Hektor

Was würde passieren?

  • 11. Juli 2019

Geneigte Leserin, geneigter Leser,

„stell Dir vor, Du steckst mit Deinem Lieblingsprotagonisten in einem Aufzug fest. Was würde passieren …?“

Genau diese Frage habe ich heute auf facebook gestellt. Und ZACK, animierte das Hektor, meinen Bücherdrachen, zu einer Reaktion. Lest selbst …

„Was stellst du den Leuten für eine komische Frage?“, höre ich Hektor plötzlich leise hinter mir in mein Ohr flüstern. Erschrocken und mit einer starken Gänsehaut übersät, die mir der Schreck beschert hat, drehe ich mich in meinem Bürostuhl sitzend, zu ihm herum. „Musst du dich immer so anschleichen? Irgendwann pinkle ich mir vor Schreck noch in die Hose! Und außerdem, was ist an der Frage komisch? Ich bin einfach nur neugierig, wie Leser reagieren würden, wenn sie in extremen Situationen ihrem Lieblingsheld gegenüber stehen!“
„Neugierig? Gutes Stichwort. Was würdest du tun, wenn du mit deinem Lieblingsprotagonisten im Aufzug feststecken würdest?“, will Hektor wissen, wobei er „du“ und „deinem“ besonders betont.
„Um ehrlich zu sein, wüßte ich nicht mal wen ich wählen würde. Es gibt so viele tolle Charaktere, die ich in ihren Geschichten begleiten durfte. Da fällt die Auswahl schwer“, grüblerisch zupfe ich an meinem Ohrläppchen.
„Ka, das kann doch nicht sein! Es muss doch einen Kerl geben, mit dem du es im Aufzug aushalten und wer weiß was anstellen würdest …!“ Hektor legt ungläubig seine Stirn in Falten. Total lieb sieht er aus wenn er das macht, da sich zusätzlich seine Nase kräuselt.
„Lass mal überlegen“, grübelnd tippe ich mit dem Zeigefinger auf meinen Mund. „Ich weiß ja nicht, wie lange ich mit ihm in diesem Aufzug feststecke! Stell dir mal vor, ich müsste aufs Klo? Dann wäre es genial, wenn ein Dämon mit im Auszug wäre. Schwupps, könnte der ein Portal öffnen, durch welches wir flüchten könnten.“
„Ka! Sei doch nicht so schrecklich pragmatisch! Mit einem Dämon … bist du dir sicher? Dir ist schon klar, dass er sich an deiner Seele gütlich tun könnte?“, fügt Hektor an unterdessen sich seine neckisch gekräuselte Nase wieder glättet hat. Schade.
„Nö, das würde er nicht. Meine Seele schmeckt sicher nach verschrumpeltem Schrumpfgermanen oder so“, stoße ich kichernd hervor.
Grinsend zupft Hektor an meinem Zopf, der mir über die Schulter hängt. „Am Schrumpfgermanen ist was dran, meine kleine Ka. Nichtsdestotrotz möchte ich, dass du deine dämonische Wahl überdenkst. Wie wäre es mit einem Highlander? Na? Du fährst doch total auf Kiltträger ab. Warum also nicht mit … hmmm … lass mich mal überlegen“, Hektor reibt sich mit seiner Pranke übers Drachenkinn und erzeugt dabei ein kratzendes Geräusch „wie wäre es mit Grim, du weißt schon den Berserker aus „Das Herz eines Highlanders“ von Karen Marie Moning?“
„OhmeinGott! Gavrael Roderick Icarus McIllioch, kurz Grim genannt … was für ein Kerl!“ Träumerisch schließe ich die Augen und rutsche bei diesem wonnigen Gedanken tiefer in den Bürostuhl hinein und strecke meine Beine von mir. Meine Hände können nicht still halten als ich den Highlander beschreibe. „Er ist an die 1,90 groß! Hat lange schwarze Haare, die links und rechts an den Schläfen zu Kriegerzöpfen geflochten sind. Oh la la, was er da mit Jillian in diesem Speisesaal veranstaltet hat! Himmel. Arsch und Zwirn, Hektor! Da ist sogar ein Tisch zu Bruch gegangen. War das heiß! Und seine Augen erst. Seine Augen! Er hat wunderschöne Augen. Verdammich, sie sind gletscherblau …“, abrupt stoppe ich mitten in meinem Loblied über Grim, währenddessen die Miene meines Drachen immer düstere geworden ist. „Hektor? Sie sehen aus wie deine. Nur das deine Augen real sind, während seine, na ja, eben fiktiv sind. Deine sind mir definitiv lieber.“ Hektors Augen funkeln erfreut auf. „Weißt du was? Sollte ich in einem Aufzug stecken bleiben“, schnell springe ich vom Stuhl auf, stecke meine Hände in Richtung seines Kopfes, um ihn zu mir nach unten zu ziehen, was gar nicht so einfach ist bei seiner Größe, doch zum Glück kommt er mir entgegen „würde ich mir wünschen, dass du dabei wärst.“ Sanft pustet mir Hektor durch die Nüstern warme Luft ins Gesicht, so dass die Haare, die sich aus meinem Zopf gelöst haben, leicht um mich herum wehen. „Dazu müsstest du dich sicherlich etwas klein falten“, fahre ich schmunzelnd fort „das kannst du doch, oder? Ich stecke so mit jemanden fest, den ich persönlich kenne und sehr gern … ähm .. der mich sehr schnell retten kann.“ Kaum ausgesprochen, gebe ich meinem Drachen einen Kuss auf die Nasenspitze.
Fassungslos sieht mich Hektor an und ist das erste Mal, seitdem er bei mir aufgetaucht ist, sprachlos.

Drachen! :3  ( 13.7.2019 © Ka, Meine tägliche Dosis )