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[AutorenSalon] Inka Loreen Minden alias Lucy Palmer

  • 5. August 2011

Interview mit der Autorin
Inka Loreen Minden alias Lucy Palmer

Inka Loreen Minden

Hallo Inka Loreen Minden alias Lucy Palmer alias Monika Dennerlein! Die Ka heißt Dich herzlich willkommen im AutorenSalon und dessen imaginären Happy-End-Bücher-Sofa, das wohl immer eine Illusion bleiben wird. Doch da wir es mit einer fantasievollen Autorin zu tun haben, bereitet Dir diese Sofa-Illusion mit Sicherheit keine Probleme, oder?

Hallo Ka, ach wo, ich finde es sehr bequem auf deinem Sofa und freue mich, hier zu sein. Jetzt bin ich schon mega-gespannt auf deine Fragen.

Warum hast Du Dich dazu entschlossen, unter verschiedenen Pseudonymen zu schreiben?

Ursprünglich wollte ich Jugendbücher schreiben, aber irgendwie bin ich dann zur Erotik gekommen. Da ich die Genres strickt trennen möchte, aber dennoch einen Bezug zu meinem Namen will, habe ich lange getüftelt. Inka Loreen Minden ist nämlich ein Anagramm meines richtigen Namens. Lucy Palmer bin ich nur bei Blue Panther Books. Diesen Namen haben die Verleger für mich ausgesucht.

In Kürze wird es noch ein neues Pseudonym geben. Ich habe (bereits 2007) eine Romantasy geschrieben (ich kann so viel verraten: Es geht um Mutanten), die zu erotisch ist für ein Jugendbuch, aber zu wenig erotisch für die Leser, die meine Inka-Titel kennen (die könnten dann enttäuscht sein). Daher entschied ich mich für ein weiteres Pseudonym. In Zukunft sollen noch mehr romantische Fantasyromane von mir erscheinen.

Monika, kann man Dich als romantisch-erotische Autorin mit Leib und Seele bezeichnen?

Unbedingt. Ich kann ja auch nicht anders, das merke ich gerade an meinem Jugendbuch. Die Protas sind schon fast volljährig und wollen einfach nicht brav sein *grins* Aber ich bremse mich ein. Oder sie. Dafür gibt es ganz viele Schmetterlinge im Bauch. Ich mag einfach, wenn es über das Knistern hinausgeht.

Welche Reaktionen nerven Dich am meisten, wenn die Leute hören, dass Du erotische Geschichten schreibst?

Mittlerweile bin ich ziemlich resistent und gefasst auf alles. Heute lächle ich nur müde, wenn so Sprüche kommen wie: »Ui, dann les ich ein Buch von dir und weiß, was bei euch zuhause abgeht.«

Es gibt immer noch so viele Vorurteile, wenn frau Erotik schreibt. Es würde ja auch niemand einen Thrillerautor fragen, wie viele Menschen er umgebracht hat, aber wehe, du schreibst schmutzige Geschichten.

Mehr als die blöden Sprüche nerven mich allerdings Kommentare wie: »Mensch, hast es du gut, du musst nicht arbeiten«.

Da knallen mir fast die Sicherungen durch. Leute, die vom Schreiben keine Ahnung haben, wissen leider nicht, was für harte Arbeit das ist. 80 Stunden in der Woche sind bei mir Durchschnitt. Kein Urlaub, kein Wochenende und die Familie kommt auch oft zu kurz. Natürlich schreibe ich nicht nur, ich recherchiere auch sehr viel und mache »nebenher« Verlagsarbeit.

Du schreibst Erotisches, das im Genre Gay spielt, genauso histo-erotisches, future-erotisches, para-erotisches und Gegenwartserotik. Eines haben Deine Geschichten jedoch alle gemein: Ein Happy End! Wie kommt´s?

Ein Happy End ist bei mir einfach Pflicht. Wenn ich ein Buch lese, muss es auch gut ausgehen. Ich mag mich wegträumen, mag unterhalten werden, mag, dass nach dem Lesen ein gutes Gefühl zurückbleibt. Beim Schreiben ist das auch so. Wenn meine Figuren Höhen und Tiefen erleben, kann ich ihnen doch nach all dem Stress ihr Happy End nicht verwehren.

Ich persönlich bin ein absoluter Fan Deiner histo-erotischen Bücher. Wie sieht Deine Recherche-Arbeit für diese Geschichten aus? Diese Frage stell ich deshalb, weil mir die Seeschlacht aus den Augen des Jungen Drake  („Der Freibeuter und die Piratenlady“ ) noch in sehr guter Erinnerung ist.

