Autoren

[AutorenSalon] Ria Wolf

  • 2. November 2016

riawolf© Copyright Ria Wolf privat.
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin.Trenner-Ranke

Geneigte Leserinnen und Leser,

nachdem mich „Beloved Escort – Lügen“ ziemlich geflashed hat, bin ich natürlich sehr neugierig auf die Autorin dieser erotischen Geschichte, nämlich Ria Wolf, geworden. Darum möchte ich sie uns heute ein wenig näher vorstellen und freue mich sehr, sie im AutorenSalon vom Happy End Bücher begrüßen zu dürfen! Hallo Ria …

Hallo Ka. Danke für die Einladung, freue mich tierisch hier sein zu dürfen und dass Dir mein Escort so gut gefallen hat.

Die Geschichte hat mich heftig erwischt, Ria!
Aber zuerst, erzähl ein wenig von Dir. Wann z.B. hast Du zu Schreiben begonnen? Gab es ein Schlüsselerlebnis oder war der Wunsch, Geschichten aufs Papier zu bringen, schon immer Dein Traum?

Ups, da muss ich ziemlich weit zurückgreifen. *lach*. Ich bin Baujahr 1964. Mein erstes Buch bekam ich zu meinem 4. Geburtstag. Ein altes, schon abgegriffenes Buch. „Bubenstreiche und Schelmereien“ von dem Illustrator Lothar Meggendorfer und dem Autor M. Abeg. Herausgegeben ungefähr zwischen 1906 – 1925, noch mit dem ersten Cover. Leider weiß meine Mutter nicht mehr, wo sie und Oma es her hatten. Das Buch ist bis heute mein heiliges Kleinod. Daraufhin begann ich bis ins Teeniealter meine Fantasien mit Bleistift- und Kohlezeichnungen auszuleben und habe alles gelesen, was ich in die Finger bekam.
Das Geschichtenschreiben habe ich erst spät begonnen. Die ersten Versuche waren um 1992 noch per Hand. Himmel, war das mühselig. Als mehr Durchgestrichenes als Lesbares auf den Heftseiten war, habe ich die Lust wieder verloren. Aber da schwirrten immer noch die Fantasie – Storys in mir herum, die erzählt werden wollten … die wenigstens für mich selbst aufgeschrieben und nicht vergessen werden wollten. Und der Frust bei vielen gelesenen Büchern, wo ich fand, aus dem Thema hätte man viel mehr machen können. Ja, und dann kam das Jahr 2003. Durch eine vergurkte Schulter – OP wochenlang arbeitsunfähig, Haushalt ging nur mit der Linken Hand, mein damaliger Lebensgefährte und mein Sohn waren Vormittags aus dem Haus uuuund *breitgrins* ich hatte mittlerweile einen PC.

Dazu muss ich noch erwähnen: wenn mein Kopf und Körper durch Arbeit nicht ausgelastet sind, stürmen Geschichten überfallartig auf mich ein und wie sich rausstellte, geben sie erst Ruhe, wenn sie aufgeschrieben sind. Stell dir das vor, wie einen weißen Raum voller Handlungs – Hologramme, die sich nacheinander mit dem niederschreiben auflösen, bis der Raum leer und Platz für Neues ist. Mögen viele jetzt denken: Boah, die hat aber einen gewaltigen Dachschaden!

Jepp! Hab ich wohl. Aber ich mag meinen Dachschaden. 😉 
Zurück zum Jahr 2003. Durch die Arbeitsunfähigkeit war ich also wie ein praller Ballon, voll mit unerzählten Geschichten, keiner da, der sich über meinen Spleen lustig machen könnte und mit der linken Hand war mir Tippen ja möglich. Da wurden aus meinen Gedanken das erste Mal wirklich Buchstaben in voller Romanlänge. Die Story war ein Science Fiction-Liebesroman, der noch immer in meiner Schublade liegt. In die Schublade folgten dann weitere Geschichten, die mich einfach schon durch das Aufschreiben mit Zufriedenheit erfüllten.Trenner-Ranke

Das hört sich vielversprechend für noch folgende Bücher aus Deiner Feder an! 😉
Hast Du eigentlich ein bevorzugtes Genre, in dem Du am liebsten schreibst?

