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Audienz bei einem Gott

  • 2. Mai 2018

Geneigte Leserinnen und Leser,

Ihr wisst ja, dass ich mich gerne mit fiktiven Charakteren unterhalte. Und so war es für mich ein „MUSS“, dass ich den Rufen von Alexa Lor folgte, die – sie schreibt momentan am letzten Teil der Dessla-Reihe – ihre Leser fragte, ob sie denn Lust hätten, auf eine kleine Fragerunde mit einer satten Auswahl an Charakteren, die in der Serie eine Rolle spielen. Ich natürlich Feuer und Flamme und habe mir Dessmon. einen Gott der Dessla ein paar Fragen zu stellen! Und nun, kommt es geneigte Leserinnen und Leser, ER, also Dessmon, hat mir tatsächlich eine Audienz gewährt, aber fragt nicht, wie das … ähm, mehr dazu später, denn erst muss ich Euch von Alexa Lor erzählen lassen, wie es überhaupt dazu gekommen ist, denn sie hat die Begegnung mit Dessmon aufgezeichnet, inklusive meiner neugierigen Fragen. Aber lest selbst … :3

Zitat Anfang.

Als Autor hat man es nicht immer leicht! Viele reine Leser glauben vielleicht, es läuft so ab: Man denkt sich eine Geschichte aus, setzt sich an einen PC, tippt drauflos und – simsalabim! – innerhalb kürzester Zeit ist das Buch fertig. Schön wäre es, wenn’s tatsächlich so wäre!

Nun gut, ich weiß nicht, wie es bei anderen Autoren ist. Bei den Vollzeit-Berufsautoren mag das zutreffen – man könnte es anhand der Veröffentlichungsrhythmen vermuten – oder auch nicht. Bei mir jedenfalls klappt das so nicht. Okay, ja, ich denke mir eine Geschichte aus, setze mich an den PC und tippe erstmal drauflos. Aber ab da hört die Übereinstimmung schon auf. Denn ganz plötzlich melden sich diverse Charaktere zu Wort, die ihren Senf zu der Geschichte dazugeben. Das kann den geplanten Inhalt durchaus auch mal durcheinanderwirbeln. Aber auch dann, wenn sie sich nicht freiwillig melden … gerade wenn man eine Reihe tippt, muss man immer auch die Nebenchars im Auge behalten. Jeden einzelnen bedenken und gegebenenfalls in die Geschichte einbinden, damit keine Fragen offen bleiben. Insbesondere wenn man, wie ich gerade, am Abschlussteil einer Reihe sitzt.

Was bedeutet das konkret? Es bedeutet, dass ich mir jede einzelne Figur, die bereits einmal in der Reihe aufgetaucht ist, ob nun gewichtig oder nicht, nochmal ganz neu anschauen muss. Gibt es noch etwas zu ihr zu sagen? Brauche ich sie vielleicht sogar, um das geplante Ende glaubhaft zu gestalten? Etc. pp. Ich führe also dutzende „Gespräche“ – und glaubt mir, die sind für mich ziemlich spannend, denn ich weiß im Vorfeld tatsächlich nie, was dabei herauskommt. Wenn eine dieser Figuren eine Gottheit ist, dann wird’s mal richtig interessant. Denn mit erdachten Gottheiten ist es sicher nicht weniger kompliziert als mit vorhandenen. Auch sie haben ihre eigenen Regeln, an die sogar ich, als ihr Erschaffer, mich gefälligst zu halten habe!

So ist es auch mit Dessmon, dem Gott der Dessla. Wenn ich mit ihm sprechen will, muss auch ich erst höflich um eine Audienz ersuchen – und warten, bis er sie mir gewährt. Zum Glück kenne ich das schon. Ist schließlich nicht der erste Teil, für den ich es mit ihm zu tun habe. Ebenso wie ich weiß, dass ER den Termin dafür festlegt, und ich dabei nicht das geringste Mitspracherecht habe. Ob es mir gerade reinpasst oder nicht, ist für Dessmon völlig unerheblich. Er nimmt da auch keinerlei Rücksicht. Dessmon pfeift – ich tanze! Klingt jetzt möglicherweise so, als hätte ich im Oberstübchen nicht mehr alle beisammen – und manchmal kommt es mir sogar selbst so vor. Aber es ist eine Tatsache. Deshalb ersuche ich bei ihm grundsätzlich nur freitags abends um Audienz. Damit es eine Chance gibt, diese innerhalb des Wochenendes zu bekommen, sodass sie mir nicht in die Arbeit pfuscht.

