bailey) und Kate Sheffield (gespielt von Simone Ashley). Hier zur Erinnerung an das Buch, meine Rezension dazu:
Viscount Anthony Bridgerton hat eine Wunschbraut: Edwina Sheffield. Sie ist die Schönheit der nahenden Saison, doch seinem Ansinnen sie zur Braut zu gewinnen, steht Edwinas ältere Schwester Kate im Wege. Diese will alles tun was dafür nötig ist, Edwina von einem Schwerenöter wie ihm fern zu halten.
Doch Kate wird feststellen müssen, dass Lord Bridgerton mehr ist als nur sein Ruf. Die Frage ist, wird sie ihre Meinung über Anthony ändern und ja zu einer Ehe zwischen ihm und Edwina sagen, oder kann sie gar mehr in sein Verhalten ihr gegenüber hinein interpretieren? Eines ist sicher: Für Kate steht das Glück ihrer Schwester an oberster Stelle.
In Lord Anthony Bridgertons Leben, als er noch ein junger Mann vor etwas 18 Jahren war, hat sich auf dramatische und traurige Weise geändert. Grund für ihn sich nach über 10 Jahren eine Braut zu suchen, die ihm eines bescheren soll: eine für den Ton typische Ehe. Distanziert, kühl und sicher nicht voller aufrührerischem Tatendrang, so wie ihn Kate an den Tag legt. Sie ist zu halsstarrig, zu klug und zu scharfzüngig. Edwina dagegen ist, Anthonys Meinung nach, berechenbar und leicht zu lenken. Doch es kommt zu einer folgenschweren Begebenheit und nichts ist wie es war.
„Wie bezaubert man einen Viscount— Bridgerton 2“ ist amüsant sowie kurzweilig geschrieben und sprüht vor Esprit. Zwischen Anthony und Kate stoben regelrecht die Funken in ihren Wortgefechten. Die beiden waren mir noch sympathischer, als es bereits Daphne und Simon aus „Der Duke und ich — Bridgerton 1“ waren. Sie sind herzerfrischend und man spürt in allem was sie tun, wie sehr sie sich eigentlich mögen, obwohl sie sich gegenseitig das Leben schwer machen. Vor allem Anthony hat arg mit der Anziehungskraft, die Kate auf ihn ausübt, zu kämpfen.
Was ich jedoch etwas zu dick aufgetragen fand war der Grund, warum sich Anthony „nur“ eine Vernunftehe vorstellen kann. Deswegen muss ich leider einen halben Punkt abziehen. Doch summa summarum hat mir das nochmalige Lesen des zweiten Teils der „Bridgerton“-Reihe von Julia Quinn (dt. Ersterscheinung 2003) wieder genauso viel Lesefreude bereitet, wie damals. 4,5 Punkte.
Kurz gefasst: Kate Sheffield und Viscount Anthony Bridgerton machen einfach Spaß! „Wie bezaubert man einen Viscount“ ist ein Wortgefecht reicher Historical aus der begabten Feder von Julia Quinn.

Etwas Längen – und immer mehr Freiheiten
Wie gesagt, die filmische Umsetzung zog sich etwas, vor allem im 5. und 6. Teil der 7-teiligen 2. Staffel. Auch wurde natürlich wieder sehr viel dazu erfunden, wie zum Beispiel die Königin und deren Eingreifen ins Geschehen. Zudem hat die Königin es nach wie vor auf Lady Whistledowns – die berühmt berüchtigte Klatschkolumnistin, die über jeden im Ton etwas Pikantes zu berichten hat – wahre Identität abgesehen. Auch das vermeintliche Erwischen In flagranti von Anthony und Kate, das im Buch zur Ehe zwischen den beiden führte, gab es in der Filmumsetzung nicht. Vielleicht ein Grund, warum es sich etwas hinzog.
Und ich muss ehrlich sagen: Mit jeder weiteren Änderung fällt es mir schwerer, darüber hinwegzusehen, wie weit sich die Bridgerton-Serie inzwischen von den ursprünglichen Buchgeschehnissen entfernt. Sie bewegt sich immer freier von der Vorlage weg – und das empfinde ich persönlich als sehr, sehr schade. Natürlich ist mir bewusst, dass eine Serienadaption eigene Wege gehen darf. Aber wenn diese Wege immer weiter vom Kern der Geschichte abzweigen, hinterlässt das bei mir ein zunehmend ungutes Gefühl.
Die Featheringtons schlagen wieder zu
Die Damen Featherington – allen voran die verwitwete Lady Featherington – haben natürlich wieder dem Bock abgeschossen! *höhöhö* Sie setzt alles daran, dass die zweite ihrer drei Töchter endlich unter die Haube kommt, denn der Familie geht es finanziell mehr als schlecht! Gut dass plötzlich ein Cousin ihres Mannes auftaucht, der das Erbe – Frauen waren damals nicht erbberechtigt und meist vom Wohlwollen der Verwandtschaft abhängig – von Lord Featherington antreten will. Die Kleider, die sie trugen, waren wie bereits im ersten Teil „himmelschreiend“, da Lady Featherington einfach einen schrillen Geschmack hat! Die arme arme Penelope Featherington! Zudem bekommt sie etwas zu hören, was ihr jegliche Illusionen in Bezug auf Collin Bridgerton raubt. *schnieft*
Sonnenschein, Blauregen & nasses Hemd
Oh, und natürlich war es wieder sonnig, der Blauregen explodiert am Stadthaus der Bridgertons, kein bisschen Rgen oder Nebel in Sicht und man bekam einen hübschen Anblick geliefert, als Lord Anthony ins Wasser fiel und nur im nassen, durchsichtigen Hemd demselbigen entstieg, und sich Edwina – die Verlobe von Anthony und Kates jüngere Schwester – und Kate selbst, sich nicht an ihm sattsehen konnten. LOL
Edwina – lieb, aber anders als im Buch
Apropos Edwina (gespielt von Charithra Chandran) . Sie war eine ganz Liebe und hat ihrer Rolle glaubwürdig gespielt, doch sie kam – jedenfalls meiner Meinung nach – nicht an die Buch-Edwina heran. Was NICHT an der Schauspieler lag, sondern meines Erachtens am Drehbuch.
Wie man bei netzwelt.de nachlesen kann, hat die zweite Staffel der Bridgertons schon jetzt die interne Erfolgsmarke von Netflix geknackt! Lasst Euch das mal auf der Zunge zergehen. Kein Wunder: Schöne Kleider, plüschig-rosa-zuckerwatte-Kulisse, gutaussehende Menschen, ab und an ein bisschen nackte Haut (weniger als in der ersten Staffel – ich habe genau hingesehen *pruuust*) jede Menge Drama und Liebesdrama! Was will man (frau) mehr? *lacht*
Bücherherz vs. Serienliebe
Joa, mein Herz schlägt nach wie vor viel stärker für die Bücher. Die mag ich einfach lieber. Trotzdem schaue ich die filmische Umsetzung gern – auch wenn mich, wie oben bereits angemerkt, diese immer weiter fortschreitende Entfernung von der eigentlichen Buchvorlage zunehmend stört. Vielleicht sollte ich Serie und Buchreihe gedanklich einfach konsequent voneinander trennen? Wer weiß.
Aber seien wir ehrlich: Natürlich werde ich mir auch die dritte Staffel gönnen. Dafür bin ich dann doch wieder viel zu neugierig.
Bis dann, und hey! Falls Ihr Euch die Bridgertons noch nicht gegönnt habt, guckt doch mal rein, nun ja, jedenfalls die Historical-Fans unter Euch! *hahahaha*
Ka