Nein. Ich nehme die Geschichten an, wie sie auf mich einstürmen. Egal welchem Genre sie entspringen. Ich lese und schaue ja auch fast alle. Was jedoch nicht heißt, dass ich mich nicht auf ein Genre fokussieren und gezielt eine Story dafür entwickeln kann. Letztendlich aber alles Liebesromane. Seit meiner ersten Veröffentlichung 2014 von „Keltische Nächte“, die übrigens für mich immer „2012 versus 1235“ hieß, sondiere ich allerdings schon, welche von meinen Ideen überhaupt eine Chance haben könnten Leser zu finden.Trenner-Ranke

Also mich kannst Du dazuzählen! *lacht*
Als ich mich auf „Lügen“ einließ, muss ich sagen, dass ich vom Schreibstil her eher etwas in „Keltische Nächte“ erwartet hatte, etwas das wesentlich, wie soll ich sagen … ähm … sexuell „gesitteter“, über die Bühne gehen würde. Doch dann kam etwas völlig anderes! Erzähl uns ein wenig von „Lügen“.

Ich hoffte, mir würde dieser kleine Überraschungseffekt gelingen und hatte gleichzeitig Bammel, dass der Kontrast von Schreibstil und unverblümten Szenen die Leser enttäuscht. Aber ich experimentiere eben gern und der Stil sollte gleichzeitig unterstreichen, dass Lukas mit seinem Gewerbe in erster Linie Umgang mit Mitgliedern der High Society pflegt, um einen weiteren Kontrast zu Annis Armut zu schaffen, die sie mit ihren Lügen zu vertuschen versucht.
Was die erotischen Szenen angeht … *räusper und ein bissel rotwerd*  ich mag Storys, wo die Tür nicht nach dem Küssen geschlossen wird. Blanke Körperteile, und das Treiben damit, gehören zum Lebenskreislauf und finde ich nicht so bloßstellend wie Einblicke in die Seelen der Figuren. Was nicht heißt, dass ich Storys ohne Sex nicht gut finde. Alles in Proportionen, wie es zur Gesamthandlung eben passt.
Ein Escortroman, bei dem ich nicht im Schlafzimmer oder sonstigen schummrigen Eckchen zusehen kann, stellt mich nicht zufrieden. Und ich schreibe meine Storys so, wie meine Erwartungen an das Thema sind.

Beloved Escort - Lügen

Ja, ich denke, das ist eine gute Voraussetzung ein stimmiges Buch zu schreiben. Ich meine, wenn es so geschrieben wird, wie Du Dir eine gelungene Geschichte vorstellst!
Wie ist die Idee zu Lukas’ und Annis Geschichte in Dir erwacht? War es Musik, die Dich dazu inspiriert hat, oder eine sternklare Nacht? Denn Musenküsse können gänzlich unterschiedlich bei einem Autor landen, habe ich mir sagen lassen.

Wenn Muse ein hübscher Mann ist, darf er mich gern mal küssen. Ich putze mir auch vorher die Zähne. *frech grins*.
Also, Inspirationen kommen mir bei Nachrichten, Dokumentationen, Gesten, Gesichtern, manchmal auch bei Musikstücken und noch vielem mehr. Für „Keltische Nächte“ lag der Auslöser im Marvel-Film „Thor“. Wo er mit dem Wirbel auf der Erde landet hat meine Fantasie gleich mitgewirbelt. Der Impuls für meinen Historischen Liebesroman, den ich als nächstes fertigstelle, kam von einer Nachrichtenmeldung. Für meine „Beloved Escorts“ war es die Kurzgeschichte „Callboy“ von Rainer Wekwerth. Das Thema fand ich faszinierend, weil es viel Konfliktpotenzial bietet. Und schon schwebten Lukas’ und Annis Hologramme durch meinen Raum. Jeder in seiner eigenen Lebensblase gefangen, die so gar nicht zum anderen zu passen schien und doch miteinander verbunden werden wollten. :D
Natürlich schwebten daneben auch schon weitere Escorts und ihre Liebsten heran, doch die Visionen von ihnen konnten sich erst ausbreiten, nachdem Anni und Lukas aus dem Raum herausgeschrieben waren 😉Trenner-Ranke

Eine wirklich schöne, bildhaft dargestelle Vorstelltung, von dem, was in Deinem Kopf abgeht! ^_^
Wie würdest Du den Charakter von Lukas beschreiben, den ich persönlich als sehr sympathisch empfinde.

Lukas ist ein Familienmensch, generell fürsorglich, mit ausgeprägtem Selbstwertgefühl und macht eben, was seine Möglichkeiten hergeben, um seine Lieben glücklich zu sehen. Er würde sich eher von einer Klippe stürzen, als jemanden im Stich zu lassen. Aber niemand sollte sich zwischen ihn und jene, die er liebt stellen, das gibt Aua.

Sag’  mal Ria, hatte Anni eigentlich schon immer so eine große Klappe, oder hat sich das erst nach ihrer Diagnose entwickelt? Denn eines ist sie sicher nicht, auf den Mund gefallen 😀

Oh, meine arme Anni *schnief* Hast du mal ein Taschentuch?