Soeben komme ich zurück – und ich dachte, ich erzähle Euch mal, wie sowas abläuft … Habt Ihr Lust drauf? Dann lest weiter!

Wie es ist, eine Gottheit zu treffen
Gerade sitze ich an einer Szene für „Liebe Unbezwinglich“. Inkia in Gefangenschaft. Knifflig. Da merke ich, dass ich meine Gedanken nicht mehr fokussieren kann. Gepaart mit diesem sonderbaren, plötzlich auftretenden Wattegefühl im Schädel, weiß ich sofort, was der Gong geschlagen hat. Dessmon. Wie gut, dass es bei mir nicht so abläuft wie bei Gor. Kribbeln – wusch. Nee, mir lässt der Gott ein paar Augenblicke mehr, um mich vorzubereiten. Zumindest, seitdem er mich mal vom Herd weggeholt hat und deshalb … lassen wir das. Jedenfalls lehne ich mich bequem zurück und schließe die Augen. Ich versuche, mich zu entspannen, denn sonst funktioniert es nicht. Wenn es etwas gibt, dass Dessmon nicht leiden kann, dann Hektik. Naja, und Aufmerksamkeit, die nicht ausschließlich auf ihn gerichtet ist. Da ist er ganz Mann! LOL
Als das Kopfkarussell anhält (Ihr müsst Euch das in etwa so wie kurz vorm Onmächtigwerden vorstellen), entstehen allmählich die Bilder. Ich weiß, dass ich noch mit geschlossenen Augen auf der Terrasse sitze, aber trotzdem ist es mir, als wäre ich ganz woanders und würde da jetzt die Augen aufmachen. Wo bin ich diesmal gelandet? Irgendwie immer die erste Frage, die ich mir stelle.

Aha, beim Spiegelbrunnen. Das hatte ich eine Weile nicht mehr, dass ich innerhalb des göttlichen Heims empfangen werde. Tatsächlich war ich da erst ein einziges Mal. Ganz am Anfang. Ein Rundgang durchs Haus, damit ich die Örtlichkeit auch angemessen beschreiben kann. Seither war’s immer irgendwo außerhalb. Na schön!

Von Dessmon selbst ist noch nichts zu sehen. Vielleicht hat er sich noch nicht entschieden, wie er mir heute gegenübertreten möchte? Es ist nämlich so, dass er, als Gott, ja eigentlich nicht wirklich eine Gestalt hat. Er zeigt sich einem immer so, wie er denkt, dass es für einen angenehm ist. Oder was auch immer – hängt ja auch ein bisschen davon ab, was er erreichen möchte. Ich krieg ja meistens nen knackigen, dürftig bekleideten Adonis zu sehen. Keine Ahnung, warum. Hihi. Du hast noch jemanden mitgebracht. Ich sehe Dessmon nicht, ich höre ihn nur. Wie nett. Wovon er spricht, ist mir schleierhaft, denn üblicherweise habe ich die Jungs immer mit im Gepäck, weil sie ein Bestandteil von mir sind. Dann werde ich mich mal zuerst um den unerwarteten Besuch kümmern, damit die gute Frau schnell wieder nach Hause kann. Was für eine Frau? Ich sehe mich um, kann aber nichts erkennen, und fühle mich dezent verarscht. Das macht Dessmon übrigens gern. Ein leises Lachen aus dem Off lässt mich vermuten, dass das auch diesmal der Fall ist. Doch tatsächlich, allmählich schält sich ein Schatten aus der Umgebung. Könnte wirklich eine Frau sein. Ich erahne sie jedoch eher, als dass ich sie sehe oder gar erkennen kann. Warte hier. Was auch sonst? Ohne die Erlaubnis des Gottes, kratzt man sich in seinem Reich nicht mal an der Nase! Ich höre Schritte, die sich auf den Schatten zubewegen. Das ist dann wohl Dessmon. Wie er sich der Frau wohl zeigen wird? »Ich freue mich, dass Du den Weg zu mir gefunden hast. Sei gegrüßt«, sagt Dessmons Stimme zu dem Schatten.