Für »Der Freibeuter und die Piratenlady« habe ich sehr, sehr viel recherchiert. Monatelang. Ich hatte einen ganzen Ordner voll Material: Geschichte, Schiffbau, Kleidung, Kultur, Politik … Dabei hat mir auch ein Nachbar geholfen, der sich mit Schiffen und vor allem mit den letzten Jahrhunderten sehr gut auskennt. Mit ihm habe ich mich stundenlang über die vergangenen Zeiten unterhalten, wie das Leben damals aussah, besonders auf See. Ich liebe es, zu recherchieren, und je authentischer meine Romane werden, desto besser. Ich habe auch sehr viele Filme geguckt (von »Meuterei auf der Bounty« über »Master and Commander« bis »Die Schatzinsel«), war auf Marineseiten im Internet unterwegs, in Museen, ach, überall. Irgendwann hatte ich das Gefühl, selbst zu dieser Zeit zu leben, mich auf einem Dreimaster zu befinden, breitbeinig an Deck, eine salzige Brise in der Nase … und als der junge Drake die Seeschlacht erlebte, war ich live dabei. Genau diese Schlacht gab es wirklich. Ich hab Material mit Tagebuchaufzeichnungen gefunden, die mir dabei eine große Hilfe waren. Das Leben war die Hölle damals … aber faszinierend.

Warum ist es für Dich als Autorin wichtig – ich nehme das jetzt einfach an, weil ich schon sehr viele Deiner Bücher und Kurzgeschichten gelesen habe – den Aspekt „Liebe“ in Deinen Erzählungen nie aus dem Auge zu verlieren? Das Buch also gänzlich anders aufzubauen, als ein auf „puren Sex“ reduziertes Buch?

Mal ehrlich: Was gibt es denn Schöneres als die Liebe? Streben wir denn nicht alle danach, zu lieben und geliebt zu werden?

Außerdem funktioniert Erotik ohne Liebe für mich nicht. Wenn jemand über »Sex pur« lesen mag, dann muss er sich einen Porno kaufen. Oder einen ansehen. Aber was für ein Gefühl hinterlässt das? Bei mir kribbelt da nichts. Erst das Wissen, dass da zwei sind, die sich nicht nur körperlich begehren, sondern auch seelisch, lässt mich mitfiebern. Bekommen sie sich am Ende? Die Armen müssen so viele Hürden überspringen. Werde sie es schaffen? Sie lieben sich doch, sie müssen sich doch bekommen!

Ich schweife ab … Kannst du mir mal das Kissen reichen? Ja, dieses große plüschige Herzdingens … Lieben Dank, Ka. Meine Güte, dein Sofa ist wirklich kuschlig.

Das freut mich aber, dass Du es so kuschelig findest *grins*

Deine Bücher werden auch in Hörbücher umgesetzt. Kommt es da vor, dass Du schon mal einen Satz roter Ohren bekommst, ob der Dinge, die da so locker-flockig Deine erotische Autoren-Feder verlassen haben? *lol*

Jipp, das kommt vor. Es ist schon was anderes, wenn man seine eigenen Sachen anhört. Da denke ich mir oft: Oh mein Gott, DAS hab ich geschrieben? Oder: Musste ich mich da so direkt ausdrücken? *lach*

Wie gelingt es Dir als Frau, die verheiratet und Mutter eines Sohnes ist, im Genre „Gay-Erotik“ zu schreiben, wie z.B. in „verboten gut“? Ich frage das so provokant, da Du Dich eigentlich als Hetero schwerer in diese Konstellation hineinversetzen kannst. Doch HALT! Es geht ja nicht nur um den Sex, es geht auch um die Gefühle. UND Gefühle hat jeder, egal welche Neigung man hat. Ist es daher für Dich „leicht“ auch in diesem Genre zu schreiben?

Es ist egal, ob ich über Männer oder Frauen schreibe. In dem Moment bin ich IN der Figur, spüre, was sie spürt, leide und fiebere mit ihr. Ich bin in ihr und doch sehe ich zeitgleich alles von außen, als würde ich einen Film ansehen. Schwer zu beschreiben, aber es fällt mir leicht. Viele Leser sagen sogar, dass meine männlichen Figuren authentischer sind, viel lebendiger, als meine weiblichen Protas. Eine Rezensentin schrieb (über meinen Freibeuter): »Drake spielt seine Partnerin quasi an die Wand« und andere finden meine Gay-Romane sogar besser als meine Hetero-Bücher. Obs daran liegt, dass ich in einem meiner früheren Leben mal ein Mann war … *grins*

Ja, vielleicht liegt es genau daran! ^_^
Monika, in Deinen erotischen Geschichten springen die Funken zwischen den Protagonisten knisternd hin und her. Probierst Du die Wirkung an realen Protagonisten aus – indem Du die Geschichte vorliest gar lesen lässt, oder setzt Du einfach voraus, den Geschmack Deiner Leserschaft zu treffen? Meinen triffst Du jedenfalls  *grins*

Vielen Dank für die Blumen. Ich freue mich immer sehr, wenn ich den Lesern dieses Feeling vermitteln kann. Ich überarbeite die Texte so oft und knie mich voll rein, und wenn ich den Geschmack treffe, weiß ich, dass sich die Arbeit gelohnt hat.