*Ka zückt schnell eines und reicht es Ria*

Danke. Also schlagfertig war sie schon vor dem Tod ihrer Eltern, und deren Sonnenschein. Aber dann starb ihre Mutter bei der Meningeom-Opreration und der Vater verunglückte in seinem verzweifelten Zustand auf dem Heimweg vom Krankenhaus tödlich mit dem Auto. Nur Anni überlebte den Unfall so gut wie unverletzt. Schlagartig war sie allein und hatte als vertrautes Lebewesen nur noch ihren Haflinger Pino. Weil sie noch nicht volljährig war, sollte sie in ein Heim. Fremde lösten den Haushalt ihrer Eltern auf, zerstörten ihre vertraute Umgebung, aber deponierten den Erlös daraus auf einem Sparbuch für Anni. Auch Pino sollte verkauft werden. Da ging sie mit ihm stiften und stellte fest, dass sie sich nicht mit Selbstmitleid sondern mit Frechheit und Lügen der Auslieferung ans Jugendamt entziehen kann. Das war ihr dann in Fleisch und Blut übergegangen. Der alte liebe Bauer, wo sie schließlich Unterschlupf fand, verstarb ja leider auch und wieder war sie mit Pino allein und verlor ein Zuhause. Und kaum, dass sie mit dem Sparbuch Zukunftspläne schmieden konnte, zog das Schicksal ihr erneut den Boden unter den Füßen weg, mit der schrecklichen Diagnose. Um nicht durchzudrehen, fand sie sich damit ab, dass das Schicksal es einfach nicht gut mit ihr meinte. Selbstmitleid würde nichts daran ändern. Also flüchtete sie sich lieber in Galgenhumor, statt zu jammern und richtete ihren Fokus auf das Wohlergehen ihres alten Haflingers und das Erlebnis, wenigstens einmal mit einem Mann zu schlafen. Einem schönen Mann natürlich.
Ja, und da trat Lukas in ihr Leben. Und das Schicksal zeigte beiden, was es noch für sie parat hielt 😉Trenner-Ranke

… und zwar satt will ich meinen! 😀
Gab es während des Schreibens einen Punkt, an dem Du dachtest: „Stopp! Das kann ich meinen Lesern nicht zumuten?“

Ja. Schon bei der Erotikszene im ersten Kapitel habe ich überlegt, ob das nicht zu krass für einen Liebesroman ist. Und bei der Mann/Mann Erotikszene erst recht. Gerade Letzteres streift ja einige Toleranzgrenzen. Ich grübelte: Wird das Buch mit einem Baaah in die Ecke geschmissen? Aber hey, es ist ein Callboyroman. Wenn es darin sexuell nicht richtig kracht, bei welchem Thema dann? Also habe ich es darauf ankommen lassen und ganz zappelig das Feedback von Lesern erwartet. Wäre „Lügen“ bisher Mehrheitlich durchgefallen, hätte ich die Hologramme für Phil (Thor) und weitere Jungs zerstochen und meinen Raum für andere Themen geleert.
Nur mal so als Anmerkung: Ich laufe nicht ständig mit einem glasig abwesenden Blick durch die Gegend und habe nur meine Hologramme im Kopf, sondern kann umgehend die innerliche Tür zum Traumraum zuwerfen und auf Realität umschalten. Ich stehe mit beiden Füßen fest auf realistischem Boden. Fragt meinen Sohn und alle anderen, die mich persönlich kennen. 😀

Keltische Nächte

Da geht es Dir wohl nicht anders, als mir als Leser! Auch wenn es von manchen Geschichten etwas länger braucht um sich von ihnen zu lösen, ist man dann wieder fest in der Realität. Mir geht es jedenfalls so. Es wäre auf Dauer auch etwas zugig, den Kopf immerzu zwischen den Wolken stecken zu haben. *hust*
Lukas geht in „Lügen“ einen, wie soll ich sagen, einen „Handel“ ein, der mir persönlich in der Seele weh getan hat. Und ich glaube, Lukas ging es in diesem Moment nicht anders. Was passiert in Dir, wenn du solch gefühlsintensive Geschichten zu Papier bringst? Bist Du da außen vor und nur „objektiver Betrachter“, oder leidest Du mit Deinen Protagonisten?