Ein Räuspern dringt an mein Ohr und so ganz langsam beschleicht mich eine Ahnung, wer mich da begleitet haben könnte. Ich gebe zu, ich kann ein Schmunzeln nicht unterdrücken, als ich mir vorstelle, wie Dessmon gleich mit nichts weiter als einem Schottenrock bekleidet vor ihr steht. Na, na, na! Sorry, aber das war jetzt einfach zu verlockend.

»Bitte entschuldigen Sie, aber wie spricht man einen Gott an? Eure durchlauchtigste Hoheit? Euer Hochwohlgeboren oder gar Eure Göttlichkeit? Oder genügt ein einfaches Hi?« Ja, ich weiß jetzt definitiv, vor wem Dessmon gerade steht. Na dann, viel Spaß, Ka! »Wie wäre es mit „Grüß Gott!“? So sagt man bei Euch in Bayern doch, und ich fände das durchaus angemessen. Eure Göttlichkeit bitte nur, wenn Du mich foppen willst, aber ich denke, deswegen bist Du nicht hier.« »Darf ich Ihnen überhaupt ins Gesicht sehen, oder muss ich meinen Blick auf den Boden richten? Ich hoffe, ich habe mir nun keinen Fauxpas geleistet.« »Mitnichten, schönes Kind. Es ist recht schwierig für jemanden, der kein Angehöriger meiner Spezies ist, sich mir gegenüber wirklich daneben zu benehmen, weil ich das bei Andersartigen abhaben kann. Ich erwarte Respekt und Höflichkeit. Die übliche Ehrerbietung, die meine Leute mir zu gerne zeigen, wenn sie meinen, ich gucke hin …« Ein tiefes Seufzen. »Darauf lege ich nicht so den Wert.« Das stimmt allerdings. Wenn ich’s nicht besser wüsste, würde ich Dessmon zuweilen für einen Proleten halten. Nein, so schlimm ist er nicht. »Was kann ich also für Dich tun?« Sag ich doch. Er kann ungemein nett, sogar charmant sein, wenn er will! »Ich habe in den Dessla-Geschichten immer auf einen Auftritt von Ihnen gewartet …« »Das freut mich und schmeichelt mir.« »… und je öfter ich über Ihre Schar Kinder las – nicht, dass Sie nicht selbst genug Potential hätten, Leser sehr neugierig zu machen!!! – desto neugieriger wurde ich auf Ihren Nachwuchs. Darum freut es mich nun sehr, die Möglichkeit zu haben, meine Neugierde zu befriedigen!« »Mein Nachwuchs also.« Dessmon, für mich relativ züchtig in enger Jeans, die seinen knackigen Hintern betont, dreht mir den Rücken zu, doch ich kenne ihn mittlerweile gut genug, um sein erfreutes Lächeln geradezu herauszuhören. Er spricht gerne über seine Kinder. »Okay. Dann schieß mal los!« »Wie viele Kinder haben Sie und …« »Oh bitte«, unterbricht er sie, »lass das mit dem Siezen. Dabei fühle ich mich immer so schrecklich alt.« Weil er mit seinen zigtausend Jahren ja auch so ein Jungspund ist … Ein erneutes, kleines Räuspern. »Einverstanden. Also, wie viele Kinder hast Du und wie alt ist Dein jüngstes bzw. Dein ältestes Kind?« »Das ist eine verdammt gute Frage. Ich befürchte, ich werde mich jetzt als schlechter Vater erweisen, denn wie viele Kinder ich im Laufe der Jahrtausende gezeugt habe, kann ich aus dem Stehgreif gar nicht sagen. Ein paar hundert, würde ich vermuten. Die Großen sind ja schon lange aus dem Haus. Hier bei mir leben nur die Kleinen und die Halbwüchsigen. Das sind im Moment … ähm, lass mich nachdenken … dreiundsechzig. Das Jüngste ist erst ein paar Wochen alt. Es wurde während Alexas Desslapause geboren. Das älteste der hier lebenden Kinder ist einundzwanzig, damit wäre es, dem anderen Zeitfluss geschuldet, auf der Erde nicht ganz siebenhundert Jahre alt. Mein Erstgeborener ist … uh … in Menschenjahren ausgedrückt, steinalt. Er kam auf die Welt, als die Menschen noch in Höhlen lebten.« Dessmon lacht und ich würde jetzt zu gerne Kas Gesicht sehen. Leider ist mir das nicht vergönnt. »Wir haben schon eine Weile keinen Kontakt mehr. Leider. Er nimmt es mir ein wenig übel, dass ich im Verborgenen operiere und meine Kids dadurch sozusagen ebenfalls dazu zwinge. Wobei das ein paar seiner jüngeren Geschwister kein bisschen beeindruckt hat. Es gibt ein Zwillingspaar, das kennt man auf der Erde unter den Namen Zeus und Odin. Und bevor Du fragst. Nein, sie sind nicht tot. Sie leben hier irgendwo in meinem Reich und warten darauf, bis die Menschen die Nase von diesem einen einzigen Gott, den sie sich ausgedacht haben, damit es übersichtlicher ist, voll haben.« Hoffentlich hat Dessmon sie jetzt nicht beleidigt. Wie gläubig sie ist, weiß ich ja nicht. Im katholischen Bayern … »Sind es mehr Mädchen, oder mehr Jungs?« Sollte sie beleidigt sein, lässt sie sich jedenfalls nichts anmerken. Respekt! »Hier im Haus, mehr Mädchen. Insgesamt dürfte es sich die Waage halten.« »Ist es korrekt, dass Du nicht monogam lebst?« »Ja, das ist richtig. Monogamie haben sich die Menschen ausgedacht, und das ist noch nicht mal soooo lange her. Ging mit der Erfindung des Monotheismus einher. In der Natur kommt das eher selten vor, es gibt nur wenige Tierarten, die monogam zu leben pflegen. Und im Grunde entspricht es auch nicht wirklich der Natur des Menschen, deswegen tun sich viele ja so verdammt schwer mit dem Treusein.« Wieder dieses leise Lachen, das man immer zu hören bekommt, wenn sich Dessmon insgeheim – oder auch offen – über eine menschliche Marotte (wie er das nennt) lustig macht. »Mir liegt es nicht, deshalb verlange ich von meinen Dessla auch nicht, monogam leben zu müssen. Sie können das frei entscheiden. Im Augenblick habe ich neunzehn Frauen, die ich alle auch als meine Gattinnen betrachte. Ich bemühe mich, sie alle gleich zu behandeln, damit es keinen Unfrieden zwischen ihnen gibt. Und glaube mir, das ist wirklich ein sehr anstrengender und tagefüllender Job. Insofern ist es gar nicht so schlimm, dass die Dessla ziemlich unabhängig von mir leben. Der Gott der Menschen zu sein, würde mir nicht gefallen. Menschen sind so schrecklich einnehmend.« »Danke, für die Zeit, die Du Dir mit dem Antworten genommen hast.« »Wie, das war’s schon?« Als hätte Dessmon das nicht schon vorher gewusst. Aber es ist ja lieb, dass er einem das Gefühl gibt, ihn auch mal überraschen zu können. »Wäre jetzt ein Hofknicks angebracht?« Ka hüstelt verlegen. »Nur, wenn ich Dir den Hintern versohlen soll.«