Außerdem schreibe ich einfach solche Bücher, wie ich sie selbst gerne lesen würde. Die Funken müssen zu einem Feuerwerk werden, das Knistern muss so laut sein, dass es alle anderen Geräusche übertönt. Liebe, Leidenschaft – da muss es bei mir voll zur Sache gehen. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein sehr emotionaler Mensch bin. Auch sehr extrem, was Gefühle angeht. Fluch und Segen meine Gabe, mich in andere Figuren oder Menschen hineinversetzen zu können. Ich FÜHLE, was sie durchmachen. Ich leide, weine und lache mit ihnen. In meiner Fantasie und im realen Leben. Oder wenn ich mir einen Film ansehe. Ich bin ne alte Heulsuse.

*Schnüffel, ich auch*
Was würdest Du – neben dem Schreiben – als Deine größte Leidenschaft bezeichnen?

Früher hab ich gemalt – dazu komme ich heute nicht mehr. Dann natürlich immer schon viel gelesen. Aber im Moment, grübel … Schokolade??? Hast du Schokolade da, Ka? Luftschokolade? Danke, die mag mein Sohn so gern, aber zur Not ess ich die auch …

In Deinem Buch „Engelslust“ mischt Du gekonnt Paranormales mit Erotischem, dazu ein gehöriger Schuss Humor. So entsteht eine facettenreiche Geschichte voll Verführungskunst. Was hat Dir am Schreiben dieses Romans besonders Freude bereitet? Was hat Dich schier zur Weißglut getrieben?

Rajas Sprüche und der Schlagabtausch zwischen ihr und dem Engel Cain. Die beiden waren so in ihrem Element, dass ich mit dem Schreiben kaum hinterherkam. Die zwei sind schon ein witziges Gespann. Es hat wirklich Spaß gemacht, ihre Story aufzuschreiben. Außerdem fand ich die Geschichte um Merlin und den Kelch faszinierend. Da hab ich mich wie so oft in der Recherche verloren. Es hat Spaß gemacht, einen eigenen Mythos zu schaffen. Die unterschiedlichen Schauplätze waren auch interessant. Es geht in dem Buch ja fast einmal um die Welt. Zur Weißglut treibt mich selten etwas. Zumindest wüsste ich jetzt kein konkretes Beispiel. Meine Figuren und ich harmonieren immer gut miteinander. Sie machen zwar nicht immer genau das, was ich will, aber das ist oft auch ganz spannend.

Was reizt Dich am Thema Engel und Dämon? Ist es dieser stetige Kampf „Gut gegen Böse“?

Ich mag Gegensätze und je stärker sie sind, desto besser. Da sprühen einfach mehr Funken. Engel und Dämonen sind Erzfeinde – was gibt es Gegensätzlicheres? Außerdem sind dann die Hürden größer. Je höher, desto besser. Ich mag komplizierte Lösungen. Ich brauch immer was zum Grübeln. Zudem ist es für die Leser spannender, wenn sie so richtig mitfiebern können. Deshalb haben meine erotischen Romane und Geschichten IMMER eine Rahmenhandlung. Thema Nummer eins: die Liebe – was sonst.

Wie nehmen Geschichten in Deinem Kopf Form an? Küsst Dich die sprichwörtliche Muse, oder trifft Dich einfach ein Geistesblitz, den Du sofort umsetzen musst?

Das ist verschieden. Manchmal habe ich nur eine Figur im Kopf oder eine Szene. Ich horche in die Figur hinein und sie erzählt mir ihre Geschichte. Oder aus der einzelnen Szene entwickelt sich ein ganzer Film. Das passiert hauptsächlich beim Einschlafen. Mein Hirn arbeitet ja ununterbrochen. Ein Wunder, dass es noch nicht explodiert ist … Und Ka, unterbrech mich bitte, wenn ich zu viel schwafle. Wenn mein Mund mal aufgeht, bekomm ich ihn schwer zu.

Nein, nein! Mach ruhig weiter, wenn Du mich zwischendurch Fragen stellen lässt! Glaubst Du an Wiedergeburt? Ich frage das deshalb, weil ich mich erinnere, darüber etwas gelesen zu haben.

