Historisches Rezensionen

„Bridgerton“ Staffel 1 Kritik: Zwischen Farbenrausch, freier Umsetzung und nacktem Duke

  • 27. Dezember 2020

Meine Kritik zur Netflix-Serie Bridgerton Staffel 1. Acht Folgen in zwei Tagen. Ja, ich bereue nichts.
Zwischen kunterbunten Kleidern, sehr freier Buch-Umsetzung und einem äußerst ansehnlichen Duke habe ich gelacht, gestöhnt
(vor Frust UND aus anderen Gründen) und kritisch geschaut.

Warum mich manches irritiert – und ich trotzdem weitergucke – lest Ihr hier.

Gute Güte, geneigte Lesende,

Ich habe nun innerhalb von zwei Tagen alle 8 Folgen der 1. Staffel der „Bridgerton“-Reihe, die von Netflix verfilmt wurde, gesüchtelt. Ursprünglich stammt die „Bridgerton“-Reihe aus der Feder von Julia Quinn, einer Autorin historischer LiRos. Ich muss sagen, ich war etwas irritiert, da es doch ein großer Sprung zwischen dem Buch und der Umsetzung fürs Fernsehen ist.

Buch vs. Serie – meine Kritik zur Umsetzung von Bridgerton Staffel 1
Das Hauptaugenmerk der ersten Staffel liegt wie auch im Buch „Wie erobert man einen Duke“, auf den Protagonisten Daphne Bridgerton (gespielt von Phoebe Dynevor) und Simon Basset, dem Duke of Hastings. Ich hatte das Gefühl, dass das Buch hauptsächlich als, hmmm, wie soll ich sagen, als Inspiration verwendet wurde. Manches, was in der Film-Serie „Bridgerton“ geschieht, kann man so im „Wie erobert man einen Duke“ nicht nachlesen, es ist durchaus ziemlich „frei“ umgesetzt worden. Ich habe das Buch nämlich extra nochmal gelesen, damit ich einen Vergleich zwischen Buch und Film anstellen kann.

Ja, ich weiß! Ein Buch mit einem Film zu vergleichen ist etwa so sinnig wie einen Apfel mit einer Kartoffel. Aber TROTZDEM!

Frühlingsgefühle & nackte Tatsachen – Erotik und Darstellung in Bridgerton Staffel 1
Oh wie SCHADE, dass ich an dieser Stelle nicht ordentlich los spoilern darf, um Euch nicht die Lust am Buch oder an der filmischen Umsetzung zu nehmen. Aber soviel denke ich, darf ich sagen. Das Wetter war im Film immer herrlich frühlingshaft. Vom berühmten Nebel Londons keine Spur. Okay, es hat zweimal geregnet und bei Regen regte sich beim Duke und seiner Duchesse immer etwas in den südlichen Gefilden ihrer Körper *hüstelt* Apropos Körper. Simon Basset, der Duke of Hastings (gespielt von Jean Page) macht eine wirklich … räuspert sich … tolle Figur. Auch nackt! Knackiger Hintern, der Gute. Übrigens musste ich bei einer erotischen Szene unweigerlich an „Shades of Grey“ denken, nicht weil sie SMS-mäßig miteinander spielten, sondern von der Art der Darstellung her. Wer weiß, vielleicht geht es Euch ähnlich! 😀

"Bridgerton" Staffel 1 Kritik: Zwischen Farbenrausch, freier Umsetzung und nacktem Duke

Die Frage nach dem Warum
Die Erklärung im Film, warum es neben weißen Adeligen auch Mitglieder des Hochadels mit unterschiedlichen Hautfarben gab, fand ich nicht sonderlich gelungen. Zumal dieses diverse Casting-Konzept im Vorfeld der Serie ganz offen kommuniziert wurde. Warum also überhaupt innerhalb der Handlung eine zusätzliche Begründung liefern?

Ich für meinen Teil finde, dass es egal sein sollte. Es geht um die Schauspieler an sich und nicht darum, welche Hautfarbe die Figuren haben, die sie verkörpern. Und ganz ehrlich: Ich finde es großartig, dass Schauspielerinnen und Schauspieler jeglicher Hautfarbe hier selbstverständlich mit von der Partie sind. Genau so sollte es sein. Aber nun gut, vielleicht hat man mit der zusätzlichen Erklärung versucht, Kritiken, die das Ganze als „kontrafaktisch“ hätten bezeichnen können, direkt im Keim zu ersticken. Wer weiß?! Nichtsdestortoz ist es ein eindeutiger Burch zur Buchvorlage von Julia Quinn, doch das ist eine andere Geschichte. *seufzt* Denn ich vermute, es werden noch viele Brüche kommen. *seufzt lauter*