Was er tatsächlich tun würde – ich sprech da aus Erfahrung. Wahrscheinlich streckt er ihr jetzt breit grinsend die Hand hin, und ehe sie sich’s versieht, ist sie wieder zu Hause, nachdem sie diese ergriffen hat. Kann sogar sein, dass sie sich im ersten Moment gar nicht mehr an den Besuch erinnert. Geht mir jedenfalls immer so. Die erste Zeit danach kommt es mir immer ziemlich unwirklich vor, als hätte ich schlicht einer Tagträumerei hinterher gehangen, die ich nicht richtig zu fassen bekomme. Es dauert eine Weile, bis die Bilder klarer werden – und ob man sie dann wahrhaben will …? Wie um meine Vermutung zu untermauern, dreht sich Dessmon in diesem Augenblick um und betrachtet mich eingehend. »Und nun zu Dir.« Ja, stimmt. Ich hätte da auch noch ein paar Fragen – aber die bleiben vorläufig noch zwischen dem Gott und mir.
Alle wollte er mir sowieso noch nicht beantworten. Ich schätze mal, er würde mich gerne nochmal wiedersehen – und ich arbeite immerhin am letzten Desslaband. Um ehrlich zu sein, Dessmon wird mir schrecklich fehlen, wenn ich damit fertig bin und ihn nicht mehr treffen muss.
So, jetzt habt Ihr mal einen kleinen Einblick, was bei mir zuweilen so abgeht. Hat‘s Euch gefallen? Ich hoffe doch! Ich für meinen Teil, würde mich ja brennend dafür interessieren, wie diese Begegnung aus Kas Sicht abgelaufen ist. Vielleicht erzählt sie es (mir) ja irgendwann mal …

Bis zum nächsten Mal! Eure Alexa

PS: Dessmons Einstellung zu Monogamie deckt sich übrigens nicht mit meiner!