Ich weiß ja, dass ich schon einmal gelebt habe, weil ich meiner Mutter aus meinem früheren Leben erzählt habe. Da war ich ein Jahr alt. In einem meiner ersten früheren Leben war ich sogar ein Mann. Sumerischer Priester, oder so was in der Art. Ich hab vor einigen Jahren eine Rückführung gemacht, was ich sehr interessant fand. Auch da hab ich Rotz und Wasser geheult, als ich meine Frau und meine Kinder wieder traf. Vielleicht ging auch nur meine Fantasie mit mir durch, wer weiß …

Wenn ich Dich nach Deiner Zukunft als Autorin frage, wie hast Du vor, sie zu gestalten bzw. an welchen Projekten arbeitest Du?

Ich arbeite jetzt mit der Literarischen Agentur Kolf zusammen, weil ich neben der Erotik auch Jugendbücher veröffentlichen möchte. Da es in diesem Genre viel schwerer ist, einen Verlag zu finden, habe ich mich für diesen Weg entschieden und bin sehr gespannt, wohin er mich führt. Aktuell arbeite ich neben dem Jugendbuch an einer Romantasy, für die es bereits einen interessierten Verlag gibt, und im Herbst wird ein neuer Gay Historical erscheinen, der eben meiner Lektorin vorliegt.

Zusammen mit Nicole Henser hast Du ebenfalls Romane geschrieben, z.B. „Feurige Offenbarung“ oder „Dunkle Lust“. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen? Wie muss man sich so ein „Zusammenschreiben“ vorstellen?

Wie der Zufall oft so spielt … haben wir uns über einen Gästebucheintrag kennengelernt. Wir haben uns ausgetauscht und Nicole zeigte mir eine ihrer Gayschichten. Ich hatte nie zuvor homoerotische Storys gelesen, war aber sofort fasziniert und wollte es auch mal probieren. Meine ersten schwulen Geschichten finden sich in meinem Buch »Verlockende Versuchungen«. Dann haben wir begonnen, gemeinsam an einer Story zu schreiben und so ging das immer weiter. Wir haben sehr viel telefoniert und als wir die Dämonenglut-Dilogie schrieben, hatten wir zuvor ein Storyboard gemacht und genau festgelegt, wer was schreibt. Das ging wunderbar.

Gesetzt dem Fall, man würde Dir per Dekret jedwede Art des Schreibens verbieten. Was würde das für Dich und Dein Leben bedeuten?

Das wäre ungefähr so, als würde man dir das Atmen verbieten. Oder das Essen. Schreiben ist aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken, war es noch nie. Ich habe schon geschrieben, seit ich schreiben kann. Es war schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Ein Grundbedürfnis.

Hab ich dir schon erzählt, dass Voltaire mein Brieffreund war, als ich in einem früheren Leben Madame de Pompadour gewesen sein soll …

Jetzt hör aber auf! Sonst mache ich mir vor lauter Lachen bald in die Hose! Weiter im Text: Woody Allen hat einmal folgenden Spruch losgelassen „Der Mensch besteht aus zwei Teilen – seinem Gehirn und seinem Körper. Aber der Körper hat mehr Spaß.“ Kannst Du dem zustimmen?

Hm, nur bedingt. Der Spaß beginnt doch im Kopf. Wenn der nicht mitmacht … ist zumindest bei mir so.

*Ka wischt sich gerade die Lachtränen aus den Augen*

Liebe Monika, nachdem ich Dich nun genug gelöchert habe, möchte ich ein ganz dickes Dankeschön aussprechen, dass Du Dich dafür bereit erklärt hast, dieses Interview mit Happy End Bücher zu führen. Vielleicht klappt es ja mal, und wir treffen uns auf einem realen Sofa zum Plausch! Ober- und Niederbayern ist schließlich nur einen Katzensprung weit auseinander *grins*! Ich wünsche Dir noch viele zufriedene, geneigte LeserInnen und weiterhin tolle Einfälle.

Servus sagt die Ka …

Liebe Ka, auch mir hat es großen Spaß gemacht und dein imaginäres Sofa ist so bequem, dass ich noch gar nicht gehen möchte. Ein reales Treffen wäre natürlich noch schöner. Dann könnten wir zwei verrückten Hühner uns mal so ganz unter uns austauschen.

P.S. Wäre toll *OMG, Inka Loreen Minden alias Lucy Palmer alias Monika Dennerlein mit mir auf einem Sofa! Na, das wird vor lauter Kicherei entzwei brechen*

Quellennachweis
Autorenphoto: Copyright © Guido Karp / p41d.com

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