Farbenrausch, Federkleider & Augenkrüppel
Alles in allem waren die Kulissen sehr farbenfroh gestaltet, die Bälle wirkten „inszeniert“ um es vorsichtig auszudrücken. Ich sage an dieser Stelle nur „Vauxhall Gardens“-Szene. Und die Kleider der drei Featherington-Töchter!!!! *kreischt* Da bekommt man definitiv einen Augenkrüppel. Die Arme Penelope (Protagonistin aus „Penelopes pikantes Geheimnis“), ich kann Euch sagen! Die Klamotten, die sie und ihre Schwestern gezwungen waren anzuziehen, auf Druck ihrer Mama, Lady Featherington, beißen sich nicht nur fürchterlich mit ihrem roten Haar, sie tragen auch mächtig auf. 😀 Die geheimnisvolle, ja geheimnisumwitterte Lady Whistledown, die Klatschkolumnistin, von der man nicht weiß, wer sie tatsächlich ist, welche aber über alles und jeden im Ton Bescheid weiß und auch nicht davor zurückschreckt bei ihren gedruckten Schmäh- oder Lobeshymnen die Namen derjenigen welchen zu nennen – was in jener Zeit ein Affront sondergleichen war – würde sie wohl eine überproportionierte Orange nennen.:3

Fassade, Geschlechterrollen & verbotene Themen
Im Ton geht es tatsächlich nur um eines, nämlich die Fassade zu waren. Männer müssen männlich sein, Frauen zarte, zerbrechliche Geschöpfe, wenn möglich mit einem Hauch Rosa auf den Wangen. Doch es ist interessant zu sehen, dass die Gesellschaft in „Bridgerton“ sich nicht dadurch definiert, ob jemand schwarz oder weiß ist, sondern nur dadurch, ob man ein Mann, oder eine Frau ist! Das Thema „Gay“ wird auch angerissen und die damit verbundene Nichtakzeptanz innerhalb der damaligen Gesellschaft. Nichtsdestotrotz habe ich das Gefühl, dass sich Netflix bemüht alles zu tun um Quoten zu erfüllen? Ich bin gespannt, wie es zukünftig diesbezüglich weiter gehen wird.

Hinter verschlossenen Türen
Keine Sorge, hinter den bunten Kulissen, geht es auch mal etwas … rauher zu. Ich sage nur Treffen von Künstlern, Kurtisanen, Opernsängerinnen, Bonvivants, etc. die in Orgien ausarten. Natürlich alles unter größter Verschwiegenheit. Dort trifft man zum Beispiel Benedict an, den jüngeren Bruder von Anthony Bridgerton, dem Familienoberhaupt der Bridgertons. Deren Vater ist übrigens bereits mit 38 Jahren verstorben und hat es in die fähigen Hände seiner Frau gelegt, die gemeinsamen 8 Sprösslingen auf den rechten Weg zu bringen.

Familie Bridgerton – laut, liebevoll, lebendig
Etwas was ich sehr schön fand, sowohl im Buch als auch in der filmischen Umsetzung, ist der familiäre Halt innerhalb der Familie Bridgerton und das es, wie im Leben, bei ihnen auch mal etwas lauter zugeht. Also ganz anders als bei anderen „distanzierten“ Mitgliedern der englischen Adels um 1813, die keine Familie gegründet haben, weil sich die Paare liebten, sondern weil es darum ging, einen Erben zu zeugen. Gefühle standen dabei nicht im Vordergrund, was Simon Basset als Kind leidvoll erfahren musste.

Fazit: Lohnt sich Bridgerton Staffel 1?
Hat mir die erste Staffel rund um die Bridgertons gefallen? Wenn man davon absieht, dass „Wie erobert man einen Duke“ seeehr frei umgesetzt wurde, es mitunter arg bunt-kitschig war und Simon Basset leider gar nicht in sein „Stottern“ zurückgefallen ist (von dem er als Junge stark beeinträchtigt war), wie es im Buch der Fall ist (denn Aufregung genug, hat es schließlich um ihn und Daphne herum gegeben). Oder dass den Protagonisten und Nebendarstellern die Tiefe fehlt, die sie im Buch haben? Ja, irgendwie schon! Und dann wieder weniger, vielleicht weil ich das Buch kenne! *lacht* Aber egal, wie ich es auch drehe und wende, ich wollte – obwohl mir das Ende natürlich ein Begriff ist *hahahahaha* – unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Werde ich die nächste Staffel ansehen? Werde ich, denn HALLOOOO? In „Wie bezaubert man einen Viscount“, welches sicherlich wieder als Vorlage dienen wird, bekommt Anthony Bridgerton seine eigene Staffel! Und Anthony Bridgerton und Kate Sheffield waren ein tolles, witziges Buch-Paar! Man kann Anthony übrigens bereits in der ersten Staffel barbrüstig bzw. nackt mit seiner Geliebten erblicken … 😉 Überhaupt empfand ich die erste Staffel fast als so etwas wie eine „Vorstellrunde“ der gesamten Familie Bridgerton. Von allem etwas viel.

In diesem Sinne und macht Euch ein eigenen Bild!

Ka

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