Zitat Ende. ( Mit freundlicher Genehmigung von Alexa Lor. <3 )

Liebe unaufhörlich (Jäger der Dessla 1) Liebe unwiderruflich (Jäger der Dessla 2) Liebe unbeirrbar: Jäger der Dessla 3 Liebe unerschöpflich (Jäger der Dessla 4)

Und da Alexa sich dafür interessiert, wie für mich die Begegnung mit Dessmon abgelaufen ist, möchte ich ihr — und natürlich Euch — davon erzählen …

Vor mich hinsummend und die Hüften von links nach rechts schwingend — höre gerade „Sex on Fire“ von Kings of Leon — stehe ich in der Küche. Bewaffnet mit Schokoladenkuvertüre, Pinsel und karamellisierten Mandelsplittern, verziere ich die Nougattürmchen, die ich eben gebacken habe! Ich lege Hand an und muss sagen, dass sie für einen ersten Versuch echt gut aussehen. Mhmmm, vielleicht sollte ich von der übrig gebliebenen Kuvertüre naschen? Schnell tauche ich den Zeigerfinger meiner rechten Hand in die flüssige Schokolade, als ich plötzlich ein seltsames Kribbeln im Nacken spüre. Noch bevor ich den Finger in den Mund stecken kann, überrollt mich eine Präsenz, die ich bis dato noch nicht zu spüren bekommen habe! Himmel, was oder wer ist das? Ich fühle mich als würde ich in meine Moleküle zerlegt und anderswo wieder ausgespuckt werden und das innerhalb kürzester Zeit. Geht’s noch? Allmählich fange ich an, an meinem Verstand zu zweifeln, oder ist es normal, dass ich urplötzlich auf einer Wiese stehe? Die Landschaft um mich herum sieht aus, als wäre ich mitten in den schottischen Highlands gestrandet und diese fremde Präsenz macht sich hier weitaus stärker bemerkbar.

Als ich mich mit weit aufgerissenen Augen und vor Staunen offenen Mund um die eigene Achse drehe, sehe ich mich mit einem Mal mit einer leicht behaarten, nackten, muskulösen Brust konfrontiert. Ganz und gar nicht damenhaft entweicht mir ein ungläubiges Keuchen, als ich meine Augen über den Körper wandern lasse bis hin zu der Stelle, wo ein sich verjüngender Haarstreifen im Bund eines Kilts verschwindet. Richtig gelesen! EINES KILTS!!!! Denn zu dieser beeindruckenden Brust, gehört eine schmale Taille, auf der — unanständig weit unten — tatsächlich ein roter Kilt sitzt, der mit weißblauem Karomuster durchwebt wurde. Ich glaube echt, ich bin im falschen Film, oder schlafe ich gar?!?! Beherzt — hallo? Ich muss prüfen, ob das nun wahr ist oder nicht — streiche ich mit meiner rechten Hand über die sonnengeküsste Haut und greife nach dem Brusthaar um kräftig daran zu ziehen! Ein lautes „Aua! Was soll das?“ kommt einen guten Kopf weiter oben — höchst erstaunt — hervor! Mein Blick schnellt in diese Richtung und unweigerlich weicht alle Luft aus mir und ich vergesse prompt zu atmen! Dabei übersehe ich fast den schokoladigen Abdruck, den ich eben auf dieser beeindruckenden Highlanderbrust hinterlassen habe. ‚Schade um die Schokolade. Ob ich die ablecken darf?‘ schießt es durch mein immer noch molekularvernebeltes Hirn, bevor ich in die wohl gletscherblausten Augen sehe, die je ein Mensch erblickt hat! Die tiefschwarzen, langen Wimpern, die sie umrahmen, bräuchten definitiv einen Waffenschein. Von den arrogant noch oben gewölbten Augenbrauen ganz zu schweigen. Die leicht gerunzelte Stirn geht in gewelltes, schulterlanges Haar über, das an der linken und rechten Seite in zwei schmale Kriegerzöpfe geflochten ist. Während ich versuche endlich wieder genug Sauerstoff in meine Lungen zu pumpen, huscht mein Blick über eine lange Narbe, die sich vom linken Backenknochen bis hin zum Kinn zieht und dabei die dunklen Bartstoppeln durchschneidet, die das kantige Gesicht zieren. Lecker! Das raspelt sicher gehörig, wenn man mit der Hand darüber streift .