Ich schlüpfe virtuell in meine Protagonisten, selbst in die Antagonisten, wenn es welche gibt, und setze mich innerlich ihren Emotionen und Situationen aus, um realitätsnahe Reaktionen zu hinterfragen. Aber … Himmel, Arsch und Wolkendonner … ich bin jedes Mal froh, dass ich nicht real erleben muss, was ich ihnen in den Geschichten aufbürde. Na ja, bis auf die Momente voller wahrer Liebe und Harmonie. Um die beneide ich sie schon 😉 
Also definitiv ja. Ich leide und liebe immer mit meinen Figuren und kann nicht außen vor bleiben. Das objektive Betrachten muss ich den Testlesern und letztendlich den Käufern meiner Bücher überlassen.
Wie Lukas sich bei dem Handel gefühlt hat … wenn die Geschichte da noch Fragen offen lässt, fragst Du ihn am besten mal selbst. 😉Trenner-Ranke

HILFEEE! Setz` mir nicht solche Flausen in den Kopf! Ich bin sehr anfällig, was Interviews mit Helden betrifft … *räuspert sich*
Nachdem ich „Beloved Escort“ gelesen habe, muss ich Dich natürlich fragen, ob und mit wem der Escort-Männer es weiter gehen wird? *grinst* Oder schreibst Du gerade eine ganz andere Geschichte?

*schmunzel* Es geht mit Phil alias Thor weiter. Aber bevor seine Geschichte veröffentlicht wird, möchte ich für das 1. Halbjahr 2017 meinen historisch angesiedelten Liebesroman fertigstellen. Der ist schon geschrieben und muss „nur noch“ überarbeitet werden. Die dramatisch angehauchte Handlung spielt in dem Zeitraum 1861 bis 1870 und ist wieder mehr für die Leser/innen geeignet, die nicht so viel detaillierte Erotik in einem Roman bevorzugen.
Die Sache mit dem Erotikanteil in der jeweiligen Geschichte soll übrigens in Zukunft immer an dem Zusatz „spezial“ unter meinem Autorennamen erkennbar sein und die Auswahl eines Ria Wolf – Romans erleichtern, um diesbezüglich Schock und Enttäuschung bei den Lesern vorzubeugen. „Kein spezial“ gleich „nicht so viel detaillierter Sex“. Obwohl es letztendlich Geschmackssache bleiben wird, was dennoch als „zuviel“ angesehen wird.Trenner-Ranke

Stimmt! Ich hab´ da schon die kuriosesten Dinge in Rezensionen gelesen! Manchen ist einmal angedeuteter Sex schon zu erotisch, während andere erst warmlaufen, wenn in jedem Kapitel mindestens zweimal eine erotische Szene integriert ist *lacht* Wie du schon sagtest: Alles eine Sache des Geschmacks!
Zurück zu deinen Geschichten: Ist für Dich beim Schreiben, ein Happy End eigentlich notwendig, oder würdest Du ein Buch auch mal „offen“, oder gar ohne Happy End enden lassen?

Ein fehlendes Happy End macht mich sehr unzufrieden. Trotzdem schließe ich nicht aus, dass mich mal eine Geschichte in den Fingern juckt, die anders endet als erhofft.

Der Chauffeur - Ein Bodyguard für die Liebe

Eine letzte Frage Ria: Liest Du eigentlich selbst auch gerne? Und wenn ja, hast Du spezielle Lieblingsautoren?

Ooh jaa, ich lese gerne. Habe nur nicht mehr so viel Zeit dafür, weil ich die wenige für das Kreieren meiner eigenen Romane nutzen möchte.
Meine absolute Lieblingsautorin? Jude Deveraux!!! In ihren Romanen ist genau die Mischung von Situationskomik, Humor und Ernst, wie ich es liebe. Nur ihre letzten drei Bücher fand ich nicht mehr ganz so gelungen.
Dann habe ich noch alle Romane von Diana Norman verschlungen, die wesentlich dramatischere Themen in historischer Zeit abhandeln (meistens ohne romantisches Happy End). Dan Brown und Stephen King lese ich auch gerne und noch viele andere. Auch jede Menge Historicals, wo ich aber nur in manchen Fällen nachsehe, ob die Autorin mehr Geschichten geschrieben hat. Judith McNaught zum Beispiel.Trenner-Ranke

Eieieieieie! Jude Deveraux habe ich gefressen, ebenso Judith MacNaught! Da gibt es einen Historical aus ihrer Feder, den ich auch nach Jahren noch, heiß und innig liebe und immer wieder lese …. *schmachtet vor sich hin*
Entschulidge, Ria, ich war kurz … etwas abelenkt! Ich möchte mich an dieser Stelle noch herzlich bei Dir bedanken, dass Du den Weg zu uns in den AutorenSalon nicht gescheut hast! Natürlich wünsche ich mir weitere so tolle Geschichten aus Deiner Feder und für Dich, zahlreiche zufriedene Leser! Schön, dass Du da warst und weiterhin erfolgreiches Geschichten ersinnen …

Ria: Dankeschön. Dein Interview hat mir viel Spaß bereitet. Ganz lieben Dank, dass ich mich Deinen Fragen stellen durfte. Ich hoffe meine Ideen treffen weiterhin Deinen Geschmack und den vieler Leser.Trenner-Ranke