Das kann nicht echt sein, das kann nie und nimmer echt sein, was hier abgeht! Es gibt in der Realität keine Highlander, wie zu Jamie Frasers Zeiten! Es gibt sie nicht PUNKT! Aber da steht einer. Einer, der aus meinen feuchten Träumen — ich habe das jetzt nicht wirklich geschrieben — entsprungen zu sein scheint. Innerhalb von Sekunden prasseln die unterschiedlichsten Gedankenfäden durch meinen Kopf, als plötzlich, an der richtigen Stelle die Zahnräder einrasten! OMG! Das muss Dessmon sein. Scheiße. DAS IST DESSMON. Jetzt wird mir schlecht. Was soll ich tun, was soll ich machen? Ich habe gerade einem Gott am göttlichen Brusthaar gezogen und das mit Schmackes! ‘Das hast du nun davon du dumme Kuh, dich mit Fragen an eine Autorin zu wenden, die du gerne von EINEM GOTT beantwortet haben möchtest’, zischte mir meine innere Stimme erbost zu. Aber ich konnte doch nicht ahnen, dass ER mich DIREKT zu sich beordern würde. Ich dachte Alexa würde das regeln und nun DAS? Hilfe, nur gut, dass ich ihm nicht unter den Kilt geguckt habe, wie ich es eigentlich vorgehabt hatte. Neugierig wäre ich schon gewesen, keine Frage! Mit einem Mal, höre ich ein leises Grollen, dass sich kurz darauf später zu einem ausgewachsenen, herzhaften Lachen entwickelt. Erleichtert lasse ich aus meinem Mund die angehaltene Luft entweichen und blicke in das lachende Gesicht von Dessmon. Mist! Ich hatte ganz vergessen, dass er als Gott Gedanken lesen kann. Wie scheißpeinlich ist das denn? Umständlich räuspere ich mich und will mit einer Entschuldigung ansetzen, als er zu mir sagt: »Ich freue mich, dass Du den Weg zu mir gefunden hast. Sei gegrüßt«

Das dem folgende Gespräch, konntet Ihr bereits oben lesen …. Nun folgt das, was nach meinem Gespräch mit Dessmon geschah:

»Wäre jetzt ein Hofknicks angebracht?« ich hüstle verlegen. »Nur, wenn ich Dir den Hintern versohlen soll.« „Nein Danke, ich hab`s nicht so mit Hintern versohlen lassen“, antworte ich, lege vor der Brust die Hände Handfläche an Handfläche und neige ehrerbietig den Kopf, wobei mir eine Frage durch selbigen schießt ‚Und wie komme ich nun nach Hause?‘ Der Gedanke ist noch nicht zu Ende gedacht, als mich wieder diese Molekularzerstückelung und Wiederzusammensetzung erfasst und ich mit einem Plumpsen, anders kann ich dazu nicht sagen, auf dem Hintern in meiner Küche lande. Orientierungslos werde ich mir erst nach langen Minuten bewußt, was eigentlich gerade passiert war. Doch es fühlt sich immer noch verdammt unmöglich an. Es kann nicht sein, oder? Wahrscheinlich wache ich gleich auf weil meine Blase drückt, oder der Wecker läutet oder was auch immer.

Mühsam rapple ich mich also auf und mein Blick fällt auf ein Nougattürmchen. EIN einsames Nougattürmchen? Doch kein Traum! Ich hatte doch gerade Massen davon gebacken! Prüfend lasse ich meinen Blick über den Rest Kuvertüre gleiten, der inzwischen eingetrocknet ist und spüre wie aus dem Nichts einen warmen, leichten Hauch in meinem Nacken „Sie schmecken höchst lecker Ka. Ich habe mir erlaubt, ein paar mitzunehmen …“ Schnell drehe ich mich um, sehe jedoch nur meine Kücheneinrichtung. So ein gieriger Gott aber auch! Ich kann nicht anders als vor mich hin zu schmunzeln „Hoffentlich teilt er wenigstens die Türmchen mit seinen neunundsechzig Kindern!“

Ende. Aus. Ka 😀